Do. 01.08.19 - Fr. 02.08.19

Herrlich, wie ruhig und idyllisch es ist am Morgen an einem kleinen See mitten in der Wildnis. Schon vor dem Frühstück, nach einem erfrischenden Bad in „unserem“ See ist klar, dass wir hier sicherlich ein paar Tag stehen bleiben. Der Platz erinnert uns stark an unseren bisher beliebtesten Stellplatz in Ostkanada am Peshu-Lake. Auch dort standen wir ganz alleine an einem See, herrliches Wasser, keine Mücken und ein einsamer Loon in der Nähe.

Heute werde ich versuchen, eine Hohlschraube basteln, um damit die Luftverteilung in Richtung Geländeuntersetzung und Differentialsperren wieder herzustellen. Da ich keinen Schraubstock zur Verfügung habe, muss Marion dafür herhalten. Sie muss die Schraube mit der Rohrzange festhalten, während ich mit unterschiedlichen Bohrerstärken das zentrale Loch immer weiter vergrößere. So richtig an einen Erfolg glaube ich ja nicht. Mit viel Geduld und Spucke erzielen wir aber am Ende das gewünschte Ergebnis, halt nicht so schön, wie mit einer Standbohrmaschine und Drehbank gemacht. Hauptsache, die Schraube passt jetzt in den Helicoil, ist dicht und leitet die Luft wieder dahin, wo diese hin soll. Mit etwas Teflonband und einer Keramikdichtung ober- und unterhalb der Hohlhülse mit Luftableitung, ist dann auch alles wieder dicht und funktioniert. - Einwandfrei!

Da die Fahrerkabine schon gekippt ist, entferne ich auch gleich noch mit viel Bremsenreiniger und einigen Zewatüchern Öldampf vom Rüssel an den Stellen, die ich öfters anfassen muss, vor allem auf der ganzen Containerbreite zwischen den Edelstahlwinkeln, in denen sich die kleine Leiter befindet. In letzter Zeit haben wir immer ölige Finger bekommen, wenn wir diese herausgenommen haben. Nach dem Reinigen befestige ich mit Ducktape Plastikfolie an den Edelstahlwinkeln über die gesamte Länge, so dass in Zukunft die Leiter auf jeden Fall sauber bleiben wird.

Während ich draußen am Basteln bin, beginnt Marion mit dem Kleinschnippeln eines Teils des Gemüses und einer Schweinelende. Nach dem Anbraten des Fleisches mit der gehackten Zwiebel im großen Schmortopf, kommt alles Gemüse dazu, ablöschen und köcheln lassen. Hier in den USA gibt es Schweinelende relativ günstig zu kaufen, meistens in verschiedenen Marinaden in Folie eingeschweißt. Erstens hält sich das Fleisch im Kühlschrank mindestens zwei Wochen, wird durch die Marinade butterzart und gibt der Soße bzw. dem Gemüse-Eintopf gleich noch etwas Würze mit.

Nachdem die Werkzeuge aufgeräumt und die Küche nach der Eintopfschlacht und dem leckeren Essen gereinigt ist, ist endlich Zeit, um gemütlich in der Sonne zu lesen oder mit der Kamera auf Entenjagd zu gehen.

Gegen Abend, die Bäume spiegeln sich schön im glatten See, sind wir total happy als sich zu dem einzelnen Loon zwei weitere dazu gesellen. Das ist neu. Bisher, auch in Ostkanada, konnten wir immer nur einen Loon beobachten. Später kommt sogar kurzfristig ein vierter dazu, ist aber auch gleich wieder weg bzw. abgetaucht. Loons können mehrere Minuten untertauchen und kommen dann an weit entfernten Stellen wieder an die Oberfläche.

Der Fireban ist eigentlich wieder aufgehoben, es wäre auch etwas Holz in der Nähe, aber wir genießen den Abend am See auch ohne Lagerfeuer und müssen so wegen den Funken und der Glut nicht aufpassen wie Schießhund, da wir natürlich nicht für den nächsten Waldbrand verantwortlich sein wollen.

 

Auch den zweiten Tag verbringen wir mit viel Lesen und Schwimmen zu unserer Entspannung. Zwischendurch kommen zwar immer mal wieder Gäste mit Autos vorbei, bleiben aber nur kurze Zeit, so dass wir unsere Ruhe haben.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Rainbow Lake, GPS: 60.718756, -150.81784, sehr ruhig, flaches Wasser aber schwimmbar, kaum Mücken, sehr empfehlenswert

 

 

 

Sa. 03.08.19

 

Leider haben wir hier draußen keinen Internet-Connect und können deshalb die Wettervorhersage nicht abrufen. Auf der einen Seite wollen wir das tolle Wetter weiter am See genießen, auf der anderen Seite wollen wir auch nach Seward fahren und dort bei schönem Wetter einen ganztägigen Bootsausflug in den Kenai Fjords National Park bzw. eine Wanderung zum Exit Glacier machen. Wir beschließen also, uns heute mal wieder zurück in die Zivilisation zu begeben und hoffen, dass wir woanders auch wieder einen schönen See zum Stehen finden.

