Di. 16.04.19

Lichtmaschinentag. OHNE Frühstück geht es auf dem schnellsten Weg nach Watsonville zur Firma Osuna Auto Electric. Unterwegs sehen wir nun schon zum dritten Mal die tollen Blumen, und heute halten wir für ein paar Bilder an, auch wenn wir etwas unter Zeitdruck stehen.

Als wir bei Osuna ankommen, macht sich Peter sofort dran und baut die Lichtmaschine aus, damit sie auf dem Prüfstand getestet werden kann. Hoffentlich ist es etwas reparierbares bzw. sind die notwendigen Ersatzteile verfügbar. Eigentlich möchte er beim Test zusehen, aber bereits nach 3 min kommt der Techniker wieder und erklärt ihm, die Lichtmaschine funktioniere einwandfrei. Okayyy! Jetzt wird's spannend. Wo liegt dann das Problem? Eigentlich gibt es nur zwei mögliche Fehlerstellen: Entweder an B+ kommt keine 24V-Erregerspannung an, oder das Massekabel taugt nicht.

Nach dem Wieder-Einbau messen wir bei eingeschalteter Zündung und laufendem Motor, und in beiden Fällen kommen am hellblauen B+Kabel, das hoch zur Batterieleuchte im Fahrerhaus führt, keine 24V an. Da die Kontrollleuchte funktioniert, müssen wenigstens von einer Seite die 24V von der Batterie ankommen, gehen aber halt nicht bis zum B+-Pol der Lichtmaschine durch. Zum Test legt Peter von der Kontrollleuchte eine Wurfverkabelung bis zur Lichtmaschine und nach dem Starten funktioniert alles wie es soll. Also ist wohl in diesem Kabel unterwegs ein Bruch. Er verlegt das Testkabel nun fest im Rahmen und führt es bis hoch ins Führerhaus, verpresst mitsamt der Controllerleitung des B2B-Laders einen Kabelschuh. Bevor das Armaturenbrett wieder verschlossen wird, nochmals ein Testlauf. Prompt leuchtet die Kontrollleuchte nach dem Start weiter und die Lichtmaschine liefert wieder keinen Strom. Sch....ade. Nach dem Ausschlussprinzip kann der Fehler jetzt nur noch mit dem Controllerkabel des B2Bs zusammenhängen. Nachdem dieser abgeknipst ist, funktioniert wieder alles.

Viel Zeit kaputt gemacht, aber unterm Strich besser so, als wenn die Lichtmaschine einen Defekt gehabt hätte. Nach dem Zusammenbau testen wir gleich nochmal den B2B, indem wir ihn manuell zuschalten, und er funktioniert einwandfrei. Damit können wir leben. Jetzt beginnt eh die sonnenreiche Zeit und wir werden den B2B die nächsten Monate eigentlich nicht brauchen.

Peter bedankt sich nochmal herzlich bei den Technikern der Werkstatt, vor allem da wir für den kurzen Test nichts bezahlen müssen.

Als wir wieder losfahren ist es schon nach Mittag. Wir fahren noch kurz zu O'Reilly, um einen Kanister Motorenöl mitzunehmen, danach wieder zum Stellplatz Nähe Salinas State Beach.

Wir fahren direkt auf den Parkplatz am Beach, wo wir erst mal Pause machen. Essen. Marion kann die kleine Tierwelt direkt vom Fenster aus betrachten. Dann gehen wir noch ein bisschen an den Strand.

Auf den Dünen blühen diverse salzige seeluftfeste Blumen. Am Strand pfeift der Wind so arg, dass wir nicht lange bleiben. Marion macht sich noch auf eine kleine Wanderung hinter den Dünen auf, während ich im Container etwas zusammenpacke und hinüber auf den nächtlichen Stellplatz fahre.

Auch heute sind wir wieder nicht alleine und kleine Camper mit ihren Booten im Schlepptau parken vor uns ein.

Übernachtungsplatz:

Freistehen vor Salinas River State Beach, GPS: 36.790444 , -121.789258, Platz für mehrere Fahrzeuge, relativ ruhig, übernachten auf dem State Beach Parkplatz nicht erlaubt, Sheriff kontrolliert abends, aber hier wird man nicht gestört. Sehr empfehlenswert, Seeotter im benachbarten Kanal.

Mi. 17.04.19

Nach all den Paket- und Lichtmaschinenaktionen der letzten Tage geht es endlich wieder weiter. San Francisco wir kommen!

Während wir beim Frühstück noch mit zu Hause skypen marschiert eine Truppe Wild Turkeys durchs Nachbarfeld. Wir fahren wieder den Umdrehschlenker zum State Beach Parkplatz, natürlich auch in der Hoffnung, nochmal den Seeotter zu sehen. Wir werden belohnt: Es tummeln sich gleich zwei in der Nähe der Brücke im Kanal. Das kann natürlich nicht nur im Vorbeifahren erledigt werden. Nochmal anhalten und ausgiebig den possierlichen Tierchen zugeschaut. Da soll noch einer sagen, dass Tiere nur von Instinkten geleitet werden. Diese beiden haben eindeutig Spaß beim Herumtollen im Wasser.

Es nützt nichts, wir müssen weiter. Deshalb gibt es einen klaren Abfahrbefehl, sonst würde Marion noch den ganzen Tag auf der Brücke verbringen. Sind ja aber auch so putzig, die Tierchen.

Richtung Frisco könnten wir auf der #1 raufbrettern und kämen direkt in Downtown bzw. der Golden Gate Bridge raus. Wir wollen aber unbedingt noch im südlich gelegenen Silicon-Valley vorbeischauen; wir sind ja mit dem IT-Zeugs groß geworden. Also nehmen wir die scenic route durch die Santa Cruz Berge, machen noch einen Essen-beim-Mexikaner-Stopp, bunkern im Big Basin Redwood State Park auf Rückfrage bei der Rangerstation kostenloses Trinkwasser, bevor wir in Saratoga / Cupertino ins Valley einfahren. Bei der Durchfahrt durch den Redwood State Park sehen wir die ersten Riesen stehen, beeindruckend. Zu wenig Zeit, um einen Trail zwischen den Bäumen zu laufen; außerdem müssten wir die Day Use Fee bezahlen. Da es nördlich von Frisco noch weitere State Parks und den Redwood National Park mit Unmengen dieser tollen Bäumen gibt, und wir uns dort ausgiebig Zeit nehmen wollen, genießen wir die Aussicht während der Fahrt. Beim Wassertanken im Huckleberry Campground stehen wir direkt unter einer Gruppe der mächtigen Jungs.

Da die scenic route über unzählige Serpentinen geht, viele Höhenmeter rauf und runter, sind wir ziemlich geschafft und fahren auf dem schnellsten Weg nach Mountain View auf den dortigen Walmart-Parkplatz. Der Parkplatz ist durchsetzt mit kleinen Grünflächen mit Bäumen und es stehen viele Camper rum. Einige davon sind eindeutig Schrott, was aber anscheinend niemanden stört. Wir shoppen noch ein paar Kleinigkeiten und geben für heute auf.

