Do. 16.05.19

 

Wir sind ja gespannt, ob heute der Tag noch aufhellen wird und wir eventuell doch noch hoch zum Aussichtspunkt am Mt. St. Helens fahren können. Aber schon beim Aufwachen beginnt es wieder zu tröpfeln und der Regen nimmt auch noch zu gegen Mittag, so dass uns die Entscheidung abgenommen wird und es eindeutig ein „Wir bleiben in der Mupfel“-Tag wird. Da wir immer noch zwei Wochen mit Schreiben in Verzug sind, kommt so ein Regentag eigentlich genau richtig. Strom haben wir ja jetzt auch wieder, der Kühlschrank ist voll, also eine Kanne Tee gekocht und ran ans Hackbrett.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Parkplatz Sedimentation Retention Dam, Mt. St. Helens, GPS: 46.363902, -122.559381, sehr schöner großer Platz auf dem Weg zum Mt. St. Helens, sehr ruhig, sehr empfehlenswert

 

 

 

 

 

 

Fr. 17.05.19

 

Es nieselt immer noch leicht als wir aufwachen. Richtung Mt. St. Helens hängen die Wolken recht tief. Aber es hilft nichts. Noch einen Tag wollen wir nicht investieren. Wir beschließen, hoch zum Johnston Ridge Observatory (roter Kreis) zu fahren. Wenn der Regen zu heftig wird und die Chancen schlecht stehen auf wolkenfreie Sicht, drehen wir unterwegs halt wieder um.

Auf dem Weg nach oben zeigt sich dann doch öfters die Sonne und die Wolkendecke reißt auf. Vielleicht haben wir Glück und ergattern oben an der Aussichtsplattform wenigstens für kurze Zeit einen Blick auf einen freien Mt. St. Helens. Ursprünglich wollten wir ja auf der Ostseite bis zum Krater und zum Spirit Lake (grüner Kreis) hochfahren, aber die Straßen auf der Ostseite sind wegen Schnee und Eis noch geschlossen und werden wohl auch nicht vor Ende des Monats geöffnet. Wie schon berichtet, konnte die Westroute hoch zum Vulkan bereits am Mittwoch freigegeben werden, rechtzeitig zum morgigen Jahrestag des Ausbruchs am 18.5.1980.

Unterwegs auf der etwa 80km langen Strecke hoch zum Johnston Ridge Observatory überqueren wir die eine oder andere Brücke, die in den Jahren nach dem Ausbruch über die Asche-Canyons gebaut wurden, um das Gebiet wieder zu erschließen, zum einen als Touristenattraktion und zum anderen als riesiges Live-Forschungsgebiet. In einigen größeren Gebieten wurde gezielt Aufforstung durchgeführt, während andere Bereiche sich selbst überlassen wurden/werden. Betrachtet man die Bilder genauer, erkennt man, wie die Natur, sprich der Wald, die Ödnis zurückerobert. Nur tief unten im Canyon, wo das Schmelzwasser abfließt, herrscht noch zerstörerische Kraft. Was inzwischen grün, bewaldet bzw. renaturiert ist, war/ist komplett mit Asche bedeckt oder verbrannt. Auf dem letzten Foto gut zu erkennen verbrannte Holzstämme in den enormen Ascheschichten und darauf die dünne zarte Schicht der jungen Flora-Generation.

Mit der Menge an Asche, die vom US Army Corps of Engineers aus dem Cowlitz und Columbia River zwischen 1980 bis 1987 gebaggert wurde, könnte eine 12spurige Autobahn, 30 cm dick, von New York City nach San Francisco gebaut werden.

Auf dem Parkplatz oben am Johnston Ridge Nat'l Volcanic Monument Observatory treffen wir zufällig auf ein anderes Paar Langzeitreisende, die wir schon einmal in Texas, auf dem Weg vom Big Bend NP nach Norden, in der Stadt Marfa gesehen haben. Die beiden reisen mit einem großen Campingreisebus mit einem Smart als Ausflugsfahrzeug im Gepäck. Sie sind jünger als wir, hatten eine Firma, die sie verkauft haben, wodurch sie sich problemlos längere Reisen leisten können. Zwischendurch fliegen sie auch mal für einen Geburtstag oder eine Hochzeit nach Hause bzw. zu einem Kurzurlaub auf Hawaii, wie es sich halt so ergibt.

 

Auf der Aussichtsplattform angekommen sehen wir immer noch dicke Wolken um die abgesprengte Spitze des schneebedeckten Berges ziehen. Der Wind ist stark, die Wolken ziehen recht schnell. Im Westen werden die Löcher in der Wolkenwand immer größer und lassen hoffentlich bald einen freien Blick auf den Berg zu.

Wir warten, hören uns den ersten Freiluftvortrag der Ranger dieses Jahr an und sehen einen Film im Visitor-Center. Die Rangerin zeigt Kopien der ersten direkt vom Ridge aus gemachten Fotos des Vulkanausbruchs. Ein Fotograf saß tagelang hier oben, um im entscheidenden Augenblick vor Ort zu sein, immer in Kontakt mit Seismographen vom Cascades Volcano Observatory in Vancouver/Washington. Ihr Vortrag ist interessant und kurzweilig dargeboten. Die Naturzerstörung war enorm. Abgesehen davon gab es 57 Todesopfer. Der Radius der Evakuierungszone wurde zu eng berechnet.

Nach ca. 2 Stunden Info-Input haben wir doch noch Glück und der Vulkan zeigt sich fast komplett frei.

Die Bilder im Visitor-Center veranschaulichen, mit welcher Wucht der Berg am 18.05.1980 explodiert ist.

2005, nach über 25 Jahren, gab es wieder heftige Erdbeben und kleinere Ausbrüche. Der Berg arbeitet immer noch und wird weiterhin minutiös von Wissenschaftlern und automatisierten Sensoren beobachtet und vermessen.

Die gute Sicht auf den Berg wird schlechter und Wolken ziehen sich dunkel zusammen. Es nieselt wieder. Wir brechen auf, müssen ja noch runter fahren. Die Straße hoch zum Observatory ist leider eine 80 km lange Dead End Road / Sackgasse. Auf dem Weg nach unten machen wir noch einen kurzen Stopp an dem durch die Landschaftsumformung entstandenen Coldwater Lake. Der Trail um den See ist immerhin über 8 Meilen / rd. 13 km lang. Aber auf Grund des Wetters und den auch hier schon sehr tief hängenden Wolken, macht es uns nicht an, hier noch zu wandern.

Schon 48 Meilen / rd. 78 km weiter verlassen wir die Interstate #5 wieder und nehmen den Hwy#12 nach Osten Richtung Mount Rainier. Der Hwy führt nahe am Riffe Lake vorbei, wo man kostenlos auf BLM-Land direkt am Ufer bis zu 14 Tage einparken kann. Es sind schon andere Camper hier, aber es ist reichlich Platz. Am Ufer des Sees liegen unzählige Baumleichen, die noch vom Vulkanausbruch übrig sind.

Das war heute wieder ein langer Tag. Anstrengend, sowohl für uns als auch für den Moppel, der heute viele Höhenmeter (1200m) bewältigen musste, und so geht es nicht allzu spät ins Bett.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Riffe Lake, Mt. Rainier, GPS: 46.487443, -122.184627, reichlich Platz direkt am See, empfehlenswert

 

 

Sa. 18.05.19

 

Der Himmel ist heute Morgen wieder mit großen Wolken durchsetzt. Wir vertrauen auf unser Glück und nehmen die Auffahrt zum Visitor-Center in Paradise am Mount Rainier, dem höchsten Vulkan in der Cascade Mountain Range bzw. in den 'lower' US-Bundesstaaten (ohne Alaska). Um seine 14410 ft (4392 m) hohe Spitze herum befinden sich 25 Gletscher, wobei der eine oder andere wegen der Klimaerwärmung demnächst verschwunden sein wird.

Schon bei der Anfahrt durch endloses Waldgebiet sehen wir durch die eine oder andere Lücke den Berggipfel und freuen uns, dass die Sonne oben scheint und keine Wolken zu sehen sind.

Bevor der eigentliche Aufstieg beginnt, müssen wir noch am Tor zum Nationalpark unseren genialen „America the Beautiful“-Pass zeigen und haben damit wieder einmal freien Einlass. Nach oben, über zig Serpentinen, haben wir immer wieder einen Blick auf die schroffe felsige Umgebung des Mount Rainier. Oben in Paradise zeigt sich der Berg von seiner schönsten Seite: In voller Pracht in der Sonne funkelnd. Wir sind total happy, den Vulkan bei völlig wolkenlosem Himmel zu sehen, was wohl keine Selbstverständlichkeit ist, vor allem nach dem wechselhaften Wetter in den letzten Tagen.

Die Parkplätze in der Nähe des Visitor-Centers sind voll belegt. Wir stellen uns an den Rand des Parkplatzes und Marion geht ins Visitor-Center. Während des Wartens kommt winkend eine ältere, aber sehr rüstige, braungebrannte Dame auf mich zu und begrüßt mich mit bayrischem Dialekt. Es ist Annemarie, aufgewachsen mitten in München, die vor über 50 Jahren mit ihrem Mann (ehemaliger Soldat) nach USA ausgewandert ist und über mehrere Stationen hier am Berg gelandet ist. Sie wohnt gleich außerhalb des Nationalparks, hat dort viele deutschsprachige Auswandererfreunde, und hier am Berg ist sie bei den einheimischen Amerikanern bekannt wie ein bunter Hund. Im gleichen Dorf wo sie wohnt, lebt mit fast 90 Jahren auch der erste amerikanische Everest-Besteiger, den sie auch immer wieder oben am Berg angetrifft, Bergsteiger aus Leidenschaft, in kurzen Hosen den Berg hoch. Ihr Mann ist inzwischen verstorben, aber sie ist als Volunteer im NP sehr aktiv, ist an jedem schönen Tag am Berg, meistens zum Schneeschuhwandern, und begrüßt mit Vorliebe die deutschen Touristen in ihrer herzlichen bayrischen Art. Als Marion zurück ist, unterhalten wir uns über eine halbe Stunde, da das Erlebte von Annemarie sehr spannend ist und sie mit ihren inzwischen 82 Jahren eine unbändige Energie ausstrahlt. Hoffentlich sind wir in diesem Alter auch noch so fit und können unsere Zeit so intensiv nutzen.