Aber vorher fahren wir auf der Swanson River Road noch tiefer ins Seengebiet und schauen uns noch die anderen Campgrounds an anderen Seen an. Wir stellen fest, dass diese nicht so schön sind wie unserer am Rainbow Lake. Auf der Rückfahrt machen wir noch am Swanson River halt, der sich durch das riesige Seengebiet windet und auf dem man, verbunden mit einigen Seen, tagelang mit dem Kanu fahren kann. Der Fluss hat nur wenige Zugänge und man paddelt dann quer durch die Wildnis und kommt in Ecken, wo zu Fuß definitiv niemand hinkommt – Wildnis pur. Aber so zugewuchert wie der Fluss hier ist, ist es sicher auch nicht immer einfach durchzukommen.

Auf dem Sterling Hwy wieder nach Westen in Richtung Seward liegt auf der Südseite der recht große Skilak Lake, der vom Kenai-River gespeist bzw. durchflossen wird. Entlang dieses Sees gibt es ebenfalls kostenlose Camping-Möglichkeiten. Rein aus Neugier biegen wir vom Highway auf die Gravelroad ab und erreichen nach kurzer Zeit den Lower Campground, mehrere Parkplätze und eine große Boatramp, damit der Andrang der Lachsfischer genügend Platz findet. Links und rechts führen Feldwege am Seeufer entlang zu den direkt am Wasser und im Wald liegenden Stellplätzen. Für eine kurze Mittagspause fahren wir auf einen der vielen überraschenderweise freien Plätze direkt am Wasser. Die Aussicht auf die gegenüberliegenden Berge ist toll, das Wasser zwar kalt, etwas milchig weil Gletscherwasser, aber geeignet für eine kurze Schwimmeinlage. Und so schlägt Marion vor, auch wenn wir nur eine kurze Strecke gefahren sind, gleich wieder stehen zu bleiben.

Es bläst eine stärkere Brise über den See, was einen rasch auskühlt, wenn man aus dem Wasser kommt, aber auch die restlichen Mücken vertreibt, falls noch welche da sein sollten. Während Marion sich mit ihrem Buch direkt ans Wasser setzt, baue ich endlich mal wieder die Hängematte auf, wenn schon mal genügend Bäume in der Nähe stehen.

Als es draußen langsam zu dunkeln anfängt, kehrt auch bei der Nachbarsfamilie und bei den umgebenden Fischern Ruhe ein und wir können die Nacht bei angenehmen Temperaturen genießen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Skilak Lake, GPS: 60.471228, -150.469256, relativ ruhig, viele Stellplätze direkt am Wasser, kaltes Gletscherwasser vom Kenai-River gespeist, sehr empfehlenswert

 

 

So. 04.08.19

 

Wetter heute Morgen: Wenige Wolken am Himmel, starker Wind auf dem See. Wir fahren weiter Richtung Seward, um uns u.a. wieder mit Lebensmittel und Wettervorhersagen einzudecken.

Auf dem Weg kommen wir am Hidden Lake vorbei, der wärmer ist als der Skilak Lake, da er keinen Gletscherwasser-Zufluss hat. Hier wie auch am oberen Ende des Skilak Lakes, welches wir von einem Zwischenhügel aus gut übersehen können, gibt es Campgrounds, die pro Übernachtung 15$ kosten, dafür allerdings neben den obligatorischen Pittoilets auch noch Abfallcontainer bereitstellen. Wir sehen uns kurz den Upper Skilak Lake Campground an, finden aber den Lower, wo wir gestern umsonst standen, eindeutig besser. Weil wir aber gerade schon mal hier sind, nutzen wir die Gelegenheit und entsorgen unseren Müll im großen Container.

Vom Sterling Hwy biegen wir an der Kreuzung Richtung Süden ab, kommen am Moose Pass und dem gleichnamigen Lake vorbei, an dem man auf einem großen Schotter-Parkplatz auch frei stehen kann. Auch dieser See ist milchig vom Gletscherwasser und daher entsprechend frisch. Wir wollen sowieso nicht stehen bleiben, sondern fahren weiter nach Seward.

Nach dem Moose Pass kommen wir an einer der vielen Wildlife-Aussichtsplattformen vorbei, von wo man aus mit viel Glück entsprechendes Getier beobachten kann. Diese hier liegt nach einem kurzen Marsch durch den Wald direkt am Moose Creek, wo wir hoffentlich Lachse beim Laichen beobachten können.

Als wir an der Plattform ankommen, sehen wir schon von weitem wie es in dem niedrigen Flusswasser nur so von roten Sockeye-Lachsen wimmelt. Die großen Männchen mit ihren ausgeprägten grün gefärbten Hakenmäulern verteidigen aggressiv ihr Revier, so dass sie die einzigen sind, die an dieser Stelle die Eier der Weibchen besamen können, sobald diese die Eier im kiesigen Untergrund ablaichen. An manchen Stellen durchbrechen bis zu 10 Rückenflossen die Oberfläche und bringen das Wasser zum kochen.

Wenn jetzt noch ein Bär im Wasser stehen und versuchen würde, die Lachse zu fangen, dann wäre das Bild perfekt. Eben so wie man es von den unzähligen Prospekten zu Alaska und dem Salmon-run kennt. - Wir sind auch so sehr zufrieden. Es ist schon ein tolles Erlebnis, die Lachse zu beobachten in ihren Laichgebieten nach jahrelanger Wanderung durch die Ozeane, zurück bis zu ihrer Geburtsstätte. Leider endet dann auch das Leben der Lachse hier; sie werden entweder gefressen, gefangen oder düngen die umgebenden Wälder mit ihren verwesenden Leichen. Es gibt verschiedene Langzeitstudien, in denen nachgewiesen wird, dass die Wälder auf den Nährstoffeintrag durch die sterbenden Lachse, vor allem des Phosphors, angewiesen sind. Als die Lachspopulation durch Überfischung drastisch abgenommen hat, konnte dies auch im Waldbestand und am Wachstum der Bäume nachgewiesen werden. Inzwischen wird der Lachs-Fang eingeschränkt und der Bestand durch gezieltes Aussetzen von befruchteten Eiern wieder nach oben gefahren, was auch dem Wald über die letzten Jahre wieder gut getan hat und wissenschaftlich belegt wurde. Ein Kreislauf in der Natur, wie so häufig.