Übernachtungsplatz:

Freistehen Walmart, Mountain View, GPS: 37.402263 , -122.108699, der ruhigste Walmart-Parkplatz bisher, kleine Grünflächen mit Bäumen, sehr empfehlenswert

Do. 18.04.19

Silicon-Valley. Ground Zero der Chip-Revolution.

Hier ist alles vertreten was mit Hardware, Software und Internet zu tun hat. Wir sind ja mit dieser Technischen Revolution, die das ganze Leben von Milliarden Menschen die letzten 5 Jahrzehnte verändert hat, aufgewachsen. Mit den ersten Intel-Chips, IBMs 286-PC, Steve Jobs' kreativen Apple-Computern bis hin zu Google und Fazzebuck von heute.

Natürlich kommt man in die eigentlichen Schaltzentralen der Macht nicht hinein, aber in die Visitor-Centers bzw. firmeneigenen Museen.

Als erstes steuern wir heute morgen den Apple Infinite Loop in Cupertino an, sozusagen das Mutterschiff von Apple.

Aber wir sind nicht uptodate und werden von hier aus mehrere Kilometer weiter in den neuen riesigen Apple-Park mit neuer Zentrale und Visitor-Center geschickt. Dieser wurde erst kürzlich, im Februar diesen Jahres, eingeweiht. Als wir am Visitor-Center mit unserem „Kleinen“ ankommen, kommt beim Security-Personal, das auch den Verkehr auf dem Gelände steuert, Hektik auf. Nach kurzem Smalltalk und Überlegen, machen die Jungs für uns einen mit Pylonen abgesperrten Bereich frei und wir können exklusiv einparken. VIPs !

Das Visitor-Center im typischen schlichten Apple-Design beherbergt eine Cafeteria, einen riesigen Ausstellungsraum für die neuen Produkte und auch ein großes Modell des neuen 'Mutterschiffs', das mittels Leihpads virtuell begrünt und zum Leben erweckt wird. Ein Pad-Wischer und die einzelnen Ebenen werden virtuell geöffnet und wir können hineinsehen. Wir sind jetzt keine ausgewiesenen Fans der Technik von Apple, aber die zeitlose Simplizität der Designs der Apple-Produkte hat uns schon immer angesprochen. Leider kann man die „Ufo“-Hauptverwaltung bzw. das Gelände drumherum nicht betreten, nur von der Straße aus ist ein kleiner Teil zu sehen. Schade. Interessiert? Googled doch mal nach Apple Campus und seht euch das eine oder andere Drohnenvideo zum neuen Mutterschiff/Spaceship an. Sieht echt spacig aus. Ein weiteres ist wohl schon in Planung.

Weiter geht es zu Intel in Santa Clara. Auch hier sind wir für den seitlichen Besucherparkplatz zu gross und werden wieder exclusiv auf den gelbmarkierten Stellplatz direkt beim Eingang platziert.

Die haben ein kleines firmeneigenes Museum, worin die Entwicklung der goldbeinigen Käfer bis zu den heutigen Multikernprozessoren ausgestellt und beschrieben ist. Wenn ich die mit Millionen Transistoren bedruckten Wafer sehe kommen spontan Erinnerungen hoch, als ich zu Studentenzeiten einen Ferienjob in der Chipfertigung der IBM in Böblingen hatte. In Ermangelung eigener guter Bilder stelle ich mal zwei Bilder der offiziellen Intelseite ein, damit man einen Eindruck gewinnt.

Den Abschluss unserer Silicon-Valley-Tour machen wir bei Google. Vorher aber zum Mittagessen nochmal zurück zum Walmart-Parkplatz in Mountain View, weil dort ein China-Restaurant ist – haben wir gerade Lust drauf. Auf der Fahrt dorthin kommen wir an vielen anderen bekannten Firmen vorbei: Microsoft, NASA direkt am Highway, IBM hat hier sein Almaden Entwicklungszentrum, Oracle, usw. usw.

Eigentlich müsste man auf einem der großen Google-Parkplätze parken und dann entweder sein eigenes oder ein buntes Google-Fahrrad benutzen, um auf dem Gelände mit mehr als 60 Gebäuden voranzukommen. Stumpf ist Trumpf, wir fahren die große Einfahrt rein und arbeiten uns auf dem Loop bis zum Standort der Android-Statuen und dem benachbarten Google-Store vor. Und prompt finden wir auch in der Nähe einen Parkplatz.

Google hat für jede neue Android-Version entsprechend ihrem Versionsnamen eine entsprechende Statue aufgestellt (Frozen Yoghurt, Eclair, Honeycomb, Ice Cream Sandwich, Lollipop, Ginger Bread, ... unser Smarty arbeitet mit einem schwarzen „Oreo-Keks“). Im Google-Store gibt es viele, aber natürlich überteuerte, Gimmicks zu kaufen. Marion kommt an einem T-Shirt mit dem typischen roten Google-Dot und der Aufschrift „I am here“ nicht vorbei.

Von Montain View geht es auf dem 10-spurigen Highway ins Herz von San Francisco. Auf dem Hwy ist reichlich was los. Interessanterweise sind die meisten Autos nur mit einer Person besetzt und dürfen deshalb die ganz linke Überholspur nicht benutzen; wir schon, sind ja zu zweit. Somit kommen wir recht flott durch. Fahren durch Spaghetti-Kreuzungen und sehen schon von weitem Downtown mit ihren Wolkenkratzern.

Fährt man Richtung Hafen, muss man sich unweigerlich mit den bekannten steilen Straßen von San Francisco auseinandersetzen. Als erstes steuern wir die berühmte Lombard Straße mit den begrünten Serpentinen und einer noch stärkeren Steigung (27%) an. Natürlich wollen wir mit unserem Moppel auch mal runterfahren, aber nur bis bei 3 To. Nur unwesentlich schwerer dürfen wir nicht. Dann halt nicht. Wir müssen am oberen Ende warten bis die Kabelbahn vorbei ist und fahren dieser dann hinterher Richtung Hafen. Bei der langsamen Abfahrt haben wir auch schon einen ersten guten Blick auf die Gefängnisinsel Alcatraz.

Wir biegen unten am Hügel nach rechts ab und stoppen am unteren Ende der Lombard Straße, um ein paar Bilder zu schießen.

Die Parksituation ist, wie in den meisten Großstädten, auch in Frisco sehr schwierig oder sehr teuer. Wir steuern einen großen kostenlosen Parkplatz in der Green Marina an. Das ganze Areal rundherum wird als Recreation Area genutzt und wir bekommen dort auch problemlos einen Platz, mit erstem Blick auf die Golden Gate Bridge. Ein Blick in die Bay zeigt uns, dass wir einen Nebeltag erwischt haben. Von der Golden Gate Bridge sind nur die Spitzen zu sehen und die Nebelhörner hupen ohne Unterlass.

