Fr. 16.08.19

 

Heute soll es runter nach Valdez gehen bzw. vorher noch am Worthington Gletscher vorbei. Wir checken beim Frühstück nochmal die Wettervorhersage: Samstag und Sonntag sonnig aber kräftiger Wind. Das könnte eine recht wackelige Bootsfahrt in den Prince-William Sound werden.

Wir entscheiden uns, wie öfters, kurzfristig um und beschließen, zuerst in den Wrangell-Saint Elias Nationalpark zu fahren bis zum Ende der fast 200km langen Zufahrtsstraße nach McCarthy. Von dort kann man entweder den stündlichen Shuttle nehmen oder zu Fuß die 5 Meilen bis zur Ghosttown Kennicott marschieren.

Kennicott war zu ihrer Zeit (1911-1938) die größte Kupfermine in Nordamerika und erwirtschaftete unter dem Strich einen Reingewinn von 100 Mio $, bevor sie dann von Heute auf Morgen geschlossen wurde. In Chile und Argentinien wurde ebenfalls Kupfer gefunden, konnte dort aber deutlich günstiger abgebaut werden als in Alaska. Mit dem letzten Erzzug verließen dann auch die meisten Einwohner den Ort und in kürzester Zeit wurde er zur Ghosttown.

Unser Plan ist, nach der Besichtigung der Mine noch 2 Meilen auf dem Root Glacier Trail hoch zum Root Glacier zu wandern. Dieser soll laut Aussage der Rangerin im Visitor-Center in Copperville nicht ganz so mit Geröll befrachtet sein und daher in schönem weiß strahlen. Aber zuerst müssen wir die Anfahrt von knapp 200 km und davon 2/3 Gravelroad mit hohem Anteil Waschbrett hinter uns bringen.

 

Im Visitor-Center in Copperville ist ein Modell des Nationalparks ausgestellt. Im schwarzen Kreis liegt Glennallen. Auf der gelben Route werden wir bis nach McCarthy / Kennicott fahren. Am rechten Bildrand sieht man den Gebirgszug von farbig in farblos übergehen, die kanadische Grenze. Die Berge auf der kanadischen Seite gehören zum Kluane-NP, an dem wir bei unserer Fahrt hoch nach Alaska schon vorbeigekommen sind.

Vor dem Visitor-Center steht ein sogenanntes Fischrad aus Holz, wie es früher zum kontinuierlichen Fang von Lachsen benutzt wurde. Fischräder werden heute immer noch benutzt, allerdings sind diese Räder aus Metall.

Vom Richardson Hwy geht es auf den Old Edgerton Hwy, eine nicht geteerte Abkürzung bis zur McCarthy Road. Wir begleiten den Copper River bis nach Chitina, auf meist geteerter Strecke, auch wenn diese zum Teil recht wellig ist, und haben immer mal wieder einen gigantischen Blick auf das riesige auseinander gezogene Flussbett.

Kurz vor Chitina machen wir eine Pause bei den Liberty Falls, eine State Recreation Site; hier kann man gegen Gebühr campen. Auf einem kurzen Trampelpfad kommen wir von unten an den Wasserfall. Voll einsehen kann man diesen nur von oben, via sehr steiler Kletterei durch den Wald. Trotzdem ganz nett und sehr klares erfrischendes Wasser.

Vorbei an tollen Seen, die teils zum Baden einladen, kommen wir nach Chitina und sehen mal wieder ein Schwanen-Paar, wie so oft hier im Norden des amerikanischen Kontinents. Leider haben wir bisher kein Paar mit Jungen gesehen.

Ab hier beginnt die Gravelroad in teilweise leider sehr schlechtem Zustand, Wellblechpiste. Davor warnt uns auch eine Tafel bevor man den aus dem Fels gehauenen Durchgang durchquert.

Nach Chitina kommen wir an der Stelle, an der der Chitina River von Osten her in den Copper-River fließt. Von erhöhter Position versuchen wir aktive Fish Wheels zu finden, die wir ja als Holzmodell schon beim Visitor-Center gesehen haben. Zur Zeit stehen nur mehrere unbenutzte am Ufer des Zusammenflussdeltas, zu weit entfernt für das Tele; ein stillgelegtes steht etwas abseits. Dafür haben wir tolle Ausblicke auf das Delta.

Weiter auf der unebenen Straße kommen wir zwischendurch an einer längeren gemähten Wiese vorbei, die als Lande-/Startbahn für ein Kleinflugzeug dient. Und ein wunderschöner alter Schwalbenschwanz-Daimler steht hier einfach so herum; den möchte man am liebsten aus Mitleid gleich einpacken und zu Hause in die trockene Garage stellen.

Kurz vor der imposanten Kuskulana Bridge (Länge 525 ft/160 m, Höhe 238 ft/72,5 m) über den gleichnamigen Fluss machen wir Halt und nehmen ein kurzes Mittagessen zu uns. Als wir wieder starten, werden wir direkt nach der nächsten Kurve vor der Brücke durch einen Bauarbeiter mit Flagge aufgehalten. In regelmäßigen Abständen unterbrechen die Arbeiter auf der Brücke ihre Arbeit, um den kleinen Stau vor und hinter der Brücke aufzulösen. Der Brückenbelag wird erneuert: 10 cm dicke Bohlenbretter werden mit Eisenspießen befestigt. Wir kommen gerade an als die nächste Arbeitsschicht startet. Wartezeit u.U. zwischen 30-60min. Wir haben Glück und schon nach 15min sind die vorbereiteten Bretter verlegt und die Jungs machen den Weg frei.

Die nächsten zwei Stunden sind sehr nervenaufreibend, da die Fahrt über den Waschbrettbelag sehr laut ist und Vibrationen verursacht, als würde man auf einem Presslufthammer sitzen. Da klappern die Zähne hinterher noch eine halbe Stunde weiter.

So sind wir froh, dass wir beim ersten von zwei ausgesuchten Plätzen ankommen. Aber das Wasser des Flusses, der unter der Straße durch rauscht und an dessen Ufer man stehen könnte, ist milchig weißes Gletscherwasser, ganz nett reißend und zum Baden nicht geeignet. Von der Straße gut einsehbar, stünden wir hier wie auf dem Präsentierteller. Daher fahren wir zum 18 km entfernten nächsten Platz weiter. Dieser ist vom Alaska State Forestry angelegt, überdachter Picknickplatz, Toiletten, Mülleimer, und komplett leer. Zwar kein Fluss in der Nähe und auch nahe der Straße, aber nachdem gegen 18 Uhr die letzten Fahrzeuge durch sind, stehen wir ganz alleine mitten im Wald und haben eine herrliche Ruhe.

Marion setzt noch Brotteig an und geht dann raus in den Wald, um Hagebutten fürs Müsli zu sammeln. Sie braucht nach der langen holprigen Fahrt noch etwas Auslauf. Ich mache gleich den Tagebucheintrag für den heutigen Tag fertig, damit wir nicht wieder in Verzug kommen.

Zum Abendessen gibt es fertiggekochtes Pulled Pork mit Nudeln und dann ist auch gut für heute.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen an der McCarthy Road, Wrangell-Saint Elias Nat'l Pres., GPS: 61.408924, -143.046801, Gravelplatz mit Pit Toilet der Alaska State Forestry, direkt an der Straße, knapp 25km bis McCarthy, ruhig in der Nacht, kein Netz-Empfang, sehr empfehlenswert

 

 

Sa. 17.08.19

 

Kaum aufgewacht, glauben wir kaum was wir hören. Es regnet. So ein Mist. Bei schlechtem Wetter brauchen wir gar nicht dran denken loszuziehen. Erst gibt es mal Frühstück, dann sehen wir weiter.