Nach dem tollen Gespräch fahren wir auf einen abseits gelegenen Ausweichparkplatz zu einem kleinen Mittagessen, haben dort eine ebenso tolle Aussicht auf den Berg und als bettelnde Nachbarn die Grey Jays (Perisoreus canadensis), ein Verwandter der dunkelblauen Blue Jays, die wir viel im Osten von Kanada gesehen haben. Wir füttern natürlich nicht. Dies führt nur dazu, dass sie immer noch aggressiver die Touristen angehen und, wie Annemarie uns erzählte, sogar durch geöffnete Fenster in Fahrzeuge fliegen, um evtl. etwas zu ergattern.

Wir am Mount St. Helens ist auch hier die Ostseite des Berges noch zu, die Straßen dorthin bzw. die Straßen von Süd nach Nord wegen Schnee geschlossen. Wir können auf der Verbindungsstraße bis runter zu den Reflection Lakes fahren, aber dort ist dann Schluss. In den Seen, wenn sie dann eis- und schneefrei sind, spiegelt sich der Berg toll. So müssen wir mit einem Abbild in einer kleinen aufgetauten Fläche vorliebnehmen.

Von hier aus haben wir einen guten Blick auf die Spitze mit den verschiedenen Gletscherarmen, die sich von der Spitze her ausbreiten.

Auf dem Weg wieder nach unten kommen wir am Narada Fall vorbei. Von oben ist der Wasserfall nicht gut zu sehen. Ein kurzer herausfordernder Abstieg auf einem steilen Schneestück, vor allem für viele Touris mit ihren Sandalen, und er zeigt sich von seiner schöneren Seite. Die Sonne scheint in die Gischt und erzeugt einen kleinen Regenbogen.

Der Nisqually Gletscher ist einer der sehr aktiven Gletscher, der sich im Sommer sehr weit nach oben zurückzieht, bei der Schneeschmelze dann viel Geröll und sonstiges Material über einen Canyon ins Tal verfrachtet, bevor er im nächsten Winter wieder mit bis zu 3 ft / 90 cm pro Tag wächst. Wir überqueren die vom Gletscher übriggelassene Gerölllawine auf einer Brücke, die wir sehr schön von einem weiter oben liegenden Aussichtspunkt sehen.

Der ganze Nationalpark ist durchzogen mit kurzen bis sehr langen Wegen, die dank der hohen Gletscherdichte alle an reißenden Bächen und Wasserfällen vorbeiführen. Auf unserem motorisierten Abstieg nehmen wir als weiteren Stopp noch die Christine Falls mit.

Außerhalb des Nationalparks kommen wir an der Alexander Lodge vorbei, die in den meisten Reiseführern beschrieben wird. 1912 erbaut strahlt sie heute noch diesen aus vorigem Jahrhundert-Charme aus, weshalb eine Übernachtung darin empfohlen wird.

Da es noch nicht sooo spät ist wollen wir noch ein gutes Stück Richtung Pazifikküste fahren. Als erstes mögliches Übernachtungsziel haben wir uns ein südlich von Olympia (übrigens die Hauptstadt von Washington) gelegenes Casino ausgesucht. Der Casino-Parkplatz liegt gegenüber der Durchgangsstraße und kommt daher nicht in Frage. Wir fahren nochmal zurück zur letzten kleineren Stadt mit Walmart und einem italienischen Restaurant mit Holzofenpizza. Das Thema Pizza ist gestrichen als wir sehen, dass die günstigen Pizzen bei 25$ beginnen. Also weiter. An einem hochgelegenen Kirchengrundstück mit einer Bank auf einer Wiese für jedermann können wir noch einmal die Topsicht auf den Mt. Rainier genießen, der immer noch in seiner vollen Pracht fast wolkenfrei zu sehen ist.

Als wir erneut die I#5 kreuzen, steuern wir noch eine Rest Area an, wo wir kostenlos dumpen und Frischwasser tanken, bevor wir in den Capitol State Forest fahren und dort auf einem der ausgewiesenen primitive campsites für die Nacht einparken. Mit unserem Washington Discovery Pass müssen wir nichts bezahlen, haben einen tollen Platz im Loop C direkt unter den großen Tannen mit einer Feuerstelle. Auf dem Weg von der Selbstanmeldung zurück wird noch liegengelassenes Feuerholz von unbesetzten Plätzen eingesammelt und während Marion das Abendessen bereitet, starte ich das Lagerfeuer. Als es am Schönsten brennt ziehen dunkle Wolken auf und es fängt wieder an zu regnen. Laut Wetterbericht soll es nach diesem sonnigen Tag bereits heute Abend und Morgen wieder regnen. Schade. So müssen wir aus dem Fenster zuschauen, wie der Regen unser Feuer langsam löscht. Die Glut bekommt zusätzlich eine Schüssel Spülwasser, damit nicht doch noch ein Unglück passiert so lange wir schlafen, obwohl das Risiko bei soviel Feuchtigkeit eher gering ist.

 

Übernachtungsplatz:

Margaret McKenny Campground mit Washington Discovery Pass, Capitol State Forest, GPS: 46.924209, -123.060583, sehr schöne Plätze mitten im State Forest, Fire Pits, Pit Toilets, sehr empfehlenswert

 

 

So. 19.05.19

 

Leider stimmt die Wettervorhersage und es hat sich richtig eingeregnet. Dann machen wir halt mal wieder einen Pausentag. Wieder viele Eindrücke den letzten beiden Tagen. Wegen des Regens haben wir die Hütte nicht verlassen und es komplett verpennt, von dem schönen Waldstellplatz ein paar Bilder zu machen.

 

Übernachtungsplatz:

Margaret McKenny Campground mit Washington Discovery Pass, Capitol State Forest, GPS: 46.924209, -123.060583, sehr schöne Plätze mitten im State Forest, Fire Pits, Pit Toilets, sehr empfehlenswert

 

 

Mo. 20.05.19

 

Das Wetter hat sich nur wenig verbessert. Wir fahren trotzdem weiter Richtung Küste bzw. nach Norden auf die Olympic-Halbinsel.

Die Straße nach Aberdeen und die Hafenstadt selbst unspektakulär. Wir organisieren noch Bargeld auf einer Bank – mit Cash bezahlt spart das nochmal 5 Cent/Gallone, was bei unserem Tankvolumen nicht unerheblich ist.

Zwischendurch noch dringend mit zuhause chatten: Oli hat heute Geburtstag!

Von Aberdeen auf der #101 wieder etwas im Landesinneren nach Norden über Jumptulips bis Amanda Park, von wo aus es wieder raus an die Küste geht. Auf der Strecke nach Norden durchqueren wir schon die ersten Ausläufer des Olympic NP und National Forest. Fast die komplette Halbinsel im Westen von Seattle und dem ausufernden Puget Sound sind beherrscht von dem Park und diversen State oder National Forests, in dessen Mitte der Mt. Olympus umgeben von mehreren Gletschern thront. Regen. Schade. Die Ginsterbüsche, gerade in voller Blüte, würden in der Sonne grell leuchten.

An der Küste kommen wir an der Kalaloch Rangerstation vorbei. Wir wollen uns dort nach einer Karte mit allen Campgrounds zu unserem Discovery Pass erkundigen. Gibt es zur Zeit leider nicht, aber einiges an Infos zur gesamten Halbinsel und den Tipp beim Ruby Beach vorbeizuschauen. Dieser Strand mit seinen vom Meer flach geschliffenen Steinen und dem vielen Treibholz/Baumstämmen, die über Flüsse aus dem Landesinneren ins Meer gelangten, ist wohl mindestens so schön wie der in allen Reiseführern beschriebene und nur über einen großen Umweg zu erreichende Rialto Beach.

Wir kommen an mehreren Beach Parkplätzen vorbei, auf denen aber leider nicht mehr übernachtet werden darf, wenigstens offiziell. Wir fahren weiter, haben keine Lust nachts von einem Ranger fortgejagt zu werden. Ruby Beach ist, wie von der Rangerin beschrieben, voll mit rundgeschliffenen Steinen und jede Menge Strandholz, kein Kleinholz sondern richtig dicke Baumstämme. Hier macht die wildromantische Küste Washingtons ihrem Namen alle Ehre und solltet ihr hier vorbei kommen, müsst ihr hier unbedingt Halt machen. Wunderschön hier. Trotzdem, den 100km Umweg zum Rialto Beach werden wir nicht machen.

Weiter auf der #101 von Ruby Beach ins Landesinnere entlang am Hoh-River, dem wir Morgen bis ins Nationalparkgebiet zum Hoh Rainforest folgen werden.

Heute bleiben wir noch außerhalb des NP in der Nähe des Highways, und zwar auf einer Campsite, wo wir unseren Discovery Pass wieder zum Einsatz bringen können. Auf dem Campground sind an die 10 Plätze mit Feuerstellen und Bänken. Wir ergattern einen freien Platz direkt unten am Fluss und nach etwas rangieren stehen wir einigermaßen eben.

Unsere Nachbarn haben ein mit Holzofen beheizbares Zelt und sind auf dem Weg nach Alaska, wo sie sich ein riesiges Grundstück in der Wildnis gekauft haben und dort in Zukunft leben und ihr noch kleines Baby aufziehen wollen. Er hat wohl einen Job bekommen und will sich mit Jagen/Fischen zusätzlich über Wasser halten. Die beiden nehmen allerdings die Fähre, im Gegensatz zu uns, um schnell nach Alaska zu kommen, um den Sommer komplett zu nutzen und sich eine erste einfache Blockhütte zum Überwintern zu bauen.

Wir wünschen viel Erfolg und sammeln noch etwas Brennholz am Ufer für ein Lagerfeuer. Während es schon so richtig brennt, beginnt es wieder zu nieseln, also die großen Holzstücke gleich wieder aus dem Feuer. Nach 20 Min. hört es wieder auf und wir können doch noch unser Lagerfeuer genießen, bis auch die letzten Holzbrocken verbrannt sind.

 

Übernachtungsplatz:

Hoh Ox Bow Campground mit Washington Discovery Pass, Olympic National Forest, GPS: 47.811616, -124.249705, kleiner Campground, liegt toll am Fluss. Ideal, wenn man im Olympic Nationalpark unterwegs ist.

 

 

Di. 21.05.19

 

Wir haben gut geschlafen und starten zeitig, da wir heute im Hoh Rainforest wandern und noch ein gutes Stück der Olympic-Halbinsel umrunden wollen.

Kaum sind wir auf dem Highway, müssen wir auch schon wieder auf der anderen Seite des Hoh-Rivers ins Landesinnere abbiegen. Wir folgen dem Fluss über 30km Richtung Mt. Olympus, zu dessen Fuß sich der Regenwald ausbreitet. Das Flussbett führt im Moment nicht allzu viel Wasser, aber an den vielen Baumstämmen sieht man, dass hier auch ganz andere Wassermassen hinunter rauschen. Und nun sehen wir auch, wo die Stämme entlang der Pazifikküste Washingtons herkommen. Kurz vor Erreichen des Visitor-Centers sind in der Ferne schon gut die weiß gedeckten Gipfel der zentralen Olympic Mountains zu sehen.