Die Kitesurfer nutzen den konstanten Wind in der Bay, es wimmelt nur so von Schirmen. Bei einzelnen Surfern sieht man gut, mit welcher Kraft sie aus dem Wasser gehoben werden, so dass nur das überlange Schwert an der Unterseite Stabilität verleiht. Sieht nach Fun aus.

Wir schnallen unsere Fahrräder ab und wollen damit die Bayküste abfahren rüber zum Fishermans Wharf, den Piers, speziell Pier 39 mit seiner Seelöwenkolonie, und dem Bay Aquarium. Auf der Fahrt haben wir immer wieder einen guten Blick rüber auf Alcatraz und zur nebelverhangenen Golden Gate.

Am Pier 39 hat sich vor vielen Jahren eine kleine Kolonie Seelöwen eingefunden und wächst langsam zu einer immer größeren an. Sie lassen sich beim Sonnenbaden und beim Runterschubsen von den Pontons bei kleinen Revierkämpfen nicht stören. Tausende Touristen flanieren hier täglich vorbei.

Vom Pier aus sehen wir eine Kirche mit Doppelturm. Mit unseren E-Bikes sind die Steigungen in Frisco für uns problemlos machbar. Wie sich herausstellt, handelt es sich um die Sankt Peter & Paul-Kirche. Wie wenn er/Peter es gewusst hätte – witzig. Brauchen tut er es nicht; wir sind doch schon gesegnet, vom Papa Francesco direkt live vor Ort in Rom – das reicht für's ganze Leben.

Laut Navi ist es nicht mehr weit bis zur steilen Lombard Straße, die wir mit dem Moppel nicht fahren durften; dann halt mit dem Fahrrad. Auf dem Weg dorthin strapazieren wir die Akkus doch reichlich. Unser Moppel schaffte es hier schon nur im 1. Gang hoch. Aber als wir oben sind, genießen wir die Aussicht und nachdem wir wieder normal atmen können, geht es langsam mit angezogenen Bremsen die Serpentinen hinunter. Bei den engen Kurven wäre das schon wegen des langen Radstandes mit dem LKW schwierig geworden.

Wieder unten an der Bay, inzwischen schon Abend, wird es in kurzen Hosen im stetigen Wind vom Meer her frisch und wir beschließen, ohne weiteren Stopp zum Parkplatz zurück zu fahren. Der Nebel hat sich noch weiter verdichtet; die Golden Gate ist gar nicht mehr zu sehen kann und die Nebelhörner tröten noch lauter. Unser Plan, auf der Nordseite der Golden Gate Bridge auf dem Parkplatz einer Recreation Area zu nächtigen, verwerfen wir und suchen auf dem Navi ein Einkaufsareal mit großen Parkplätzen ca. 20km weiter südlich als Übernachtungsplatz aus.

Auf der Fahrt dorthin, nach dem zweiten steilen Hügel, unterwegs auf der Webster Street, sehen wir auf der Gegenseite 2 Camper stehen und dazwischen einen freien Platz am Straßenrand, wie für uns geschaffen, und eben. Also an der nächsten Kreuzung ein U-Turn und einparken. Auf der Tafel für die Straßenreinigung steht, dass am morgigen Freitag ab 12 Uhr mittags der Straßenrand für 2 Stunden frei sein muss. Bis dann sind wir nicht mehr da, also kein Problem. Der Verkehr lässt so gegen 23 Uhr deutlich nach und wir haben eine relativ ruhige Nacht mitten in den Straßen von San Francisco. Ist auch ein Erlebnis.

Übernachtungsplatz:

Freistehen Webster Street, San Francisco , GPS: 37.779396 , -122.430071, nachts relativ ruhig, ebenes Straßenstück, Straßen-Reinigungszeiten beachten. Aus unserer Sicht empfehlenswert für Tage, an denen die Golden Gate im Nebel steckt und die Nebelhörner die ganze Nacht Radau machen.

 

 

Fr. 19.04.19

 

Tag 2 in San Francisco. Der Übernachtungsplatz an der Straße war überraschenderweise ruhig und erst morgens um 6 Uhr ging so langsam der Berufsverkehr los. Gleich nach dem Frühstück geht’s los. Zuerst der Japanische Garten, der direkt neben dem botanischen Garten liegt. Mo, Mi und Freitag kostenloser Eintritt wenn man vor 10 Uhr am Tor ist. Kost nix, wie Theo immer sagt, ist gut, und da wir nicht allzuweit entfernt übernachtet haben, sollten wir das in 15min schaffen. Aber irgendwie hat halb San Francisco heute Morgen beschlossen, ebenfalls in diese Richtung zu fahren bzw. hier einzuparken. Wir haben dennoch etwas Glück und finden eine für unseren Moppel genügend große Lücke. Eigentlich haben wir gehofft, den Garten so früh noch etwas für uns alleine zu haben, aber es ist schon richtig was los hier. Das Teehaus schon gerammelt voll mit Leuten, die das gleiche gedacht haben, wie wir. Hier kann man schön sitzen, seinen Grüntee schlürfen und sinnentleert auf die gestaltete Landschaft blicken. Ein wirklich nettes Fleckchen.

Auf unserem Rundgang entdecken wir einen Kolibri; aber der ist wie immer verdammt schnell.

In 200m Entfernung vom Japanischen Garten ist das Kunstmuseum. Und jetzt wissen wir auch warum so viele Menschen hierher strömen. Eine Monet-Ausstellung. Toll! Gleich mal vorbei und checken. Wir haben in den letzten Jahren schon einige seiner Werke gesehen, und wenn man schon mal da ist,.... Als wir aber am Eingang den Preis von 35$/Pers. sehen plus weitere 15$ für den Rest des Museums, vergeht uns spontan die Lust. Echt schade. Die nehmen's hier echt von den Lebendigen.

Wir steuern direkt die Twin Peaks an. Die Fahrt führt wieder durch die buckligen Straßen und durch nette Wohnviertel mit kleinen am Hang klebenden Häusern mit toller Aussicht auf die Stadt und die Bay. Wir möchten nicht wissen, was hier so eine Hütte kostet. Von den Twin Peaks, zwei große Hügel mitten in der Stadt, hat man einen tollen Rundumblick auf Downtown und die Bay.

So langsam geht es auf den Mittag zu. Wir kämpfen uns durch die Straßen der unterschiedlichsten Viertel mit ihren kleinen Geschäften und Restaurants bis runter zum Pier 1 und dem in der Nachbarschaft liegenden China-Town. China-Town in San Francisco ist eigentlich sehr berühmt und laut Reiseführer ein Muss. Als wir mit dem Moppel quer durchfahren, stellen wir fest, dass der Reiz für uns sich in Grenzen hält. Haben wir doch schon einige China-Towns gesehen; sind doch alle sehr ähnlich – Gewimmel und Gewusel und viele kleine Läden mit greller Neonreklame in Chinesischer Schrift.