Auf der weiteren Fahrt nach Seward kommen wir nach vielen zig Kilometern am Ostende des langgestreckten Kenai Lakes vorbei, an dem wir vor über zwei Wochen bereits mehrere Tage am Westufer gestanden sind. Von dieser Seite gibt es leider keinen Zugang, da auch die Bahnlinie direkt am Seeufer entlang verläuft. Die Railwaystrecke verläuft hier, mit Start in Seward, Richtung Norden direkt auf dem Iditarod-Trail, dem berühmten Schlittenhunderennen, das an die Heldentat von 1925 erinnern soll, als durch eine 127 Stunden dauernde Schlittenhundestaffel lebensrettende Medikamente bis ins 1850 km entfernte Nome im Westen von Alaska transportiert wurden und damit die dortige von einer Diphterie-Epidemie bedrohte Bevölkerung gerettet wurde. Flugzeuge konnten auf Grund des schlechten Wetters nicht fliegen, und so wurden die Hundeschlittenführer zu Nationalhelden. Der Namen Iditarod stammt von einer indianischen Siedlung entlang der Strecke, die schon mehrere hundert Jahre von den Eingeborenen als Handelsweg genutzt wurde. In den 1960-Jahren wurde, als Erinnerung an diese Heldentat, eine sportliche Disziplin aus dem Rennen geboren und ist seither das letzte große Schlittenhunderennen der Welt.

Da in den vergangenen Jahren oft Frauen das Rennen gewonnen haben, gibt es T-Shirts und Poster mit folgender Aufschrift: Alaska - where men are men, and women win the Iditarod. Again and again and again....“ - Harte Männer, noch härtere Frauen!

Bevor wir Seward erreichen, biegen wir in die Exit Glacier-Road ab und fahren auf dieser ca. 15 km gen Westen in die Berge und in den Kenai Nationalpark, in dem der Exit-Glacier, als einer der vielen Gletscherausläufer des Harding Icefields, gut zugänglich ist.

Schon aus der Ferne auf dem Weg zur Nationalpark-Grenze sehen wir den Exit-Glacier.

Am Visitor-Center schnüren wir unsere Wanderschuhe und machen uns auf den 1,5 km langen leichten Anstieg hoch zur Zunge des Gletschers. Inzwischen kann man nicht mehr direkt zum Gletscher, sondern muss schon weit vorher von einem erhöhten Aussichtspunkt aus Bilder von der Eiszunge schießen.

Schon auf der Herfahrt, wie jetzt auch auf dem Trail, sind immer mal wieder Tafeln mit Jahreszahlen aufgestellt, die anzeigen, wo der Gletscherrand in dem jeweiligen Jahr gelegen hat. Vor allem gegen Ende des Trails ist es erschreckend und traurig zu sehen, welche Strecken der Gletscher sich in nur wenigen Jahren immer mehr zurückzieht und sich auflöst. Und leider nicht nur dieser hier; überall in Alaska werden die Gletscher kleiner und kleiner. Kein Wunder, bei dieser Hitze hier.

Obwohl wir mittlerweile schon einige Gletscher gesehen haben, ist es trotzdem immer wieder faszinierend, auch wenn aus einiger Entfernung, vor diesen Eiswänden zu stehen und das dunkelblaue Leuchten des Jahrhunderte alten Eises im Sonnenlicht zu sehen. Schon toll.

Erst mit Menschen (roter Kreis) im Vergleich wird einem die Mächtigkeit der Eiszunge bewusst. Das am unteren Schlund herausschießende milchige Gletscherwasser mäandert als breiter sich immer neue Wege suchender Fluss durch die Landschaft, an unserem heutigen Stellplatz vorbei bis hinunter nach Seward und dort in die Bay.

Auf dem Rückweg immer wieder gute Ausblicke auf die umgebenden Berge und weitere Gletscher.

Auf der Rückfahrt, die Exit Glacier Road vor Richtung Seward, schauen wir uns Stellplätze entlang der Straße an und finden eine kleine Einfahrt, raus ins größtenteils trockene, steinige und sehr breite Flussbett des Exit-Glacier-Rivers. Hier stehen bereits 2-3 Reisende, weit verteilt in der Landschaft. Hier werden wir später auch einparken, bei diesem tollen Rundumblick auf die Berge.