Die Halbinsel bietet für Flora und Fauna fast jeden möglichen Lebensraum von der Küste bis zu den hochalpinen Gipfeln des Zentralmassiv. Die schweren Wolken vom Ozean stauen sich vor diesen Bergen und laden hier entsprechend hohe Mengen an Wasser ab. Die meisten der Bäume im Regenwald, einige Exemplare bis zu 1000 Jahre alt, sind auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit dick mit Moos bewachsen. Es gibt zwei interessante Trails ausgehend von der Rangerstation, zum einen entlang des Flusses immer tiefer in den Regenwald hinein und zum anderen einen schönen Rundwanderweg, unter anderem durch die „Hall of Mosses“, also einem Gebiet in dem wunderschöne Baumriesen total dicht mit Moos bewachsen sind.

Wir starten zuerst mit dem Rundweg und sind wie die meisten fasziniert von den in allen Grüntönen leuchtenden mit Moos bekleideten Bäumen. Gleich zu Beginn darf Marion mal wieder einen Riesen umarmen, wobei hier die Besonderheit ist, dass es sich nicht um einen der gigantischen Redwoods oder Sequoias handelt, sondern um eine Sitka-Fichte. Unsere alten Fichten und Tannen im Schwarzwald sind nur junge Schösslinge gegenüber diesem Methusalem.

Was uns hier besonders auffällt ist, dass viele jüngere Bäume auf den alten umgestürzten wachsen und die Baumleichen mit ihren Wurzeln umschlingen, bevor sie sich im Boden verankern. Oft sieht man nur noch das übriggebliebene aktive Wurzelwerk, der alte Stamm ist durch Pilze, Bakterien und sonstiges Getier und liefert die Nährstoffe für die neuen Bäume über einen langen Zeitraum.

Im Anschluss gehen wir noch ein Stück des seeehr langen Hoh River Trails entlang (bis zu seinem Ende hoch oben bei den Gletschern 26,3 mi / ca. 42 km), kehren dann nach 1 km wieder um, weil 1. dann doch zuuuuu lang und 2. der vorangegangene Rundweg schon so toll und ramontisch gewesen ist, was nur schwer zu toppen ist. Außerdem wird vor uns bzw. um uns herum eine Schulklasse lärmend auf dem Trail getrieben – sie müssen auf dem Trail ausgelegte Zettel einsammeln und Fragen dazu beantworten. Das ist dann doch etwas nervig (Gekicher, Geplapper, Geschrei); von wegen 'Stille in der Natur'. - Aber wir waren ja auch nicht anders, oder?!

Raus aus der Natur zurück auf die Straße, entlang am Fluss Richtung Westen zum Highway, sehen wir auf einer Kiesbank mitten im Flussbett eine Herde der großen Elks / Hirsche bei der Mittagsruhe. Die Kamera voll ausgefahren, werden die Tiere auf den Sensor gebannt.

Der Highway umrundet das nationale Schutzgebiet auf der Halbinsel in großem Bogen und führt uns auf der Nordseite zum Lake Crescent. Der See, eingebettet im Wald zwischen Bergen, erinnert uns spontan an die Seen in der Schweiz und Oberitalien. Und endlich hat sich auch das Wetter wieder verbessert, seit wir uns von der Küste weg nach Osten bewegen. Jetzt leuchten die blühenden Ginsterbüsche wieder etwas mehr in der Sonne.

Nachdem wir ungefähr die Hälfte des Sees auf der Südseite umrundet haben, gelangen wir zur Storm King Ranger Station. Von hier machen wir einen kurzen Trail mit leichtem Anstieg bis zu den Marymere Falls. Nach der langen Fahrt ist so ein kleiner Spaziergang genau das Richtige. Auf dem Weg zum Wasserfall gibt es mal wieder große Bäume, die umarmt werden müssen, und auf sonnenbeschienenen Lichtungen Felder mit Vergissmeinnicht (engl. Forget-Me-Not). Die mit Moosbärten behangenen Äste sehen im Gegenlicht toll aus.

Der Wasserfall ist etwas schwächlich, wegen Wenig-Wasser, aber dennoch ganz nett und als Ziel für die kleine Wanderung ein lohnender Anreiz.

Zurück am Parkplatz der Ranger Station direkt am See entdecken wir auf der Wiese zwei Rehe, die nach ihrem schwarzen Stummelschwanz benannten 'blacktailed Deers'.

Als Stellplatz für heute Nacht haben wir uns den Lyre River Campground in der Nähe der Strait of Juan de Fuca, der Wasserbarriere zwischen Washington State und Vancouver Island in Kanada, ausgesucht. Hier in der Gegend gibt es nicht gerade viele mögliche Stellplätze, deshalb nehmen wir die etwas längere Anfahrt in Kauf, auch weil dies eine Campsite für Discovery Pass Besitzer ist und wir bisher nicht enttäuscht worden sind. Wir finden ein schönes Plätzchen in der Nähe des Lyre Rivers mit Feuerstelle, Sitzgarnitur und in Schlauchweite einen frisch installierten Trinkwasserhahn mit sehr gutem Wasser. Was will man mehr.

 

Übernachtungsplatz:

Lyre River Campground mit Washington Discovery Pass, GPS: 48.150103, -123.834931, kleiner Campground, liegt toll an einem Fluss. Ideal, wenn man im Olympic Nationalpark unterwegs ist.

 

 

Mi. 22.05.19

 

Wir haben herrlich ruhig geschlafen; etwas entfernt das Gemurmel des in Wurfweite liegenden Lyre Flusses. Inzwischen sind schon wieder sechs Monate vergangen und wir müssen unsere Wasserfilter mal wieder wechseln. Die sind sicherlich nicht verdreckt, wir tanken ja nur gutes Trinkwasser, aber da auch in den Filtern der Biofilm mit der Zeit wächst und der Kohlefilter seine Kapazität zum Binden von Chemikalien und sonstigen Duftnoten wie z.B. Chlor verliert, wird empfohlen, nach 6 Monaten oder nach 10.000 Litern (wir kommen ungefähr auf die Hälfte) die Filter auszutauschen. Mit der letzten Paketlieferung nach Santa Cruz in Kalifornien haben wir zwei neue Sätze Filter erhalten und sind daher gut gerüstet. Hier am Platz gibt es einen neu installierten Trinkwasserhahn, dessen Wasser nach meinen Leitfähigkeitsmessungen relativ wenig Salze enthält und gut schmeckt. Nach dem Frühstück wird also die gesamte Filteranlage ausgebaut, Behälter geputzt und die neuen Filter eingesetzt. Prüfen der Dichtigkeit unter Druck und anschließendes Füllen der Tanks, fertig! Diese Aktion hat natürlich Zeit gekostet, so dass es schon beinahe Mittag ist, bis wir vom Platz kommen.

Weiter geht's auf dem kürzesten Weg nach Port Angeles, Fährhafen. Von hier aus könnten wir mit der Fähre direkt nach Vancouver Island in Kanada übersetzen. Auf der Strecke haben wir von erhöhten Punkten aus immer wieder einen guten Blick über die Meerenge rüber nach Vancouver Island.

Kurz vor Port Angeles durchqueren wir ein First Nation Gebiet und sehen, dass der Diesel für 3,099$/Gal (=0,72€/l) angeboten wird. Das ist der niedrigste Preis, im ganzen Staat Washington, laut Gasbuddy/Internet. Blinker raus und für 320$ alle Tanks vollgemacht. Außerdem gibt es hier Ethanol-freies Benzin, mit dem hoffentlich unser Stromgenerator wieder läuft.

Von Port Angeles geht es auf 17 Meilen / ca. 27 km steil den Berg hoch direkt in den Olympic Nationalpark zur Hurricane Ridge. Von dort oben aus haben wir einen herrlichen Blick auf die volle Breitseite der schneebedeckten Olympic Mountains. Super!

Hier machen wir erst mal Mittagspause, beobachten eine Gruppe blacktailed Deers und genießen dabei in aller Ruhe die sonnenbeschienene Superaussicht.

Am Horizont ziehen schon wieder böse Wolken auf, die laut Wetterbericht die nächsten Tage für Schlechtwetter sorgen. Wie so oft werden wir wieder von anderen Reisenden auf unser Mobil angesprochen. Dabei erzählt uns ein Paar, dass sie schon 11 mal hier oben waren und noch nie solch eine tolle Sicht hatten. Wir Glücklichen! Wie schon am Mt. St. Helens und Mt. Rainier haben wir einen Tag mit bestem Wetter erwischt. Genial.

Auch hier oben sieht man deutlich die Folgen des Klimawandels. Einer der vielen Gletscher, hier der Lilian Glacier, ist fast verschwunden, nur der Schnee vom letzten Winter liegt noch.

Wir gehen noch ein kurzes Stück den Hang hinauf, denn von dort aus können wir auf die San Juan de Fuca Meerenge und bis rüber nach Vancouver Island in Kanada schauen.

Auf den gerade erst vom Schnee befreiten Wiesen blühen in zartem Gelb die Glacier Lilien, die nur in solchen Höhen vorkommen.

Die Abfahrt nach Port Angeles mit den vielen Serpentinen dauert mindestens so lange wie die für den Moppel doch sehr anstrengende Auffahrt. In Port Angeles nutzen wir noch kurz das verfügbare Netz, um den Status unseres Paketes abzurufen (hängt noch in Ontario 'rum) und kaufen noch eine Kleinigkeit ein, bevor wir zu unserem heutigen Übernachtungsplatz aufbrechen. Wir haben zwei zur Auswahl, entweder ein ruhiger Parkplatz beim 7Cedars Casino, oder ein Gravelplatz mitten im Wald mit einer längeren Anfahrt durch den Wald. Der Platz beim Casino passt und wir haben sogar noch einigermaßen Internet. P geht ins Casino zur Registrierung und bekommt den Permit, um auf dem Platz kostenlos zu übernachten. Zuerst überlegen wir, ob wir ins Casino in eines der Restaurants gehen wollen, aber da wir noch einige der frischen Lebensmittel vor Grenzübertritt nach Kanada 'vernichten' müssen, kocht M leckere Tagliatelle mit Schinkensahnesoße.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen 7Cedars Casino, Blyn, GPS: 48.020253, -123.011593, großer Parkplatz. Man benötigt einen kostenlosen Spielerpass, um den ebenfalls kostenlosen Permit an einem zweiten Schalter zu erhalten. Relativ ruhig, Restaurants waren uns zu teuer, kein Buffet, als Zwischenstopp empfehlenswert.