Parkplatzsuche – leider finden wir in der Nähe zum Pier 1 mit seinen Minirestaurants und Chinatown keinen. Wollen nicht noch länger 'rumkurven und fahren wieder runter zur Green Marina. Schon leicht unterzuckrig holen wir die Fahrräder runter und radeln ungefähr die gleiche Strecke wie gestern Richtung Fishermans Wharf. Heute machen wir allerdings noch einen kleinen Schlenker zu Ghirardelli, einer ehemaligen Firma, bekannt für Schokolade, Senf usw. Inzwischen sind die alten Fabrikhallen mit hochpreisigen Geschäften ausgebaut, so dass wir nur den schönen Brunnen aufnehmen und weiter zum Pier 1 fahren.

In den Hallen des Pier 1 gibt es viele unterschiedliche Köstlichkeiten und wir probieren 2-3 Sächelchen aus, sind endlich dem Hungertod entkommen. Nach der Verköstigung bummeln wir ums Gebäude und haben die Oakland Bridge in voller Breite vor uns.

Sollen wir wirklich den Hügel hoch nach Chinatown? Eher nicht. Also entlang am Pier zurück zur Marina. Unterwegs kommen wir ans Exploratorium, ein Wissenschaftsmuseum. Davor steht das Kunstwerk Bucky Ball. Natürlich schauen wir auch nochmal bei den Seelöwen am Pier 39 vorbei. Gehen dort in den kleinen Boutiquen und Giftshops noch etwas Bummeln – ein SF-Kühlschrankmagnet, eine schön bedruckte recycelte Einkaufstasche und ein T-Shirt – manchmal muss das halt sein! Ein Stückchen weiter ist eine WW2-Ausstellung mit einem begehbaren U-Boot und dem Liberty-Frachter Jeremiah O'Brien. Wir haben beide nicht geentert; nicht so unser Ding.

Von Fishermans Wharf aus sehen wir wie immer noch Nebel um die Golden Gate hängt, und da es schon Spätnachmittag ist machen wir uns auf den Heimweg. Marion will trotz Nebel heute unbedingt unter der Brücke schlafen (!), deshalb machen wir uns auf den Weg rüber über die Brücke auf die Nordseite. Hier oben vom Vista Point, sieht man in sehr steilem Winkel auf die Brücke bzw. daran vorbei. Man könnte hier auch über Nacht stehen, wenn man Touristen und Nebelhörner aushält.

Laut iOverlander ist übernachten auch auf den Parkplätzen in der Golden Gate Recreation Area unterhalb der Brücke möglich. Das hört sich auf jeden Fall besser an. Gleich oben beim Eingang sehen wir halb versteckt ein kleines No-Camping-Schildchen, tun aber mal so als hätten wir es nicht gesehen (das bezieht sich sicherlich nur auf die kleinen pullouts entlang der Straße). Hier sind schon viele Traveler ungestört gestanden, Peter und Brigitte vor 2 Tagen; wir probieren es auch. Zweimal fährt der Ranger-Jeep vorbei, wir bleiben aber unbehelligt. Derweilen bricht die Dämmerung herein und, oh Wunder, der Nebel verzieht sich etwas. Normalerweise müssten die Nebelhörner dauernd dröhnen, aber anscheinend kommen am Freitagabend keine großen Frachter mehr unter der Brücke rein.

Je später der Abend umso romantischer ist die nächtliche Beleuchtung, vor allem da gegen Mitternacht der Nebel nach oben abzieht.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Marina unter Golden Gate Bridge, San Francisco, GPS: 37.834341 , -122.47601,

Nach den offiziellen Regeln der Recreation Area ist übernachten nicht erlaubt. Aber hier wird regelmäßig übernachtet und die Ranger, die zweimal vorbeigefahren sind, haben uns nicht gestört. Sehr empfehlenswert, wenn es keinen Nebel hat.

 

 

 

 

Sa. 20.04.19

 

Während wir aufwachen und bis wir gefrühstückt haben, ist der Nebel komplett verschwunden und macht blauem Himmel Platz. Allerdings windet es wieder sehr stark, was sicherlich zur Nebelbefreiung beigetragen hat. Heute Morgen halten die Ranger doch mal an, wollen aber nur Smalltalk halten aus Neugier wegen unserem Fahrzeug und unserer Reise. Eine gewünschte Innenbesichtigung ist gerade nicht möglich, da die gekachelten Räumen belegt sind. Gerne später - sind aber nicht mehr gekommen.

Wir sind schon auf dem Weg nach Norden, vorbei an Sausalito, als wir uns kurzfristig dazu entschließen, bei blauem Himmel und Sonne nochmal über die Brücke zu fahren, und dann von der Stadtseite aus mit dem Fahrrad die Brücke zu erkunden. Aber schon auf der Fahrt rüber wackelt unser Moppel so stark im Wind und wir sehen die vielen vermummten Fahrradfahrer unterwegs – die Fahrradtour über die Brücke lassen wir wohl besser.

Auf der Fahrt in die Stadt rein muss ein Brückenzoll von 8$ bezahlt werden. Wahrscheinlich weil Ostersamstag ist sind alle Slots offen und die Durchfahrt ist frei. Perfekt! Gleich nach der Brücke sind wir zum Presidio (der ehemaligen Garnison) abgebogen und auf die alten Gemäuer geklettert. Von hier aus ebenfalls ein toller Blick auf die Brücke und vor allem raus aufs offene Meer bzw. die ozeanseitigen Strände von SF.

Auf dem Rückweg über die Brücke hat uns der Starke Wind erneut in unserer Entscheidung bestärkt, die Fahrradtour nicht zu machen.

Schön – jetzt haben wir in der kurzen Zeit beides gehabt: San Francisco mit Nebel und Sonne! Wat willste mehr?!

So, jetzt aber wieder rauf auf die Route #1, die nach Sausalito Richtung Küste abbiegt, und nachdem wir die Inlandbay-Steigungen überwunden haben, sind wir wieder ozeanseitig unterwegs. Durchs weiter im Landesinneren liegenden Nappa-Valley zu fahren hätte uns gereizt, aber dann hätten wir wieder dasselbe Problem wie schon südlich von Monterey: Kein Platz für die Weinkisten!

Die Küste zeigt sich weiterhin von ihrer rauen Seite, unterbrochen von sandigen Buchten oftmals mit kleinen Fischerdörfern, die heutzutage aber mehr vom Tourismus leben als von der Fischerei.

Hin und wieder sind die Buchten schwer oder gar nicht erreichbar und werden dann gerne von Seelöwen belagert.

Schön sind auch die Abzweigungen etwas ins Landesinnere. Die grünen Hügel am Schwäbischen Meer erinnern ans Allgäu oder an die Schweiz, nur isses hier eben der Pazifik.

Heutiges Ziel ist entweder das Garcia River Casino bei Point Arena mit einem kleinen Parkplatz, wo man nach Registrierung bei der Security übernachten kann, oder ein größerer Aussichtsparkplatz hinter Point Arena direkt an der Küste. Der Parkplatz am Casino ist sehr klein und etwas schräg, deshalb fahren wir zum Vista Point. Dieser ist im hinteren Bereich eben und von der Straße aus nicht einsehbar. Passt. Wie in der App beschrieben, keine Verbotsschilder. Wir parken ganz hinten in der Ecke bei den Tannen ein. Dort stehen wir etwas im Lee und der stetige heftige Wind vom Meer kommt bei uns fast nicht mehr an.