Vor dem Einparken fahren wir aber kurz nach Seward rein, informieren uns über einen Bootsausflug in den Kenai Fjords Nationalpark, buchen eine 6-stündige Tour für Übermorgen, kaufen noch eine Kleinigkeit im Supermarkt ein und nutzen dort gleich das Wifi zum Abrufen unserer emails bzw. WhatsApp-Nachrichten. Danach geht es wieder zurück zum Stellplatz, da der Hunger sich so langsam meldet. Der Abend ist noch herrlich warm und das Flussbett liegt in Ost-West-Richtung, daher geht die Sonne erst sehr spät am Horizont unter.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Exit Glacier Creek, GPS: 60.167194, -149.500891, sehr ruhig, massig Platz, etwas Bodenfreiheit ist notwendig, nichts für klassische Weißware, 8 km von Seward entfernt auf dem Weg zum Exit Glacier, sehr empfehlenswert

 

 

 

 

Mo. 05.08.19

 

Wir haben in den vergangenen Tagen, als wir am Rainbow Lake gestanden sind, einiges an Rückstand in unserem Reisetagebuch aufgeholt und brauchen jetzt ein gutes, schnelles Netz, um all die Bilder hochzuladen. Laut iOverlander ist hier in Seward die Library der Ort der Wahl. Schon draußen auf dem Parkplatz ist das Netz super gut. Deshalb starten wir gleich mal eine Skype-Videosession mit der Heimat und danach können wir den kompletten Aug in einem Rutsch hochladen. So macht es Spaß.

In der Eingangshalle der Bibliothek sind in Schaukästen Gedenkteller ausgestellt zu den jährlich stattfindenden Hundeschlittenrennen. Das Nachbargebäude ist das ehemalige Cable/Telegraph House, in dem die Unterseekabel vom Mainland USA angekommen sind.

Anschließend parken wir unten an der Uferpromenade der Resurrection Bay ein und genießen den genialen Rundblick auf die Gletscher und die Berge. Hier befindet sich auch die Infotafel zum Startpunkt des Iditarod-Rennens bzw. Trails, sowie das Seward-Gründungsmonument.

Zu unserer Freude tummeln sich gleich mehrere Seeotter in der Bay. Die possierlichen Tierchen haben wir zum letzten Mal in Kalifornien bei Monterey aus der Nähe betrachten dürfen.

Im nördlichen Teil von Seward, wo der Hafen und die Verladefließbänder für die Kohlefrachtschiffe liegen, dort ist die Tiefe auch für die großen Kreuzfahrtschiffe gewährleistet. Da gerade eines im Hafen liegt, wuselt es entsprechend in der Stadt.

Der Tag war schön, aber auch mal wieder anstrengend und wir sind froh, als wir an unseren Platz zurückkommen und mit einem guten Buch noch etwas Sonne und Ruhe genießen können. Wenn jetzt noch ein kleiner See zum Schwimmen in der Nähe wäre, dann wäre der Platz wieder Spitzenklasse. So kommt halt die Außendusche zum Einsatz.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Exit Glacier Creek, GPS: 60.167194, -149.500891, sehr ruhig, massig Platz, etwas Bodenfreiheit ist notwendig, nichts für klassische Weißware, 8 km von Seward entfernt auf dem Weg zum Exit Glacier, sehr empfehlenswert

 

 

 

 

Di. 06.08.19

 

Heute ist es soweit: Wir werden um 11:30 Uhr mit einem Ausflugsboot eine 6stündige Tour durch den Kenai Fjords Nationalpark machen. Ich/P habe trotz leichtem Frühstück noch ein ungutes Gefühl im Magen und hoffe, dass die Reisetabletten auch wirklich helfen und der Seegang nicht allzu heftig wird.

Wir fahren die acht Kilometer nach Seward, sehen dort schon vor erreichen der Ortsgrenze rechts oben den ersten Gletscher des Tages und parken auf einem großen außerhalb liegenden Parkplatz des Touranbieters 'Kenai Fjords Tours' ein. Diese betreiben das Geschäft seit 1974 und sind fast so etwas wie ein Monopolist. Alles ist voll durchorganisiert. Muss ja auch, da hier über den Tag verteilt mehrere Hundert Touristen auf 5 großen Booten verteilt durch die Fjordlandschaft geschippert werden. Ein Shuttlebus bringt die Tourteilnehmer im 10-Minuten Takt in den Hafen. Von hier aus werden wir mit unserem Ticket zum richtigen Boot geschleust und mindestens 130-150 Mitreisenden entern das Boot. Schließlich gilt es, einen guten Platz zu sichern.

Außer den Ausflugsbooten liegen hier im Hafen viele weitere Schiffchen – alte Fischkutter und schöne Yachten.

Wir ergattern an der Bootspitze mit gutem Blick nach vorne zwei Plätze und somit auch immer frischen Wind um die Nase. Der Tag entwickelt sich, schon morgens blauer Himmel und hohe Temperaturen, besser als erwartet, lässt keine Wünsche offen. Wir sind mit unseren Klamotten schon fast zu warm angezogen – bis jetzt. Auch der Nebel, der sich gestern südlich des Hafens in der Resurrection Bay ausgebreitet hatte, hat sich komplett verzogen. Das Wasser in der Bay ist heute fast spiegelglatt, wobei sich das noch ändern kann, sobald wir die Bay durch den schützenden Engpass verlassen und aufs etwas rauere Meer kommen.

Schon die Berge rechts und links der Bay, sind auf den Spitzen mit blendend weißem Schnee bedeckt und mehrere kleinere Gletscher haben sich in den zum Teil tief eingeschnittenen Canyons an den Hängen gebildet. Wir werden in den Fjords noch einige weitere zu sehen bekommen. In beinahe jedem Tal-Einschnitt strömt das Jahrhunderte alte Eis aus dem Inlandseisfeld in zig Gletschern unterschiedlicher Größe Richtung Meer, langsam aber stetig. Die Gletscher gehen durch die immer wärmer werdenden Sommer leider stark zurück, nur noch wenige reichen tatsächlich bis zum Meer, z.B. Bear Glacier – letztes Bild.

