Mi. 01.08.18

Nach dem Aufstehen noch 2 Runden schwimmen, und wir kommen beinahe in Versuchung, nochmal stehenzubleiben.

Aber man muss auch mal wieder weiter, es gibt ja noch sooo viele Seen ... Darum haben wir heute kein spezielles Ziel, einfach Richtung Westen. Es steht auf jeden Fall mal wieder Einkaufen auf dem Plan, Platz mit offenem Wifi finden und vielleicht sogar eine Runde Wäsche waschen, wenn's passt.

In Sainte-Agathe-des-Monts sind wir dann mit allem fündig geworden. Der Weg dorthin war so wie man sich Kanada vorstellt: Gravelroad durch ursprüngliche Wälder, durchsetzt mit vereinzelten Häusern und Grundstücken, Schneemobilkreuzungen.

Einkaufen und Internet beim Visitor-Center, und dann doch noch Waschsalon. Kurzentschlossen wurde gleich auch noch das Bett abgezogen und mit in die dann notwendigen 3 parallel laufenden Trommeln geworfen. Das Trocknen der dickeren Bettunterlagen dauerte dann doch erheblich länger als geplant.

Zum Beach runter und eine Runde schwimmen. Der Parkplatz war riesig und fast leer. Auf Grund der langen Wasch-Session zu spät, um nochmal auf die Piste zu gehen – sogar für P. Wir bleiben einfach mal stehen; mal sehen, ob jemand 'was auszusetzen hat. Parkplatzrand - erstmal was gekocht und gegessen. Prompt kommt die Polizei vorbei, nur neugierig eine Runde ums Fahrzeug gedreht und wieder verschwunden. Dann wurde leider bevor wir zum Baden an den Beach konnten, die Tore geschlossen. Gibt's dann halt bei hereinbrechender Nacht 'ne Außendusche.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen auf Parkplatz Baie Major in Sainte-Agathe-des-Monts, GPS: 46.031866, -74.287851, Großer Parkplatz am See, public, Beach ist kostenpflichtig und ab 9Uhr pm geschlossen, ruhig, empfehlenswert

 

Do. 02.08.18

Ich/P konnte gestern der Versuchung nicht widerstehen und habe für 4$ eine kleine Schwarzwälder-Kirschtorte gekauft. Wie erwartet/befürchtet, das lange Haltbarkeitsdatum hat es schon angedeutet, hat das mit dem Kuchen aus der Heimat nichts zu tun. Extrem süß, feucht und keine richtige Sahne (irgend so 'ne Creme)... Wir haben Sie tapfer vernichtet und als Nichtwiederholungstat abgehakt.

Erneute Frühstücksdiskussion, wohin es gehen soll. Und schon wieder wurde die Planung über den Haufen geschmissen.

Neue Richtung: Direkt nach Süden nach Montreal. Wir haben im Reiseführer die Handvoll wichtigen Sehenswürdigkeiten herausgesucht und geben uns zwei Tage dafür.

Schon ca. 50km vor Montreal ist die Bebauungsdichte so hoch; es gibt keine erkennbaren Grenze mehr zwischen den einzelnen Städtchen und schlussendlich den eigentlichen Vororten der Metropole.

Im Gewirr der 5-6 parallel laufenden Stadtautobahnen haben wir uns mal kurz falsch eingeordnet und schon rächt sich das mit einem viele Kilometer langen Umweg. Aber mit Navi kommen wir wieder auf die richtige Spur und dann auch gleich zum ersten Punkt auf der Liste: Oratorium Saint Joseph of Mont Royal.

Saint Brother André begann 1904 neben seiner kleinen Kapelle mit dem Bau bzw. der Gründung einer Kathedrale mit unterirdischer integrierter Pilger-Kirche und darüber liegendem „Dom“, mit 97 m die zweit höchste Kuppel nach dem Petersdom in Rom. St. André wurden vor und nach seinem Tod mehrere Wunder zugeordnet und wen wundert's, er wurde heiliggesprochen.

