29.05.2018

 

Heute ist endlich der Abreisetag über den großen Teich nach Kanada. Natürlich mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite soll es ja endlich losgehen, das Moppelchen wartet schon sehnsüchtig im Hafen von Halifax darauf abgeholt und wieder bewegt zu werden, auf der anderen Seite stehen die vielen Abschiede von der Familie und Freunden in den letzten Tage, die natürlich auch eine gewisse Wehmut hervorrufen. Wann sieht man sich wieder.... Einige Tränen dürfen da auch nicht fehlen. Aber die Hoffnung, dass man regelmässig über Skype, Whatsapp, Facebook Kontakt hat und nicht wie früher, wenn weg dann weg, sich über Jahre aus den Augen verloren hat, helfen darüber hinweg.

Der Rucksack ist schnell gepackt, Michi bringt uns um halb zwölf zum Bahnhof und schon sitzen wir im Zug nach Stuttgart bzw. nach Frankfurt-Flughafen. Wir sind reichlich früh dran und kommen schon um 14:30Uhr an. Längerer Anmarsch zum Condor Schalter, verpacken der Rucksäcke in Schwerlastsäcke (schont die Rucksäcke beim ruppigen Umgang in den Verladehallen und Flugzeugen). Wir sind gespannt, ob es Diskussionen wegen unseres One-way-Tickets gibt. Wir haben schon alle möglichen Geschichten gehört: Von der Verweigerung des Fluges bis hin zur zusätzlichen Buchung eines Flex-Tickets und anschließenden Stornierung. Aber: Wir sind bereits nach 5 min fertig, ohne jegliche Rückfrage, außer dass unser Elektronikequipment eigentlich die 6kg Bordgepäck-Obergrenze überschreitet, aber mit einem Augenzwinkern der Dame am Schalter akzeptiert wird. Erste Hürde gemeistert.

In der Abflughalle treffen wir, nachdem er uns gefunden hat :-), Wilhelm und seine Frau Renate, mit ihm hatten wir kurz Kontakt übers Allrad-Forum. Dort hatte er geschrieben, dass sie auch ihr Womo nach Halifax verschiffen und zufällig mit dem gleichen Flug nach Kanada rübermachen. Eigentlich sollte ihr Womo später ankommen, war aber schon am Abflugtag in Halifax und daher können die beiden auch gleich loslegen. Es wurden noch ein paar Tips ausgetauscht und schon gings zum Flugzeug.

 

Der Flug war dank den Reisetabletten recht kurzweilig, habe gerade mal einen Film zwischen den Schlafphasen geschafft und schon waren wir mit etwas Rückenwind nach 7h in Halifax. Marion hat immer etwas mehr Probleme, da sie nicht so richtig schlafen kann und daher etwas erschlagen ankommt.

Jetzt geht es nach kurzem Marsch zuerst zur Immigration. In einer Halle stehen ca. 20 Automaten, an denen mittlerweile der „Self-Checkin“ durchgeführt werden muss. Reisepass einscannen, Fragen beantworten bezügl. Herkunft, Plan, etc.pp und dann noch je ein Bild mit der Automatenkamera und schon wird der Einreisezettel ausgedruckt, mit dem wir dann zum Border Officer weitergeleitet werden. (Marion hatte das Ganze eigentlich schon elektronisch mit passender App auf dem Smartphone am Vortag erledigt. Wir haben aber irgendwo übersehen, dass man anstelle Einscannen des Passes auch den QR-Code der App scannen hätte können... Anyway.)

Der Border Officer stellt uns noch die Frage, die Tools wir einführen, da wir diese wegen den LKW-Ersatzteilen, die wir mitgebracht haben, sicherheitshalber angegeben haben. Er macht einen Haken auf den Zettel und schickt uns zum nächsten Schalter. Hier nochmal die gleiche Frage nur etwas spezifischer und weiter geht es nach kurzem Marsch in die Gepäckhalle, hier sind unser Säcke schon auf dem Laufband. Bevor es dann raus geht werden wir doch noch zur genaueren Einzel-Kontrolle umgeleitet. Hier heisst es dann die Schutzsäcke entfernen, derweil unsere kleineren Daypacker inzpiziert werden. Nachdem ich dem wirklich sehr freundlichen Officer den Inhalt des untersten Faches zeigte: Meine Schuhe und die darin befindlichen 2 Stecknüsse, erklärte ich ihm diese und dass ich außerdem noch 5m Kupferleitung, mehrere Keilriemen usw. dabei habe. Auf die Frage, wie alt das Fahrzeug sei (Bj. 1987), war für ihn alles klar / ok und wir mussten nichts weiter auspacken. Mit einem freundlichen Wunsch für eine tolle Zeit in Kanada und für unsere Reise waren wir entlassen. Keinerlei Rückfrage wegen fehlendem Rückflug und schon sind wir ohne Probleme eingereist - fast schon langweilig so ohne Problemchen.

Am nächsten ATM ziehen wir noch mit der Visa einige kanadische Dollares und wandern zum Hertz-Schalter im gegenüberliegenden Parkhaus. Da die Station unterbesetzt ist und es bei 2 Reisepaaren vor uns (u.a. auch bei Wilhelm und Renate, die wir hier wieder getroffen haben) mit der Reservierung Diskussionen gab, dauerte der Aufenthalt an diesem Schalter länger als die gesamte Einreiseprozedur beim Zoll. Es sind immer die gleichen Diskussionen, die wir auch von unseren früheren Reisen zum Teil schon kennen...: Anderer Rückgabeort, zweiter Fahrer, Fahrzeuggröße, zusätzliche Versicherungsoptionen usw... Alles soll plötzlich extra kosten bzw. nachgeordert werden, obwohl zu Hause entspr. online gebucht wurde. Am Ende und nach viel unnötig verbrauchter Diskussionszeit stellt sich dann doch raus, dass alles passt.

Als wir endlich dran waren, ging es bei uns überraschenderweise innerhalb von Minuten reibungslos vonstatten. Keine Diskussion wegen zweitem Fahrer, Marion wurde anstandslos eingetragen, Rückgabeort Downtown beim Marriott-Hotel sollte eigentlich 5 C$ extra kosten, aber das System sagte 0 C$, und da die kleinen Autos alle schon weg waren, bekamen wir noch einen kostenlosen upgrade auf einen nagelneuen großen SUV, falls wir kein Problem mit großen Autos hätten.... nach kurzem Lachen und Beschreibung unseres Moppelchens war klar, dass wir keine Probleme damit hätten. Hier muss ich sagen, dass die Buchung über den ADAC und den damit verbundenen Sonderkonditionen sich voll bezahlt gemacht hat. Ich hätte zwar ca 7 Euro bei einer Noname-Billigbuchung sparen können aber sicher die ganzen Diskussionen hinterher gehabt bzw. unter dem Strich mehr bezahlt.

Inzwischen ist es draußen dunkel geworden. Die Fahrt nach Downtown Halifax ist dank Navi-App problemlos und wir überqueren eine der beiden großen Brücken in die Stadt rein, die uns mit lichterfüllter Skyline begrüsst. Noch ein kurzer Stop bei einem Supermarkt für ein paar Wasserflaschen, einem kleinem Frühstückskuchen und schon sind wir in dem Wohnviertel angekommen mit den schnuckeligen Holzhäusern, wo wir unsere erste Nacht in einer AirBnB-Wohnung verbringen werden.

Wir brauchen allerdings fast 10 min bis wir den kleinen Tresor am Türknauf geöffnet haben, in dem der Schlüssel hinterlegt ist. Die Wohnung ist ausreichend groß mit schönem Bad, Wohnzimmer und Schlafzimmer. Für die unschlagbaren 42€ eine echte Alternative zu einem Hotel.