Super, es hat aufgehört zu regnen und die Sonne kommt durch. Wir sind zuversichtlich: Bis wir abfahrbereit sind, ist der Tag mit etwas Glück doch noch zu retten.

Die letzte Etappe von knapp 25km ist vom Straßenzustand her die schlimmste der ganzen Strecke.

Bis auf ein paar tiefhängende Hochnebelfelder können wir heute die Gipfel des Massivs relativ klar sehen.

Als wir am kleinen Visitor-Center ankommen, sehen wir das Mobil von Heike und Hermann (www.HerrMANaufReisen.wordpress.com). Die beiden haben schon einige Reiseerfahrung, z.B. 2013 die Seidenstraße nach Asien. Als wir gerade so am Reden sind, höre ich oben am Gastank ein leises Zischen. Das ist nicht gut. Schnell die große Auszugsleiter herausgeholt und nachgeschaut. Der Deckel des Gasfilters hat sich gelockert und von dort kommt auch das Zischen. Nach dem Festschrauben und Kontrolle der anderen Muttern mit dem großen Schraubenschlüssel ist alles wieder im grünen Bereich.

Wegen des regnerischen Wetters heute Morgen sind wir etwas spät dran und die beiden wollen auch weiterfahren. Noch ein kurzer Austausch der Kontaktdaten; wir bleiben in Verbindung. Spätestens an Weihnachten in Mexiko wird man sich mal wieder über den Weg laufen. Die Welt ist ja bekanntlich ein Dorf.

Nachdem die beiden abgefahren sind, kaufen wir im Visitor-Center zwei Tickets für den Shuttle nach Kennicott, der recht oft und regelmäßig ab der Fußgängerbrücke pendelt. Man könnte zwar gehen oder mit dem Fahrrad fahren, aber es sind doch knapp 8km bergauf einfacher Weg und da wir noch zum Gletscher wandern wollen .... So überqueren wir die Brücke und sehen schon von hier den Mt. Blackburn, von dem sich der Kennicott-Glacier herunterwälzt während von der rechten Seite der Root-Glacier, im Moment nur als dünner weißer Strich am Rande zu sehen, ins Tal fließt.

Unter der Brücke rauscht das mit Sediment beladene Gletscherwasser durch.

Und am Busparkplatz wird ein Oldtimer aus der Zeit des Kupferabbaus ausgestellt.

Auf den fünf Meilen bis Kennicott überqueren wir noch den einen oder anderen schmaleren Fluss mit kristallklarem Wasser aus den umgebenden Bergen. Die Fahrt geht entlang an unter meterdickem Geröll begrabenen Gletschereis. Eine Geröllhalde gigantischen Ausmaßes. Bis am Ende nur noch Kies übrig ist, dauert es sicher noch Jahrzehnte/Jahrhunderte .... An manchen Bruchstellen kann man das Eis gut sehen.

Als wir in Kennicott ankommen haben wir inzwischen bestes Sommerwetter und die alte Kupfermine bzw. die Aufbereitungsanlage für das Erz steht im besten Licht am Hang. Man könnte eine Führung für 29$/Pers von oben durch die ganzen Gebäude runter bis zur Straße mitmachen und dabei die unterschiedlichsten Mahlwerkzeuge/-verfahren erklärt bekommen. Da wir aber primär zum Gletscher wollen und uns der Preis auch zu hoch ist, werden wir die Gebäude entlang der Straße besichtigen, was laut Aussage der Dame im Visitor-Center dem Besucher das meiste Wissenswerte anhand von Schautafeln vermittelt.

Ganz oben kam das Erz aus der Mine hinein und wurde immer feiner vermahlen, bevor es unten auf der linken Seite in einer riesigen Halle mit großen geschlossenen Bottichen mit Ammoniak aufbereitet und angereichert wurde. Danach wurde es in Säcke abgepackt und mit der Eisenbahn, die unter der heutigen McCarthy-Road größtenteils verlief, nach Cordova in den Hafen auf ein Dampfschiff transportiert. An manchen abgefahrenen Straßenstücken kommen zum Teil die Bahnschwellen zum Vorschein. Deshalb wird auch auf der Tafel am Beginn der Straße vor Eisenbahnnägeln auf der Strecke gewarnt.

Im nächsten Gebäude ist der General Store zu sehen und Lebensmittel in Originaldosen. M: Erinnert mich total an die Zeit, als wir noch 'Kaufladen' gespielt hatten. Lang, lang ist's her.

Hier das riesige Gebäude, in dem die Aufbereitung mit Ammoniak stattgefunden hat.

Am Beeindruckendsten ist das Powerhouse, wo mit riesigen Dieselaggregaten Hitze und Dampf/Druckluft für die Produktion erzeugt wurde.

Am Ende der Straße ist noch ein original eingerichtetes Cottage zu sehen. Besonders nett die Singer-Nähmaschine - die findet man echt überall - sowie der verzierte Heizkörper.

Gleich nach dem Dorfende beginnt der Trail zum Gletscher oder an weiteren Abzweigungen auf längere Wanderrouten, die hoch zu den eigentlichen Minen im Berg führen. - Dort oben hat man wohl auch gute Chancen, auf Bären zu treffen, vor allem wenn man im Zelt übernachtet, was dann aber auch zu einem heftigen Adrenalinschub führen kann. Im Moment sind wohl einige Bären hier unterwegs, weil die Beeren reif sind. Die wissen auch, was lecker ist! Ein Schwarzbär wird regelmäßig direkt am Trail zum Gletscher gesichtet. Wir lassen uns überraschen.

Auf den etwas mehr als 3 km bis zum Gletscher wandern wir immer etwas erhöht von der Moräne und haben damit immer einen super Blick auf die Gletscher besetzten Berge im Hintergrund und in Richtung Ziel. Mit dem Zoom können wir bereits die „Menschen-Ameisen“ auf dem Gletscher krabbeln sehen. Ungefähr auf der Hälfte des Weges, am höchsten Punkt, kann man auch gut die beiden mit Geröll beladenen Gletscherströme des Kennicott- bzw. Root-Glaciers sehen (roter/gelber Pfeil). Die Grenze bildet der dünne weiße Schneestrich dazwischen. Zwischendurch überqueren wir noch einen größeren Canyon, durch den klares Wasser ins Gletschertal fließt. Das letzte Stück des Weges geht durch Geröll. An den zum Teil großen Spalten erkennt man gleich, dass es am Root-Glacier ratsam ist, auf der weißen Seite herumzuklettern und nicht auf der Kies belegten.

Und dann dürfen wir endlich selbst auf dem Gletscher herum klettern. Die Oberfläche ist relativ rau, da jeder kleine Kiesel auf Grund der höheren Wärmeaufnahme ein kleines Loch in den Gletscher schmilzt. Man kann also auf Steigeisen verzichten. An den Rändern der Gletscherzunge gibt es richtig steile Eiswände, die von vielen Eiskletterern genutzt werden, besonders bei diesem tollen Wetter. Wir klettern vorsichtig immer weiter hoch, kommen auch an kleineren Spalten vorbei, die aber noch so klein sind, dass man nur aufpassen muss, sich nicht den Fuß zu verdrehen falls man rein tritt. Vom höchsten Punkt den ich/P erklommen habe, habe ich einen super Blick auf die beiden durch eine Bergwand getrennten Gletscher und mit etwas Zoom auf den Root-Glacier und Stairway Icefall. Einfach herrlich!

Auf dem Rückweg sehen wir am Rand ein paar Wanderer, die mit der Pfanne dem Gletscherabrieb etwas Gold abgewinnen wollen.