Damit war der Startschuss für ein Pilgerziel gefallen. Auch die Büßertreppe hinauf zur Kathedrale darf nicht fehlen. Dementsprechend werden hier die Pilger und Touris in Busladungen angekarrt.

Wir stellen mal die Bilder ein, enthalten uns aber weiterer Kommentare - 100%-Kommerz-Tempel.

Sozusagen um die Ecke liegt der Mont Royal mit seinem Chalet auf der Spitze und dem besten Blick über Montreal. Wir dürfen mit unserem Moppelchen leider nicht auf den oberen Parkplatz fahren und müssen deshalb quer durch den Park von weiter unten aufsteigen, bei der Hitze bzw. Schwüle doch sehr anstrengend.

Mehrere Steinskulpturen – Kunscht; sind nicht alles abgelaufen.

Die Sicht vom Chalet aus ist nicht schlecht, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit aber auch relativ diesig.

Für heute reicht's an Besichtigungen und wir steuern direkt den ausgesuchten Parkplatz an auf der anderen Seite des St. Lorenzstroms bei der Uni Longueuil de Sherbrooke. Der Parkplatz ist sehr groß, nur 5min von der nächsten U-Bahnstation entfernt und kostet nur 10C$/day.

Bei der Fahrt zum Parkplatz sind wir auch durch das Quartier Latin gekommen und dort auch an der Rue Denis vorbei.

Hohe Dichte an Restaurants und Pubs, viele mit Außenbereich, ideal für warme Sommerabende. Wenn wir schon mal in der Stadt sind, legen wir uns gleich ein 3 Tagesticket (18C$/person) zu und fahren die 2 Stationen unter dem Fluss zurück zur Rue Denis, genießen den Abend mit leckerem italienischem Essen und anschließendem irischem Bier in einem Pub mit Livemusik.

Irgendwann fordern der lange Tag und die Hitze ihren Tribut und wir fahren zurück, sitzen aber noch bei einem alkfreien Bier vor dem Mobil und warten auf die nächtliche Abkühlung. Eine kalte Außendusche unterstützt hier enorm, so erfrischt funktioniert das auch mit dem Schlafen.

 

Übernachtungsplatz:

Parkplatz an der Uni Longueuil de Sherbrooke Montreal, GPS: 45.524132, -73.517042, Großer Parkplatz, 10$/24h, 5min zur U-Bahnstation, relativ ruhig empfehlenswert

 

Fr. 03.08.18

Als wir beim Frühstück die Liste unsere Ziele in die Stadtkarte von Montreal übertragen haben, sehen wir, dass die Ziele zum Teil eng zusammenliegen, fussläufig aber doch einiges auseinander. Also wurde der Entschluss gefasst, Old-Montreal per Bicyclette/Radl zu erkunden. Um es vorweg zu nehmen, es war die richtige Entscheidung.

Die Anfahrt mit dem Radl erfolgte über die riesige Brücke Pont Jacques Cartier, DIE Verbindung über den Strom und die Inseln Sainte-Helene und Notre-Dame.

Von hier aus geht es nach Westen zum alten Hafen (Foodtrucks, Hochseilgarten, Zirkus, Zipline... alles für die Familie), vorbei am Marché Bonsecours (kleine Boutiquen/Schmuckläden der gehobenen Klasse) bis zum Place de Jacques Cartier, wohl ähnlich wie die Künstlerecken am MontMartre in Paris (aber nur sehr entfernt). Oberhalb des Künstlerplatzes liegt das Hotel de Ville/Rathaus - von außen imposant, innen weniger spannend.

Die nächsten Ziele liegen wieder eng beieinander: Notre-Dame Basilica of Montreal, gegründet 1642, Gotikbau 1824-1829,

das historische Gebäude der Bank of Montreal, gegründet 1817,

und das älteste Gebäude der Stadt „Vieux Seminaire“ (gebaut 1684-1687).