 

 

 

 

Do. 23.05.19

 

Heute Morgen müssen wir uns entscheiden. Sollen wir in Port Townsend mit der Fähre nach Fort Casey übersetzen und dann ab Burlington auf der I5 nach Norden zur kanadischen Grenze fahren? Aber Seattle wollen wir eigentlich auch nicht ganz unter den Tisch fallen lassen, selbst wenn dies bedeutet, dass wir wieder etwas nach Süden abdriften werden und sich die Fahrt nach Alaska um ein paar Tage verzögert. Unser Paket mit den Ersatzteilen aus der Heimat ist noch irgendwo in Ontario unterwegs und außerdem ist die Wettervorhersage für Seattle 'Heute Sonne pur'. Warum also noch lange überlegen? Wir geben Gas. Die Sonne scheint, wir fahren durch schöne Gegend, über zum Teil langgestreckte Brücken, bis nach Bainbridge Island zur Fähre über den Puget Sound rüber nach Seattle.

Im Fährhafen haben wir gerade eine Fähre verpasst und müssen zusehen, wie sie ohne uns ablegt. Schade. Also warten. Für die nächste Fähre in 45 min stehen wir dafür in der Pole Position. Wir bezahlen die 56,90 US$ Gebühren für die einfache Fahrt und klettern für eine Mittagspause hinten rein. Auf der Fahrt über den Sound haben wir Zeit und vertreten uns die Beine auf Deck, strecken die Nase in den Wind und machen ein paar Fotos.

In Seattle machen wir uns zuerst auf die Suche nach einem Parkplatz für unseren Moppel. Entlang der Waterfront an den Piers finden wir nichts, viele Baustellen. Bevor wir weiter suchen, kommen wir in die Nähe eines Punktes auf unserer Seattle-ToDo-Liste, dem Kerry Park. Der Park liegt auf einem Hügel, in einem tollen Villenviertel, von wo aus wir einen phantastischen Ausblick auf die Skyline von Seattle mit Hafen und Space Needle haben.

Von hier aus fahren wir Richtung Space Needle und finden etwas unterhalb Richtung Waterfront einen Parkplatz am Straßenrand, bezahlen für die nächsten vier Stunden die Parkuhr und schnallen die Fahrräder ab. Seattle mit seinen Hügeln und der weitläufigen Waterfront bietet sich für eine ausgedehnte Tour mit den e-Bikes an, besonders, da auch Seattle wieder großzügig mit Fahrradwegen durchzogen ist und wir problemlos parallel zu den Autospuren durch die Stadt radeln können.

Zuerst den Hügel hoch zur Space Needle. Sie befindet sich auf einem größeren Areal, wo noch andere Sehenswürdigkeiten untergebracht sind. Zum einen der 'Chihuly Garden and Glass' und das MOPOP 'Museum of Pop Culture', schon von Außen ein absoluter Hingucker – das Gebäude inkl. die umgebenden Skulpturen.

Wir möchten den Chihuly Glasgarten besichtigen, da wir schon Werke des Glaskünstlers im Bellagio Casino in Las Vegas bewundern konnten. Aber der Eintrittspreis von 25 US$/Pers. +Tax ist uns dann doch zu happig. Das Hauptwerk besteht aus 1340 bunten Glasblumen ähnlich denen im Bellagio in Las Vegas, wo sie frei zugänglich waren. Für das Museum of Pop Culture fehlt uns die Zeit und das Wetter ist zu schön, um es in einem Museum zu verbringen, so dass wir es nur umrunden und die außen stehenden Skulpturen ablichten.

Ab Morgen findet hier ein größeres Festival mit viel Kultur, Künstlern, Krimskrams, Essen... übers Wochenende statt. Das wäre mal nett gewesen, allerdings meldet der Wetterbericht für das ganze Wochenende nur starken Regen und Temperaturabfall. Das Fest wird wahrscheinlich ertränkt. Schade, an den Aufbauten der Stände sehen wir schon einiges Interessante.

Jetzt radeln wir auf verschlungenen vom Navi geleiteten Wegen durch die Stadt runter zur Waterfront zum historischen Pike Place Market, dem seit mehr als einem Jahrhundert stattfindenden ältesten ununterbrochenen Bauernmarkt der USA. Hier findet man alles, Kunst, Blumen, Obst, Delikatessen, Nippes und natürlich allerlei frisches Meeresgetier, sogar fliegende Fische, wenn sich die Verkaufsjungs große Lachse mit viel Schwung über mehrere Meter hinweg zuwerfen und die glitschigen Brummer geschickt im letzten Moment vor den Augen der Touristen fangen. Man rechnet immer damit, dass es schief geht und Kunden von dem silbernen Geschoss getroffen werden. Aber solange wir zuschauen, geht's immer gut. An einem anderen Stand können wir Smoked Salmon probieren. Hmmmmmm, der schmeckt wirklich megamäßig, aber schon 100gr würden unser Budget sprengen. Wir hoffen, in Alaska günstiger an die Leckerei zu kommen.

In derselben Straße, gleich gegenüber vom Markt, befindet sich auch die allererste, historische Starbucks-Filiale der Welt. Ein Käffchen wäre jetzt doch nett. Aber um reinzukommen und dort einen Kaffee kredenzt zu bekommen, müssten wir mindestens eine halbe Stunde anstehen, und so machen wir es wie die meisten anderen Touristen: Ein paar Bilder von Außen, Augen zu und einmal tief den frischen Kaffeeduft einatmen - hmmm. Nebenan gibt es eine frische heiße gefüllte Brottasche als kleinen Trost und Wegzehrung.

Weiter entlang der Waterfront zu einem auf der Strecke liegenden höher gelegenen Aussichtspunkt mit grandiosem Blick auf die Skyline, den Hafen und das Riesenrad, das Seattle Great Wheel.

Danach zum Skulpturenpark; die wohl bekannteste Skulptur hier ist die große weiße Kopfbüste mit dem Namen ECHO. Es stehen noch einige weitere Kunstwerke im Park, die einem mehr oder auch mal weniger sagen. (Um Götz zu zitieren: Ist Kunst, oder kann weg!)

Die Zeit rast, der Nachmittag neigt sich dem Ende zu. Wir haben doch einiges mit dem Fahrrad in der Stadt abgestrampelt und so machen wir uns wieder auf den Heimweg zu unserem Moppel. Ein paar Stunden sind zu wenig für diese sehenswerte Stadt. Aber, da sie wegen Zeitmangel und weil nicht optimal auf unserer Strecke liegend eigentlich gar nicht auf dem Plan stand, sind wir froh und happy, den heutigen Ausflug gemacht zu haben. Hat uns super gefallen, und sollten wir mal wieder in diese Ecke kommen, nehmen wir uns mehr Zeit für Seattle.

In und in der Nähe der Stadt gibt es keine guten Übernachtungsplätze, meistens am Straßenrand in einem Wohnviertel, wo WIR sicher zu arg auffallen. Das Snoqualmie Casino, bei der gleichnamigen Stadt, im großen First Nation Gebiet mit dem selbigen Namen, liegt nicht allzu weit entfernt. Hier soll man gut und ruhig stehen können.

Auf dem Highway raus aus Seattle können wir auf der Share the Car-Spur (2 oder mehr Personen im Fahrzeug) ganz links fahren und sind deutlich schneller als der Rest auf den beiden rechten Spuren. Erstaunlich, wie viele Fahrzeuge nur mit einer Person besetzt sind. Der Hausberg Mt. Rainier ist gut zu sehen, auch wenn sein Gipfel etwas mit Wolken verhangen ist. Hier, in den Vororten etwas außerhalb der Großstadt, gibt es viele Villen in bewaldeten Grundstücken und mit Booten am Fluss; hier wohnen die Schönen und Reichen, und ganz schön Reichen.

Nicht weit vom Casino entfernt sind die Snoqualmie Falls. Da es Morgen regnen soll, machen wir heute Abend noch den kurzen Abstecher. Vom Parkplatz nur 200m zur Aussichtsplattform, von wo wir einen super Blick auf die wirklich sehenswerten Fälle haben. Richtige Entscheidung, die Abendsonne scheint dem Kameramann perfekt in den Rücken und direkt auf die Fälle; das optimale Licht, sodass die Gischt viel deutlicher zur Geltung kommt. Wir genießen fast eine halbe Stunde lang die Sonne und den Blick auf die sich immer wieder verändernden hinabstürzenden Wassermassen. Toll, das wird uns irgendwie nicht langweilig.

An der Straße zum Casino kommen wir an einer alten Lok mit Schneefräse der Northern Pacific Railraods vorbei. Derartige Ausstellungsstücke sieht man hier im Norden öfters.

Der Parkplatz des Casinos ist riesig. Hier können wir kostenlos ohne Permit einparken, und nachdem wir ein einigermaßen ebenes Stück im PKW-Bereich gefunden haben, die RV-Plätze sind alle ziemlich schräg, fährt auch schon die Security vorbei und signalisiert mit erhobenem Daumen, dass alles passt.

Wir machen uns noch kurz frisch und gehen dann ins Casino rüber ins Restaurant im 3. Stock: Ein reichhaltiges, all you can eat-Buffet für 25$. Heute ist Seafood-Tag und jeder Gast erhält einen Gutschein für einen Hummerschwanz, und am Buffet finden wir auch endlich mal die langen Schneekrabbenbeine, die Peter schon immer mal probieren wollte. Die langen Beine werden aufgebrochen und das weiße Fleisch herausgezogen. Es schmeckt so lecker wie Hummerfleisch, vor allem wenn man es in flüssige Butter taucht. Auch die anderen Gäste wissen, was schmeckt und packen sich große Mengen Krabbenbeine auf die Teller, sodass der Warmhaltebehälter schnell leer ist und leider auch keine mehr gekocht werden. Nächstes mal nicht so zaghaft, gleich ein bisschen mehr drauf. Wenn ich/P das gewusst hätte. Aber es gibt ja noch andere Leckereien inkl. Nachtischbuffet, um kugelrund und wohlgenährt den Heimweg anzutreten. A Schnäpsle wär' jetzt nicht schlecht!

In der Nacht beginnt es, wie für den ganzen Großraum Seattle angekündigt, zu nieseln und etwas später regnet es dann richtig.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Snoqualmie Casino, Snoqualmie, GPS: 47.519826, -121.840201, große Parkplätze, liegt schön, tolle Aussicht vom Diningroom beim Buffet, keine Anmeldung notwendig, Security fährt regelmäßig das Gelände ab, empfehlenswert

 

 

Fr. 24.05.19

 

Regentag = Fahrtag. Nördlich von Seattle an der I5, an einer der vielen rest areas im Staat Washington, gibt es eine dumping station und Frischwasser, was wir auch gleich nutzen.