Die Nacht ist nicht wirklich entspannend, da wir etwas mit dem Einschlafen Probleme haben, zum einen wegen dem absolvierten Schlaf im Flugzeug bzw. zum anderen wegen der Zeitverschiebung von 5 Stunden.

 

30.05.2018

 

Aber mit etwas Kuchen, einem Kaffee für die Marion und einer heißen Dusche sieht die Welt schon wieder anders aus.

Wir parkten draußen auf der Straße und hatten das Schild, das auf ein temporäres Parkverbot wegen Straßenreinigung hinweist (12am - 8pm), nicht richtig verstanden (soll da heißen 0.00h - 20.00h). Da aber weitere Autos standen, dachten wir das passt schon. Deshalb hatten wir am nächsten Morgen prompt einen Strafzettel am Scheibenwischer über 25 C$ (x2/3= 16,67€) dranhängen. Die Frau von Steve unserem Vermieter hat ihn uns gleich abgenommen und erklärt, dass Sie diesen Strafzettel bezahlen werden, da Sie uns ja nicht vorab über diese Regelung informiert hätten. WOW, das nenne ich mal Gastfreundschaft!

 

Heute haben wir einen größeren Todo-Zettel abzuarbeiten.

Zuerst zur Zollbehörde Downtown (Canada Customs GPS: 44.655424 N , 63.611140 W) , um die Einfuhrgenehmigung fürs Moppelchen zu bekommen. Wir haben schon von unserem kanadischen Agenten der Verschiffungsgesellschaft nach Vorab-Überweisung der Hafen- und Bearbeitungsgebühr die notwendigen Unterlagen zum Ausdruck per email bekommen (556 C$, ist um 100C$ höher als geplant wegen Agriculture Inspection der beiden Mopeds, 200C$ zusätzliche Hafengebühren für die beiden Mopeds konnten wir im Vorfeld aber per email wegdiskutieren). Die Dame beim Zoll stellte uns noch einige Fragen, ob wir Waffen, Bärenspray, Lebensmittel (Nudeln und Dosen sind kein Problem) an Bord hätten. Wir verneinten und erwähnten von unserer Seite aus 5-6 Flaschen Wein, was aber keine Reaktion ihrerseits auslöste. Wichtig ist die Verneinung der Frage ob man mehr als 30 Tage in einem Bundesstaat verweilt bzw. das Fahrzeug zeitweise einlagern will. Dies führt unweigerlich zu Problemen und dem Zwang der offiziellen Fahrzeugeinführung und Verzollung. Wir bekommen innerhalb von 5min unsere Dokumente gestempelt und die Ausweise zurück und den herzlichen Wunsch einer tollen Reise mit auf den Weg.

Jetzt noch schnell beim CAA (dem Pedant des ADAC, GPS: 44.655647 N , 63.629920 W) vorbei, wo man nach Vorlage des ADAC-Ausweises einen Stapel Karten kostenlos bekommt und schon sind wir auf dem Weg in Richtung Hafen. Hierzu durchqueren wir Downtown und fahren wieder über die MacKay-Bridge wie schon am Vorabend (1C$ toll/Maut).

Problemlos finden wir die Firma Autoport an der Mainroad im Hafenbereich und sehen schon von weitem auf deren Parkplatz unser Moppelchen. Solange wir am Empfangsschalter den Papierkram abwarten, wird von einem Arbeiter unser Gefährt vom Gelände vors Gebäude gefahren.

Nach einem ausführlichen Rundgang ums Gefährt sind keine Schäden erkennbar und deshalb unterzeichnen wir den Empfang und sind fertig. Eigentlich hatten wir noch eine Zollüberprüfung erwartet, aber unser 5min Einfuhrgespräch auf der Zollbehörde Downtown hat wohl ausgereicht.

Gerade als ich losfahren wollte stellte ich dann fest, dass jemand die Differentialsperre für die Hinterachse eingelegt hatte. Das Fahrzeug wurde also damit bewegt und natürlich nicht nur geradeaus. Nach Rückfrage beim Fahrer, war dies schon so als er vorhin das Fahrzeug zu uns vom Parkplatz rübergefahren hatte. Wir werden das sicherheitshalber der Transportversicherung melden, falls durch diese unsachgemässe Bedienung wir zu einem späteren Zeitpunkt Probleme mit dem Differential bekommen und eine teure Reparatur entsteht.

Jetzt geht es zuerst mal zum Tanken und da der Diesel wohl einheitlich an allen Tankstellen gleich viel kostet, steuern wir die Nächstliegende im Hafenbereich an. Wir tanken gleich mal 461 Liter für 584 C$ ( = 389 € = 84,5 €Cent pro Liter) und freuen uns über den niedrigen Preis.

Nächster Punkt ist die Rückgabe des SUV, also wieder zurück nach Downtown, allerdings diesmal über die MacDonald-Bridge (auf der MacKay sind nur max 3,2To erlaubt) zum Marriott-Hotel. Auch hier erfolgt die Rückgabe problemlos innerhalb von Minuten. Nachdem wir noch einen kurzen Schwatz mit einer kanadischen Familie hatten, die unser Moppelchen „awesome, amazing...“ fanden und tausend Fragen hatten, da sie auch planen so was Ähnliches selber zu bauen, wurden wir nach ein paar Photos wieder in die Freiheit entlassen.

Was fehlt jetzt noch? Propangas und Lebensmittel.

Also ab zum Ultimate Home Comfort Laden (GPS: 44.645137 N , 63.500440 W) im Nordwesten von Halifax, dier neben allen notwendigen Möbeln für ein Grillerlebnis im Garten auch den passenden Gasgrill in allen Grössen (da gehen bei den größten sicher problemlos ganze Schweine rein...) und das passende Propangas hat. Es gibt auch noch andere Stellen für Propangas, z.b. die kanadische Autoteile-Kette Canadian Tire, allerdings bekommt man dort nur die normalen Gasflaschen befüllt. Wir aber haben ja einen Gastank mit Fernbetankungschlauch. Der Vorteil von Ultimate Home Comfort ist, dass sie hinter dem Haus 2 LKWs voll mit Propan stehen haben und somit auch unser Tank wie an der Tankstelle zuhause betankt werden kann. Leider musste ich noch unseren Tankanschluss teilweise zerlegen, da eine inliegende Feder verhinderte, dass wir die Verbindung nicht dicht bekamen. Schlussendlich klappte es dann und wir konnten 120L reines Propan (kein Mix von Butan/Propan wie in Deutschland) für 158 C$ bunkern, bevor der Befüllungsstop automatisch bei 70% Füllung stoppte. Das reicht jetzt wieder locker für mehr als ein Jahr Kochen und Heizen.

Ganz in der Nähe ist einer der beiden großen Walmarts (GPS: 44.653171 N , 63.677169 W) von Halifax, wo auch eine Übernachtung auf dem Parkplatz (kein Camping) geduldet wird. Wir kaufen das Nötigste ein, da wir vor den hohen Preisen und der nicht wirklich berauschenden Qualität noch etwas zurückschrecken. Leider ist der Wifi-Empfang auf dem Parkplatz zu niedrig, so dass wir mit dem Laptop zum Skypen in den Eingangsbereich sitzen müssen um unsere erste Lebendmeldung in Richtung Heimat abzusetzen. Auch mussten wir noch schnell ein weltweit Skype-Guthaben per Paypal ordern, da wir zu Hause das falsche Abonnement gebucht hatten.