Der Andrang an der Kathedrale ist überschaubar, aber trotzdem 3 lange Schlangen. Hunger, klappern fast erfolglos die nähere Umgebung ab bis wir eine halbe Stunde später, schon fast verhungert, endlich einen Subway finden. Unterwegs auf Nahrungssuche haben wir gleich noch die Schalterhalle der Bank of Montreal besichtigt – Check - abgehakt.

Gut genährt ist die Wartezeit vor der Kathedrale auszuhalten und überraschenderweise sind wir zügig reingekommen. Wir lassen einfach die Bilder wirken.

Um 13:30 Uhr ist noch ein kleines Orgelkonzert, müssten aber noch über 1 Stunde warten. Die Lady am Ticketverkauf erklärt uns, es sind Tageskarten und können heute mehrmals genutzt werden. Also 1h Zeit: Auf zur nächsten Kirche Cathédrale Marie-Reine du Monde/Mary Queen of the World Cathedrale, katholische Kathedrale dem Petersdom in Rom nachempfunden, gebaut Ende 19.JH inmitten des Anglo-protestantischen Sektors von Montreal. Im Innern eher nüchtern im Gegensatz zur farbenprächtigen Basilika Notre-Dame, und bei weitem nicht so groß wie der Petersdom, aber beeindruckend - schon.

Bei der Rückfahrt haben wir uns in den Straßen etwas verhaspelt und verpassen leider den Anfang des Orgelkonzerts. Bach fast komplett verpasst – ist immer toll, dafür aber noch Modernes: Die Orgelvariante der Titelmusik aus Starwars (Darth Vader schwer atmend im Todesstern: baambaambaam BAAM BAMBAM BAAM BAMBAM... schon witzig) und als Schlusspunkt und Kontrastprogramm wiederum dazu 'Amazing Grace'. Auch wenn die Musikstücke etwas gewöhnungsbedürftig zusammengestellt waren und es ruhig etwas mehr Bach hätte sein dürfen, ist Orgel in so einer GROSSEN Kirche mit entspr. Akustik doch immer wieder ein Erlebnis. Da klingeln die Ohren!

Die Liste ist fast durch, auf dem Rückweg noch am Quartier Chinois vorbei – überschaubar, bleiben nur sehr kurz.

Wieder auf der großen Flussbrücke, machen wir noch einen Zwischenstopp auf der Insel Sainte Helene und der Biosphere-Kugel (riesige Kugel aus Metallstäben, Expo 1967). Die Ausstellung in der Biosphere befasst sich mit der Natur und der Ökologie und damit was die Menschheit dringend unternehmen muss, um noch was zu retten. Es gibt nur geführte Touren, wir sind allerdings zu spät dran. Haben wir was verpasst? Wir sind auch hier fleißig am Recyclen, Bierdosen separat! Schöne Bilder hängen rum, Naturwunder und so.

Apropos Natur: Wir sichten bei der Rückfahrt hier im Park ein Waldmurmeltier, murmelt um seinen Bau.

Eigentlich wollen wir noch auf die nächste Insel Notre-Dame rüber aber alles abgesperrt, riesiges Openair-Festival, das ganze Wochenende. Karten sind schon ewig ausverkauft, ursprünglich für 105$ pro Person/Tag werden sie aktuell wohl zwischen 300$ bis 1000$ für das ganze Wochenende im Internet gehandelt. Wer spielt? – keine Ahnung, konnte uns niemand sagen! Das Wochenende vorher gab's ein Heavy-Metal Open Air – DAA hab ich/M SICHER was verpasst!!!!

Also wieder zurück, hoch auf die Brücke und zum Mobil. Pause, kühles alkfreies Bier, ein kurzes Entspannungsnickerchen im Campingstuhl, und dann zum Abendessen mit der U-Bahn zur Rue Denis gefahren.

