Als wir uns im Juli 2012 entschieden hatten, das Projekt "Weltreise" zu starten, war auch schnell klar, dass wir unser Fernreisemobil auf der Basis eines Allrad-LKWs aufbauen wollen. Ausgehend von der Robustheit, niedriger Anzahl gefahrener Kilometer, überschaubarer Elektrik, regelmässiger Wartung und unschlagbarem Preis/Leistungsverhältnis, kam aus unserer Sicht nur ein Allrad-LKW der Bundeswehr bzw. einer anderen Armee in Frage.

Schon nach wenigen Wochen und Recherchen im Internet wurden wir fündig und ersteigerten bei der VEBEG für einen Preis unter 10K€ einen Iveco 110-17, welcher in Stetten am kalten Markt als Küchenfahrzeug der Feldjäger seinen Dienst verrichtete. Wir haben das Fahrzeug in der Kaserne vorab besichtigt und konnten keinen Verschleiß bzw. Rost usw. feststellen. Der LKW hatte in 25 Jahren eine Laufleistung von 7100 km und war daher eigentlich wie neu. Probefahrt war leider nicht möglich, da die Batterien nicht angeschlossen waren. Aufgrund des Gesamteindrucks gingen wir das Risiko ein, steigerten mit und waren erfolgreich.

Am 11.12.2012, der Tag von Peter's Führerscheinprüfung, ging direkt nach Erhalt der neuen Pappe die Reise los: Zur Kaserne Batterien anschließen und mit dem LKW bei heftigem Schneetreiben zuerst zur Tanke und dann ab nach Hause.

Nun ging die Suche nach einem passenden Aufbau los. Nach vielen Recherchen haben wir uns für einen Zeppelin Shelter FM2 entschieden, vorallem des günstigen Preises und des stabilen Rahmens wegen. Jede Kalkulation mit einem neu aufgebauten Koffer sprengte unsere Budget-Vorstellung.

Wie ihr später bei der Beschreibung des Containerumbaus nachlesen könnt, haben wir unseren FM2-Shelter verlängert, inspiriert durch Holger Ihle, welcher im Allrad-Forum seine Shelterverlängerung beschrieben hat. Allerdings haben wir um 1,10 m verlängert, was Folgen haben sollte.

Zu einem fortgeschrittenen Bau-Zeitpunkt ergab eine Vorab-Abstimmung mit dem TÜV, dass der Hinterachsüberstand über die erlaubten 60% (bezogen auf den Achsabstand von 3,60 m) hinaus geht. Man sollte sich doch vorher die Zeit nehmen und die Aufbaurichtlinien genau lesen und vorallem rechnen. Desweiteren sind die Wassertanks im Koffer unter dem zukünftigen Bett, leicht hinter der Achse, gelandet, was zusammen mit dem geplanten sehr stabilen und damit schweren Heckgepäckträger, die Gewichtsverteilung des Gesamtmobils, zusätzlich negativ beeinflussen würde.

Nach dem ersten Frust gab es 2 Lösungswege:

1.) Rahmenverlängerung, was aber schweineteuer wäre oder

2.) ein neues Basisfahrzeug.

Weg Nr. 2 führte schnell zum Ziel und bei Firma Aigner wurden wir fündig. Herr Aigner hatte zwei Iveco 110-16 der dänischen Armee im Angebot. Diese Fahrzeuge haben einen Achsabstand von 4,20 m und damit waren unsere Probleme schon gelöst. Herr Aigner nahm unseren 110-17 in Zahlung und gegen einen akzeptablen Aufpreis, einschließlich eines Kundendiensts und Erstzulassung als Sonderfahrzeug zur Motorradtourbegleitung, wurden wir handelseinig. Auf der Heimfahrt stellten wir fest, dass der Tacho nicht richtig funktionierte und die Türschlüssel nicht zu den Schlössern passten; und 3 Monate später, nachdem der Wagen öfters bewegt wurde, bemerkten wir dass der Druckluft-Zentralverteiler unter der Fahrerkabine undicht war. Ein Anruf bzw. eine Mail reichte aus und alle 3 Ersatzteile kamen zeitnah per Post an.