Irgendwann, nach über einer Stunde auf dem Gletscher, müssen wir uns von ihm trennen und beginnen den anstrengenden Aufstieg durch das Geröll hoch zum ausgewiesenen Trailpfad und zurück nach Kennicott. Wieder oben auf dem Weg stoppen wir immer mal wieder und genießen nochmal die tolle Aussicht auf die in klarer Luft liegenden strahlenden Berge.

Als wir in Kennicott ankommen sind wir fast pünktlich für den nächsten Shuttle zurück nach McCarthy zur Fußgängerbrücke. In McCarthy überlegen wir noch kurz, einen Zwischenstopp einzulegen, aber gerade als wir ausstiegen wollen, erfahren wir, dass die Geschäfte bereits geschlossen haben. Dann halt nicht.

Obwohl es schon nach 18 Uhr ist, wollen wir noch ein gutes Stück fahren, damit die morgige Holperstrecke etwas kürzer wird. Wir haben schon auf der Herfahrt den einen oder anderen Stellplatz gecheckt. Als wir an einem kleinen Stichweg an einem See vorbeikommen, ist dieser Platz bereits belegt. Für zwei Fahrzeuge ist er zu klein. Also weiter. Nach weiteren ca. 60 km sind wir wieder an der alten Eisenbahnbrücke. Der Platz darunter ist noch frei. Der nebenan liegende Bach ist zwar klar, aber zu kalt, zu rauschend und ohne einfachen Einstieg für ein erfrischendes Bad. Deshalb wird es nur eine Außendusche in der Abendsonne. In den nächsten 2 Stunden kommen noch ein paar Brücken-Touristen vorbei, danach kehrt Ruhe ein.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Gilahina River, GPS: 61.408924, -143.046801, direkt unter der alten hölzernen Eisenbahnbrücke, sehr idyllisch am rauschenden Bach, kein Netzempfang, empfehlenswert

 

 

So. 18.08.19

 

Schon beim Aufwachen zeigt es sich, dass unser Glück bezüglich schönem Wetter anhält. Es ist zwar noch recht frisch draußen, aber das wird sich mit Sonne am blauen Himmel schnell bessern. Wir fahren die uns schon bekannte Strecke mit viel Waschbrettbelag zurück Richtung Richardson-Hwy, um dort dann nach Valdez abzubiegen. Heute sehen wir die vielen Seen mit fast klarem Berghintergrund und ganz idyllisch mal wieder mit zwei Schwänen.

Wir überqueren erneut die Kuskulana River Bridge, die inzwischen fast fertiggestellt ist. Da heute Sonntag ist, wird nicht gearbeitet und wir haben Zeit, auf der Brücke anzuhalten und in Ruhe in die enge Schlucht zu schauen.

Der Chitina-River begleitet uns bis zu seinem Zusammenfluss im Delta mit dem Copper-River. Heute kann man die Fischräder deutlicher erkennen, da es nur wenig dunstig ist. Immer wieder haben wir einen guten Ausblick Richtung Norden auf die Wrangell-Mountains und auf diesem Teil der Strecke auf den eisbedeckten Mount Wrangell.

Ab Chitina folgen wir auf dem Edgerton Hwy dem Copper-River; im Hintergrund der majestätische Mount Wrangell.

An der Kreuzung Edgerton Hwy und Richardson-Hwy geht's nach links, Richtung Süden. Der Hwy wurde über viele Kilometer schnurgerade in die Landschaft gebaut. Erst als wir von Norden kommend die östlichen Ausläufer der Chugach-Mountains erreichen, haben wir eisbedeckte Berge vor uns. Direkt vor uns der Worthington-Gletscher, der noch vor dem Thompson-Pass fast bis ins Tal herunterreicht. Auch dieser Gletscher zieht sich zurück und nur die linke Hälfte, die sogenannte South-Ridge, ist nahe genug, um in einem 2h-Trail erreicht zu werden. Die rechte Seite, die North-Ridge, liegt sehr weit oben ohne Ausläufer ins Tal. Da wir heute unbedingt noch Valdez erreichen wollen und die McCarthy-Road in ihrem schlechten Zustand uns einiges abverlangt hat, verzichten wir nach dem gestrigen Erlebnis auf dem Root-Glacier heute auf diese Gletscherbesteigung.

Es geht hoch zum Thompson-Pass, von dem aus wir einen super Blick rundherum auf die Gipfel der Chugach-Mountains haben. Auf der freistehenden Hügelgruppe gibt es einen tollen Stellplatz mit phantastischer Aussicht. Mal sehen, vielleicht stehen wir hier noch eine Nacht, wenn wir von Valdez Richtung Norden fahren und hier wieder vorbeikommen.

Dieser Teil des Richardson Hwy führt durch enge Schluchten, wo in der Vergangenheit für die Pferdetrecks bzw. den Eisenbahnverkehr Tunnel durch den Fels getrieben wurden. Nachdem die Trassen für den Hwy geschaffen waren, wurden diese natürlich nicht mehr benötigt. An einigen der höheren Wasserfälle auf der Strecke, hier die Bridal Falls, wurden großzügige Parkbuchten geschaffen, damit man stressfrei Knipspause machen kann.

Kurz vor 15 Uhr erreichen wir die Stadtgrenze von Valdez. Bevor wir in die Stadt fahren biegen wir ab, um auf die Valdez gegenüberliegende Buchtseite zu gelangen. Hier liegt die bekannte Lachs-Hatchery/Aufzucht. Um den Bestand an Wildlachs weiterhin hochzuhalten und zur Unterstützung der Fischindustrie, die einen bestimmten Bedarf an im Meer gefangenen Lachs zum Überleben braucht, gibt es an vielen Stellen in Alaska derartige Hatcheries. Irgendwann wurde damit angefangen, einige Lachse, die zum Laichen die Flüsse hochzogen, wurden gefangen und deren Eier künstlich befruchtet. Nachdem Millionen von Larven in riesigen Bottichen bzw. Becken geschlüpft sind, werden diese vor der Hatchery dem Meer übergeben. Da die ausgewachsenen Lachse, in der Regel 3 Jahre alt, genau wieder an den Ort ihrer Geburt zurückkehren, kann die Fischindustrie auf der somit bekannten Route im Meer genügend Lachse fangen und auf der anderen Seite kämpfen sich trotz der hohen Fangquoten jedes Jahr zigtausende Lachse die Fischtreppe zu den Geburtsbecken hoch.

Seehunde bzw. -löwen können sich in der Lachssaison easy kugelrund fressen, schwimmen ganz relaxed inmitten der Lachssuppe. Und auch Bären sind Stammgäste, allerdings kommen diese in den frühen Morgen- bzw. späten Abendstunden.

Die fittesten Lachse (Darwin lässt grüßen) werden in den Becken gefangen, mit Elektroschock betäubt, bevor den weiblichen Lachsen die Eier entnommen (bis zu 23 Mio. Eier täglich) und mit dem Samen der Männchen künstlich befruchtet werden. Die Fertilisationsrate beträgt 100%. In der Saison werden bis zu 20.000 Lachse täglich verarbeitet. (Einen Teil der Bilder habe ich abfotografiert aus einem Erklärungsfilm, der an der Außenwand der Hatchery auf Monitoren läuft, da man nur durch zwei Fenster ins Innere sehen kann.)