Schwierige Entscheidung: Nochmal Italiener ausgesucht, aber einen anderen, da die dort servierten Pizzen ausgesehen haben wie die von zu Hause. Am Nachbartisch sitzt ein Pärchen aus Köln, wir haben viel über Urlaub und Reisen gequatscht. Natürlich wollten sie auch einiges von unserer Planung wissen. Fazit: Ein schöner Abend mit Gesellschaft, allerdings sehr schlechter Service, deshalb heute zum ersten Mal keinen TIP/Trinkgeld, was Unmut hervorrief und die mehrfachen drängelnden Versuche, doch noch Trinkgeld zu bekommen, passte ins Gesamtbild. Schade.

 

Übernachtungsplatz:

Parkplatz an der Uni Longueuil de Sherbrooke Montreal, GPS: 45.524132, -73.517042, Großer Parkplatz, 10$/24h, 5min zur U-Bahnstation, relativ ruhig, empfehlenswert

 

Sa. 04.08.18

Da wir die meisten Must-Dos von der Liste abgearbeitet haben, machen wir uns heute morgen relaxed mit der U-Bahn auf den Weg zum Jean Talon Market, dem größten Markt in Montreal. Wolken schießen in die Höhe – kommt schlecht Wetter. Schwül isses. Aus der Metrostation raus und schon regnet's. Der Markt ist überdacht, können in Ruhe drüberschlendern, probieren (warmer Maiskolben für M, gefüllte Tacos für P) und natürlich auch einkaufen (Honig, Beerle für's Frühstücksmüsli, Gemüse... ).

Auf dem Weg zur Metro werden wir nass, aber es ist so warm, dass es schon fast wieder angenehm ist.

Der zweite große Markt liegt am anderen Ende der Stadt in Atwater, aber wir haben uns beim Jean Talot so ausgetobt, keine Lust mehr. Also zurück zum Mobil und raus aus Montreal, noch beim Olympiastadium vorbei – Photostopp – check - dann Richtung Ottawa aus der Stadt raus. Wetter wird besser.

Leider kommen wir noch in einen großen Stau auf der Stadtautobahn, aber irgendwann sind wir wieder auf dem nach Westen. Wir sind schon ziemlich locker geworden :-) .

Ungefähr auf halber Strecke Richtung Ottawa eine riesige Tafel mit dem Hinweis auf die zweitägigen Glengariff Highland Games. Später erfahren wir, dies sind die größten in Nordamerika und werden schon seit 71 Jahren ausgetragen. Es ist bereits Spätnachmittag und wir sehen nur noch die finalen Ausscheidungen der Seilmannschaften beim Tauziehen, die mit viel Gebrüll und Beifall angefeuert werden.

Das eigentliche Highlight der Highland Games sind die über 1400 Dudelsack- und Trommelspieler, zum Teil von sehr weit angereist. Als krönender Abschluss der Spiele marschieren die einzelnen Gruppen, in 5 große Mannschaften eingeteilt, spielend auf den (Fußballfeld)großen Platz und als endlich alle angekommen sind, werden mehrere bekannte Stücke in voller Mannschaftsstärke gespielt. Gänsehaut-Feeling bei solch einem Sound – echt gigantisch. Auch die Darbietung von Amazing Graze, als Kanon gespielt von allen Mannschaften gemeinsam, wahr sehr beeindruckend.

Als die einzelnen Gruppen wieder mit viel Getröte vom Hauptplatz ins Bierzelt rübermarschieren ist echt was geboten.

Schon Abend, der große Wiesenparkplatz ist inzwischen fast leer und ideal für heute Nacht, noch kurz umparken an den Rand der Erdnussfelder.

Später spielte noch eine Band, spielte alles, was man so in Schottland, Irland oder einem keltischen Folkfestival erwarten würde – Trinklieder mit viel Gegröle. Alkohol gibt’s nur im großen abgesperrten Bereich des Bierzelts. Es geht recht friedlich zu und das halbe Zelt tanzt am Stück zur Musik.

Ein kaltes Bier vor dem Mobil, eine erfrischende Außendusche, und irgendwann mit entfernter Livemusik im Ohr ins Bett.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen auf Parkplatzwiese in Maxville bei den Highland Games , GPS: 45.295386, -74.849258

 

So. 05.08.18

Da im Festzelt offiziell um 12 Uhr pm Feierabend war, hatten wir eine sehr ruhige Nacht. Der Morgen zeigte sich von der schönsten Seite mit tollem Morgenrot und Nebel über den Feldern.