Ein Telefonat mit Basti wegen der eingeschalteten Differentialsperre führt zu etwas Beruhigung, da er der Meinung ist, dass wir es merken müssten, wenn da was zu Schaden gekommen wäre und er glaubt dass nicht geschrottet wurde.

Da der Parkplatz nicht wirklich einladend ist, das Wifi im Mobil auch nicht ausreicht, beschließen wir noch 45km aus Halifax rauszufahren um auf dem Parkplatz des Leuchtturms in Peggys Cove direkt am Meer zu nächtigen. Auf der Fahrt nach Peggys Cove kommen wir noch an einer großen LKW-Werkstatt vorbei und nutzen die Gelegenheit mit dem Chefmechaniker kurz das Differentialthema zu besprechen. Er beruhigt mich wie auch schon vorher der Basti. Die Unterhaltung war etwas herausfordernd, da der Meister mit einem sehr starken Dialekt etwas nuschelig sprach.

Die Fahrt nach Peggys Cove ist sehr idyllisch durch zerklüftete Uferlandschaft und lässt erahnen, wenn das Wetter weiterhin so toll bleibt, unsere Rundreise durch Nova Scotia, Prince Eduard Island (ab jetzt PEI) und Cape Breton ein echtes Erlebnis wird.

 

Auf dem Parkplatz angekommen, sind noch etliche Autos mit Touristen da und ein französisches Paar mit einem Campmobil, zu dien wir uns am Rand des Parkplatzes hinstellen. Wir kommen schnell ins Gespräch und erfahren, dass die beiden auch schon viele Jahre unterwegs sind und die meisten Routen die wir die nächsten 10 Jahre vor uns haben, alle schon abgefahren sind.

Zur Entspannung und zum Füße vertreten, umrunden wir zuerst mal den Leuchtturm und klettern etwas auf den Granitfelsen rum. Da es aber schon Richtung Abend geht, müssen wir uns etwas beeilen, weil unsere Fahrräder noch auf dem Bett festgeschnallt sind und diese raus müssen, sonst wird es zum Schlafen etwas unbequem.

Nach einer Stunde sind die Fahrräder auf dem Ständer vor der Fahrerkabine festgezurrt und Marion hat das Schlafzimmer auch schon wieder für die Nacht hergerichtet. So kommen wir noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang wieder zum Leuchtturm. Ist ja schon immer wieder toll anzuschauen auch wenn die Bilder fast etwas kitschig sind, aber die Farbenfülle verleitet wiedermal zum mehrfachen Knipsen.

Nach einem kleinen Vesper geht es nach diesem doch sehr anstrengenden Tag und einem Rest Übermüdung durch die Zeitverschiebung in die Heia.

 

31.05.2018

 

Nach dem Frühstück schrauben wir noch die restlichen Sicherungs-Alu-Stangen vor den Fenstern ab, damit das Gefängniszellenfeeling verschwindet und der uneingeschränkte Blick in den Vorgarten wieder passt.

Kaum dass es auf 9 Uhr zugeht, füllt sich der Platz schon wieder mit Touri-Autos und ruckzuck entleeren an die 7-8 Busse Hunderte von Menschen, die sich wie eine Heerschar von Ameisen über die Felsen und in die kleine Ortschaft verteilen. Da sich die Einwohner neben Lobster-Fang fast ausschließlich auf Tourismus eingestellt haben ist das für diese wohl kein Problem. Für uns wird das etwas zu viel und zur Freude der Parkplatz-Einweiser machen wir 4-5 Parkplätze auf einmal frei, als wir uns von dannen machen.

Wir schwenken nach Peggys Cove auf die scenic route (Lighthouse-Route) entlang der Küste in Richtung Mahone Bay und Lunenburg ein.

Anmerkung M: Ganz im Gegensatz zu Marokko sind die scenic-routes hier geteerte ausgebaute Straßen, breit genug für 2 Dickschiffe nebeneinander. Die Wohnanhänger und Womos, die hier unterwegs sind, sind 'nur geringfügig' größer als die europäischen Joghurts ;-)

Da wir etwas spät losgekommen sind geht es schon auf 12 Uhr zu und der kleine Hunger meldet sich. Wir sehen am Wegesrand ein kleines Restaurant mit dem verhältnismässig günstigen Angebot von frisch zubereiteten Bigburgern incl. french Fries für 6,99 C$. Solange wir auf das Essen warten werden wir von mehreren Personen, vorallem Männern, zum LKW und unserer Reise angesprochen und müssen unzählige Fragen zu technischen Daten, Kosten usw. beantworten.

Auf dem Weg nach Mahone Bay und Lunenburg kommen wir noch an der Gedenkstätte des Flugzeugabsturzes der Schweizer Maschine Flug 111 vorbei (hier der Link zu Wikipedia zum nachlesen). Da die Absturzstelle eine große Fläche einnimmt ist die Memorial-Site entsprechend weitläufig. Wir fahren ohne Begehung weiter und kommen direkt nach Mahone Bay. Der Ort liegt direkt an der Route nach Lunenburg, wird daher auch von allen Touri-Bussen angefahren und ist entsprechend herausgeputzt. Da die ersten Siedler aus Europa oft Religionsflüchtige verschiedenster Splittergruppen waren, gibt es hier in jedem Ort und Stadt nicht eine oder zwei sondern gleich 5, 6 oder mehrere Kirchen der unterschiedlichsten Konfessionsrichtungen. Unser eigentliches Ziel ist Lunenburg, deshalb machen wir nur einen kurzen Photostop.

In Lunenburg angekommen suchen wir uns einen Parkplatz in Hafennähe und schauen uns den restaurierten historischen Kern der Stadt und die Hafengegend zu Fuss an.

Auch besuchen wir die St. Johns Kirche, die zweitälteste anglikanische Kirche in Nova Scotia, die ein auf Hochglanz poliertes Juwel ist, von außen wie von innen - eher schlicht, viel Holz, schöne Glasfenster, Malereien, gemütlich. Die in voller Blüte stehenden Kastanienbäume rund um die Kirche helfen da auch mit, um den Gesamteindruck noch zu verstärken.

Als wir die Kirche erreichen, treffen wir nochmal das französische Paar von Peggys Cove. Mal sehen wie oft wir uns noch über den Weg laufen. Wegen fehlendem Internet hatten wir auch noch keinen Kontakt zu Wilhelm und Renate und wissen daher noch nicht wie es bei den beiden bisher gelaufen ist und wo sie gerade unterwegs sind. Die beiden wollten zuerst in Richtung Neufundland, allerdings haben Bekannte berichtet, dass es 2 Tage zuvor noch geschneit hat. Mal sehen, wo wir die Beiden nochmal treffen

Zurück zu Lunenburg: Das ganze Städtchen wie auch alle anderen Orte, die wir auf der Route hierher durchquert haben, besteht aus Holzhäusern, die mehr oder weniger aufwendig gebaut und in Stand gehalten sind. Wirklich nett anzuschauen. Da die Häuser immer auf einem nicht zu kleinen Grundstück stehen, ist mehr als genügend Abstand zum Nachbarn vorhanden. Diese großzügige Räumlichkeit ist uns Europäern auf Grund Platzmangel fremd und lässt einen schon darüber nachdenken solch ein schönes Häuschen mit großem Grund in Meeresnähe zu besitzen. Allerdings muss man sich im Hinterkopf halten, dass wir gerade supertolles Wetter mit Sonne und an die 25°C haben - ausnahmsweise zu dieser Jahreszeit hervorgerufen durch einen tropischen Sturm in Florida - normalerweise eher einstellig. Schönwetter gibt es leider nur wenige Monate und der Rest des Jahres ist doch recht kalt, regnerisch und trübe. Aber so als Zweitwohnsitz im Sommer sicher toll.