Es ist natürlich befremdlich, die nicht fassbaren Mengen an Lachsen zu sehen, die alle verzweifelt als letzter Lebensakt versuchen, den Eingang zur Fischtreppe zu erreichen und sich bis zur obersten Stufe entgegen der starken Strömung hoch zu kämpfen. Dass bei diesem Ausleseverfahren (der Natur abgeschaut) einige viele auf der Strecke bleiben ist bedauerlich und man hat schon damit zu kämpfen, ob angesichts diesen Massenkampfs vor der Hatchery der Tierschutz noch vertreten ist. Die Uferränder sind übersät mit tausenden Lachsleichen, die es nicht geschafft haben. Sie haben dasselbe Schicksal erlitten, wie die Stärkeren, die am oberen Ende der Treppe dem Messer zum Opfer fallen und zu Tierfutter weiterverarbeitet werden. Das Fleisch ist nach diesem langen Kampf ausgelaugt und nicht mehr zum Verzehr geeignet. Die Lachse fressen auf ihrer letzten Reise nichts mehr, sondern verbrennen ihre kompletten Reserven.

Ein Stück weiter die Straße entlang liegt der Endpunkt der über 2000 km langen Trans-Alaska Ölpipeline (Alyeska pipeline) – von Prudhoe Bay bis Valdez, der wir sowohl im Norden als auch hier im Süden unzählige Kilometer gefolgt sind.

Von hier aus ist die berühmt berüchtigte Exxon-Valdez voll mit Öl gestartet, bevor sie im Prince William Sound 1989 havarierte und den Sound mit samt seiner Tierwelt in eine Katastrophe riss. Wir haben die Bilder dieser Katastrophe noch gut in Erinnerung: Mit Öl verschmierte und verklebte Vögel, Ölklumpen am Strand … Schrecklich! Inzwischen ist der Sound wieder sauber – so sauber, dass sich auch Seeotter, die wohl sehr empfindlich sind, hier zu Hunderten wohl fühlen. Nur wenn man am Strand tiefer gräbt, kommt man auf Öl verschmutzten Sand. Die Industrie muss hohe Standards einhalten, und anscheinend funktioniert's.

Wir fahren nach Valdez, gehen einkaufen und füllen am dortigen RV-Park kostenlos unsere Wassertanks auf. Es ist noch nicht ganz so spät und so ziehen wir los zum Büro der LuLu-Belle Touren. Wir haben die letzten Tage immer wieder das Wetter gecheckt, um den für eine Bootstour im Prince William Sound optimalen Tag zu erwischen. Samstag und Sonntag sonnig und windig, Montag sonnig kaum Wind. Danach wird es wieder stärker bewölkt. Jetzt muss nur noch ein Platz für Marion frei sein; laut Internet ist die morgige Tour noch nicht ausgebucht. Ich werde nicht mit auf die Tour kommen. Die letzte von Seward aus hat mich nicht so überzeugt und die für diese Tour angekündigten 7+ Stunden auf dem Wasser reizen mich ganz und gar nicht. Marion hat die letzte Tour gut gefallen und sie wollte schon immer eine im Prince William Sound machen. Die Tour auf der LuLu-Belle soll 145$ inkl. Tax kosten und hat einen guten Ruf.

Wir haben Glück, das Büro ist offen, die Teilnehmer der heutigen Tour sind noch nicht wieder zurück. Eine nette ältere Dame sitzt hinterm Tresen und gibt freundlich Auskunft wie, wo, wann, …. Morgen um 10.30 Uhr ist Boarding, Verpflegung gibt’s auf dem Schiff kann aber auch gerne mitgenommen werden, warm anziehen – es kann kalt werden, geplant sind mind. 7 h können aber durchaus 8 oder 9 h werden. Wetter soll super werden. Wale gab es bei den letzten Touren auch zu sehen. Der Captain nimmt sich immer besonders viel Zeit für die Tierwelt und verbringt auch draußen am Columbia-Gletscher 1 h, damit alle Passagiere ausreichend Zeit haben, um zu fotografieren und evtl. auch ein Kalben des Gletschers mit zu bekommen. Das hört sich alles toll an und das Ticket für Marion wird gekauft. - Dann sind wir ja mal gespannt.

 

In Valdez haben wir zwei Empfehlungen für freie Übernachtungsplätze bekommen. Wir wählen den riesigen Platz draußen, 8 km vom Stadtkern entfernt, am Glacier Lake Viewpoint. Hier schwimmen vom Gletscher abgebrochene Eisbrocken im eiskalten See. Dieser See ist ein beliebtes Kanutenziel, aber ohne wärmende Spezialkleidung sollte man sich nicht aufs Wasser begeben. Als wir ankommen sind wir fast alleine und, obwohl es den ganzen Tag über tolles Wetter gewesen ist, pfeift es wie Hechtsuppe, so dass ich nochmal umparken muss, um unseren Moppel in Windrichtung zu stellen, sonst wackelt der Container zu heftig.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Glacier Lake Viewpoint, Valdez, GPS: 61.147581, -146.174310, sehr ruhig, kein Netzempfang, empfehlenswert

 

Mo. 19.08.19

 

Heute steht eine Bootstour auf dem Prince William Sound auf dem Programm. Allerdings wird Marion alleine daran teilnehmen. Wie schon erwähnt, bin ich nicht so der Seebär, auch wenn die Reisetabletten bisher gut geholfen haben. Die Tour soll mindestens 7 h dauern, können aber auch bis zu 9 h werden. Das ist mir definitiv zu lang. Wale??? Vielleicht. Gletscher? Habe ich inzwischen auch schon einige gesehen. Sonstiges Getier? Hat man keine Garantie drauf. Also spare ich mir die 145$ und mache einen ruhigen Tag auf einem leeren Parkplatz in der Nähe des Hafens mit Blick rüber zur Ölverladestation der Alaska-Pipeline.

Das Wetter hat sich wie vorhergesagt entwickelt: Blauer Himmel, viel Sonne und fast kein Wind. Also ideale Bedingungen für den Bootsausflug.

Da es ein langer Tag wird für Marion, wird ordentlich gefrühstückt. Genug zu trinken und ein paar Müsliriegel werden als Proviant eingepackt. Kamera dabei + genügend Akkus. Wir sind rechtzeitig am Bootsanleger und Marion freut sich schon riesig auf den heutigen Tag. Sei ihr gegönnt. …

 

Marion: Ich stehe vor der LuLu-Belle mit ca. 50 weiteren Ausflüglern. Ich freue mich riesig, es wird bestimmt ein herrlicher Tag. Peter steht oben am Geländer, wir winken uns nochmal zu, dann startet das Boarding und der 'Kampf' um einen guten Platz auf Deck. Ich sitze am liebsten vorne im Bug, hier sieht man meistens am besten, sitzt allerdings auch voll im Wind. Hier im Hafen ist es jetzt schon richtig warm und ich habe mich vorhin noch kurzfristig dazu entschlossen, meine Strickjacke zuhause zu lassen; ein Fehler, wie sich später herausstellt.

- Wir sind jetzt schon 1 ½ Jahre auf Reisen und sind seither noch keinen Tag voneinander getrennt gewesen! Komisches Gefühl! -

Kaum aus dem Hafen raus, bieten sich schon die ersten Fotomotive: Angler und Fischerboote mit Möwen, im Hintergrund Berge mit Gletschern vor strahlend blauem Himmel. Trotz der Sonne ist die Luft in der Bucht recht kühl und der Fahrtwind zieht uns allen kalt um die Nasen. - Hätte ich doch bloß meine Jacke mitgenommen. -

Der Captain ist ein für sein hohes Alter recht munterer Geselle und erzählt, erzählt, erzählt, ohne Unterlass über die Historie der Stadt und der Region, wer sich wann wo niederließ, über den Fisch- bzw. Lachsfang, die Ölindustrie, über die Berge und die Gletscher (die er selbstverständlich alle mit Namen kennt), über das Meer, den Wind, den Sommer und den Winter hier, und und und … 9 Stunden lang. Mal interessant, mal weniger, langweilig ist uns nicht. Viele sitzen draußen in der Sonne im kalten Wind, zum Aufwärmen kann man ja zwischendurch in die Kabine.