Weiter geht’s in die Hauptstadt Ottawa. Schon auf dem Highway wurde der Aviation Parkway ausgeschildert, über den es zum Flugzeugmuseum geht und dann weiter in die Stadt auf einer scenic route (Oh Oh) durch Downtown. Die nehmen wir natürlich.

Auf dem Weg dahin ist mal wieder so ein Schild mit durchgestrichenem LKW. Wir hatten uns schon mal an einer LKW-Wiegestelle erkundigt, ob wir mit unserem RV (recreational vehicle) auf dieses Schild achten müssen, was verneint wurde, da wir das Teil/RV ja nur zum Spaß und nicht gewerblich nutzen. ABER: Prompt stehen in der Nähe des Museums zwei Polizeiwagen in der nachmittäglichen Sonntagshitze – vermutlich etwas gelangweilt - und nachdem wir abgebogen sind, dauert es nicht lange und wir sehen einen davon im Rückspiegel. Nachdem dann Warnleuchten und Blinker bei ihm angehen, sind wir auf den nächsten Parkplatz raus und warten, mit den Händen auf dem Lenker – wird so dringend empfohlen. Der Streifenwagen biegt ebenfalls ab, aber die Polizisten steigen längere Zeit nicht aus. Ich/P war schon dran mal nachzufragen. Da kommen sie schon. Wollen die Papiere (Führerschein, LKW-Zulassung und Versicherung), um sie zu checken – Kanada und Interpol. Während ein Kollege im Fahrzeug fast 10min checkt, nimmt der andere unser Fahrzeug unter die Lupe.

Um es kurz zu machen: Die Papiere sind natürlich in Ordnung, unser Fahrzeug erfüllt auch alle kanadischen Richtlinien und einer der Polizisten hat dem Jüngeren gleich noch eine Lehrstunde bezüglich vorschriftsmäßiger Befestigung der Fahrräder und der Motorbikes erteilt. Wir haben in seinen Augen wieder die bekannte German Gründlichkeit demonstriert. Note 1 ! Etwas small talk bezüglich unserer Reise und nochmals entschuldigt wegen der Kontrolle und natürlich dürfen wir als RV die Parkway / Scenic Route befahren, sollen aber bei den schmalen Stellen aufpassen. Schmale Stelle? Ich sag nur: Marokko. Auf der ganzen Strecke nach Downtown keine schmale Stelle! Auf alle Fälle haben wir jetzt Gewissheit, dass Fahrzeug und Papiere voll OK sind.

In der Stadt fahren wir auf einen Parkplatz direkt hinter der Kathedrale Notre Dame (Isch glaub, die heißen hier alle so!) auf deren anderen Seite gleich die Nationalgalerie Kanadas liegt. Für 6h zahlen wir 12C$, ein super Preis für diesen strategischen Platz in der Innenstadt. Es ist total heiß und wir sind echt froh, die nächsten 2h in den kühlen Hallen der Nationalgalerie zu wandeln. Neben der Ausstellung für indigene Kunst und bekannten kanadischen Künstlern (z.B. Group of Seven – kanadische Impressionisten) ist gerade auch eine temporäre Ausstellung von bekannten Europäischen Impressionisten wie Monet, Manet, Renoir, Matisse, usw. von denen aber auch in der Dauerausstellung einige Gemälde hängen, sowie von Chagall, van Gogh, Klimt, Warhol.... In der Abteilung für abstrakte Kunst steht man dann doch wieder vor einem Bild mit 2 Farbbalken und fragt sich, wie es dieses Werk in diese Hallen geschafft hat. Ist halt Kunst und nicht jeder versteht es. Sehr vielseitige Sammlung, viel Neueres aber auch viele alte Schinken sowie eine Foto-Ausstellung. War auf jeden Fall mal wieder schön. MIR/M hat's gefallen – Peter hatte nicht sooo viel Spaß.