Wie erwartet beginnt das Wellenreiten sobald wir die Bayenge durchquert haben und ein Stück offenes Meer überqueren müssen, bevor wir in die Fjordlandschaft mit den vorgelagerten Inseln eintauchen.

Zwischendurch verteilt die Crew unseren Mittagssnack (Hühnchen-Wrap mit Gemüse, Müsliriegel, eine kleine Tüte Chips und a Schoklädle), den wir allerdings in der Kabine essen müssen, damit bei DEM Wind und Seegang kein Papier etc. über Bord geht.

Die Reisetabletten wirken, das Essen schmeckt, und mit freiem Blick zum entfernten Horizont macht das Abreiten der Wellen schon fast Spaß. Scheinbar nicht allen, denn die Crew zieht mit weißen Tüten in der Hand die Runden durchs Schiff, um größere Unglücke zu vermeiden.

Der Kapitän steuert zwei Inseln mit steilen Felswänden an, an die er sich mit genug Wasser unterm Kiel gefahrlos nahe heranwagen kann. Ideal zum Beobachten der vielen hier nistenden Vögel und der Seelöwen, die allerdings gerade ihren Mittagsschlaf halten. Leider ist uns das Glück bei der ersten Insel nicht so hold, dafür bietet der zweite Felsblock neben den Murres (sehen von weitem aus wie Pinguine), red-legged Kittiwakes (Klippenmöwen – leider nicht mit auf dem Bild),

Puffins (Papageientaucher),

und Seeotter,

auch noch ein Rudel Seelöwen beim Sonnenbaden – so was von chillig!

Es ist wirklich nicht einfach, bei diesem Geschaukel auf dem Boot scharfe Bilder hinzubekommen. Gerade scharf gestellt, schwenkt das Boot aus dem Motiv. Schnell klicken, Sport-Einstellung klick-klick-klick-klick, in der Hoffnung, dass eines der Bilder einigermaßen scharf wird.

Als wir weiter aufs offene Meer kommen, erschallt plötzlich der Ruf „Wale in Sicht“ über das Schiff. Der Kapitän bremst sofort und steuert in Richtung der Sichtung. Wir können mehrmals den Rücken und das Abblasen der Atemluft sehen, auch einmal eine Schwanzflosse, aber zum Fotografieren sind die Sichtungen zu willkürlich und zu schnell wieder vorbei. Es sind wohl Finnwale, wie man an der Rückenflosse erkennen kann, und laut Kapitän schlafen sie gerade, weil die Abstände zwischen dem Atem holen relativ kurz sind; die Wale liegen wohl nur wenig unterhalb der Wasseroberfläche. Wenn die Wale am Fressen sind, tauchen sie viel länger ab, kommen danach auch länger und mit viel Getöse zum Luftholen an die Oberfläche. Sollte nicht sein, und nach 15min gibt es dann keine weiteren Sichtungen und wir nehmen wieder Kurs auf zu den Fjords.

Die nächsten anderthalb Stunden schippern wir vor der Fjordöffnung immer weiter nach Westen, bis wir in einen der Fjorde abbiegen.

Je weiter wir uns wieder dem Festland nähern, desto mehr nimmt die Schneelast auf den Berghängen zu, bis wir fast am Ende auf der linken Seite den Pedersen-Gletscher bläulich in der Sonne leuchtend am Berghang sehen. Aber der Blick richtet sich schnell wieder nach vorne, da am Ende des Fjords der Aialik-Gletscher in Sicht kommt, der seine Eisfracht kalbend direkt in den Fjord entlässt.

Der Kapitän nähert sich dem Gletscher in Schleichfahrt. Um uns herum kleinere Eisbrocken, die vom letzten Kalben im Wasser schwimmen. Und jetzt ertönt über alle Lautsprecher die weltbekannte Melodie aus dem Film 'Titanic' von Celine Dion. Natürlich steht niemand wie Kate Winslet mit Leonardo di Caprio vorne am Bug, aber der Gag ist gelungen.

Wir kreuzen die nächste halbe Stunde immer mehr oder weniger nahe vor dem Gletscher, damit jeder genug Bilder aus sämtlichen Perspektiven machen kann, auch wenn am Ende doch nur eine Handvoll übrigbleiben wird.

In der Zwischenzeit hat die Crew mehrere Eisbrocken aus dem Wasser gefischt und an der Bar werden Drinks mit Jahrtausende altem Gletschereis serviert. Einer dieser alten Eisbrocken wird zum Anfassen auf Deck herum gereicht.

Irgendwann ist Schluss, tausende Bilder und Selfies sind gemacht und wir geben wieder Vollgas Richtung offenes Meer. Inzwischen sind auch schon die ersten drei Stunden und damit die angesetzte Hälfte der Tour vergangen. Auf der Rückfahrt lehnen sich jetzt die meisten entspannt zurück und genießen die Landschaft nochmal aus entgegengesetzter Richtung. Nur noch vereinzelt wird eine neue Einstellung geknipst.

Wir haben gehofft, nochmals Wale zu sehen. Es wird auch kurz mal angehalten, da weitere Boote auf Schleichfahrt sind und anscheinend Orcas gesichtet wurden. Aber außer einer Atemfahne ist nichts zu sehen und nach ¼ h löst sich der gesamte „Jagdverband“ wieder auf und düst weiter Richtung Heimathafen.