Bereits dunkel, parken noch zwei PKW ein, wobei die einen im Auto schlafen und die anderen ihr Zelt aufbauen auf dem Asphalt hinter dem Auto. Der Verkehr vorne auf der Straße ist inzwischen zum Erliegen gekommen, was eine ruhige Nacht erwarten lässt.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Vista Point am Highway #1 , GPS: 39.033809 , -123.687997, keine Verbotsschilder, sehr ruhig, sehr empfehlenswert

 

 

 

 

So. 21.04.19

 

Gut ausgeschlafen und mit einem sonnigen Ausblick aufs Meer geht es weiter auf der #1, vorbei an malerischen Buchten, immer an der Küste entlang. Der Frühling ist jetzt voll ausgebrochen und wohin wir auch sehen, blüht es in allen Farben. Herrlich. Besonders schön sind die knallgelben Ginsterbüsche, die ganze Hänge und Straßenränder einnehmen. Aber auch die hier wild wachsenden Callas mit ihren weißen Blütenkelchen sind toll.

Auf Höhe Cape Vizcaino bzw. Rockport biegt der Küsten-Hwy #1 ins Landesinnere ab und endet in Leggett. Ab jetzt fahren wir auf dem Hwy #101 weiter, vorerst zum Humboldt Redwood State Park.

Dieser hat neben dem Redwood National Park das größte Vorkommen der Riesenbäume. Es gibt natürlich weitere lokal begrenzte Vorkommen auf der Strecke bis an die Grenze von Oregon.

Den Humboldt Redwood State Park kann man auf dem Highway #101 durchqueren oder auf dem Scenic Byway mit Namen „Avenue of the Giants“. Dieser Byway führt mitten durch und vorbei an den schönsten Vorkommen bzw. den größten Redwoods.

Leider ist die Avenue of the Giants von Süden her bereits nach wenigen Kilometern wegen einer Baustelle gesperrt. Wir kommen noch bis zum sogenannten Chimney-Tree und müssen dann umdrehen. Der Chimney-Tree ist ein riesiger Redwood, der von innen ausgebrannt ist, der Großteil des Baumes fehlt, nur der „Kamin“-Strunk ist übriggeblieben. Der Baum lebt, treibt weiter aus, wird aber nie wieder seine ursprüngliche Größe erreichen.

Auf dem Parkplatz neben uns steht dieser toll restaurierte Oldtimer.

Wir müssen ein kurzes Stück auf dem Hwy überbrücken, bevor wir wieder auf die Avenue einbiegen können. Gleich zu Beginn machen wir einen Stopp an einem Grove/Hain mit vielen mächtigen Bäumen auf einem eng begrenzten Areal. Es ist wieder einmal atemberaubend zwischen den Riesen zu stehen und sich klar zu machen, wie winzig und unbedeutend man doch eigentlich ist, gemessen an der laaaangen Erdgeschichte.

Entlang der Straße gibt es viele Möglichkeiten anzuhalten und auf kleineren bzw. größeren Trails die Wälder zu erkunden. Wir durchqueren den State Park als es schon später Nachmittag ist, kommen auch ohne gewanderte Trails an unzähligen majestätischen Bäumen vorbei. Der große National Park liegt ja noch vor uns und dort werden wir die Redwood Bestände ausgiebig erkunden. Heute reicht uns die stundenlange „Erfahrung“ im wahrsten Sinne des Wortes aus. Kurz nach dem State Park wird mit dem Drive Thru Tree geworben. Diesen Baum kann man mit kleinen Autos oder Motorrädern durchfahren. Eintritt pro Person 10$. Dafür, dass wir vom Parkplatz zu einem Redwood gehen können und PKWs beim Durchfahren zuschauen? Die Bilder im Internet haben uns überzeugt – wir meiden diese Touri-Falle.

Peter und Brigitte sind mit Ihrem Donnerlaster die letzten Tage immer ein gutes Stück voraus gewesen. Wir sind überrascht, als wir eine WhatsApp bekommen, dass Sie außerhalb des malerischen Städtchens Ferndale an der Küste auf einem Trail-Parkplatz stehen. Das Bear River Casino in der Nähe der Hauptroute wäre unser eigentliches Ziel heute, aber so fahren wir die 12 km noch raus an die Küste, wo uns die beiden schon herzlich begrüßen.

Nach einem schnellen Abendbrot, besuchen wir die beiden in ihrem fahrenden Haus und trinken noch ein Gläschen Wein.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Coast Trailhead Parking Place, GPS: 40.561359 , -124.353454, schöner ruhiger Platz mit weitem Blick aufs Meer. Nach der zweiten Übernachtung vom Ranger darauf hingewiesen, dass Camping hier verboten ist. Daher keine Weiterempfehlung.

 

 

 

 

Mo. 22.04.19

 

Weil es hier so schön ist und wir auch noch Internet-Empfang haben, bleiben wir auf jeden Fall noch einen Tag stehen, um nach San Francisco und der langen Küstenfahrt etwas See-Luft zu schnappen. Peter & Brigitte machen über unser Handy noch einen wichtigen Anruf zu Hause bevor sie wieder auf die Piste gehen. Wir werden uns sicher weiterhin immer wieder über den Weg laufen, da sie ja auch die gleiche Richtung, nämlich Alaska, auf dem Kompass haben.

Bei uns gibt es heute nicht viel zu berichten. Etwas relaxen, Bilder sortieren, lecker Essen kochen, dafür hat man ja auch nicht immer Zeit und auf den Ozean rausschauen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Coast Trailhead Parking Place , GPS: 40.561359 , -124.353454, schöner ruhiger Platz mit weitem Blick aufs Meer. Am nächsten Tag vom Ranger darauf hingewiesen, dass Camping hier verboten ist. Daher keine Weiterempfehlung.

 

 

 

 

Di. 23.04.19

 

Wir hatten eine geruhsame Nacht hier oben und würden gerne noch einen weiteren Tag an diesem schönen Platz stehen. Aber gleich morgens bekommen wir Besuch vom Ranger, der uns darauf hinweist, dass Camping hier nicht erlaubt ist. Er zeigt uns auf der Anschlagtafel, wo es im Kleingedruckten steht. Wir zeigen Reue und erklären ihm, dass wir dies nicht gesehen haben und selbstverständlich innerhalb der nächsten Stunde abreisen werden. Damit ist er zufrieden und zieht wieder von dannen. Alles gut, solange wir keine Strafe bezahlen müssen.

Schon auf der Herfahrt sind wir durch das malerische Städtchen Ferndale gekommen. In jedem Reiseführer wird ein Besuch angeraten. Somit machen wir noch einen Stopp, bummeln die Mainstreet mit ihren schön hergerichteten Häusern rauf und runter, schnuppern in die zum Teil doch recht ansprechenden Läden rein und sind erstaunt, was man dort alles bekommt (z.B. auch Hengstenberg Sauerkraut und Essiggurken, doppelt so teuer wie in Deutschland). In einem kleinen Gemischtwarenladen erstehen wir noch zwei Sauerteigweckle, die dann zu einem frühen Mittagessen gleich verspeist werden.