Noch keine ½ Stunde unterwegs wird das Boot langsamer und wir steuern auf ein Seeotter-Floss zu. Diese lustigen geselligen Tiere bilden auf See häufig eine Art Floss, bleiben eng beieinander, damit sie, wenn sie am Schlafen sind, nicht abtreiben. Es wurden wohl schon Seeotter-Flösse mit an die 1000 Tieren gesichtet. So viele sind es hier nicht, so um die 20-30 Tiere. Sehen sie nicht knuffig aus? Und Spaß haben sie definitiv auch!

Der erste Seelöwe auf der Tour ruht sich auf einer Warnboje aus.

Kein Wind, das Wasser ist ganz ruhig. Wir fahren zügig aus dem Hafen, durch Port Valdez / die Bucht und steuern auf die Valdez Narrows / Enge zu. Die ersten Fischerboote bzw. Lachsfänger begegnen uns. Schöne Wasserfälle an steilen Felswänden; im Winter sind diese wohl gefroren. Blauer Himmel, kleine Inseln, türkis farbiges Wasser – tolles Panorama.

Am Horizont eine Gewitterfront, hoffentlich zieht diese nicht in die Bucht von Valdez – wenigstens nicht Heute.

Kaum durch die Enge, schwimmen im Valdez Arm auch schon einige Eisschollen, samt Vogelwelt. Ab jetzt haben wir über Stunden einen genialen Blick auf die Alaska Gletscherwelt.

Die Küste ist rau mit vielen Felsvorsprüngen, Buchten und kleineren felsigen Inseln. Wir schippern sicher dazwischen hindurch oder halten teilweise direkt darauf zu, um den Fels genauer in Augenschein nehmen zu können. Nähern wir uns an, wird es auf dem Schiff mucksmäuschenstill, um die scheue Tierwelt nicht zu stören.

Unser Captain kennt die Tierwelt hier genau und steuert auf einen Fels zu, wo sich ein Weißkopfseeadler niedergelassen hat.

Wenig später steuern wir ganz langsam in eine winzige Felsbucht, in der Puffins nisten. Judy, eine Angestellte, zeigt dem Captain vom Bug aus per Handzeichen, wie weit er sich noch vorwagen kann. Das Wasser ist ganz klar, die See total ruhig – bei mehr Seegang wäre dies nicht möglich gewesen.

Leider kein Puffin zuhause – sind wohl ausgeflogen.

Zwei, drei 'Ecken' weiter hören wir schon aus einiger Entfernung das Gebrüll von Seelöwen. Eine ganze Kolonie liegt hier auf den Felsen und döst in der Sonne.

Und wieder ein paar Inselchen weiter bekommen wir endlich auch Puffins zu sehen. Ganz nahe fahren wir mit der LuLu-Belle heran, kein Pieps ist zu hören, weder von den Passagieren noch von den Vögeln. Mehrere Vögel sitzen in Felsnischen und lassen sich aus nur wenigen Metern Entfernung hervorragend ablichten. Den schwarzen Kormoran hätten wir beinahe übersehen auf dem dunklen Felsvorsprung.

Kurz danach erreichen wir eine weitere Seelöwen-Kolonie. Lautes Gebrüll. Sind ein paar richtige Brummer dabei.

Nachdem wir nun einiges an Tierwelt gesehen haben, geht es weiter hinaus aufs Meer. Überall sind jetzt Lachsfänger unterwegs, es ist Hochsaison. Eines der Boote holt gerade das Netz ein und unser Captain beschließt kurzerhand, dem Boot einen Besuch abzustatten. So etwas sieht man ja auch nicht alle Tage, ist er der Meinung. Als das Netz langsam aus dem Wasser gehievt wird, sieht man die Lachse darin zappeln. Das Boot neigt sich bedrohlich zur Seite, als das Netz hochgezogen wird, um den Fang an Bord zu holen.

Wir schippern ganz nahe ran und Judy lässt sich vom Lachsfänger einen frisch gefangenen Lachs in ein großes Netz werfen, damit die Passagiere auf der LuLu-Belle das zappelnde Tier genauer betrachten und ablichten können. Danach wird der Fisch wieder ins Meer geworfen.

Weiter geht es durch den Valdez Arm, immer die schöne Gletscherwelt vor Augen. Und nach zig Meilen biegen wir ab in die Columbia Bay, steuern auf den Columbia Glacier zu, dem größten Gletscher hier. Je weiter wir in die Columbia Bay kommen, desto kühler wird es. Immer mehr Eisschollen treiben im Wasser. Gletscher, Gletscher …. überall Berge mit Gletschern, von denen viele ins Wasser strömen. … das ist er noch nicht, der Columbia Gletscher.

Immer noch rund 15 Meilen vom Columbia Gletscher entfernt, sehen wir diesen endlich. Weit entfernt noch, aber dennoch. Ein riesiges weißes Band, das sich ins Meer ergießt. Gigantisch.

Auf einigen Eisschollen machen es sich Robben bequem. Als wir näher kommen, flüchten sie ins Wasser.

Der Captain meint: Außentemperatur um die 10°C, Wassertemperatur ca. 5°C. Wir sind immer noch 2-3 Meilen vom Gletscher entfernt. Die Eisschollendichte nimmt zu. Wir tuckern ganz vorsichtig hindurch und nähern uns immer mehr dem Gletscher. Man hört das Kratzen des Eises an der Außenwand. Bis auf eine ¼ Meile kommen wir heran. Der Gletscher ist enorm, zieht sich über mehrere Meilen im Halbkreis durch die Bucht. Wir werden uns hier vor dem Gletscher jetzt ungefähr eine Stunde aufhalten und haben so eine reelle Chance, den Gletscher kalben zu sehen.

Bei so viel Zeit, bleibt genügend davon, um von den Passagieren vorne im Bug Fotos zu machen, entweder mit LuLu-Belle Rettungsring oder mit einem Merry-Christmas-Schild. - Wat mut, dat mut, oder?!

Immer wieder scannen wir den Gletscher nach verdächtigen Rissen ab; hören ein Knacken und Krachen, was auf ein Kalben hindeutet. „Dort, wo sich kleinere Stücke aus der Eiswand lösen, wird es höchstwahrscheinlich zu einem größeren Abbruch kommen“, erklärt uns der Captain. Es bröckelt …. Aber längere Zeit passiert gar nichts. Dann, gerade als ich wieder einmal meinen Blick von rechts nach links am Gletscher entlang schweifen lasse, höre und sehe ich, wie sich weit rechts ein Stück löst und drücke auf den Auslöser. Das war ein größerer Abbruch und ich konnte gut das aufspritzende Wasser sehen. Glück gehabt!

Der Columbia Gletscher ist gigantisch, einfach nur riesig. Nur schwer vorstellbar, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Das Eis leuchtet von grell weiß bis strahlend hellblau.

Blauer Himmel, Sonne, nahezu spiegelglatte See – ein perfekter Tag für eine Gletscher-Tour. Nach beinahe 1 ½ h fahren wir wieder zurück, und bereits in einigen Meilen Entfernung können wir nochmal einen herrlichen Blick auf den gesamten Gletscher genießen. Dann entschwindet er aus unserem Blickfeld und wir fahren hinaus aus der Columbia Bay.

Je weiter wir uns aus der Gletscher-Bay hinaus begeben, desto wärmer wird es wieder. In der Sonne schon beinahe angenehm.