Auch unser Kapitän düst mit Höchstgeschwindigkeit nach Hause, ohne noch einmal bei einer Vogelinsel anzuhalten. Und so sind wir bereits nach 5.5 h wieder in Seward – er hat es wohl eilig und möchte rechtzeitig zum Abendessen zu Hause sein. Unsere Ansicht nach, wären bei dem hohen Preis schon noch 1-2 Stopps drin gewesen. Die Tour hat jeden von uns 160 € gekostet (180 $ incl. Tax). Wir sind der Meinung, dass das Preisleistungsverhältnis nicht ganz gepasst hat, und wenn schon die Wale nicht mitmachen wollten, der Kapitän flexibler agieren und einen weiteren Stopp an einer der Vogelinseln machen können.

Gestern Abend, es war schon recht dämmrig, fuhr ein ausgebauter Krankenkastenwagen zu dem heruntergekommenen in der Nähe von uns eingeparkten VW-Bus. Ich sage noch zu Marion: „Ich glaube, die kennen wir. Die haben wir im Kings Canyon Nationalpark in Kalifornien zusammen mit den Donnerlastern getroffen und kurz gesprochen.“ Jay und seine Frau Cassidy hatten damals dann doch noch eine andere Stelle gefunden, so dass wir sie seitdem nicht mehr getroffen haben. Und derartige, alte Krankenkastenwagen gibt es viele. Sie sind ideal für den Umbau in ein WoMo.

Bevor wir heute Morgen losfahren wollen, begrüßen wir uns auf die Schnelle. Es sind tatsächlich Jay und Cassidy! Die Welt ist doch klein! Der alte VW-Bus gehört Jays Eltern, die einen RV-Park in Pensacola/Florida haben, und für die nächsten Monate mit den Beiden mitreisen. Wir sind etwas unter Zeitdruck und verschieben den Smalltalk auf den Abend.

Abends, von unserer Tour zurück, müssen wir gleich einige Fragen zur Tour beantworten, wie es war und was wir alles gesehen haben, da sie in ein paar Tagen diese oder eine ähnliche Tour machen möchten.

Jays Eltern haben schon viel auf unserer Homepage gelesen und sind sehr an unserer Reise und unserem Fahrzeug interessiert. Da die beiden Frauen gerade noch unterwegs sind, nutzen Jay und sein Vater die Gelegenheit für eine ausführliche Führung durch und um unseren Moppel herum. Danach sitzen wir noch gemütlich zu einem Bier zusammen, bis dann alle müde sind und in die Federn verschwinden.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Exit Glacier Creek, GPS: 60.167194, -149.500891, sehr ruhig, massig Platz, etwas Bodenfreiheit ist notwendig, nichts für klassische Weißware, 8 km von Seward entfernt auf dem Weg zum Exit Glacier, sehr empfehlenswert

 

 

Mi. 07.08.19

 

Irgendwie bekommen wir heute 'den Riemen nicht drauf'. Wie so oft, lesen wir nach dem Frühstück in unseren aktuellen Schmökern und starten dann entspannt in den Tag. Heute finden wir beide kein Ende und lesen und lesen und lesen, fast den ganzen Tag.

Nachmittags holt Marion wieder ihren großen Schmortopf heraus. Wir haben ja noch Brokkoli, Blumenkohl und einen halben großen Kohlkopf. Noch Möhrchen (M: Fällt mir immer „Tu mal lieber die Möhrchen – Marihuana ist nicht gut“ von Helge Schneider dazu ein), Zwiebeln und eine eingelegte Schweinelende dazu, und schon haben wir wieder für mindestens zwei Tage leckeren Gemüseeintopf mit Fleischeinlage.

Draußen ist es heiß, obwohl ein starker Wind vom Gletscher her hinunter ins Tal bläst. Er bringt aber keine Frische mit sich, sondern ist warm, so wie der Saharawind, der in Südfrankreich übers Mittelmeer weht. Erst gegen Abend sitzen wir in den Schatten des Moppels, da die Hitze nur langsam nachlässt.

Unsere Nachbarn präsentieren stolz einen großen Chum-Lachs, den sie vorne im Fluss mit einem angespitzten Stock 'gefangen' haben. Er wird dann auch gleich ausgenommen und kommt zum Abendessen auf den Tisch. Leider schmeckt er wohl nicht wie Sockeye oder Pink Salmon; er hat weißes Fleisch und ist nicht so lecker. Warum der wohl Dog-Salmon heißt ? Schade, die ganze Mannschaft hatte so eine Freude über den Fang.

Wir haben heute mal wieder überlegt, ob wir ein Lagerfeuer starten sollen, aber bei dem Wind macht das keinen Spaß. Als es um 23 Uhr etwas dunkler wird, ziehen wir uns in unsere Burg zurück.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Exit Glacier Creek, GPS: 60.167194, -149.500891, sehr ruhig, massig Platz, etwas Bodenfreiheit ist notwendig, nichts für klassische Weißware, 8 km von Seward entfernt auf dem Weg zum Exit Glacier, sehr empfehlenswert

 

 

Do. 08.08.19

 

Beim Frühstück sehen wir, dass heute wieder ein sonniger Tag wird. Bleiben wir noch einen Tag stehen oder fahren wir wieder Richtung Norden ? Obwohl der Platz von der Aussicht toll und ruhig ist, vermissen wir einen kleinen See zum Baden. Also wird zusammengepackt und wir verabschieden uns ausführlich von den Nachbarn. Wir haben noch viele Tipps für sie, da die vier in den nächsten Tagen nach Kenai und runter nach Homer fahren werden. Zum Abschied bekommen wir jeder ein Pensacola-Käppi und eine Einladung: Sollten wir je mal wieder nach Florida kommen, dann hätten wir auf jeden Fall einen Platz zum Stehen in ihrem RV-Park. Dankeschön. Wer weiß – sag niemals nie! Wir tauschen unsere Kärtchen und drücken uns alle nochmal innig zum Abschied.