Zurück auf der Route #101 kommen wir durch Eureka, besuchen dort einen Baumarkt, da wir noch ein paar Kleinteile zum Einbau der neuen Moskitotüre brauchen. Endlich wird der lang ersehnte Hummingbird-Feeder gekauft und auf dem Weg raus aus Eureka ersteht Peter am Straßenrand ein Glas Orangenblütenhonig plus einen Sack Orangen. Hier im Norden, 200km weg von den Orangenhainen, kann man die Sächelchen kaufen, aber im Anbau-/Erntegebiet nicht. Grrrhhh! Versteh' wer will.

So langsam müssen wir Gas geben, damit wir endlich ins Redwood National Park Visitor Center kommen und uns für die nächsten Tage informieren können. Die eine oder andere Kurve ist wieder eng (keine Kurve für den fünften Gang!) und Marion kann endlich von ihrem Lieblingsschild auch mal ein Photo machen, so quasi als Bestätigung („irgendwann fallen wir mal um“)!

Nachdem uns der Ranger im NP VC ausgiebig beraten und Infomaterial mitgegeben hat, fahren wir zuerst zur Elk Meadow, wo eigentlich immer eine Herde Elks am Äsen ist oder in der Nähe durchs Gelände streift. Also beste Voraussetzung für eine Sichtung.

Wir möchten, trotz fortgeschrittenem Nachmittag, unbedingt noch einen Trail unter den Riesenbäumen absolvieren und fahren dazu auf den Scenic Parkway in den NP rein. Mitten im Wald stellen wir unseren Moppel ab und starten unseren Hike indem wir westlich des Parkways dem Prairie Creek Trail nach Süden folgen und an der Rangerstation im Osten den Foothill Trail wieder nach Norden zu unserem Moppel nehmen. Den Trail-Informationen zufolge ist dies eine Runde von knapp 5km. Auch am späten Nachmittag noch gut zu schaffen. Allerdings stellt sich heraus, dass die Angaben auf der Infotafel nicht stimmen und wir am Ende dann doch fast 9km wandern. Puuuh! Bis auf ziemlich lahme Füße und 'Rücken' ist der Loop einfach gigantisch. Wir benötigen deshalb auch fast die doppelt veranschlagte Zeit, denn hinter jeder Kurve auf dem Waldpfad steht ein neuer Gigant, den man genauer anschauen und umarmen muss. Marion ist nur mit Mühe von den Bäumen wegzubekommen (Peter übrigens genauso). Also nicht wundern, wenn jetzt eine größere Anzahl von Bildern kommt, aber es ist einfach überwältigend, gigantisch, super, so schööööööön. Nicht nur die noch lebenden Riesen sind interessant, sondern auch die schon gefallenen und über Jahrzehnte verrottenden Baumleichen sind der Hammer. So haben wir die Gelegenheit, die Baumriesen-Ausmaße nicht nur von unten abschätzen zu können, sondern können an den über mannshoch dicken Stämmen entlanggehen. Das besondere Licht jetzt am späten Nachmittag, das schon sehr schräg in den Wald fällt, zaubert den einen oder anderen Lichtvorhang zwischen die Bäume. Voll ramontisch! Wir sind bis auf ein Pärchen, das wir unterwegs getroffen haben, die komplette Strecke alleine im Wald unterwegs, was dem Ganzen noch das I-Tüpfelchen aufsetzt. Seufz!

Auf halber Strecke zurück auf dem Foothill-Trail kommen wir am Big Tree vorbei. Dies ist ein ausgesuchter Brummer, damit die Tagestouristen direkt hinfahren können. Die größten Bäume im NP bzw. damit auch der Welt sind nur wenigen Menschen bekannt, um diese vor allen möglichen hirnrissigen Ideen zu schützen. So wurde in der Vergangenheit immer wieder versucht, die Bäume zu besteigen, um damit auf dem höchsten Baum an der Spitze gewesen zu sein. Die Rinde ist trotz ihrer Dicke, sehr weich und empfindlich, so dass derartige Kletteraktionen nicht heilbare Schäden verursachen.

Auf der einen Seite ist es faszinierend, an den frisch umgefallenen Giganten die obere Wipfelgegend erkunden zu können, auf der anderen Seite stellen wir uns vor, welch tollen Möbel man aus dem gemaserten, im Innern rötlichen Holz, zimmern könnte, anstatt sie hier ewig langsam vermodern zu lassen.

Als wir dann gegen 19:30 Uhr am Wagen ankommen, sind wir echt geschafft. Wir hoffen, in der Abenddämmerung bei den Elkwiesen eine größere Herde beobachten zu können und fahren wir nochmal 20km nach Süden. Schon an der Rangerstation, an der wir vorhin vorbeigewandert sind, sehen wir eine größere Rehherde, die sich auch durch den Krach unseres LKWs nicht stören lässt. Die gleiche Touri-Resistenz ist dann auch bei den Elks feststellbar, was ein Photographieren aus dem Auto heraus vereinfacht. Aussteigen ist verboten, da die Mütter sehr wachsam sind und bei Verdacht einer Bedrohung doch unangenehm werden können. Sind eben doch Wildtiere, auch wenn man das in dieser Umgebung leicht vergisst.

Peter und Brigitte sind mit ihrem Donnerlaster zwei Tage vor uns hier durchgekommen und haben am Klamath River bei Klamath direkt am Fluss eingeparkt. Diesen Stellplatz-Tipp haben sie von Eileen & Skip bekommen, die sie in Arizona kennengelernt haben. Die beiden wohnen hier im Dorf und haben sie zu sich nach Hause eingeladen. Als wir bei den Koordinaten ankommen, sind die beiden nicht mehr da, sind wahrscheinlich aufs Gelände zu den Beiden umgezogen. Wir freuen uns über den schönen Platz direkt am Fluss und nehmen bevor es ganz dunkel wird noch eine doch sehr erfrischende Außendusche. Sobald die Sonne untergegangen ist, gehen die Temperaturen merklich runter.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Klamath River, Klamath, GPS: 41.506604 , -123.996961, absolut ruhig, nur das Flussrauschen, First Nation Gebiet, daher nur bedingt empfehlenswert für max. 1-2 Nächte

 

 

 

Mi. 24.04.19

 

Heute wollen wir den tollen Stellplatz nutzen, um endlich die Moskitotüre einzubauen, da wir sonst weiterhin morgens und abends über die Holzstangen und die eingepackte Türe im Wohnraum klettern müssen. Der Einbau zieht sich hin und dauert den ganzen Tag. Da nicht viel Platz zur Verfügung steht, dauert es länger, den millimetergenauen Einbau vorher durchzudenken, als die eigentliche Einkürzung/Einbauaktion.