Nicht weit von hier in Mulkiteo befindet sich das 'Future of Flight Aviation Center' der Boeing-Werke. Eine Werksführung ist genau das Richtige bei diesem Mistwetter.

Fotografieren nicht erlaubt, auf dem ganzen Gelände. Nur im unteren Stock des Visitor Centers und auf dem Parkplatz dürfen Bilder gemacht werden. Auf der ganzen Werkstour sind Kameras, Mobilephones, etc. verboten und es wird streng kontrolliert. Am Schluss der Tour wollen wir wissen, warum Fotografieren verboten ist, welcher Sinn dahinter steckt, da doch täglich tausende Menschen durch die heiligen Hallen geführt werden. Der Hauptgrund liegt wohl in der Unfallgefahr bzw. dem Mitarbeiterschutz, da von den Galerien, von wo aus die riesigen Werkshallen mit den halbfertigen Flugzeugen bestaunt werden können, immer wieder Kameras und Handys hinunterfallen und Mitarbeiter gefährdet werden. Außerdem kann man wohl, wenn man weiß wo und was, doch manche Verschlusssache entdecken, dann halt aber nur mit dem Auge und nicht mit Zoom und Kamera. Trotzdem schade. Die Tour durch diese Mega-Hallen ist super, ganze Flugzeuge passen rein – bis auf die Flügelspitzen. Wir sehen Spitzen, die bestückt werden, Teile vom Rumpf und Heck, eine nahezu komplette 747 und eine 787 – ein ganz schöner Brummer. Die ersten hier gebauten Flugzeuge wurden noch im Freien zusammen'gebastelt', noch bevor die Werkshallen fertig erstellt waren. Geschichte und Produktion wirklich sehr interessant – nicht nur für Menschen mit Technik-Faible. Im Hof stehen einige der bereits fertig lackierten Boeings für Fluggesellschaften aus aller Herren Länder. FYI der Link zur offiziellen Boeing-Seite bzw. offizielle Videofilme auf dem Youtube-Channel über die Produktion bei Boeing: (Links einfügen !!!)

Die Führung dauert gute 1,5h und wir haben währenddessen das Gefühl, wie Vieh durch die Hallen bzw. zu den Bussen getrieben zu werden. In den Tunneln unter den Hallen, auf der rechten Spur rein, links wieder retour, heißt es sogar: „Wer schafft die 200m bis zum Aufzug als erster?“ Auf den Galerien finden jeweils zwei Vorträge mit zwei Gruppen parallel statt. Und das an einem regnerischen Wochentag außerhalb der Urlaubssaison. Was mag da wohl erst im Juli/August während der Ferien los sein? Horror! Die Tour kostet 25 US$/Pers, nicht wenig, aber sie sind es wert. Schließlich sieht man direkt in die größten Werkshallen der Welt (Volumen) und steht nur wenige Meter von der Flugzeug-Produktion entfernt, was schon sehr beeindruckend ist. Im Visitor-Center befindet sich selbstverständlich auch ein Souvenirladen, in den wir nach Ende der Tour direkt vom Bus aus verfrachtet werden. Wir sind gut, finden den Weg hindurch, ohne ein Mitbringsel zu erstehen.

 

Von Boeing aus fahren wir etwas nach Osten von der I5 weg und bewegen uns auf der parallel verlaufenden Route #9 nach Norden. In einer recreation area auf einem Trailhead-Parkplatz für Wanderer und ATV-Touren im Wald kann man wohl über Nacht stehen. Der Platz ist nicht besonders groß, an ebenen Plätzen herrscht auch nicht die große Auswahl, aber bei dem Mistwetter bleiben wir sowieso im Innern und holen die Dirtbikes nicht runter.

Gegen Abend kommen immer mehr Pickups mit ihren Quads oder Dirtbikes und trotz des Nieselwetters fahren die meisten noch eine ausgedehnte Runde durchs Gelände bis es dunkel wird. In der Mitte des Platzes wird ein großes Lagerfeuer entfacht und die Musikbox voll aufgedreht. Wir sind nicht in Stimmung und bleiben zuhause. Um Mitternacht ist es immer noch recht laut, aber unser Nachbar kommt uns zuvor, wird etwas lauter in der Kommunikation, was dazu führt, dass kurz danach endlich Ruhe einkehrt.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Walker Valley TH, Mount Vernon , GPS: 48.37562 , -122.169273, Trailhead für Dirtbike und ATV-Fahrer. Am Wochenende definitiv ein No-Go, da nachts lange Party und frühmorgens werden mit Vollgas die schalldämpferlosen Gefährte in den Wald getrieben. Nur sehr eingeschränkt zu empfehlen.

 

 

Sa. 25.05.19

 

Früh morgens, wenigstens für unsere Verhältnisse, und trotz Nieselregens, werden die Maschinen gestartet und los geht's. Während wir noch beim Frühstück sind, füllt sich der Platz nach und nach und ruckzuck ist alles belegt. Die Nachzügler sind gerade am Starten als die ersten schon wieder von der Frührunde zurückkommen. Das wird das ganze Wochenende lang so gehen. Heute definitiv nicht der geeignete Platz, um einen Tag Pause zu machen.

Wir packen zusammen, checken nochmal unsere Vorräte und den Kühlschrank, denn wir fahren heute schon zur Grenze nach Kanada.

So nahe an der Küste ist sehr viel los und bereits 10km vor der Grenze beginnt der Grenzstau. Ohhhmmm! Es gibt noch einen weiter östlich liegenden Übergang, der eigentlich nur für LKWs gedacht ist, aber laut google ist der Stau dort gleich lang. Also verbringen wir die nächsten zwei Stunden im Schritttempo Richtung Kontrolle und haben reichlich Zeit, die Landschaft draußen zu beobachten und die anderen Leidtragenden in ihren Gefährten. 2km vor der kanadischen Grenze fahren wir leicht erhöht am amerikanischen Grenzposten vorbei - dort ist fast nichts los. Viele Amis nützen wohl das lange Wochenende – Am Montag ist Labour Day.

Der Bereich zwischen den Grenzen, also das Niemandsland, wurde in einen Park umgewandelt, den einige nutzen, sich aus dem Stau ausklinken oder bei längeren Standpausen, auch mal kurz auszusteigen und zum Friedensdenkmal zu gehen.

Vor der Kontrolle teilt sich der 2spurige Strom in 7 auf und als wir endlich dran sind, gesteht uns der Grenzer, dass er sich schon gefreut hat, als wir in seine Schlange eingebogen sind. Solange er unseren Pass scannt will er natürlich alles zu unserer Reise und unserem Fahrzeug wissen. Die üblichen Fragen nach Alkohol, Waffen, Bärenspray, Drogen. Keine Frage nach Lebensmittel. Nach dem Smalltalk werden wir nach nur 5 min freundlich in Kanada begrüßt und zur sicheren Weiterfahrt aufgefordert. Schneller und freundlicher geht es wirklich nicht und keinerlei Kontrolle unseres Containers. Super! Juhu, wir sind in KANADA !

 

KANADA – BRITISH COLUMBIA – The best place on earth!

 

Trotz der Freude, endlich in Kanada angekommen zu sein, sind wir recht groggy. Der Tag ist wieder recht lang gewesen, das Fahren bei Regen und der elendig lange Grenzstau haben ihr Übriges getan. Deshalb fahren wir direkt den Walmart in Richmond südlich von Vancouver an. Bei diesem düsteren Wetter haben wir sowieso keine Lust, noch irgendwas zu unternehmen.

Wir kaufen noch Vorräte ein und informieren uns über mögliche Sim-Karten fürs Mobilephone. Aha, hier wird nicht in Englisch/Spanisch ausgezeichnet, sondern in Englisch/Chinesisch. Auch das Angebot in diesem Markt wirkt eher asiatisch. Eingeparkt wird auf einem Parkplatz hinter dem Walmart in der Nähe des Liquorshops. Da es keine Verbotsschilder gibt, hoffen wir, dass wir ungestört stehen bleiben können. Bis abends um 23 Uhr kommt noch das eine oder andere Flugzeug vorbei, aber dann kehrt Ruhe ein.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Walmart, Richmond , GPS: 49.177741 , -123.118795, wir sind auf dem kleinen Parkplatz hinten beim Liquorshop gestanden, relativ ruhig, für Durchreise zu empfehlen

 

 

So. 26.05.19

 

Nach dem Frühstück holen wir uns dann doch eine Sim-Karte. Wir hoffen, dass sich diese Investition bezahlt macht, da die Netzabdeckung in British Columbia und Yukon nicht überwältigend ist, aber vielleicht entlang der Hauptstrecken nach Norden hin und wieder nutzbar sein wird.

Nun geht es erst mal nach Vancouver rein und da es schon fast wieder Mittagszeit ist, steuern wir den Queen Elizabeth Park an, der auf einem Hügel mitten in Vancouver liegt. Hier parken wir ein, machen erst mal Pause, bevor wir uns zu einem Sonntagsnachmittagsspaziergang aufmachen, sehen uns die angelegten Beete und sonstigen Anlagen an,

gehen zur Kuppel der Bloedel Conservatory und

genießen von dort die Aussichten auf die Stadt hinunter und in die Parkanlagen.

Zurück beim Moppel prüfen wir nochmal an der Straße, ob wir nicht doch in einer gebührenpflichtigen Zone stehen oder irgendwo Verbotsschilder hängen. Wir riskieren es und bleiben einfach stehen, sitzen in der Wiese und lesen so lange bis es dunkel und frisch wird. Heute am Sonntag ist viel los, aber irgendwann sind wir alleine, auch auf den in der Nähe liegenden Sportanlagen ist niemand mehr und so richten wir uns für die Nacht ein.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Queen Elizabeth Park, Vancouver, GPS: 49.239617, -123.114148, zentral in Vancouver gelegen, nachts sehr ruhig und sicher, sehr empfehlenswert

 

 

 

Mo. 27.05.19

 

Die Nacht war super ruhig, niemand störte uns. Der gestrige Pausentag hat uns sehr gut getan, deshalb brechen wir heute ausgeruht auf, um mit unseren Fahrrädern Vancouver zu erkunden.

Vom Queen Elizabeth Park, zentral auf einem Hügel gelegen, fahren wir runter in die Stadt, quer durch Downtown und von dort zum Stanley-Park im Norden der Stadt; dort parken wir ein und starten unsere Fahrradtour. Den Stanley Park machen wir zuletzt, zuerst geht es auf Fahrradwegen an der Waterfront entlang durch schön angelegte Anlagen mit Stränden, interessanten Skulpturen (A-maze-ing laughter im Morton Park, Inukshuk – Steinmann der Inuit und Symbol der olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver und Whistler) immer mit Blick raus in die Bucht, in der einige große Schiffe vor Anker liegen.