Da die Halbinsel Nova Scotia recht weitläufig ist, wollen wir von Lunenburg aus über Bridgewater eigentlich in Richtung Keijmkujik-Nationalpark (Keidschmkudschik) in die Mitte der Insel fahren. Bevor wir aber Lunenburg verlassen bunkern wir noch etwas Bier bei einem Supermarkt und werden auch gleich auf dem Parkplatz wieder angesprochen, allerdings auf deutsch. Die Dame ist eine deutsche Reiseleiterin und lebt mit ihrem kanadischen Mann in der Nähe. Leider ist auf deren Grundstück direkt am Meer zu wenig Platz, sonst hätte Sie uns gleich eingeladen mit zu kommen.

In Bridgewater gibt es eine riesige Einkaufsmall, in der wir uns bezüglich einer prepaid-SIM informieren, aber wegen der horrenden Preise (70C$ pro Monat incl. 1GB Daten) dankend ablehnen. Da es in der Mall angenehm kühl ist und auch ein offenes WIFI gibt, setzen wir uns auf eine zentrale Bank und packen unsere Laptops aus. Nach längerer Suche im Internet entscheiden wir uns gegen die Fahrt ins Landesinnere sondern für die Fortführung der Route entlang der Küste und steuern den Nova Scotia Provincial Park Rissers Beach an. Wir sind heute morgen schon an solch einem Provincial Park vorbeigekommen und die Preise waren moderat. Da wir unsere Wassertanks putzen, entleeren, die Filter austauschen und frische 500L bunkern wollen, fahren wir den Park an. Da wir außer Wasser nichts brauchen suchen wir uns einen schönen Platz mitten im Wald mit einem Wasseranschluss in der Nähe und schöner Bank mit Grillplatz raus - Gelände riesig, von der Rezeption aus ca. 1 km bis zu den ersten Stellplätzen, die wiederum mind. 50-100 m voneinander entfernt liegen. Die Übernachtung kostet incl. Tax nur 26,40 C$ (=17,60€), deshalb buchen wir gleich 2 Nächte, um in Ruhe im Mobil umräumen zu können.

Die Temperaturen sind momentan schon so hoch, dass in diesem naturbelassenen Wald mit viel fliessendem und stehendem Wasser auch die Mosquitos und vorallem die gefürchteten Black Flies (kommen zum Teil durch unsere normalen Mosquitonetze vor unseren Fenstern) schon SEHR aktiv sind. Somit wird es nichts mit kühlem Bier am Lagerfeuer, sondern eine heisse Dusche im nahe gelegenen Duschhaus und Abendessen im Mobil mit geschlossenem Mückennetz an den offenen Fenstern (die Black Flies waren großteils nur am Tag aktiv und nervig).

Kaum dass wir gegessen hatten und die Sterne durch die Baumwipfel am Nachthimmel durch die Dachluke sichtbar wurden, stellen wir beim Revue passieren des Tages fest, dass es schon wieder 22:30 Uhr ist und es Zeit für ein Schläfchen wird.

 

01.06.2018

 

Wir haben bei offenen Fenstern, natürlich geschlossenen Mückennetzen, super und entspannt geschlafen und sind darum erholt früh aufgewacht, da die Vögel auch in Kanada beschließen bei Dämmerungsbeginn so gegen 5 Uhr die Welt mit viel Gezwitscher (manche sagen auch Gebrüll) zu begrüßen.

Auch die Sonne lässt sich nicht lumpen und wirft rechtzeitig zum Frühstück Lichtkegel in den Wald. Was will man mehr.

Heute steht nochmals Umräumen auf dem Programm. Wir haben viele Sachen nach der Marokko-Tour zu Hause noch zusätzlich für die große Reise eingeladen und alles irgendwo irgendwie seetüchtig verstaut. Aber mit dieser Verdichtung in den Schubladen und Schränken lässt sich nicht leben. Das ganze Fahrrad- und Motorrad-Equipment wandert in die Aluboxen auf dem Fahrerhausdach. Auch die leichten Undichtigkeiten im Anschluss der außendusche sollen endlich behoben werden.

Als wir schon fast fertig sind wird die Ungezieferplage so lästig, dass wir beschließen vor dem Abendessenkochen noch umzuziehen. Der Provincialpark hat noch über Straße einen Teil Oceanside. Den haben wir gestern wegen des strammen Windes trotz der tollen Lage gemieden, aber heute ist er für uns das gelobte Land. Es windet heute nur schwach und vorallem warm. Somit können wir die neue Aussicht mit Bier in der Hand aus dem bequemen Strandsitz genießen.

 

02.06.18

 

Über Nacht sind Gewitterwolken aufgezogen und im Laufe des Morgens regnet es auch mal kurzzeitig aus allen Kübeln. Da wir aber erst gegen 13 Uhr den Platz verlassen müssen, lassen wir uns Zeit.

Zurück auf der Lighthouse-Route genießen wir wieder die Fahrt entlang den tollen Buchten und den vielen unterschiedlichen Holzhäusern in sämtlichen Farben. Richtung Liverpool kommen wir durch West-Berlin :-)

In Liverpool machen wir Halt im Superstore, setzen uns im Innern in die Vesperecke und erledigen einiges an email-Kram, Bankkonto checken, Versicherungskonto personalisieren und auf paperless work freischalten, usw.....

Auf diversen Seiten checken wir die beschriebenen Möglichkeiten für Freistehen und beschließen 3 verschiedene Optionen anzufahren.

Die ersten beiden bei Port Mouton sind nicht so optimal zum Stehen, auch wenn bei einem Platz der Strand super wäre - man wird halt mit der Zeit etwas wählerisch mit dem Vorgarten - und deshalb fahren wir weiter in Richtung Lockeport.

Auf der Fahrt dorthin kommen wir immer wieder an Abzweigungen vorbei die an die nahen weißen Strände führen. Kurz vor Louis Head fahren wir mal raus und kommen auf einen kleinen Platz direkt am großen Strand. Hier beschließen wir zu bleiben, da dies ein Platz ist, der auch für mehrere Tage geeignet ist. Inzwischen geht es auf den Abend zu und auch die Windstärke nimmt Ausmaße an, dass die ganze Bude wackelt. Aber der Blick direkt aufs Meer macht es wett.

 

03.06.18

 

Der Wind hat über Nacht etwas nachgelassen oder wir haben es einfach beim Schlafen nicht mehr mitbekommen. Jedenfalls klart es zum Frühstück etwas auf und wir freuen uns auf einen geruhsamen Pausentag am Strand.

Der Tag plätschert so dahin. Die ersten Bilder von Kanada werden sortiert, passende Texte für die Homepage geschrieben, Strandspaziergänge absolviert,

Vögel beobachtet und natürlich auch fotografiert - vorallem der geschützte Piper Plover,

dem Lenk-Drachen einen Ausflug gönnen (Platz ist ausreichend im Vorgarten vorhanden), auch wenn die heimischen Großvögel etwas kritisch schauen,

zeternde Eichhörnchen im Baumwipfel bewundern

und immer wieder ein kurzer Plausch mit Einheimischen oder anderen Reisenden, die am Strand vorbeikommen - es ist ja Sonntag und einiges los.

 

04.06.18

Ein toller Sonnenaufgang auch wenn es die eine oder andere noch nicht so richtig aus der Mupfel zieht.

It's a bright sunny but windy day! Sehr schön.