Auf Grund dieser sehr positiven Erfahrung kann ich, wie viele andere auch, die Firma Aigner sehr empfehlen. Sie gibt uns das gute Gefühl, dass wenn wir mal unterwegs sind, wir einen kompetenten Kontakt für unseren fahrbaren Untersatz in der Heimat haben.

Auf den Bildern 3 & 4 erkennt man das zusätzliche Highlight dieses 110-16-Modells: Es hat nämlich von Haus aus einen 3-Punkt gelagerten Zwischenrahmen. Auf den vorherigen LKW hätten wir einen neuen Zwischenrahmen bauen lassen müssen: Kosten zwischen 3000 € für Federlagerung und 6000 € (netto + MWSt) für 3/4-Punktlagerung. Mit dem Tausch haben wir sehr viel Arbeit und viel Geld gespart.

Man sieht, Hindernisse, welche zuerst Frust erzeugen, können sich am Ende des Tages positiv entwickeln, da sie einen zwingen, nach Alternativlösungen zu suchen. Wie in unserem Fall sollte man einen Rückschlag daher nicht gleich nur negitiv sehen, vielleicht stellt er sich im Nachhinein doch noch als positive Wegweisung heraus.

Bis zum Juni 2013 haben wir noch einiges am Container gebastelt, bevor wir dann während unseres 3-wöchigen Jahresurlaubs, mit den LKW-Umbauarbeiten gestartet haben. Als erstes wurden der Ersatzradkran, die Staukästen, die Kotflügel und der Auspuff (ungünstige Platzierung wegen der geplanten neuen Staukästen) abgeschraubt und die Flex mit dünnen Metallschneidescheiben bestückt, denn als nächstes wurde der vorhandene Zwischenrahmen von den Holzplanken befreit und die zentrale Leiter des Rahmens durch abflexen der überflüssigen Teile um eine halbe Tonne Gewicht verkleinert:

Jetzt konnte der nächste Bauabschnitt in Angriff genommen werden.

Auf den folgenden Bildern sieht man, wie die Traversen mit den Containerlocks verschweißt werden bzw. die Traversen selber an die vorbereitete 3-Punkt gelagerte Leiter angeflanscht wurden.

Das über den ganzen Sommer verarbeitete Material (Traversen, Edelstahlplatten, Alu-Riffelblech, Vierkantstangen usw.) wurde alles bei Firma Falk Adler in Esslingen gekauft. Falk Adler bietet diese in einer eigenen Halle im Industriegebiet direkt am Neckar zum Verkauf an. Hier findet man eigentlich alles, was man zum Umbau an Metall braucht.

Bei soviel Arbeit muss auch zwischendurch etwas Spaß sein und daher wurden am nächstgelegenen Straßenhang ein paar Verschränkungsübungen durchgeführt. Auf den Bildern 3 & 4 schön zu sehen, wie der Zwischenrahmen mit seiner hinteren Wippe die Verwindung aufnimmt und damit die auftretenden Kräfte vom zukünftigen Container fernhält. Gleichzeitig konnten wir wie auf Bild 1 & 2 sichtbar, die maximale Tiefe bzw. Höhe der hinteren Stauboxen ausmessen, welche wir am Rahmen hinter der Hinterachse befestigen wollen.

Bevor es jetzt mit Schleifen, Streichen und neuen Anbauten weitergeht, muss zuerst das lästige Heißwachs der dänischen Armee inkl. des darin festsitzenden Drecks weg. Da wir keinen erreichbaren Dampfdruckreiniger mit mindestens 90°C Wassertemperatur finden konnten, wurde die Karosserie an der nächsten Tanke nach einer ersten Grobwaschung zweimal mit einem Kaltreiniger "super extra stark" eingesprüht und nach kurzer Einwirkzeit wieder mit Druck abgewaschen. Diese Aktionen haben ca. 90% des Wachses und des Drecks vom LKW-Rahmen entfernt, wobei ein nicht unerheblicher Teil an mir gelandet ist laughing. Der verbliebene Rest muss vor dem Anschleifen und Lackieren mit Siliconentferner von Hand abgerieben werden, was nicht wirklich Spaß macht, aber funktioniert hat. Rost schleifen ist auch nicht viel besser. tongue-out