Wir überqueren die Brücke rüber zum Vanier Park im Stadtteil Kitsilano, radeln am Yacht-Hafen entlang, vorbei an exklusiven Wohnblöcken und idyllisch angelegten Wohneinheiten – voll die Luxus-Lage direkt am Yachthafen - bis nach Granville Island.

Granville Island ist ein stillgelegter Industriestandort, in deren alten Fabriken inzwischen eine weitläufige Markthalle, kleine Restaurants, Künstlerateliers und zig kleinere Büdchen untergebracht sind. Eine tolle Ecke, wo man sich stundenlang aufhalten, Lebensmittel aus aller Welt kaufen und an einem der vielen Essstände einen leckeren Imbiss genießen kann, oder einfach durch die vielen Boutiquen und Ateliers bummeln. Leider - oder glücklicherweise - haben wir keinen Platz in unserem rollenden Haus, sonst hätten wir hier den einen oder anderen schönen Schnickschnack erstanden, wie von vielen anderen Plätzen auf unserer Reise.

Nach einem leckeren Essen kaufen wir an einem Backstand gutes Sauerteigbrot nach europäischem Rezept und entdecken zu unserer Freude einen französischen Wurst-/Fleischstand, wo wir uns noch mit wohlduftenden, geräucherten Würsten, Zungenwurst und Paté eindecken. Uns läuft jetzt schon das Wasser im Mund zusammen in Vorfreude auf das heutige Abendessen.

Von der Halbinsel aus haben wir einen schönen Blick auf das Hafenbecken, das sich bis zu den Hochhäusern in Downtown erstreckt.

Von hier aus wollen wir nach Chinatown. Von einer Brücke blicken wir auf das Gelände der Weltausstellung EXPO1986 mit der Sphärenkugel, ehemaliges Expo-Center, heute 'Telus World of Science'. Kurz überlegen: Wollen wir da rein? Aber eine Besichtigung würde den heute verfügbaren Rahmen sprengen und bei dem herrlichen Wetter wollen wir soviel wie möglich von Vancouver erleben bzw. erfahren.

Chinatown ist wie erwartet: Analog zu den chinesischen Vierteln der meisten großen Städte. Die Straßenlaternen sind alle mit einem bronzenen Drachen ausgestattet. Die chinesische Geschäftswelt hält sich auch hier zumeist in einem klar umgrenzten Gebiet auf (eindeutig zu erkennen an der Reklame in ausschließlich chinesischen Schriftzeichen). In den Straßen und Gassen nur Touristen und vor sich hin schimpfende (?) wild gestikulierende Chinesen. In Vancouver lebt die größte Anzahl von Menschen chinesischer Abstammung außerhalb von China. Die chinesischen Läden sind immer wieder nett anzusehen: Hier gibt’s echt alles – von den meisten hier ausgestellten Waren möchten wir gar nicht so genau wissen, was das wohl ist.

Nachdem wir mehrere Straßen abgefahren sind, radeln wir zur Gastown Steam Clock. Diese Uhr wurde früher durch Wasserdampf betrieben. Sie funktioniert nicht mehr, nur als Touristenattraktion wird oben etwas Dampf abgelassen.

Von der Steam Clock ist es nur ein Katzensprung runter zum Hafen und zum Vancouver Convention Center am Canada Place. Davor parkt das Kreuzfahrtschiff Wonder of Disney – eine schwimmende Disney World. (M: Das würde ich mir gerne mal anschauen.) Das Schiff verdeckt leider die weißen Segel des Convention Centers. Eine Kugel Eis an der Flaniermeile am Convention Center West ist bei dem Wetter genau das Richtige. Aber bei einem Preis von 6,50$/Kugel vergeht uns der Appetit.

Wir radeln weiter immer am Wasser entlang – echt schön – kommen zum Wasserflugzeug-Flughafen von Vancouver und schauen den pausenlosen Starts und Landungen zu, die die Passagiere ins Hinterland von Kanada bringen, wo man nur mit dem Wasserflugzeug landen kann.

Zwischen den Yachten im Hafen entdecken wir ein paar schöne bunte Hausboote. Fallen richtig auf unter all den weißten Yachten. Die Bucht lässt sich auch mit einem Raddampfer erkunden, einmal rund herum, vorbei am Junior College des Militärs mit Blick auf Downtown oder auf der anderen Seite der Bucht an den Verladestationen des Güterhafens. Die riesigen Schwefelberge hätten uns interessiert, besonders wo sie herkommen bzw. für wen oder was hier derart große Mengen umgeschlagen werden. Der Weg auf die andere Seite der Bucht ist uns mit dem Fahrrad dann aber doch zu weit.

Inzwischen sind wir nach dem großen Loop einmal durch bzw. um Downtown herum wieder beim Stanley-Park angekommen. Der Park ist ziemlich groß, 405 Hektar, und befindet sich auf einer Halbinsel unmittelbar vor Vancouver-Downtown. Es gibt hier Seen, einen Rosengarten, zig Picknick-Plätze, Sportanlagen, ein ausgedehntes Wegenetz, Cafés, und das Vancouver Aquarium, und irgendwo im Park befindet sich auch die Statue von Lord Stanley. DAS Naherholungsgebiet schlechthin. Rund um den Park herum wurde vor knapp einem Jahrhundert der Seawall angelegt, ein geteerter Weg mit separaten Spuren für Radler und Fußgänger. Wir fahren rechts herum, sodass wir auf der gegenüber liegenden Seite wieder bei unserem Moppel ankommen. Auf der Ostseite des Parks gibt es eine ständige Totem-Ausstellung von verschiedenen First Nation Stämmen. Auf unserer Reise weiter nach Norden werden wir noch an einigen Orten bzw. Gebieten der First Nation vorbeikommen und dort auch lokale Totems besichtigen können. Hier haben wir eine kleine Auswahl unterschiedlicher Stile, die dem Muster/Vorgaben der einzelnen Stämme entsprechend ins Holz geschnitzt wurden.

Auf der Umrundung kommen wir an einigen Skulpturen vorbei, u.a. auch an der auf einem Felsen im Wasser sitzenden Figur 'Girl in a wetsuit' mit Taucherbrille und Schwimmflossen – Vancouvers kleine Meerjungfrau. Wir fahren unter der Lions Gate Bridge durch, über die wir nachher Vancouver Richtung Norden auf der #99 verlassen werden. An den Stränden bekommt man sofort Lust 'reinzuspringen, aber wir haben unsere Badesachen nicht eingepackt.

Wieder zurück am Fahrzeug verpacken wir die Räder, machen uns kurz frisch, fahren auf der #99 noch einmal quer durch den Stanley Park und verlassen über die Lions Gate Bridge Vancouver. Von hier oben haben wir einen schönen Blick zurück auf Vancouver und nach vorne auf die Strecke durch schneebedeckte Berge.

In Nord-Vancouver befindet sich der Capilano River Regional Park mit einer großen Hängebrücke über einen wohl besonders schönen Canyon. Das wollen wir trotz fortgeschrittener Stunde noch mitnehmen. Wir möchten nicht zu spät bei Almuth und Peter aufschlagen. Als wir kurz vor 18 Uhr auf dem Parkplatz am Capilano River Regional Park ankommen, müssen wir noch Parkgebühren bezahlen, was nicht so dramatisch ist, aber der Eintritt in den Regional Park kostet zu dieser Stunde immer noch 45C$/Pers., nur, um Brücke und Canyon zu besichtigen. Selbst wenn man einen ganzen Tag im Park verbringt, ist der Eintrittspreis unserer Meinung nach total übertrieben. Anscheinend gibt es aber genügend Besucher, die diesen Irrsinnspreis zahlen. Schade um die Zeit und den Umweg. Auf dem Parkplatz werden wir von einem amerikanischen Paar angesprochen, ebenfalls enttäuscht von den hohen Eintrittsgebühren, das uns in einem netten Gespräch einige Tipps für unsere Reiseroute nach Norden mitgibt.

Nach 1,5h tolle Fahrt durch wunderschöne bergige Landschaft mit reißenden Flüssen kommen wir nach Squamish und von dort aus über eine Gravelroad ins Paradise Valley, wo Peter & Almuth vor über 30 Jahren ihr Domizil auf einem großen Grundstück aufgeschlagen haben.

Nach einer freundlichen Begrüßung, auch durch die beiden großen total verschmusten Pyrenäenhunde, Max und Leo – der Jüngere, und einer kurzen Besichtigung unseres Moppels, parken wir auf dem Holzlagerplatz hinter dem Haus ein.

Bevor wir in geselliger Runde bei Almuth und Peter im Haus den Abend ausklingen lassen, genießen wir unsere leckeren Mitbringsel vom Markt auf Granville Island. Sauerteigbrot, Paté, Zungenwurst und leckere Essiggurken aus gehorteten Aldi-Beständen. Da strahlt die schwäbische Genießerseele!

Auf Grund der vielen Stramplerei heute sind wir gut ausgepowert und die beiden gehen auch nicht so spät ins Bett. Das Paket mit unseren Ersatzteilen ist Heute morgen hier angekommen. Der Inhalt muss selbstverständlich noch vor dem Schlafengehen geprüft werden; ob alles heil angekommen ist. Das kann auf keinen Fall bis Morgen warten!

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen bei Almuth & Peter, Paradise Valley, Squamisch , GPS: 49.866673 , -123.175053

 

 

Di. 28.05.19

 

Eigentlich haben wir gut geschlafen, waren ja gestern viel mit dem Fahrrad unterwegs und dann noch die Anfahrt nach Squamisch. Aber als ich/P aufwache, hat mich die Migräne wieder im Griff. Mit den Tabletten wird es zwar besser, aber die leichte Matschbirne wird sich wohl wieder den ganzen Tag halten.

Als wir nach dem Frühstück zu Almuth & Peter gehen, stehen die beiden „Bellkatzen“ schon zum Schmusen parat, vor allem Max, der Große, presst und holt sich seine Krauleinheiten. Einmal damit angefangen, hast verloren. Peter S. ist schon kräftig in seiner Werkstatt am Basteln und als ich/P dazukomme, zeigt er mir sein Reich. Angefangen von der Womo-Baustelle (Oh, wie schön - das haben wir hinter uns!) bis zu seinen Motorrädern usw. Er hat so viele Hobbys (u.a. auch noch ein kleines Flugzeug) und Projekte am Laufen. Erstaunlich, wie er das alles neben seinem Job auf die Reihe kriegt. Viele der Projekte werden im langen Winter verfolgt und erledigt, wenn man draußen nichts tun kann und drinnen der Kanonenofen bullernd für Wärme sorgt.