Affenhitze draußen, müssen uns echt überwinden, durch den angrenzenden Park rüber zum Parliament Hill zu stapfen. Angrenzend an den Park liegt das Fairbanks Hotel, DIE erste Adresse in Ottawa – davor lässt sich gerade 'ne Braut ablichten (Was DIE Hochzeit wohl kostet – Unsummen... Da kannste lange Urlaub davon machen!). Steinbrücke über den Rideau Kanal; mittels handbetriebener Schleusentore werden Sport- und Freizeitboote durch 7/Sieben Schleusen insgesamt 16m vom Rideau-Kanal in den Ottawa-River gehievt. Wenn es nicht so heiß wäre, würden wir dem Schauspiel sicher noch länger zu schauen. Selbst den Straßenmusikanten geht heute die Puste aus.

Auf Grund der Hitze können wir die altehrwürdigen Gebäude auf dem Parliament Hill nicht wirklich schätzen und absolvieren den Rundgang eher als Pflichtübung und verzichten auch auf eine längere Führung durch die Gebäude. Schade, aber manchmal ist das Wetter einfach zu „schlecht“....

Vom Hill aus hat man eine tolle Sicht rüber zur Kathedrale, der Nationalgalerie und auf den Fluss Ottawa, der die Grenze zwischen dem französisch-sprachigen Quebec und dem englischen Ontario bildet. Das Verhältnis zwischen den Quebecern und Ontario-Menschen ist ähnlich wie zwischen Württemberg und Badensern – immer Kabbeleien/Stress ;) Die Quebecer sehen sich immer etwas benachteiligt, weil die Regierung in Ontario liegt und dort die Reichen wohnen – allerdings ist das Leben/Mieten in Ottawa teurer als in Gatineau/Quebec.

Am Ende unseres Rundgangs sind wir wieder an bzw. in der Kathedrale, hinter der unser Moppelchen steht. Der Innenraum erinnert an die Kathedrale in Quebec.

Als Stellplatz haben wir im IOverlander einen Parkplatz auf der französischen Seite des Ottawa-Flusses in Gatineau am Lac Leamy gefunden. Hier stehen an die 10 Trailer, und wie wir im Gespräch mit dem direkten Nachbarn herausgefunden haben, zum Teil bereits viele Tage. In Gehdistanz befindet sich ein öffentlicher Strand, der gut besucht ist. Das Wasser im See ist schon so warm, dass es nicht wirklich erfrischt und wir anschließend nochmal die heimische Außendusche genießen.

Wir parken an einer kleinen Wiese, auf der sich gegen Abend die Tierwelt ein Stelldichein gibt und sich nicht durch Autos und Motorengeheul aus der Ruhe bringen lässt. Die großen Lampen brennen die ganze Nacht und sind lästig, aber auf einem Plätzchen dazwischen ist es OK. Den Abend mit Musik vom Casino in der Nähe genießen wir auf dem Damm des Sees, allerdings nur mit Mückenschutzmittel. Das Viechzeug ist echt ein Manko des tollen Reiselands Kanada.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Lac Leamy Gatineau/Ottawa , GPS: 45.454053, -75.725337, Parkplatz am See, public, Beach in der Nähe, ruhig, sehr empfehlenswert,

 

Mo. 06.08.18

Eigentlich wollen wir heute mit dem Fahrrad zum Byward-Market in die Downtown, allerdings ist es schon nach dem Frühstück so heiß, dass der Vorsatz im Keim erstickt. Wir verbringen den ganzen Tag im Schatten der Markise bzw. des Mobils, regelmäßige kurze Duschen, schreiben, lesen, chillen.

Wie immer zieht unser Mobil viele Neugierige an – Mobil-Touristen - und wir müssen unsere Geschichte x-mal zum Besten geben. Eines der radelnden Pärchen, die eine Tour im großen Gatineau-Park machen, zu dem auch dieser Stellplatz am See gehört, hat uns dann spontan zu einem early supper eingeladen. Als die beiden von ihrer Tour zurückkommen, hinterlassen sie ihre Adresse; wir sollen so zwischen 16 und 17 Uhr dort sein.