Nachmittags kommt dann ein Pickup vorgefahren und es steigen Eileen, Skip, Brigitte und Peter aus. Sie kommen gerade von einem Tagesausflug zu den Trees of Mystery zurück, einem privat geführten Erlebnisgelände in den nahe gelegenen Redwoods und wollten mal nachschauen, ob wir inzwischen schon angekommen sind. Da wir hier am Fluss kein Netz haben, konnten wir natürlich nicht Bescheid geben.

Wir werden für den kommenden Abend zum Pizzaessen eingeladen. Heute wollen wir unbedingt unsere Bauarbeiten fertig machen. Irgendwann ist auch das geschafft und jetzt sind wir stolze Besitzer einer Moskitotüre. Spitze!!!

Gegen Abend genießen wir die Stille mitten in der Wildnis, bis es zu kalt zum Raussitzen wird.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Klamath River, Klamath, GPS: 41.506604 , -123.996961, absolut ruhig, nur das Flussrauschen, First Nation Gebiet, daher nur bedingt empfehlenswert für max. 1-2 Nächte

 

 

 

 

Do. 25.04.19

 

Nach einem Tag Baumriesenpause wollen wir uns heute nochmal eine Ladung Redwoods gönnen und fahren erneut nach Süden auf dem Newton B. Drury Scenic Parkway durch den Nationalpark.

Bevor wir starten sehe ich gerade wie ein Weißkopfseeadler am Flussufer mit aufgespreizten Ständern einfliegt und kurz danach mit einem Stück Fisch auf die andere Flussseite zu einem abgestorbenen kahlen Baum (roter Pfeil) fliegt. Heute Morgen ist kurz ein Jeep an dieser Stelle gewesen und hat wahrscheinlich Fischabfälle abgeladen, was auch die größere Anzahl Turkey Vultures (Rotkopfgeier) erklärt, die sich über den Rest der Beute hermacht, nachdem der König der Lüfte sich seinen Anteil abgeholt hat. Auf diese Entfernung ist das Limit unserer Kamera leider überschritten, die Bilder dienen nur noch als Nachweis. Bevor wir dann losfahren, zieht er noch eine Ehrenrunde über den Fluss, um nachzuschauen, ob die Geier noch was übrig gelassen haben. Immer wieder ein Erlebnis.

Im unteren Drittel des Parkways kommen wir noch an der Cal Barrel Road vorbei, auch ein scenic loop durch den Wald. Leider ist dieser durch eine Schranke gesperrt. Da es inzwischen schon wieder Mittag ist, parken wir vor der Schranke ein und genießen unser Vesperbrot unter den Riesen.

Als wir an der Südausfahrt wieder auf die Route #101 treffen, fahren wir an der Abfahrt in den Ostteil des Parks, wo es sehr steil nach oben Richtung Lady Bird Johnson Grove geht und zum Redwood Creek Overlook an der Bald Hills Road.

Den Johnson Grove Trail haben wir nicht komplett gemacht. Die Bäume hier oben reichen bei Weitem nicht an die Riesen im Tal heran. Beim Overlook sieht man schön, wie die Wolken vom Meer her in den Redwood Creek hereindrücken und damit die notwendige Feuchtigkeit liefern, damit die Küsten-Mammutbäume (Sequioa sempervirens) Höhen von 112m und das hohe Alter erreichen. Es kommt zu hohen Niederschlägen von bis zu 2500mm.

Vorgestern überlegten wir noch, ob wir im Visitor Center einen Permit holen, damit wir am Ende der Bald Hills Road den Tall Trees Trail machen können. Dort soll es einige der Größten geben. Aber schon die Anfahrt ist sehr anstrengend und der eigentliche Trail geht mehrere hundert Meter nach unten und nach dem 1,5h Rundweg auch wieder nach oben. Das ist uns dann doch zu strapaziös. Wir entscheiden uns daher für einen Besuch des Fern Canyon, am Gold Bluffs Beach. Auf dem Weg dorthin kommen wir an unzähligen riesigen Baumstümpfen vorbei, alles Überreste aus dem vorigen Jahrhundert, als die Redwoods ohne Sinn und Verstand abgeholzt wurden. Auf dem einen oder anderen Stumpf könnten wir mit unserem Moppel einparken; demnach muss dies also ein mindestens ein- bis zweitausend Jahre alter Methusalem gewesen sein. Tut echt weh, wenn man das so sieht. Bedenkt man außerdem, dass von der ursprünglichen Anzahl der Redwoods heute nur noch 5% existieren und geschützt sind, dann kann man sich das Ausmaß dieser Abholzerei vorstellen. Von ehemals 1 Mio. ha Küstenregenwald sind heute nur noch ca. 50.000 ha Waldgebiet übrig – 5 % ! Darf man gar nicht drüber nachdenken....

Weiter.... Der Fern Canyon wurde durch einen kleinen Fluss gebildet, der sich durchs weiche Gestein gefressen und so einen sehr schmalen und hohen Canyon gebildet hat. In dieser Enge hält sich auch im Sommer die Feuchtigkeit sehr gut, beste Wachstumsbedingungen für den Fünffinger-Farn, der hier hauptsächlich vorkommt.

Der Weg, eher ein Trampelpfad, durch die Nutzung der Touristen entstanden, führt oft durch den Fluss, so dass man/Frau ohne nasse Füße weder rein noch aus dem Canyon kommt.

In der Nähe des Trail Parkplatzes liegt eine Elkherde, die man vom Weg aus betrachten kann, mit gebührendem Abstand, die Muttertiere beobachten einen schon sehr genau.

Da wir heute gegen 18:30 Uhr zum Pizzaessen eingeladen sind, müssen wir uns sputen, fahren aber erneut den Parkway quer durch den Wald zurück, um die dicken Jungs nochmal zu bestaunen.

Als wir bei Eileen und Skip ankommen, ist die „Party“ schon im Gange und die vier sitzen mit einem Drink in der Hand draußen im Garten. Wir dürfen auf dem Rasenstück gegenüber einparken und gesellen uns dazu.

Nach ein paar Erinnerungsphotos gibt es lecker Pizza und viele Geschichten zum Rotwein, kühlem Bier bzw. Whiskey on the rocks.

Der Abend wird heute nicht ganz so lang. Wir sind vom Ausflug geschafft und die anderen hatten gestern Abend schon feucht fröhlich gefeiert. Daher fallen wir alle schon gegen 23 Uhr todmüde in unsere Betten.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen bei Eileen & Skip Nolan auf dem Nachbargrundstück, Klamath , GPS: 41.512342 , -123.985928

 

Skip und Eileen, thank you so much for your kind invitation and the nice and funny evening we could spent at your house together with Brigitte and Peter. We laughed a lot. Thanks!