Auf dem Rückweg erzählt uns unser Captain, dass es in der Bucht wohl residierende Schwertwale hat. Diese wurden auf einer Tour vor ein paar Tagen gesichtet. Gestern wurde ein Humpback gesehen. Er wird in etwa die Stelle ansteuern, an dem die Sichtungen stattfanden. Vielleicht haben wir Glück. Die meisten Wale sind bereits unterwegs in südlichere Gewässer.

Wir haben Glück – zwar keine Schwertwale, aber ein Humpback lässt sich blicken. Er döst wohl vor sich hin, denn zwischen den Tauchgängen liegen nur wenige Minuten. Würde er fressen, wäre er 10-15 Min. abgetaucht, um dann wieder Luft zu holen. Er ist ganz nah, wir können seinen (stinkenden) Atem riechen.

Ah, sehr gut, jetzt zeigt er schön seine Schwanzflosse. Dann taucht er ab und verschwindet für eine Weile.

Whale, Whale“, ruft es aus mehreren Kehlen. Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Aber seine Schwanzflosse zeigt er uns nicht mehr. Danach drehen wir ab, denn inzwischen sind wir schon über 8 h unterwegs.

Wir genießen noch die letzten schönen Eindrücke der Bergwelt ringsum. Langsam nähern wir uns dem Hafen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht sehen wir das Trans Alaska-Pipeline Terminal, das untere Ende der 2000 km langen Öl-Pipeline.

Nach einer langen 9 h dauernden Bootstour kommen wir erschöpft aber glücklich wieder im Valdez Hafen an. Der Captain bedankt für die Teilnahme und verabschiedet sich persönlich mit Handschlag von seinen Gästen. Schön war's. Ich habe jede Minute genossen.

Peter wartet sicher schon ungeduldig auf unsere Ankunft – Geduld ist nicht gerade seine Stärke.

Peter: Nachdem ich schon über 1,5h im Hafen beim Bootsanleger gewartet habe und beinahe schon Richtung Tourbüro aufbrechen will, um zu erfahren, ob es mit dem Schiff Probleme gibt, tuckert das Ausflugsboot in die Hafeneinfahrt. Der Kapitän hat sich, wie vorher versprochen, ausgesprochen viel Zeit an den unterschiedlichen interessanten Punkten der Route genommen und daher wurden die 9h voll ausgeschöpft.

Marion kommt mit einem Strahlen, aber etwas durchgefroren, vom Schiff und verkündet gleich wie super der Tag war. Zwar sehr lange und gegen Ende kalt, aber dafür viele Seeotter, Puffins, Seelöwen, Wale, grandiose Bergwelt und kalbende Gletscher. Also alles, was sie sich gewünscht und erhofft hat. So muss es sein, wenn man viel Geld in die Hand nimmt. Ich für meinen Teil bin auch zufrieden, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, denn 9h auf See wären für mich eine echte Tortur gewesen. Ich habe den Tag durch nur ein paar kleinere anstehende Reparaturen erledigt, Bilder sortiert, Mittagsschläfchen gehalten und einen Film angesehen. Also ein absoluter Chill-Tag.

Jetzt fahren wir nur noch zum Stellplatz, der außerhalb der Stadt etwas versteckt im bewaldeten Strandgebiet liegt. Der Platz ist sehr groß, keine Verbotsschilder. Wir parken ganz hinten ein, so dass man uns von der Straße aus nicht sehen kann.

Als es schon dunkel wird, kommt noch ein Schweizer Pärchen mit ihrem Van vorbei. Sie freuen sich, dass sie nicht alleine über Nacht stehen müssen. Wir laden die beiden noch auf eine Tasse heißen Tee ein und geben einige Tipps an sie weiter, da sie Vieles von dem, was wir die letzten Wochen absolviert haben, noch vor sich haben. Irgendwann ist dann Schluss, alle sind müde. Und ich habe einige Mühe, die eiskalte „Leiche“ neben mir im Bett aufzuwärmen. Brrrrrrr

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen an der Mineral Creek Road, Valdez, GPS: 61.128179, -146.286044, großer Platz, sehr ruhig, guter Verizon-Empfang, nur 2 km bis nach Valdez, sehr empfehlenswert

 

 

 

 

 

Di. 20.08.19

 

Marion will Heute morgen noch nicht so gerne aus den Federn. Ihr steckt wohl noch der Bootsausflug, vor allem die Kälte auf der Fahrt, in den Knochen. Aber der Tag soll sonnig werden - der Blick zum Dach hinaus zeigt dies jedenfalls so -, so dass es kein Erbarmen gibt. Der Kaffeeduft und der frischer Croissanthörnchen aus dem Ofen locken sie schließlich unter der Decke hervor. Kaum, dass wir mit dem Frühstück fertig sind, starten unsere Nachbarn aus der Schweiz schon durch und verabschieden sich.

Beim Fertigmachen für die Abreise entdeckt Marion auf einer Baumspitze einen Weißkopfseeadler und spaziert gleich mal mit der Kamera los, um das Tier aus der Nähe abzulichten.

Unser Stellplatz ist nur 2 km vom Stadtkern Valdez entfernt und nur 400 m weiter, die Straße runter, befindet sich das kleine Ladengeschäft der Fischereigenossenschaft, wo man geräucherten Lachs erwerben kann. Wir nehmen zwei größere Stücke geräuchert 'pur' und ein kleineres Stück geräuchert mit Pfefferkruste. Die Stücke sind vakuumverpackt und gefroren, wandern sofort in den Gefrierschrank und halten somit für seeehr lange Zeit ... theoretisch :-)

Von hier aus fahren wir direkt zu „Peter Pan“, dem größten Seafood-Händler am Ort. Hier kaufen wir 6 Stücke rohen Lachs, ebenfalls vakuumverpackt und gefroren, und mehrere Dosen mit gekochtem Lachs in Salzlake. Jetzt ist der Gefrierschrank rappelvoll mit Lachs. Gut so, denn unser Küstenaufenthalt und die Möglichkeit, frischen Lachs günstig zu kaufen, ist jetzt vorbei, da wir nun wieder nach Norden fahren, Richtung Dawson City über den Top of the World Highway.

Wir umrunden nochmal den Yachthafen, stoppen für einen kurzen Spaziergang am Dock Point (Kind im Matsch – bleibt natürlich stecken ...) und anschließend noch kurz bei Safeway, bevor wir Valdez auf dem Hwy #4 verlassen.

Nach 5 km biegen wir dann doch noch kurz entschlossen ab zur Lachs-Hatchery. Dieses Schauspiel möchten wir uns nochmals ansehen. Wir sind noch nicht ganz die Hälfte der Strecke gefahren, als uns Christin und Martin (www.earthloversontour.blogspot.com) mit ihrem Mobil entgegenkommen. Wir haben uns vor der Grenze USA/Kanada bei Vancouver Ende Mai kennengelernt und laufen uns jetzt nach 3 Monaten zufällig wieder über den Weg. Wären wir nicht nochmal abgebogen, hätten wir uns verfehlt. Wir stoppen, ratschen eine knappe halbe Stunde, dann trennen sich unsere Wege wieder. Nebenbei können wir jetzt bei Ebbe in der Bucht mehrere Weißkopfseeadler beobachten, die im Watt sitzen und an den toten Lachsen knabbern, außerdem Tausende Möwen und andere Seevögel.

Christin und Martin werden nach dem Aufenthalt in Valdez auch in den Norden Richtung Dempster Hwy fahren, vielleicht trifft man sich dort ja wieder und hat dann mehr Zeit, um mal den einen oder anderen Tag gemeinsam zu reisen und nette Abende am Lagerfeuer zu verbringen. Die Beiden sind erfahrene Reisende, haben schon viel von der Welt gesehen, wie man auf ihrem Blog nachlesen kann. Sie haben bestimmt einiges Interessante zu erzählen.