Bevor er es auf den Hwy geht, machen wir kurz bei einer Lachsräucherei Halt. Der Besitzer sagte uns Anfang der Woche, dass er ab heute wieder frisch geräucherte Ware hätte. Als wir nachfragen, ist nur die Vertretung hier, die uns nur mitteilen kann, dass vor Samstag nichts Neues in die Regale kommt. Schade. Sie ist sehr nett und nach kurzem Smalltalk meint sie, ich soll mal warten, verschwindet für ein paar Minuten im Laden und kommt dann mit einem kleinen Vakuumbeutel zurück mit sechs, fingerdicken geräucherten Lachssticks. Diese schenkt sie uns, weil wir umsonst vorbeigefahren sind. Immer wieder erstaunlich die Freundlichkeit. Ich glaube nicht, dass ich in Deutschland als Ausländer/Tourist so etwas erleben würde – oder täusche ich mich?

Nach einem kurzen Stopp in Seward am Supermarkt, wo wir nochmal das Wifi für wichtige Post nutzen. Obwohl wir überall Totholz in rauen Mengen in Wäldern oder Flussbetten liegen sehen, und man dieses durchaus für Lagerfeuer nutzen darf, solange kein Fireban herrscht, kaufen die Menschen hier das teure gespaltene Holz: 4-5 Scheite für 7$ ??? Wir verstehen das nicht!

Entlang des Hwys kommen wir wieder durch tolle Berglandschaft und am Rand vorbei an dem einen oder anderen Seerosenteich, wobei die Blüten schon verschwunden sind. Es geht ja so langsam auf den alaskanischen Herbst zu.

Kurz nach der Ortschaft Moose Pass kommen wir wieder an der Salmon Viewing Platform vorbei und machen natürlich nochmal die kurze Wanderung durch den Wald, um den roten Sockeye-Lachsen bei ihrem letzten Lebensakt der Zeugung von Nachkommen zuzuschauen. Die Weibchen haben zwar dieselbe Färbung, an der ausgeprägten Hakennase sind die Männchen aber deutlich zu erkennen, die ihren Platz am Heck der Weibchen verteidigen, um ja nicht den Zeitpunkt der Eiablage zu verpassen. Konkurrenz, die auf einen Kampf aus ist, ist reichlich unterwegs und versucht immer wieder durch Angriffe die begehrten Plätze im Kielwasser zu ergattern.

Nachdem wir die Sterling-Seward-Hwy-Junction hinter uns lassen, wo wir uns doch noch kurz überlegt haben, einen zusätzlichen Abstecher auf die Kenai-Halbinsel zu machen, geht es hoch, am Summit-Lake vorbei. Hier gibt es einen Campground, im National Forest und daher nicht ganz so teuer, deswegen sind die schönen Plätze direkt am Wasser fürs Wochenende bereits alle vergeben.

Als wir Richtung Portage Glacier Road kommen, die nach Whittier führt, sehen wir schon Weitem die Gletscher bewehrten Berge. Hier werden wir nochmals einbiegen und evtl. einen Hike machen oder die Kajaks auspacken.

Vor ein paar Wochen (tatsächlich schon so lange her!) standen wir ein paar km weiter auf einem Stellplatz. Damals regnete es sehr und wir trafen Marion und Alfred (Wo die beiden jetzt wohl sind?). Diesmal fahren wir an den etwas weiter vorne liegenden See, der letztes Mal komplett besetzt war. Auch heute ist einiges los, aber wir bekommen noch einen schönen Platz am Rand. Schön hier! Zuerst geht es mal mit einem Sprung ins kühle Frisch. Wir werden von einigen anderen Campern etwas überrascht angesehen. Sie sitzen in warmen Klamotten zwar draußen, sind aber wohl nicht auf die Idee gekommen, hier zu baden. Wir finden das Wasser herrlich und auch wärmer wie im Kenai-Lake, nur etwas kälter als am Rainbow Lake, aber ausreichend, um längere Zeit zu schwimmen und es zu genießen. Bevor es Abendessen gibt nutzen wir noch die letzten Sonnenstrahlen, um direkt am Wasser noch etwas zu lesen.

Wir haben von gestern noch Gemüseeintopf und strecken diesen mit einer zusätzlichen Portion violettem Blumenkohl und Brokkoli, den Resten unseres reichhaltigen Gemüsegeschenks vom Cabin Lake.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen an kleinem Teich an der Portage Glacier Road, GPS: 60.792696, -148.09983, relativ ruhig, sobald der Verkehr von bzw. nach Whittier nachlässt, Platz für mehrere Fahrzeuge, tolles klares Wasser, sehr empfehlenswert

 

 

Fr. 09.08.19

 

Beim Frühstück sind wir am Grübeln, was wir uns Heute vornehmen sollen. Interessant hört sich der Portage Glacier Trail an. Dazu müssten wir aber durch den Tunnel nach Whittier fahren, was mit unserem Gefährt mindestens 40$ kosten würde. Daher überlegen wir, ob wir nicht nur ein Moped nehmen. Auch eine Idee wäre, mit dem Kajak über den Glacierlake in die Nähe des Gletschers zu paddeln. Für beide Ideen haben wir noch etwas zu wenig Info. Das Visitor-Center ist nur wenige Kilometer entfernt und daher nehmen wir die Fahrräder und radeln dort hin. So können wir auch gleich den guten Platz hier am See behalten, falls heute wieder neue Camper vorbeikommen.