Ziel heute ist Shelburne um etwas Lebensmittel zu kaufen und dann weiter nach Barrington mit seiner vorgelagerten Insel Cape Sable Island welche mit der Spitze The Hawk der südlichste Punkt Nova Scotias ist.

Auf dem Weg dorthin kommen wir wieder an unzähligen Buchten und Stränden vorbei, welche einen eigentlich zum Verweilen einladen, aber wir wollen ja auch ein Stück weiter kommen. Wir sind ganz fasziniert von den Häusern die unglaubliche Standorte direkt an der Küste haben.

Nachdem wir in Shelbourne noch in einem Baumarkt zwei stabile Wasserabsperrhähne erstanden hatten (war nicht ganz einfach mit der Umrechung in inch, aber mit etwas probieren passte es schlussendlich) folgten wir der Empfehlung und gingen im Hafen unten in die urige Kneipe Sea Dog um dort leckeres Lobster-Sandwich zu essen. So gestärkt geht es weiter durchs Lobster-Land nach Barrington.

Unterwegs wieder tolle aber auch zum Teil stürmische Strände, was den Kite-Surfern aber mächtig Spass zu machen scheint. Hier mussten wir gleich an den Rudi denken, dem hätte es hier sicher auch toll gefallen.

In Barrington haben wir uns im Visitor-Center noch mit Karten und Lesematerial zur Gegend eingedeckt. Auch konnten wir unsere Versicherungs-IDs ausdrucken und das Internet nutzen. Als wir uns dann nach Cape Sable Island aufmachten wurde das Wetter im schlechter und obwohl wir die ganze Insel abgefahren sind, haben wir keinen richtig tollen Platz zum Übernachten gefunden. Die Insel ist wider Erwarten sehr dicht besiedelt mit Lobster-Fischern. Also wieder runter von der Insel und weiter nach Norden, irgendwo wird es schon ein Plätzchen geben.

Leider wurde das Wetter immer schlechter und die Dämmerung bzw. die Nacht hat uns eingeholt. Zu allem Übel begann auch noch die Batteriekontroll-Leuchte zu flackern an, was nichts Gutes verheisst. Schlussendlich sind wir beim LionsClub-Vereinsheim auf die kleine Picnic-Area eingebogen und ab ins warme Bett.

 

05.06.18

Leider regnet es heute morgen immer noch, ausser den Gänsen ist noch keiner unterwegs und daher lassen wir es gemütlich angehen. Es kommen zwar schon mehrere Leute ins Lionsclub-Center aber von uns will niemand etwas, vorallem bei dem Sauwetter hat keiner Lust auf einen Schwatz. Nachdem die Wasserdichte von oben etwas geringer wurde, starten wir in Richtung Yartmouth. Gehen dort an der Stadtgrenze in diverse Grossmärkte um Kleinigkeiten von der Einkaufsliste zu holen. Auf dem Parkplatz von Canadian Tire haben wir einen super Wifi-Empfang und bleiben daher gleich stehen und packen im Warmen die Laptops auf.

Die Batteriekontrolle am Armaturenbrett flackert immer noch, daher werden wir heute mal danach schauen müssen, aber zuerst einen ruhigen Platz dafür finden.

Zuerst geht es in die nächst größere Stadt Yarmouth. Gleich am Stadteingang ist das grosse Mall-Zentrum und wir haben super Wifi-Empfang auf dem Parkplatz von Canadian Tire.

Da Marion endlich mal die Bettwäsche vom Staub und Sand der Sahara befreien will, suchen und finden wir drei Strassen weiter einen Waschsalon. Nach 2,5 h ist alles sauber und trocken zum Verstauen bzw. das Bett kann frisch bezogen werden. Draussen regnet es immer noch und an Aussenaktivitäten ist nicht zu denken.

Da wir spätestens am nächsten Tag, da schön Wetter angesagt ist, an die Reparatur der Lichtmaschine wollen, brauchen wir heute abend einen passenden Stellplatz. Deshalb fahren wir etwas ins Landesinnere zum Ellenwood Provincial Park in der Hoffnung dort in der Nähe der vielen Seen freistehen zu können. War leider nichts. Ist alles bewirtschaftet und kostet die üblichen 26,40C$ /Nacht und man muss um 13 Uhr wieder rausfahren. Da ich nicht weiss wie lange sich die Reparaturen hinziehen fahren wir weiter. Also wieder zurück an die Küste zum Port Maitland Provincial Park, bei welchem keine Campingarea ausgewiesen hat.

Hier kann man auch bis zum Einbruch der Dunkelheit stehen und dann wird geschlossen. Wir hoffen auf einen gnädigen Parkwächter und baue zur Untermauerung unsere Geschichte noch beide Ladegeräte an meine LKW-Batterien mit Verlängerungskabel ins Innere. Trotz Geflacker der Lampe und auch meinen Testmessungen, welche keine Ladekapazität durch die Lichtmaschine ergaben, sind die Batterien voll. Rätsel über Rätsel.

Wir warten gespannt und für den Notfall abfahrtbereit bis der Parkwächter kommt. Wie erwartet will er uns von dannen schicken, hört sich aber meine Geschichte an und hat ein Einsehen. Wenn wir ganz nach hinten auf dem Platz und daher von aussen nicht so gut einsichtbar hinstehen, dann lässt er uns diese Nacht verweilen. Wir danken herzlich, parken um und hoffen daß der Nieselregen morgen vorbei ist.

 

06.06.18

 

Der Morgen klart zwar etwas auf und es regnet nicht mehr, aber es geht doch noch ein recht kalter Wind. Hilft alles nicht das Problem mit der Lichtmaschine muss angegangen werden. Ich hoffe es ist nur der Regler und nicht daß wieder die Lichtmaschine selber den Geist aufgegeben hat. Der neue Regler hilft leider nicht und daher muss wohl oder übel die Ersatzlichtmaschine rein. Nachdem ich schon die Luftzufuhr zum Turbolader abgeschraubt habe und die Lichtmaschine schon fast ausgebaut habe, beschrifte ich zuerst noch die Leitungen und deren Position auf der Rückseite. Dabei fällt mir auf, daß die rote stromführende dicke Leitung unter der Gummischutzkappe gar nicht mehr an der Lichtmaschine hält. Bei genaueren hinschauen stellt sich raus, daß die Befestigungsöse abgebrochen ist. Der verpresste Stecker der Bypassleitung zum Anlasser, welche in der Werkstatt vor unserer Abfahrt nach Marokko unnötigerweise gelegt wurde, war zu dünn ausgelegt und ist daher zu Bruch gegangen. Gottseidank habe ich passende stabile Presshülsen und das Presswerkzeug dabei und kann die originale Leitung wieder anschließen. Der Bypass wird somit auch gleich still gelegt. Alles zusammengebaut und schon läuft wieder alles.

Während ich an der Lichtmaschine gebastelt habe, höre ich ein leichtes Luftpfeifen, welches für den kontinuierlichen Druckverlust in unserem Luftsystem verantwortlich sein dürfte. Ich habe noch zu Hause einen langen Tag damit verbracht die Anschlüsse dicht zu bekommen, aber jetzt hat sich doch noch ein Anschluss des Differentialgetriebeschalters gelöst. Nochmal alles nachgezogen, mit Dichtungsspray geprüft, eine weitere Kupferdichtung durch eine Fiberglasdichtung ersetzt und jetzt hält das System wieder dauerhaft den Druck und führt endlich zu einer Entlastung des Luftpressers.

Etwas durchgefroren kommen wir nach dem Aufräumen wieder ins Warme und es gibt erst mal eine Tasse Tee nach getaner Arbeit.