Wir werden in den nächsten zwei Tagen das schöne Wetter nutzen auf der Fahrt nach Norden durch tolle Landschaft, bevor es wieder wolkig wird, während Christin und Martin noch Valdez vor sich haben.

Bei der Hatchery sind wir erstaunt über das total veränderte Bild. Durch die Ebbe sind zigtausende Lachse, die sich die Fischtreppe hoch kämpfen wollen, aufs Meer zurückgedrängt worden. Die Luft ist erfüllt vom Verwesungsgeruch der unzähligen knapp vor dem Ziel verendeten Tiere. Wir sind froh, die Hatchery vorgestern bei Flut gesehen zu haben, sonst wären wir sicherlich auch, wie Christin und Martin, enttäuscht weggefahren.

Von Valdez auf Meereshöhe kämpfen wir uns über viele Kilometer wieder hoch zum Thompson Pass. Davor haben wir aber noch einen gigantischen Ausblick auf die südlich liegenden Berge, die mit Gletschereis bedeckt sind. Hier gäbe es einen tollen Stellplatz mit 360° Rundumsicht auf exponierter Lage. Noch zu früh.

Wir fahren mit einem wehmütigen Blick weiter und genießen nach dem Thompson-Pass den Ausblick auf den Summit-Lake

und auf den Worthington-Gletscher, der gerade in der Sonne erstrahlt.

Ab hier beginnen nun wieder die Hwy-Bauarbeiten und viele Teilstücke kann man nur im Schlepptau eines Pilotwagens nach langen Wartepausen hinter sich bringen. Als wir nach Valdez hinuntergefahren sind, war es Sonntag und wir konnten ungehindert durchbrettern.

Gerade als wir die letzte Etappe gemeistert haben und wieder Gas geben dürfen kommen uns Richard und Michaela (www.quer-fahrt.de) mit ihrem Ex-Mobil entgegen. Wir trafen die beiden vor ca. 3 Wochen kurz vor Homer am Whiskey Gulch Beach und stehen seither per Whatsapp in Kontakt. An der nächsten Ausfahrt drehen wir um und versuchen sie einzuholen. Ihr Mobil wird gleich an der ersten Baustellenetappe ausgebremst und wir können direkt hinter ihnen am Straßenrand parken. Leider haben sie wegen Schlechtwetter in den letzten Tagen am Denali NP festgehangen, sonst wären wir uns sicher schon früher über den Weg gelaufen.

Auch sie haben Valdez und Kennecott/Root-Gletscher noch vor sich, deshalb müssen wir auch mit diesen beiden das nächste Treffen in die Zukunft verschieben. Im Gespräch während der Wartezeit an der Baustelle ergibt sich, dass sie sich in Valdez mit Christin und Martin wieder treffen, mit denen sie in den letzten Wochen öfters zusammen gefahren sind. Die Welt ist doch so klein ....

Auf der restlichen Fahrt bis nach Glennallen werden wir nicht mehr aufgehalten, machen nur hin und wieder einen kurzen Fotostopp, um immer mal wieder die Wrangell-Mountains aus unterschiedlichen Richtungen abzulichten.

In Glennallen kaufen wir noch ein bisschen Proviant für die lange Fahrt durch die Wildnis bis nach Dawson City ein, bevor wir 12 km weiter direkt nach der Abfahrt nach Tok auf einem großen Schotterplatz in der Nähe des Gulkana River einen ruhigen Platz für die Nacht finden.

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Da wegen der Lachseinlagerung die letzte Portion Gulasch aus dem Gefrierfach weichen musste, gibt es diese heute als Abendessen, das wir uns nach knapp 260 km Fahrt redlich verdient haben.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Gulkana River, GPS: 62.267612, -145.384412, sehr großer Platz; relativ ruhig sobald der Verkehr abends über die nahegelegene Brücke versiegt, kein Verizon-Empfang, als Zwischenstopp zu empfehlen

 

 

Mi. 21.08.19

 

Wie so oft diskutieren wir beim Frühstück nochmal die Planung für den Tag. Gestern Abend waren wir noch unschlüssig, ob wir uns in den nächsten Tagen wirklich schon von Alaska verabschieden sollen. Als Alternativen stehen zur Diskussion weiter entweder weiter nach Kanada / Dawson City, oder ein Kurztrip nochmal zum Gulkana Glacier in der Nähe von Paxson am Richardson Hwy, oder ein großer 1000 km-Loop zurück über den Glenn-Hwy nach Palmer, dort auf die jährliche Alaska-Messe und danach hoch zum Denali-Hwy, um diesen nochmal gen Osten abzufahren. Da wir aktuell ein gutes Netz zur Verfügung haben, checken wir die Wettervorhersage für die nächsten 10Tage in alle möglichen Richtungen. Am Gulkana Gletscher wird es heute und in den nächsten Tagen regnen – also keine Option. Auch in Palmer und am Denali-Hwy ist es die kommende Woche sehr durchwachsen, keine Sonne. Das hatten wir schon beim letzten Mal und waren enttäuscht über die fehlende Fernsicht auf die Alaska-Range. Somit fällt auch diese Variante weg. Also wieder zurück zu Plan A, auf dem Tok Cut Off Hwy hoch nach Tok, auf halber Strecke evtl. einen Abstecher in den Wrangell-St. Elias NP nach Nabesna, die Nordseite der Wrangell-Mountains mit ihren Gletschern. Am Ende dieser Route gibt es zwei interessante aber steile Wanderungen, von denen aus man laut Broschüre vom Visitor-Center fantastische Ausblicke hat.

Schon kurze Zeit nach dem Start biegen wir auf den Tok Cut Off Hwy ab. Der Himmel ist weitestgehend blau aber Richtung Berge ist es sehr dunstig, sieht fast wie Nebel aus, nur vereinzelt sind ein paar Bergspitzen zu erkennen. Das ändert sich auch nicht bis zur Abfahrt nach Nabesna, wo wir kurz stoppen und überlegen. Lohnt sich nicht, one way 60 km Waschbrettstraße zu fahren, wenn man die Berge nicht sieht. Das gilt natürlich auch für die zwei Trails. Laut Wettervorhersage ist keine Besserung zu erwarten, also macht es auch keinen Sinn, einen Stellplatz zu suchen und mehrere Tage auszuharren.

Wir fahren weiter, bolzengerade durch die wolkenverhangene Bergwelt der Alaska-Range gen Norden Richtung Tok.

Immer wieder gibt es Baustellen. Permafrostboden. Sehr schlechter Untergrund für jede Art von Straße, so dass ständig irgendwo längere Stücke des Hwy ausgebessert werden müssen. Für uns bedeutet das wieder einmal länger Warten und dann im Schlepptau eines Pilotfahrzeuges durch die Baustelle.

In Tok angekommen, machen wir an der Tanke unsere Wassertanks randvoll mit gutem Trinkwasser und auch die Dieseltanks werden noch einmal mit günstigem amerikanischen Sprit gefüllt. In Alaska darf dem Benzin kein Ethanol zugesetzt werden, deshalb füllen wir auch gleich noch unsere beiden kleinen Reservekanister für den Stromgenerator und die Mopeds. Das müsste wieder eine Weile reichen. Noch ein kurzer Einkauf im Supermarkt und dann sind wir in jeder Hinsicht gerüstet, um den Taylor-Hwy hoch nach Chicken und danach den Top of the World Hwy bis rüber nach Dawson City in Kanada anzusteuern.