Nachdem der Zwischenrahmen gestrichen (Brantho Korrux 3in1 MB 7350 novagrau) und der dritte Bremsdruckbehälter auf der Beifahrerseite entfernt wurde, ging es an's Anpassen der Tankkonsolen der zwei neuen 250l-Aludieseltanks (Habe ich übrigens auf der Angebotsseite des Allradforums für Privatverkäufe gefunden). Wie auf Bild 2 zu erkennen, mussten wegen der Schraubenköpfe im Rahmen unzählige Abstandshalter einzeln angefertigt, passend gebohrt, gereinigt und lackiert werden. Ebenso galt es beim Bohren im Hauptrahmen darauf zu achten, dass die Mindestabstände von Lochrand zu Lochrand wegen der Rahmenintegrität eingehalten werden, was etwas knifflig war, bis es für alle Schrauben und Abstände gepasst hat. Anschließend konnte nun auch der manuelle Tankumschalter inkl. den neuen Kraftstoffleitungen montiert werden. Parallel zu diesen Arbeiten ging natürlich das Thema Putzen kontinuierlich weiter, damit auch innerhalb des Rahmens noch alles gestrichen werden konnte.

Auf dem nächsten Bild sieht man das neue Zuhause des dritten Bremsdruckbehälters im Inneren des Hauptrahmens. Nun wurden noch die Halterungen für die hinteren Staukästen geschweißt, geschliffen und lackiert. Diese beiden Edelstahlstaukästen gab es als passende Standardgröße bei der Firma Edelstahlhaus zu einem vernünftigen Preis zu kaufen. Nach der Montage gab es gleich nochmal ein paar Verschränkungsübungen, diesmal mit Marion am Steuer, um zu testen ob unsere Berechnungen passen und nichts oben oder unten ansteht.

Damit die Alutanks besser geschützt sind, bauen wir noch einen angepassten, rundherum mit 4 mm Alu-Riffelblech beplankten Rahmen.

Parallel wird der 200l-Originaltank inkl. Konsolen auf Hochglanz gewienert und ebenfalls grau lackiert. - So sah übrigens den ganzen Sommer über unser Kofferraum aus, da wir ja immer abends nach der Arbeit oder am Wochenende alles notwendige Werkzeug und Material dabei haben mussten.

Da die geplante Außenküche bzw. der Stauraum auf der Fahrerseite (beide vor der Hinterachse) keine Standardgrößen waren und daher die Preise nicht bezahlbar waren, haben wir uns entschlossen, diese beiden Boxen selbst anzufertigen. Also Edelstahlblech bei Falk Adler organisiert, die Maße ausgerechnet und an der Abkantbank die Muskeln zum Einsatz gebracht. Nach dem Biegen wurde mit WIG und reinem Argon die Edelstahlbox zusammengeschweißt und die dazugehörigen Deckel angepasst. Die meiste Arbeit hat hinterher das korrekte Anbringen der Scharniere und Schlösser gekostet. Aber die Boxen sind toll geworden und es ist halt was anderes, als wenn man es im Internet einfach so bestellt. Da wir etwas großzügiger Material eingekauft haben, wurde auch gleich noch die Duschwanne für den Eingangsbereich aus Edelstahl gebastelt.

Eigentlich wollten wir neue abgekantete Kotflügel aus Aluriffelblech bauen, aber bei genauem Betrachten sahen die alten Kotflügel mit Gummikante gar nicht so schlecht aus. Mit der großen Drahtbürste für die Flex wurde der Rost und der alte Lack entfernt und nach dem Lackieren sahen die Kotflügel wie neu aus. Passende Halterung rangeschweisst und Thema erledigt. Auf diesen Bildern erkennt man auch das neue Edelstahlauspuffrohr, welches jetzt die Abgase ganz nach hinten ableitet.

Da ich die originalen Natoblöcke gegen neue Optima Red-Spiralzellen auswechseln wollte, gab es gleich auch noch einen passenden neuen Batteriekasten. Die Halterung wurde nach oben versetzt, somit war nun auch genügend Platz für den neu lackierten Originaltank und dessen Konsolen. Die grossen Staukästen werden im Frühjahr 2015 noch verschraubt, sobald es die Witterung wieder zulässt.

Dies sind die letzten Bilder aus 2014 und der Status vor der Winterpause.