Inzwischen ist das Wetter doch noch schön geworden, auch wenn noch etwas frisch. Daher fahren wir weiter auf dem Evangeline-Trail nach Norden in Richtung Digby. Bei Cape St. Marys machen wir noch einen Abstecher zum Leuchtturm hoch und geniessen die super Aussicht aufs Meer und die Küstenfelsen. Da wir ja leider keinen Platz haben verkneifen wir uns den Weg runter zu den Felsen um nach Fossilien zu suchen.

 Weiter gehts es vorbei an St. Alphonse mit ihrer schönen Kirche,

dem Provincial Park mit Schmugglerhöhle (auf welchem leider auch nicht übernachten darf, sonst wären wir geblieben),

über Meteghan nach Church Point mit der größten Holzkirche in Nordamerika.

Gleich hinter der Kirche beginnt das Universitätsgelände und von weitem haben wir 2 grosse Windmühlen gesehen. Wir fahren den unbefestigten Pfad hinter der Uni in Richtung Strand und finden beim Lighthouse einen schönen Platz um über Nacht zu stehen.

Zum Sonnenuntergang kommen noch einige Autos mit Einheimischen welche aber nicht einmal aussteigen und nach dem Versinken der Sonne am Horizont, auch gleich wieder wegfahren. Die Windmühlen werden zur Nacht hin gestoppt und somit ist es bis auf das Wellenrauschen sehr ruhig.

Mit etwas spielen, lesen und Musik hören, lassen wir den Tag ausklingen.

 

07.06.18

Heute ist mal ein Ruhetag am Meer angesagt. Ein bisschen runter ans Meer um auf der Holzschaukel Seevögel zu beobachten

und zwischendurch ein Spaziergang zum Visitor-Center der Uni um dort das gute Wifi zu nutzen, dann noch die Holzkirche von innen anschauen und wieder zurück. Marion hat noch einen Kuchen gebacken und ansonsten gilt es Karten- und Infomaterial zu lesen, damit wir für die nächsten Tage die Punkte zusammen haben, wo wir vorbeifahren wollen.

 

08.06.18

Heute ist es mal wieder soweit. Peters Geburtstag steht an und dazu noch eine Schnapszahl (55). Gleich zum Frühstück gibt es lecker Kuchen. Allerdings ist das Wetter nicht so schön wie erhofft und wie vor ein Paar Tagen im Wetterbericht angekündigt. Es regnet und windet kräftig. Trotzdem packen wir zusammen und wollen heute mindestens bis Digby fahren, um dort im Hafen auf dem Fischmarkt einzukaufen und in einem Restaurant zur Feier des Tages lecker essen.

Unterwegs sehen wir in einem Hafen das Ausmass der Tide, wobei wir weiter nördlich noch an der Stelle vorbeikommen, wo es den welthöchsten Tidenhub mit über 16,5m haben wird.

In der nächsten Ortschaft steht die die Steinkirche St. Bernhard.

Sie sieht von innen fast wie die Holzkirche in Church Point aus und ist somit genauso wenig spektakulär. Wir haben noch die Bilder von sehr alten und prächtigen Kirchen und Kathedralen aus Spanien und Frankreich im Kopf. Die hiesigen eher jungen (max. 100-150 Jahre), einfachen, zum Teil mit kitschigen Details versehenen Kirchen können da nicht mithalten.

In Digby parken wir in der Nähe des Visitor-Centers, können dort die ganzen Glückwünsche per email und WhatsApp abrufen und zum Teil beantworten. Der Fischmarkt liegt am Ende der Birchroad, so dass wir in Ruhe alle Restaurants im Hafenviertel auf dem Weg zum Markt von aussen mal abchecken können. Der Fischmarkt ist eigentlich nur eine kleine Theke mit Klingel an der Vorderfront eines großen Gebäudes, wo man dann eine Handvoll verschiedener Sorten an Fisch bzw. Muscheln und Lobster kaufen kann. Wir decken uns mit gefrorenem Lobster- bzw. Venusmuschel (Scallops)-fleisch und Schellfischfilets ein. Somit können nach Bedarf jederzeit leckere Gerichte gekocht werden.

Wir wählen das Shoreline Restaurant aus, da es eine tolle offene Holzterrasse zum Raussitzen hat mit Blick zum Hafen. Laut Visitor-Center-Auskunft sind alle Restaurants bekannt für tolle Seafood-Gerichte und man kann also fast nichts falsch machen bei der Restaurantauswahl.

Für Peter gibt es die Fisherman-Platte mit Schellfisch, Scallops und Riesenshrimps und Marion nimmt den Schaschlikspiess mit Scallops als Fleisch. Auf der Kaimauer nutzen wir noch das offene Wifi des benachbarten Andenkenladens, um mit der Familie über Skype zu telefonieren. Einfach schön, wenn man alle so problemlos erreichen kann.

Auf dem Rückweg gibt es noch ein leckeres Softeis, auch wenn eigentlich nichts mehr rein geht. Auf der Tiden-Uhr sieht man, falls man nicht einfach in das Hafenbecken schauen will, wie niedrig das Wasser gerade steht.

Zurück am Mobil gilt es zu entscheiden, ob wir weiter nach Norden oder doch auf der Digby-Halbinsel in Richtung Whale Cove weiterfahren in der Hoffnung vielleicht doch schon einen Wal zu sichten, auch wenn es noch recht früh in der Saison ist. Wir kommen auf dem Weg in den Süden an Sandy Cove vorbei. Wir wechseln die Seite der Halbinsel und erreichen eine einsame Sandbucht auf der Bay of Fundy-Seite. Der Platz ist schon mal gespeichert, falls wir nichts Anderes zum Freistehen finden.

Wir fahren an den Hafen von Whale Cove und sind schon am Umdrehen zur Rückfahrt zur Sandy Cove, als uns Crystal und Shelly anhalten und fragen, ob wir nicht unten neben dem halbrenovierten Fischerhäuschen, das Crystal gerade renoviert, stehen wollen und auf einen Drink bei ihnen reinschauen wollen. Gesagt getan.

Nach dem Einparken direkt am Wasserrand gehen wir zu den beiden rüber und geniessen mit einem kalten Bier den wunderschönen Meerblick aus dem kleinen Häuschen. Beide stammen von hier, wobei sie inzwischen nicht mehr hier wohnen. Die Fischerhütte hat Crystal von ihrem Großvater geerbt und richtet es jetzt als Sommerhäuschen her. Ziel ist, es fertig zu haben, wenn ihre Tochter, aktuell bei ihrem Freund in Düsseldorf lebend, im August auf Urlaub nach Hause kommt. Wir sitzen fast bis zum Sonnenuntergang zusammen, lauschen vielen Geschichten von Walen, kanadischem Leben bzw. der einen oder anderen Geschichte aus dem Leben der Beiden. Als wir so aus dem Fenster schauen schwirrt ein Kolibri davor herum. Leider ist er schon wieder verschwunden bis einer die Kamera oder das Handy gezückt hat. Kolibris scheinen hier keine Seltenheit zu sein, allerdings so nah an der Küste ohne Nektarpflanzen haben die Beiden noch keinen gesehen.

Den Sonnenuntergang bei wolkenlosem Himmel genießen wir aus unserem windgeschützten Mobil heraus und Marion erspäht noch einen Seehund in den Fluten (ihr erster live in freier Natur), auch wenn es kein Wal ist, einfach nädd.

Er ist allerdings so schnell verschwunden wie er aufgetaucht ist, und darum gibt es leider auch nur ein Bild davon.

Und zu guter letzt wieder die tolle Sonnenuntergangsschau. Irgendwie kann man davon nie genug bekommen.