In Almuths Garten fliegen schon richtig große Schwalbenschwanz-Schmetterlinge von Blüte zu Blüte, während auf der Veranda im ersten Stock die verschiedenen Kolibri-Futterstellen von den winzig kleinen fliegenden Edelsteinen emsig besucht werden (Leider viel zu hektisch für ein Photo).

Und dann erzählen uns die zwei, dass die beiden großen Hunde dabei helfen, Bären und Pumas vom Haus fernzuhalten! Wirklich ein Paradise Valley. Das kommt unserer Traumvorstellung von einem Altersruhesitz mit vielen wilden Tieren rundherum und ausreichend Platz, um sich austoben zu können, schon sehr nahe.

Nachdem wir unseren Moppel abfahrbereit gemacht haben, werden wir von den beiden noch zu einem leckeren Lunch eingeladen, bekommen zwei Gläser Marmelade, ein Glas Honig und einen gefrorenen, selbst gefangenen Lachs mit auf die Reise. Wir sind total überwältigt von soviel herzlicher Gastfreundschaft. Leider fliegen die beiden Morgen für 4 Wochen nach Deutschland in den Urlaub und wir müssen nach Alaska, sonst hätten wir sicher noch einen weiteren Tag im Paradies gebucht.

 

Almuth & Peter, nochmal vielen herzlichen Dank für den warmen Empfang und die Aufnahme in eurem Refugium. Sollten wir es mal wieder schaffen und in der Gegend sein, würden wir euch liebend gerne nochmal besuchen und etwas mehr Zeit mit euch verbringen.

 

Bevor wir nach Norden abbiegen fahren wir noch kurz zurück nach Squamisch, um unsere Nahrungsmittelvorräte aufzufüllen, da bis hoch nach Prince George keine größeren Orte mehr auf der Strecke sind.

Die Landschaft ist geprägt von hohen schneebedeckten Bergmassiven, tiefen Schluchten und ausgedehnten Wäldern. Das ist das Kanada aus unserer Vorstellung. Wegen der Schneeschmelze rauscht jeder kleine Bach wie ein reißender Fluss. Als wir auf dem Weg beim Brandywine-Fall halt machen, schießt dieser mit voller Wucht über mehr als 78m in die Tiefe. Das Wasser hat soviel Kraft, dass es einen richtigen Wasservorhang bildet.

Auf der weiteren Fahrt kommen wir durch Whistler. In Vancouver und hier, in den Whistler Mountains, fanden 2010 die Olympischen Winterspiele. Heute ist die Gegend natürlich ein Touristenmagnet und in den besonders schönen Ecken haben sich die ganz schön Reichen einquartiert. Einige davon hat Peter als Steinmetz als Kunden, hat mit seiner Kunst deren Heim verschönert. Da die Ski-Saison vorbei ist und wir nicht durch schweineteure Boutiquen bummeln wollen und die Olympia-Anlagen ein gutes Stück von unserer Route entfernt in den Bergen liegen, fahren wir ohne Stopp einfach weiter.

Auf dem Weg zum nächsten Wasserfall, den Nairn Falls, kommen wir an vielen Seen vorbei, wo wir in Versuchung geraten, einen schönen Platz zu suchen und stehen zu bleiben.

Die Nairn Falls sehen wir nur von oben von der Straße aus. Zu fortgeschrittener Stunde eine 3km Wanderung hin und zurück? Die Bilder am Trailhead zeigen, dass es sich um eine Klamm mit reißendem Wasser handelt und nicht um einen tosenden Wasserfall. Also nicht.

Wir fahren noch ein Stück und nach Pemberton biegen wir im First Nation-Dorf Mount Currie nach Westen von der Hauptroute ab und folgen einem Tipp von Peter S. durchs Hinterland. Obwohl wir noch nicht so weit von Squamisch weg sind, suchen wir uns einen Stellplatz. 500m im Wald befinden sich mehrere kleinere Plätze mit Feuerstellen. Wir parken vor einem Platz halb auf der Straße ein, damit wir einigermaßen eben stehen und andere Autos noch an uns vorbeikommen.

Der Tag ist sehr warm gewesen. Deshalb Badehose an und vorsichtig den reißenden Bach hinter unserem Stellplatz getestet. So richtig zum Reinlegen ist er nicht, dafür ist er zu aktiv und vor allem zu kalt. Nach 2 Minuten hat man schon Eisfüße. Aber zum Waschen, Erfrischen und um sich zu bespritzen ist es toll.

Hmmm, und jetzt Abendessen: Nochmal leckeres Brot und Leberwurst bzw. Paté, und 'richtige' Essiggurken!

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Forest Campsite, Pemberton Portage Road, Vancouver, GPS: 50.415704, -122.701339, etwas versteckt im Wald, mehrere kleine Plätze, für unseren Moppel fast zu knapp - sind halb auf dem Platz, halb auf der Straße gestanden -, reißender Wildbach zum Abkühlen direkt am Platz, für die Durchreise zu empfehlen

 

 

Mi. 29.05.19

 

Heute steht die Scenic Route oberhalb des Anderson Lake durchs Hinterland an bis nach Lillooet. Wenige Kilometer von unserem letzten Übernachtungsplatz, das Schild ist fast nicht zu sehen, geht es links ab auf einen Feldweg entlang der Bahnlinie und von dort dann steil nach oben in den Wald. Vor dem Anstieg noch einige Warnschilder, aber Peter S. hat uns versichert, dass dies genau das richtige Terrain für unseren Moppel ist, artgerechter Auslauf, und die Aussichten auf der Strecke super sind.

Also, nichts wie hoch auf den Berg. Nach einigen Kilometern Anstieg im 2. Gang, zwischendurch auch mal im 1. Gang auf sehr steilem Weg mit viel losem Geröll, kommen wir auf halber Höhe am Berghang in etwas flacheres Gelände mit den ersten tollen Aussichten runter auf die Seen im Tal. Etwas trübe, aber trotzdem sehr schön mit den schneebedeckten Bergen am Horizont.

Diese Strecke auf halber Höhe am Berghang entlang ist genauso, wie man sich eine Scenic Route vorstellt, auch wenn die Wegbreite schon einiges an Konzentration erfordert, besonders wenn dann noch größere Felsbrocken im Weg liegen. Marion sitzt auf der schönen Seite, direkt am Abhang! Die Höhenangst größtenteils überwunden, sind die Augen immer offen, um die tolle Landschaft zu genießen. Immer mal wieder über Brücken über wilde Sturzbäche mit Schmelzwasser, vorbei an blühenden herrlich duftenden Wildrosenhecken windet sich die Straße am Hang entlang, in der Ferne nur als weißes dünnes Band zu erkennen. Die 'Straße' ist eigentlich die Wartungsstrecke vom Stromkonzern Hydro BC für die Fernleitungen/Masten, die Strom von den diversen Wasserkraftwerken in den Süden transportieren.

Die wohl spannendste Stelle ist eine schmale Brücke mit Gewichtsbeschränkung über einen größeren Gebirgsbach und dem direkt nach der Brücke extrem steilen Anstieg, der mehr oder weniger regelmäßig von abgegangenem Geröll freigeräumt wird. Wir versuchen es ohne Geländeuntersetzung und der Moppel beißt sich im 1. Gang durchs Geröll den Anstieg hoch. Geschafft! Und Marion riskiert einen Blick in die Klamm runter und zurück zur Brücke und macht sogar Fotos. Tapfer!

Die weitere Strecke ist ab jetzt harmlos. Wir machen zwischendurch Mittagspause an einem Platz mit schöner Aussicht über den unter uns liegenden See, bevor es langsam nach Shalalth hinunter geht. Unten am See treffen wir wieder auf die Bahngleise, die sich parallel, weit unter uns, am Seeufer entlang gewunden haben.

Kaum die Gleise überquert, kommt ein Zug mit lautem Tuten um die Kurve. Der Lokführer winkt uns mit erhobenen Daumen zu; ihm gefällt wohl unser Mobil. Ab und zu kreuzen wir Wasserleitungen, die zu den im Tal liegenden Wasserkraftwerken führen. Die Stützen unter den Rohren sind mit Symbolen der hier ansässigen First Nation verziert worden.

Von Shalalth nach Lillooet müssen/dürfen wir über einen steilen Bergrücken, der die Seen Anderson Lake und Carpenter Lake voneinander trennt. Nachdem wir den Mission Pass mit 3680 ft / 1121 m überwunden und schöne Blümchen am Wegesrand abgelichtet haben, geht es wieder runter ins Tal zum Ostteil des Carpenter Lake. Die Straße runter ist sehr gut zu befahren, frisch abgefräst und platt gewalzt.

Das Ostende des Sees ist durch einen Damm aufgestaut, über den wir drüber müssen. Direkt davor ein grob in den Fels gehauener Tunnel ohne Höhenangabe. Da müssen wir durchkommen, sonst müssen wir die komplette Strecke wieder zurückfahren. Sieht knapp aus. Wir fahren langsam in der Mitte durch und kommen ohne einen Kratzer auf der anderen Seite an. Jetzt brauchen wir nur noch dem Fluss folgen, durch einen wildromantischen Canyon.

Kurz vor Lillooet wird der vom Fluss ausgewaschene Canyon noch dramatischer. Hartes Gestein weicht einer enormen Geröllschicht. Vermutlich Ablagerungen aus der Vergangenheit oder die Endmoräne eines inzwischen verschwundenen Gletschers. Sieht ziemlich instabil aus.

In Lillooet, gleich am Ortseingang, befindet sich ein Imker (Tipp vom Honigliebhaber Peter S.), der leider geschlossen hat. Sein Honig wird glücklicherweise auch am anderen Ortsende im kleinen Supermarkt verkauft. Da die Schublade im Moppel mit etlichen Gläsern aus unterschiedlichen Regionen noch gut gefüllt ist, gibt es nur 1 Glas, obwohl der Preis mit 7,50 C$ recht günstig ist, im Gegensatz zu den fast doppelt so hohen Preisen in den USA.

Gleich hinter Lillooet hat die Hydro BC eine von ihr gepflegte Recreation Area mit Campground, sogar mit mehreren Trinkwasseranschlüssen. Hier kann man in tollem Ambiente bis zu 14 Tage kostenlos stehen. Wanderwege führen an den Flüssen bzw. den Wasserkanälen entlang zum See und in die Berge.