Tok verlassen wir gen Osten, überqueren wie bei unserer Ankunft vor 9 Wochen den Tanana-River und biegen dann ab auf den Taylor-Hwy. Es geht kontinuierlich in die Höhe. Soweit das Auge sehen kann kümmerliche Nadelbäume („Broomstick-Spruce“ = Besenstieltannen). Auch hier gibt es große Gebiete, die in den letzten Jahren dem Feuer zum Opfer gefallen sind, inzwischen aber wieder bewachsen mit jungem Grünzeug.

Wir nähern uns so langsam der 300 km Marke und beginnen mit der Stellplatzsuche. Es gibt zwar in regelmäßigen Abständen Parkplätze direkt am Hwy, sind jedoch nicht wirklich attraktiv – laut und ganz ohne Deckung (Präsentierteller). Nirgends ein Weg rechts oder links in die Wildnis. Wir fahren immer weiter Richtung Chicken. Kurz davor soll ein Platz existieren, etwas weg von der Straße, durch Bäume geschützt. Knapp 50 km vor diesem Ziel entdecken wir im Vorbeifahren eine kleine Einfahrt in eine ehemalige Kiesgrube - Schotter für den Straßenbau. Es sieht so aus, als hätte hier schon länger kein Abbau mehr stattgefunden. Die großzügige relativ ebene Fläche liegt geschützt von der Straße hinter Büschen.

Wir parken in einem windgeschützten Teil ein unter Einsatz der Auffahrkeile. Marion geht gleich in die Küche und verarbeitet das heute gekaufte Rinderhack zu einer leckeren Tomatensauce mit Fleischeinlage. Nach dem Abwasch ist es dann schon wieder weit nach 20Uhr und etwas platt von der langen Fahrerei gehen wir in den Feierabend über.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Taylor-Hwy #5, GPS: 63.623835, -142.321699, kleine Kiesgrube direkt am Highway, geschützt hinter Büschen, wenig Verkehr, sehr empfehlenswert

 

 

Do. 22.08.19

 

Gestern Abend blies noch ein starker, kühler Wind - definitiv zu frisch für eine Außendusche. Heute Morgen ist der Wind fast nicht zu spüren und die Luft ist nicht so kalt wie erwartet. Also noch vor dem Frühstück, direkt aus dem Bett raus, unter die Dusche. Marion geht zwar mit Vorliebe schon gleich morgens in Gletscherseen zum Baden, aber mit der Dusche hat sie so ihre Schwierigkeiten. Heute kommt sie gleich mit dazu, danach gibt es Frühstück.

Weiter geht’s nach Chicken. Landschaftlich eher langweilig, es geht durch niedrig bewachsene Hügellandschaft, nicht so berauschend. Der Großteil der Landschaft fiel irgendwann in den letzten Jahren einem Brand zum Opfer.

Das 'Dorf' Chicken besteht nur aus vereinzelten Hütten, lebt eigentlich hauptsächlich von wenigen Goldgräbern und von Touristen, die den Top of the world Hwy fahren – siehe auch Chicken Facts.

Beim kleinen Saloon und Andenkenladen in Downtown kann man bis zu 48 h umsonst stehen. Wir hoffen, auf andere Overlander zu treffen, treffen aber nur auf ein junges Pärchen mit Camperbus aus Stuttgart, das von Dawson City kommend Richtung Alaska unterwegs ist. WIR haben einige Alaska-Broschüren zu verschenken – werden wir höchstwahrscheinlich nicht mehr brauchen, und SIE haben aktuelle Infos zum Dempster Hwy, u.a. ein Bild, wie sie vor wenigen Tagen einen kleinen Schneemann am Arctic Circle bauten.

Bei einem Becher Kaffee und Kuchen auf der Bank in der Sonne machen wir eine halbe Stunde Smalltalk in unserer Landessprache, bevor wir alle wieder starten, halt in entgegengesetzter Richtung. Alleine auf dem Platz wollen wir nicht stehenbleiben, so schön ist es hier auch wieder nicht, sondern hoffen auf ein nettes Plätzchen auf dem Top of the World-Hwy. Sightseeing in Chicken: Downtown, Golddredge, das Wahrzeichen 'Chicken' und obligatorischer Masten mit Entfernungen zu verschiedenen Punkten auf der Welt.

Beim Ortsausgang von Chicken sehen wir Goldminen-Gerät zum Verkauf angeboten. Auf den folgenden Kilometern bis an die kanadische Grenze geht es auf Gravelroad durch die Wildnis und an vielen Stellen kann man verdeckt hinter Bäumen massive Räumarbeiten auf den Goldclaims beobachten bzw. man kommt sehr nahe direkt an der Straße daran vorbei. Hier wird mit großem Gerät der Natur zu Leibe gerückt, um ihr das begehrte Metall zu entreißen. Tut fast schon weh, diese aufgerissenen Wunden zu sehen in der sonst unberührten Natur.

Für den Grenzübertritt, der erst in 1-2 Tagen geplant war, sind wir eigentlich nicht vorbereitet, da wir noch einiges an Gemüse usw. im Kühlschrank haben und wir nicht wissen, wie die Grenzer darauf reagieren. Im worst case müssen wir umdrehen und solange in Alaska bleiben, bis wir alles Unerlaubte 'vernichtet' haben.

An der Grenze werden unsere Pässe kontrolliert; die Fragen nach Tabak, Alkohol, Waffen, Marihuana verneinen wir, Pfefferspray - nur einen Bärenspray. Dann noch die Frage wie es weitergeht und wo wir Kanada ungefähr verlassen werden und schon werden wir nach 2 min mit einem Willkommensgruß ins Land gelassen. Wir fragen noch wegen unseres USA-Visa-Anhanges im Pass, da unsere 12 Monate am 15.09. ablaufen; wie wir damit verfahren sollen, da wir diesen Anhang abgeben müssen, um sauber aus den USA ausgereist zu sein. Er sagt, sollten wir diese letzten Tage bis 15.09. nicht wieder nach Alaska einreisen wollen, er die Anhänge übernehmen und dies seinen amerikanischen Kollegen mailen wird. Somit sind wir 'sauber' und sollten in 2-3 Monaten bei der Wiedereinreise in die USA keine Schwierigkeiten bekommen.

Die Grenze ist auch gleichzeitig eine Datumsgrenze. Wir lassen Alaska-Zeit hinter uns und sind wieder in der Pacific-Timezone, also nur noch 9 h hinter Deutschland her, und nicht mehr 10. Ein letzter Blick zurück auf die Zollstation – Bye-Bye Alaska - und weiter geht es auf dem „Top of the world-highway“.

Willkommen Kanada bzw. mal wieder Yukon-Territory !!!

Huch, wie die Zeit vergeht .... 9 Wochen Sommer in Alaska, und schon ist es wieder vorbei ....

Wir versuchen einen ruhigen Stellplatz zu finden, während das Wetter etwas umschlägt und dunkle Wolken aufziehen. Die entfernten Bergrücken sind mit Schnee bedeckt, aber nur schwer im Dunst auszumachen. Wir finden einen etwas abseits gelegenen Platz mit freier Sicht gen Süden. Zum Raussitzen ist es zu frisch und gegen später setzt sogar leichter Nieselregen ein. Da bleiben wir zu Hause, machen es uns drinnen im Warmen gemütlich.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Top of the World-Hwy #9, GPS: 64.220444, -140.176539, toller Blick über die Berge von Kanadas Norden, sehr ruhig, sehr empfehlenswert

Hier wieder die Kartenübersicht der 59. und 60. Woche mit den gewählten Stellplätzen:

USA_2019_Aug_2

 

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