 

09.06.18

Nach dem Frühstück beschließen wir doch weiterzufahren: Auf der Digby-Halbinsel gen Süden und mit der Fähre auf die nächste Insel Long Island rüber. Hier steht als erstes Ziel der Balancing Rock auf dem Programm. Wir durchqueren entlang eines gut angelegten Trails ein Hochmoor (man fühlt sich gleich wieder in die Heimat versetzt - Riedwanderung zOstrach) bevor man über ca. 240 Stufen zu den Basaltfelsen unten am Meer gelangt. Auf dem Weg durch das Hochmoor entdecken wir schon die ersten Blumen, die jetzt im kanadischen Frühling schon loslegen.

Wir haben in einem Prospekt gelesen, dass es auf der Insel Wildorchideen geben soll. Gestern haben dies unsere neuen Bekanntschaften auf Nachfrage bestätigt, allerdings konnten sie sich nicht mehr an die Standorte aus ihren Kindheiten erinnern. Um so mehr waren wir überrascht, nach der halben Strecke durch die Moor-Waldmischung direkt am Wegesrand an die 5-6 Frauenschuhe / Lady Slippers (Cypripedium reginae) in voller Blüte zu entdecken. Einfach unglaublich, wunderschön. Trotz intensiver Suche auch im weiteren Umkreis der Fundstelle und entlang des Weges haben wir nur noch eine weitere Pflanze entdeckt. Also ein absoluter Glückstreffer.

Entlang des Trails gibt es einige Hinweistafeln für im Hochmoor wachsende Pflanzen, z.B. Sonnentau. Gottseidank wird auf die Frauenschuhe nicht hingewiesen, wären sie dadurch ja für jedermann zu entdecken. Wir glauben, die meisten Wanderer laufen daran vorbei und sehen die Orchideen am Wegrand nicht; so sind sie hoffentlich noch lange geschützt.

Nach diesem tollen Fund ist der Abstieg zum Balancing Rock fast schon zur Nebensache geworden. Der Balancing Rock ist eine hoch aufragende schlanke Basaltsäule, die nur auf der Hälfte ihrer Grundfläche am Rande eines Felsens steht. Nädd, aber nicht wirklich beeindruckend. Auf dem Rückweg haben wir nochmal intensiv botanisiert, aber außer den bereits entdeckten Exemplaren keine weiteren gefunden.

Nachmittags sind wir noch bis Freeport gefahren; von dort aus soll man vom Festland aus auch gute Möglichkeiten zum Beobachten von Walen haben. Allerdings war Low Tide und tolle Aussichtsplätze haben wir vergeblich gesucht. Zudem ist es noch sehr früh ihm Jahr und die Wale kommen erst so langsam; sind noch nicht viele da. Deshalb keine teure Tour mit dem Boot mit nur geringer Chance auf Erfolg. Die werden auf der letzten Insel „Brier Island“ angeboten.

Also wieder zurück nach Digby. Wir testen noch den einen oder anderen Strand, aber ein guter Stellplatz ist leider nicht dabei. Zurück in Digby kaufen wir noch ein paar Lebensmittel bei Sobey's ein, fahren etwas ins Hinterland zum Ridge Valley Campground - verglichen mit dem städtischen Camping in Digby (36C$ + 1$ für 5min Duschen) ist dieser mit 29,90 C$ incl. Strom und heißen Duschen schon wieder günstig.

Zum Abendessen gibt’s leckere Schellfischfilets (Haddock) mit grünem Spargel. Hmmmm.

Jetzt noch eine heiße Dusche, ein kühles Bier, Sonnenuntergang. Schon wieder ein Tag vorbei. Unglaublich wie die Zeit rast ;-).

 

10.06.18

Heutiges erstes Ziel das Städtchen „Bear River“. Seine Wurzeln gehen zurück zu den Ureinwohnern, den Mi'kmaq First Nation. Ein Künstlerdörfchen, viele Gallerien und kleinere Geschäfte, die so einiges an neuer und alter Kunst anbieten – teilweise wirklich sehr schön. Sonntag – viele Läden sind geschlossen, also nur Schaufensterbummel - ist auf jeden Fall billiger ;-).

Der Tidenhub in Bear River ist einer der höchsten in der Bay of Fundy – bis zu 8m, deswegen wurden die Häuser am Flussufer auf Stelzen gebaut und stehen daher bei Low Tide auf trockenem Fusse.

 

Die letzten Tage haben wir schon auf Long Island den einen oder anderen Schwalbenschwanz-Schmetterling entdeckt, aber es nie geschafft ein Photo zu machen. Hier, etwas weg von der windigen Küste, gibt es diese bei uns zu Hause eher selten zu findende Art recht häufig und hier schaffe ich/P es auch endlich, das eine oder andere schöne Exemplar abzulichten. Der kurze Rundgang durchs Dorf ist relativ schnell beendet und der kleine Mittagshunger meldet sich schon wieder. Ein nettes, schnuckliges, gut besuchtes Cafe lädt zum Verweilen ein. Das Angebot ist gut, Preise sind human. Mahlzeit!

Gut gesättigt fahren wir noch einmal in großem Bogen ums Dorf herum, dann wieder Richtung Küste, überqueren auf der großen Brücke die schon recht breite Flusseinmündung des Annapolis River und steuern auf Annapolis Royal zu.

 

Auf dem Weg entlang der Bay entdecken wir ein größeres Landstück mit geschottertem Weg runter ans Ufer. Mit etwas Phantasie sind hier schon Baugrundstücke zu erkennen. Keine Hinweisschilder bzgl. Privateigentum oder so, also fahren wir bis vorne an den Küstenrand und parken mal ein. Ca. eine Stunde später kommt ein Quad vorbei. Wir denken schon, jetzt heißt es zusammenpacken und weiterfahren. Aber es ist der freundliche Nachbar vom Haus oben an der Straße, der uns aus der Kofferbox zur Begrüßung gleich mal zwei Dosen Bier auf unseren Einstieg stellt. Fragt wie viele vor ihm, wo wir her kommen, wie das „awesome Rig“ hierhergekommen ist usw. (Da wir unsere Geschichte mindestens 10x am Tag erzählen müssen, überlegen wir uns, ein Handout zu schreiben und auszudrucken, in dem das Wichtigste schon mal aufgelistet ist :-) ) Auf die Frage ob wir hier stehen können, meint er frei übersetzt wo kein Kläger, da auch kein Richter. In Kanada heißt das „Stealth Camping“. Auch das ganze Umfeld sieht nicht gerade nach aktiver Bebauung aus, Brachland, Quadspuren. OK, ein schöner Platz für mehrere Tage Erholung.

Peter kämpft immer noch mit einer Erkältung/Entzündung in seiner Rückenmuskulatur, also lassen wir es ruhig angehen, den Tag vorbei rieseln, die phänomenale Tidenbewegung direkt vor der Haustüre.

 

11.06.18

 

Nächster Morgen und wir überlegen, die Dirtbikes runterzuholen, da uns der freundliche Nachbar gleich diverse Wege u.a. runter zum Strand beschrieben hatte, die er und auch sein Nachwuchs ausgiebig mit Quads befahren. Gottseidank kommen wir morgens ja nicht so schnell in die Pötte, denn gerade mit dem Frühstück und Aufräumen fertig, fährt ein Auto vor und ein Ehepaar steigt aus. Fragt uns in sehr aggressivem Ton, was wir hier machen würden, wo wir herkommen..... Eine normale Kommunikation ist leider nicht möglich, die beiden sind stinksauer. Ihr Grundstück, ihr Privatbesitz, usw. und ob in Deutschland auch jedermann auf Privatbesitz Campingpartys veranstalten würde. Wir entschuldigen uns vielmals und erklären, dass wir in 5min weg sind, machen schnell alles abfahrbereit und verlassen diesen tollen Platz, auf dem wir liebend gerne noch 1-2 Tage gestanden hätten. Schade.