Wir finden einen wunderschönen Platz. Gegen später parkt ein deutsches Rentnerpärchen auf dem Platz neben uns ein, das gerade erst ihr etwas größeres Wohnmobil mit Slideout in Vancouver übernommen hat. Noch wenig Erfahrung beim Einparken, leisten wir gerne die angefragte Hilfe und weisen sie ein. Kurz danach stößt ein junges deutsches Paar mit Baby dazu und wir geben gerne Erfahrungen von unserer bisherigen Reise weiter und nützliche Infos zu interessanten Apps.

Später beim Abendessen draußen auf der Bank, spaziert ein Paar in unserem Alter vorbei und spricht uns ebenfalls auf deutsch an. Die beiden leben schon seit über 25 Jahren auf Vancouver Island und sind mal wieder mit ihrem kleinen Airstream-Anhänger und einem neuen VW-Modell (vergleichbar dem europäischem Modell Amarok), das nur in den USA/Kanada erhältlich ist, auf Tour. Sie haben sich auch für das Frührente-Modell entschieden; nach jahrelangem Dienst bei der Küstenwache und sie in der Immobilienbranche.

Wir nehmen gerne die Einladung für den Abend auf ein Bier am Lagerfeuer an. Das 'Lagerfeuer' ist eine mit Lavasteinen gefüllte Schale, die mit Gas betrieben wird. Das haben wir schon öfters gesehen und ist viel sicherer als ein Holzfeuer, kann auch bei striktem Fire Ban (Lagerfeuerverbot, höchste Waldbrandgefahr) betrieben werden. Fürs gemütliche Ambiente haben sie noch unzählige kleine Lämpchen um ihren Platz verteilt und auf dem Tisch zur Krönung noch einen elektrischen Tischleuchter zum Essen aufgestellt. Während wir so am Plaudern sind, gesellen sich noch weitere deutsch sprechende Reisende dazu. Ein junges Paar ist auf Urlaub hier. Sie arbeitet bei Canusa, dem größten Reiseanbieter für Nordamerika in Deutschland, und möchte auf der Reise möglichst viel Eindrücke und Erfahrungen sammeln, damit sie ihre Kunden künftig noch besser beraten kann. Er arbeitet als Tierpfleger und im sozialen Bereich. Den Flug nach Vancouver haben sie bei einer Canusa-Veranstaltung gewonnen. Sie erzählt, dass die meisten Campingplätze in Kanadas Westen für die Hochsaison schon ausgebucht sind. Die vorhandene Anzahl der Campingplätze reicht nicht mehr aus für die immens ansteigende Anzahl Touristen jedes Jahr. BC hat jedoch Pläne, zusätzlich mehrere Hundert Campingplätze einzurichten. - Ein lustiger geselliger Abend mit interessanten netten Menschen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Seton Dam Campground, Lillooet, GPS: 50.666543, -121.978221, großer Campground von Hydro BC gesponsert, Nutzung kostenlos bis zu 14 Tage, Trinkwasserhähne, kein Dumping, Badesee mit Strand in 1km Entfernung, füllt sich gegen Abend sehr schnell, sehr empfehlenswert

 

 

Do. 30.05.19

 

So schön die Scenic Byways durchs Hinterland auch sind, sie sind leider auch zeitraubend und anstrengend. Als wir Heute morgen endlich in die Pötte kommen, sind wir beinahe die letzten, die vom Platz fahren, abgesehen von denen, die länger stehenbleiben. Wir haben unseren Nachbarn beim Ausparken geholfen und unser Frischwasser aufgefüllt. Bevor wir weiterfahren machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Badesee. Gestern Abend fehlte uns die Motivation nochmal vom Platz zu fahren und heute Morgen wollen wir nicht noch mehr Zeit verlieren, sonst können wir gleich wieder für einen weiteren Tag hier einparken.

Von Lillooet geht es zuerst mal wieder ein kurzes Stück auf die nach Norden gut ausgebaute #97 bevor wir, wie die meisten, ab Pavillion die Nebenroute über Kelly Lake nach Clinton nehmen. Das kürzt die Strecke erheblich ab und geht wieder durchs Hinterland.

Die Strecke gegenüber gestern nicht ganz so spektakulär, aber dennoch sehenswert. Wir versuchen, Strecke zu machen, aber auch hier gibt es immer wieder nette Fleckchen, wo wir anhalten. Toll, schöne Ausblicke auf den Fraser River und die Täler, durch die er sich windet. Das letzte Stück nach Clinton geht über eine landwirtschaftlich genutzte Hochebene und durch brachliegende Gebiete dicht bewachsen mit Wildem Salbei, der für die Gegend hier bekannt ist – sieht aus, wie auf der Schwäbischen Alb.

Nach Clinton, kurz vor 70 Mile House, kommen wir am Chasm-Canyon vorbei. Vom Aussichtspunkt aus, haben wir einen schönen Blick in den sich nach Osten fortsetzenden Canyon.

Zwischen 70 Mile House und 100 Mile House kommen wir ins Caribou Regional District, so weit südlich werden wir um diese Jahreszeit bestimmt keine mehr zu sehen bekommen. Die sind inzwischen alle schon Richtung Polarkreis in die Sommerweidegebiete unterwegs. So viele kleine Seen, aber bisher leider noch keinen im Wasser stehenden grasenden Elch gesehen.

In 100 Mile House nutzen wir die öffentliche und kostenlose Dumping Station und fangen dann an, die ersten möglichen Stellplätze anzufahren.

Der erste an einem im Wald versteckten See, ist nicht so prickelnd, und es hat ziemlich viele lästige Mücken. Also fahren wir wieder 7 km bis zur Hauptstraße und biegen 2 km weiter links von der Straße Richtung Flusstal ab. Hier unten ist First Nation Gebiet mit einer Ausstellung typischer Gebäude und Anlagen. Tagsüber sitzt hier ein „Wärter“, der gegen kleine Gebühr eine Führung mit vielen Informationen anbietet. Brigitte und Peter übernachteten hier in ihrem Donnerlaster, gaben uns den Tipp via WhatsApp. Als wir spätnachmittags ankommen, ist niemand mehr da. Das Gelände ist zwar gemäht, aber so einfach ohne Genehmigung wollen wir uns nicht auf das Gelände stellen. Also zurück zur Hauptstraße – vielleicht sehen wir ja jemanden aus dem in der Nähe gelegenen Dorf, den wir fragen können. Leider niemand zu sehen.

Also weitere 25 km fahren bis zu einer Recreation Site an einem See. Es ist noch ein schöner Platz für uns frei und wir haben sogar unseren eigenen kleinen Seezugang. Nicht lange fackeln, einparken. Rein ins Badezeug und ab ins Wasser. Dabei stellen wir fest, dass wir nun in Kanadas Wildnis angekommen sind: So viele freundliche Moskitos! Schnell ins erfrischende Wasser und etwas weiter raus in den See schwimmen. Vorerst haben wir die Plagegeister abgehängt. Wir genießen es, den Staub und die Anstrengung der beiden letzten Tage im herrlich angenehm temperierten Wasser abzuwaschen.

Wegen der Mücken verzichten wir auf ein abendliches Lagerfeuer, machen es uns zuhause gemütlich und bekämpfen dort die trotz Schutzmaßnahmen eindringenden Biester.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Chubb Lake Recreation Site, GPS: 53.281221, -122.568154, toller Platz, herrlicher See zum Schwimmen. Viele Mücken, sonst würden wir 5 Sterne vergeben, sehr empfehlenswert.

 

 

Fr. 31.05.19

 

Basteltag. Dank der Moskitos schlecht geschlafen, deshalb geht heute Morgen alles etwas langsamer. Wir suchen zuerst akribisch nach möglichen Schlupflöchern und entdecken die eine oder andere maximal centgroße Lücke, die als Einfallstor dienen könnte. Alle diese Stellen sind jetzt abgedichtet und auch der Unterbau unseres Heki-Dachfensters ist optimiert. Hoffentlich haben wir der Plage ein Ende gesetzt. Klar, immer mal wieder schlüpft eine mit herein, wenn man nach draußen geht, z.B. um im herrlich warmen See zu schwimmen. Oftmals verziehen sich die Mistviecher in den Wald, wenn die Sonne heiß herunterbrennt. Aber, weit gefehlt. Diese hier schwirren nur so um unsere Burg.

Oje, Peter muss mal wieder am Moppel Wartungsarbeiten durchführen. Also Dusche in deed-haltigem Antimückenmittel (aus den USA) und sich der Invasion stellen. Öl kontrollieren, einen Liter nachfüllen, eine abgebrochene LED-Lampe auf dem Dach reparieren und die Fensterkurbeln im Fahrerhaus mit selbst sichernden Muttern bestücken - das Mittel hilft relativ gut. Aber, kaum mit der Fettpresse unterm LKW, verlieren die Viecher jede Hemmung und ihn umschwirren gut und gerne fünfzig Stück. Vereinzelt greifen sie an, aber da muss er jetzt durch. Fertig mit den Arbeiten, sauber geschrubbt und eine Runde im See geschwommen, werden die Stiche mit unserem elektronischen Bite Away behandelt, was die Nachwehen doch deutlich reduziert. Ohne hier Werbung zu machen, auf DAS Gerät würden wir nie wieder verzichten. Prävention mit Deed ist gut, aber sofortige Behandlung der Stiche mit dem „Brenneisen“ ist Gold wert.

Wegen der heißen Mittagssonne - man könnte meinen, wir sind irgendwo im Süden unterwegs (vom Breitengrad her sind wir gerade mal in Norddeutschland unterwegs) und wegen der Mücken bleiben wir heute Mittagr inhouse und machen uns endlich an die Planung der Alaska-Route.

Am späten Nachmittag wagen wir uns wieder raus, gehen beide zum Friseur - es ist ja schließlich Sommer befohlen, und schwimmen anschließend nochmal ausgiebig im See. Draußen auf dem See sind nur massenweise Libellen und springende Fische unterwegs, aber keine Mücken. Welche Wohltat.

Als Abendessen gibt es die letzte eingefrorene Portion Gulasch. Muss demnächst mal wieder ein Koch- und Backtag eingeplant werden.

Wir wollen nicht ganz so spät ins Bett, aber das ist gar nicht so einfach, da es inzwischen um 22 Uhr noch recht hell ist und morgens um 4:30 Uhr schon wieder taghell. Das wird noch lustig werden, wenn wir weiter in den Norden kommen. Dort ist dann regelrecht Gefechtsverdunklung angesagt, sonst schlafen wir ja gar nicht mehr.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Chubb Lake Recreation Site, GPS: 53.281221, -122.568154, toller Platz, herrlicher See zum Schwimmen. Viele Mücken, sonst würden wir 5 Sterne vergeben, sehr empfehlenswert.

 

Hier wieder die Kartenübersicht der 47. und 48. Woche mit den gewählten Stellplätzen:

USA_2019_Mai_2

 

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