Parallel zur Portage Glacier Road führt der sogenannte Blue Ice Trail. Dieser ist gut befestigt und mit Brücken und Stegen über Bäche und moorige Waldstücke ausgerüstet. Auf einer der Brücken sehen wir mehrere Chum-Lachse und einen Fisch, der Dolly Varden genannt wird.

Die Blütezeit der Fireweeds ist inzwischen auch am Ende angelangt und die Stängel voller dünner Hülsen platzen auf und entlassen die Samen mit viel Gefieder, damit der Wind sie über weite Strecken verteilen kann. Wie wir in den letzten Wochen in Gesamtalaska sehen konnten, ist diese Strategie sehr erfolgreich.

Im Visitor-Center erfahren wir, dass der Hike 750 Höhenmeter über den Berg geht und auf der anderen Seite wieder zum Gletschersee hinunter. Man muss die Tour dann wieder komplett zurück wandern. Definitiv zu heftig für uns. - Die Kajaktour führt über 6,5 km am See entlang und man muss dann noch bis zum Gletscher ein gutes Stück an Land marschieren. Beide Touren sagen uns nicht wirklich zu, da wir nicht wissen, ob wir konditionell dafür bereit sind. Da wir auf unserer weiteren Tour durch Südalaska noch an weiteren Gletschern nahe vorbeikommen, ist es nicht so schlimm, wenn wir diesen hier verpassen.

Zuerst radeln wir mal wieder Richtung Stellplatz zurück. Einen Kilometer davor kommen wir wieder über eine größere Holzbrücke und als wir anhalten, sehen wir etwas entfernt im Wasser rote Sockeyes schwimmen. Das wollen wir aus der Nähe sehen. Also marschieren wir ca. 70 m am Flussarm entlang durch den Wald und kommen zum größeren Flussabschnitt, in den der kleinere strömt. Hier sind wir an der richtigen Stelle und sehen wie unzählige Lachse in der Strömung stehen. Die „Fischsuppe“ besteht aus den roten Sockeye-Lachsen, den mit violetten Streifen/Tupfen an der Seite ausgestatteten Chum-Lachsen und viele Dolly Vardens. Nachdem wir auf der Fahrt von Süden her, nur an einer Stelle (neben sechs anderen als Lachsbeobachtungpunkt im Infoblatt der Ranger ausgewiesen) Lachse zu sehen waren, haben wir diesen zusätzlich gefunden. Genial – genau so, wie man es sich vorstellt und aus Prospekten kennt.

Nach diesem schönen Erlebnis radeln wir noch den Rest des Trails zurück, können aber in allen anderen Flüssen/Bächen bis auf vereinzelte Fische keine größere Menge mehr ausmachen.

Zurück beim Moppel geht es erst mal eine Runde schwimmen und wir freuen uns, dass wir im Moment komplett alleine am See stehen. Wahrscheinlich wird sich das gegen Abend aber wieder ändern. Wir bleiben auf jeden Fall stehen, müssen halt darauf achten, dass uns nicht einer direkt vor die Sicht parkt. Als wir draußen unter der Markise sitzen, kämpft sich eine grellgelbe Raupe über unseren Vorplatz. So wie die leuchtet, ist sie sicher richtig unappetitlich und giftig.

Am Spätnachmittag parkt neben uns ein Angler mit seinem Pickup ein und wir kommen wie so oft über unser Gefährt und unsere Reise ins Gespräch. Zwischendurch wirft er immer mal eine seiner Angeln frisch aus und kommt dann wieder zurück. Als er dann so langsam seine Angeln, ohne einen Fang, wieder verstaut, fragt er mich, ob ich an frischem Lachs interessiert wäre. Ich sage natürlich sofort ja und er öffnet eine seiner großen Kühlboxen und entfernt die obere Lage Eistüten. Darunter befinden sich eine große Anzahl Zippertüten voll mit frischem Lachsfilet. Es ist Pink Salmon, den er gestern frisch im Meer, also noch im Salzwasser, gefangen hat. Ich frage ihn, was er dafür haben möchte und er sagt erstaunt „natürlich nichts“; es ist ein Geschenk, er hätte sowieso viel zu viel gefangen. „Welcome in Alaska and save travels“. Bin total baff, bedanke mich sehr herzlich und bringe das Geschenk gleich zu Marion in die Küche. Es sind zwei komplette Filetseiten, eine frieren wir gleich ein und die andere wird es gleich Morgen aus der Pfanne geben.

Zum Abschied winken wir ihm nochmal zu und genießen den Rest des Nachmittags mit unseren Büchern unter der Markise.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen an kleinem Teich an der Portage Glacier Road, GPS: 60.792696, -148.09983, relativ ruhig, sobald der Verkehr von bzw. nach Whittier nachlässt, Platz für mehrere Fahrzeuge, tolles klares Wasser, sehr empfehlenswert

 

Hier wieder die Kartenübersicht der 57. und 58. Woche mit den gewählten Stellplätzen:

USA_2019_Aug_1

 

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