Was wir nicht verstehen ist, warum die beiden keine der hier üblichen Privat Property-Tafeln aufstellen, wenn sie ein Problem damit haben, dass jemand auf ihren steinigen Grund steht. So wäre das Thema schon gelöst gewesen. Schade, Schade, bisher hatten wir nur sehr freundlichen und netten Empfang hier in Kanada und aufgeschlossene Gespräche, aber wie man sieht gibt es auch die andere Seite.

 

Somit sind wir eben etwas früher auf dem Weg nach Annapolis Royal. Dort angekommen, fahren wir auf einen der ausgewiesenen Parkplätze und marschieren zu den Befestigungsanlagen etwas erhöht über dem Annapolis River Hafen liegend. Bis auf das überall abgebildete Offiziershaus (natürlich heute am Montag geschlossen) gibt es nur noch ein paar alte Kanonen und frisch gemähte „Burggräben“ zu besichtigen. Schon wieder auf dem Rückweg, fährt direkt auf dem Parkplatz beim Offiziersheim ein Weltreisemobil vor (Mercedes 1017, mit GFK-Aufbau) mit deutschen Kennzeichen (RV-...). Gleich mal hin und Hallo gesagt. Es stellte sich heraus, die beiden sind aus Bad Saulgau; Begrüßung also auf breitestem Schwäbisch.

Sylvia und Paul sind inzwischen seit über 1,5 Jahren in Kanada und USA unterwegs und werden noch bis September bis nach Neufundland reisen, um dann nach D zurück zu verschiffen. Vor dieser Reise waren sie schon über 4,5 Jahre in Südamerika und haben natürlich eine Unmenge an Tips und Geschichten auf Lager. Wir beschließen spontan einen Kaffeeklatsch und besuchen die German Bakery; haben wir fünf Häuser weiter unten gesichtet. Sachsen, die vor 15 Jahren ausgewandert sind und seither die Kanadier mit deutschen Backwaren beglücken. Zum Kaffee gibt es leckere süße Stückchen und aus dem Brotregal gleich auch noch ein Kürbiskernbrot (nach dem Preis haben wir nicht gefragt, aber bei der Rechnung am Schluss müssen wir doch kurz schlucken).

Kurzerhand, da wir uns super verstehen, beschließen wir, zumindest für heute Abend, wenn nicht sogar für die nächsten Tage, gemeinsam zu reisen bzw. abends zusammen zu stehen.

In der Hafengegend, in der Nähe des immer sonntags stattfindenden Farmer Markets gibt es einen großen öffentlichen Parkplatz ohne Overnight Parking-Verbotsschilder; dort parken wir ein. Wir laden die beiden zum Essen ein und Sylvia macht hinterher den Abwasch. Beim Gläschen Rotwein ein sehr nädder, kurzweiliger Abend voll interessanter Geschichten aus aller Welt.

 

12.06.18

 

Erst 'mal gemütlich frühstücken, dann zur Tidal Power Plant mit dazugehörigem Visitor-Center. Hat noch zu – Hmpf. Zurück, auf dem Rückweg noch schnell was einkaufen. Als wir dann später so gegen 10am mit den Fahrzeugen aus der Stadt fahren, hat auch das Visitor-Center geöffnet.

Der Vortrag zu dem seit 34 Jahren laufenden Wasserkraftwerk, das den hier herrschenden 7m hohen Tidenhub nutzt, ist sehr spannend. Der Führer spricht ein sehr gut verständliches Englisch und schmückt seinen Vortrag mit der einen oder anderen Anekdote bzw. Witzle. Er berichtet sehr ausführlich über die Probleme der unterschiedlichen Ansätze, die geballte Energie des vor- und zurückweichenden Wassers in der Bay of Fundy auszunutzen. Die Menge an Wasser während eines kompletten Tidenwechsels (12h) ist größer als die Wassermenge aller Süßwasserseen der Erde.

Dieses eigentlich nur als Testwerk gebaute Kraftwerk bzw. aufgrund von einigen Rückschlägen während dieser Testphase, führten dazu, dass bis heute keine weiteren gebaut wurden. Trotzdem liefert dieses Testwerk seit inzwischen 34 Jahren ca. 1 Megawatt Strom, bis auf die Stunden um den Tidenwechsel herum.

Durch den enorm starken Tidenhub und dem damit verbundenen massiven Sedimenttransport in der Bay, wird es in näherer Zukunft keine weiteren festinstallierten Kraftwerke geben - ursprünglich geplant waren mehr als 100 über die Bay verteilt. Die Turbinen wären innerhalb kürzester Zeit vom Sediment zugelagert. Nur hier im Annapolis River, abseits der Hauptströmung, funktioniert der Testbetrieb. Aktuell wird nach mehreren Rückschlägen eine freischwimmende 2 MW-Turbine in der Strömung getestet. Für die ersten Ergebnisse müssen wir allerdings nächstes Jahr nochmal vorbeikommen. Es gab noch eine kurze Führung in den Turbinenraum, war aber nicht so spektakulär.

 

In New Minas wollen wir heute Abend auf dem Walmart-Parkplatz übernachten. Durch eine Hügelkette von der Küste getrenntes Valley mit viel Gemüse- und Obstanbau geht die Fahrt. Wollen auf halbem Weg in Greenwood bei einem größeren Farmer Markt vorbei – hat heute Mittwoch leider geschlossen, nur donnerstags. Also kein Markt.

Aber wir kommen an einem Flugzeugmuseum vorbei und machen dort auf dem Parkplatz unsere Mittagspause. Der Museums General Manager spricht uns an, findet natürlich unsere Fahrzeuge ganz toll und erkundigt sich noch, wie wir sein Museum entdeckt hätten. Eher Zufall, weil wir uns verfahren hatten. Trotzdem hat er sich gefreut, dass wir hier sind und nach dem Lunch, als Paul und Peter noch ins Museum sind, haben die beiden vom General Manager persönlich noch eine kleine Museums-Einführung bekommen, um den Inhalt richtig einordnen zu können.

 

Auf der restlichen Strecke gab es dann noch mehrere kleinere Farm Markets (Hofläden), bei denen wir noch etwas Honig und ein Fläschchen Maple Sirup erstanden haben (P: In der Hoffnung auf Pfannkuchen in nächster Zeit /M: Hab ich dir doch versprochen, Shuggi!).

Auf dem riesigen Mall-Komplex von New Minas suchen wir uns ganz hinten auf dem Parkplatz ein ruhiges Plätzchen und lassen den späten Nachmittag mit einem Kaffee bzw. Bier im Freizeitstuhl im Schatten der Mobile ausklingen. Heute gibt es nochmal frische Schellfischfilets allerdings heute mit „Fiddle Heads“. Dies sind die noch nicht entrollten Spitzen der hier überall wuchernden Königs-Farne (nicht alle Farne sind essbar). Diese werden wie Gemüse ca 10min in wenig Salzwasser mit etwas Butter gedünstet; schmecken a bissle nach Spinat, lecker als Beilage zum Fisch. Hatten wir so auch noch nicht.

Heute Abend gibt es nur noch einen kurzen Film und dann ins Bett. Paul kopiert noch einige Filme aus unserem Filmarchiv, da deren Sammlung inzwischen nach den langen Reisen schon mehrfach durchgeschaut war.

 

13.06.18