 

 

 

Fr. 26.04.19

 

Nach dem gestrigen geselligen Abend, machen wir uns wieder startklar. Eileen und Skip hätten uns Vier gerne noch ein paar Tage zurückgehalten, aber uns treibt es zurück auf die Straße denn Alaska ruft. Eileen hat extra für uns eine Spezialität organisiert und leckere Häppchen mit Smoked Salmon auf Meerrettich und Kapern zubereitet. Mmmmhh, sehr lecker! Aber bei einem Preis von 100$/Lb vergeht uns schon beinahe wieder der Genuss. Wir füllen noch unsere Trinkwassertanks auf und nach einem etwas tränenfeuchten Abschied geht es zurück auf den Hwy #101.

 

Eileen & Skip, thanks a lot for the hearty hospitality. It is always a pleasure to meet people like you.

 

Nächste Station: Crescent City; hier bunkern wir im Hafen frischen Fisch (Tipp von Eileen). Neben Lachs und Lachsforelle, erstehen wir außerdem zwei Fische, die die Besitzerin heute Morgen selbst mit der Angel aus der Pazifikbrandung gezogen hat. Ein Abstecher in den Supermarkt und weiter geht’s.

Noch in Crescent City biegen wir nach Osten zum Jedediah Smith Redwood State Park ab und durchqueren diesen auf der Howland Hill Road. Diesen Tipp haben wir vom Ranger im Redwood National Park Visitor Center bekommen. Nicht geeignet für 'Big Rigs'; aber unser Kleiner müsste das schaffen. Die ungeteerte Straße durch den Wald ist zum Teil so eng durch die Redwoods gezogen, dass wir mit unserem Moppel genau zielen müssen um hindurch zu kommen. Es ist herrlich, so ganz nah zwischen den Riesen zu fahren. Langsam zwar, aber das macht nichts, da wir nach jeder Kurve wieder etwas Tolles entdecken. Fenster herunterkurbeln und die Jungs sind in Streichelnähe.

Gegen Ende der Howland Hill Road, liegt der Stout Memorial Grove. Obwohl wir die letzten Tage wirklich reichlich Redwoods gesehen haben, wollen wir diesen kurzen Trail durch den Hain abwandern. Und wir werden nicht enttäuscht. Hier gibt es noch einmal eine große Anzahl ausgesprochen herausragender Boliden. Und das Licht der Nachmittagssonne wirft ihre Strahlen in diesen dichten Baumbestand und zaubert eine ganz tolle Stimmung. Wir sind wieder fast alleine unterwegs und können den Zauberwald in vollen Zügen genießen.

Bevor wir dann den Grove verlassen, darf Marion noch einmal eine innige Umarmung genießen und dann ist Schluss, sonst kommen wir nicht mehr an unser heutiges Ziel.

Nach dem State Park fahren wir auf der #199, dem Redwood Hwy, immer am Smith River entlang, reißendes Schmelzwasser in rauem Flussbett.

Entlang des Flusses gibt es mehrere kostenpflichtige Campgrounds, aber auch kleine Recreation Areas, auf denen man bis zu 14 Tage frei direkt am Wasser stehen kann. Außer einem Plumpsklo (Pit toilet) gibt es hier nichts. Wir haben mit den Donnerlastern morgens einen Treffpunkt ausgemacht und als wir ankommen, hat Peter schon den Grill aufgebaut. Nach dem Einparken packt Marion unsere beiden Brandungsfische mit etwas Gewürz und Öl in Alufolie und dann kommen sie auch gleich auf den Rost. Die Fische kommen zart und fast ohne Gräten, dampfend aus der Folie und werden mit lecker Bierchen runtergespült.

Gleich nach dem Essen wird die Feuerschale ausgepackt und ein gemütliches Lagerfeuer gestartet. Warme Decke und Jacke sind schon noch vonnöten, um den Abend unter dem kühlen klaren Sternenhimmel zu genießen, aber an Romantik nicht zu überbieten.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Smith River Recreation Area, GPS: 41.857362 , -123.885421, sehr schön gelegen, das Rauschen des Wassers ist zu dieser Jahreszeit ziemlich laut, empfehlenswert

 

 

Sa. 27.04.19 - Mi 01.05.2019

 

Gut geschlafen, allerdings ist der Fluss doch sehr laut und deshalb fahren wir weiter. Wir folgen der #199 weiter bis nach Elk Creek, wo wir nach der Durchquerung eines kleinen Tunnels Kalifornien hinter uns lassen und die Grenze nach Oregon überschreiten.

 

OREGON – We love Dreamers ! / The People's coast

(Gesetz in Oregon: Die Küste, 585km, ist für jeden frei zugänglich.)

 

Cave Junction – hier müssten wir abbiegen in die Klamath Mountains, um dort das Oregon Caves National Monument zu besichtigen. Es handelt sich um eine Tropfsteinhöhle, in diesem Fall die größte in Oregon. Verwöhnt wie wir inzwischen sind, haben uns die Bilder im Internet nicht wirklich vom Hocker gerissen; haben wir in den letzten Monaten doch schon einige tolle Höhlen besichtigt. Also weiter Richtung Grants Pass.

Wenige Kilometer hinter Cave Junction beginnt der Rogue River Siskiyou National Forest mit Plätzen zum Freistehen. Da wir dringend mal wieder eine Fahrpause brauchen, fahren wir fast eine Stunde lang viele Waldwege ab, um einen schönen Platz zu finden. Es ist Wochenende, die meisten Plätze schon belegt. Wir probieren noch eine Straße aus, die sich mehrere Kilometer den Berg hinaufwindet. Mist, nicht einmal Platz zum Umdrehen gibt’s hier oben. Aber die zähe Auffahrt wird belohnt: Ein Aussichtspunkt, groß, relativ eben, inmitten eines vom Feuer zerstörten Berghanges, mit Bank und Feuerstelle und gigantischer Aussicht! Wir parken ein. Hier bleiben wir stehen – gefällt uns. Schade nur, dass der Wind hier oben so pfeift. Drum sitzen wir zum Sonnen ins Lee hinter den LKW. Ist zwar nicht so toll, wie mit Aussicht, aber wir müssen auch dringend schreiben, um den mehrwöchigen Rückstand auf der Homepage einzuholen. Also gar nicht so schlecht, wenn der Urlaubsfaktor „faul in der Sonne sitzen“ etwas zu kurz kommt.

Gegen Abend, die Sonne geht rotglühend unter, lässt auch der Wind nach. Ich/P versuche mal wieder, den klaren Sternenhimmel abzulichten. Habe mir über ebay eine Fischaugenlinse gegönnt. Damit kann ich einen Sichtbereich von mehr als 180° vom Firmament einfangen. Zu dieser Jahreszeit ist die leuchtende Milchstraße leider nicht so gut sichtbar. Bei genauerer Betrachtung ist das eine oder andere Sternbild trotzdem gut erkennen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Rogue River Siskiyou National Forest, GPS: 42.253561 , -123.731424, viele Stellplätze, an den Wochenenden voll; geniale Aussicht, sehr windiger Platz, gutes Netz, zum Schreiben ideal, bedingt empfehlenswert

 

Hier wieder die Kartenübersicht der 43. und 44. Woche mit den gewählten Stellplätzen:

USA_2019_April_2

 

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