Brian und Nathalie (in unserem Alter) wohnen 7 km entfernt auf der Gatineau-Seite. Brian erkundigt sich extra bei der Stadt, ob wir in einer Seitenstraße bei ihnen um die Ecke, aktuell unbenutzt, da die Bauplätze noch nicht verkauft sind, über Nacht parken können. Sie haben gleich noch ihre sehr guten Freunde André und Hanni (schon in Rente) eingeladen.

Als wir ankommen, gibt es natürlich zuerst eine Führung durchs Mobil und anschließend im leicht gekühlten Haus Tacos mit Salsa, Weißwein und andere Getränke. Die vier haben natürlich viele Fragen und da sie auch schon viel gereist sind auch viele Geschichten von ihrer Seite. Die Verständigung läuft super, auch wenn es manchmal spannend ist, wenn Hanni als gebürtige Holländerin deutsche Sätze einwirft, parallel mit Nathalie mit französischer Muttersprache auf französisch parlt und der Rest mit englisch über die Runden kommt. Macht richtig Spaß!

Als Supper gab es dann würzige gebratene Würstchen (mmmmh sehr lecker), Hähnchenfleisch, Gemüse und Quinoa-Salat (alles natürlich sehr lecker). Da vergeht die Zeit wie im Fluge, essen, trinken und Geschichten erzählen. Mittlerweile ist es schon dunkel. Blitze, Donner, Platzregen, ein richtig heftiges Sommergewitter. Es stürmt irre. Sämtliche Handys melden Tornado-Alarm. Vor ein paar Wochen hat bei André der Blitz eingeschlagen und der Fernseher war mal einer. Hier in Kanada liegen sämtliche Kabel und Leitungen überirdisch – nix drunter, sondern drüber.

Irgendwann lassen Sturm und Regen nach, und da unsere Gastgeber Morgen wieder auf Arbeit müssen und Hanni+André auch müde sind, gehen wir alle nach Hause. Nach einer sehr herzlichen Verabschiedung und einer Einladung zum Schwimmen im Pool und early Supper am nächsten Tag bei Hanni und André, fahren wir mit unserem Moppel in die nächste Seitenstraße und fallen dann auch hundsmüde ins Bett. Das Gewitter hat leider überhaupt nicht abgekühlt, im Gegenteil jetzt isses schwül wie d'Sau. Und Mücken hat's – nerv.

Bevor wir dann doch irgendwann einschlafen, lassen wir den Abend nochmal Revue passieren, sind total begeistert über die Gastfreundschaft und das offene Willkommen, als wären wir schon alte Freunde.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Waldrand bei Brian & Nathalie , GPS: 45.481688, -75.755969

 

Di. 07.08.18

Bis wir endlich aus dem Nest kommen, es regnet immer noch, sind Nathalie und Brian schon lange auf Arbeit. Als kleines Dankeschön für den tollen Abend bekommen sie unseren letzten marokkanischen Rotwein mit einer kleinen Botschaft.

Einkäufen, schon wieder Wäsche waschen – bei der Hitze schwitzt man halt.

Irgendwann nachmittags gegen 16 Uhr schlagen wir dann bei Hanni auf und gleich nach der herzlichen Begrüßung rein ins Nass, den großen tollen Pool. André ist noch unterwegs, kommt aber eine halbe Stunde später auch in den Pool und bringt auch gleich noch 3 kalte Dosen alkoholfreies Bier mit. Und weiter geht's mit den Geschichten. Die beiden haben früh begonnen mit Klamotten aus Guatemala zu handeln und später ihr Sortiment durch Ware aus Bali erweitert. Da noch Platz im Container von Bali nach Kanada war, haben sie diesen genutzt für tolle Holzschnitzereien und Steinfiguren, die jetzt ihren Garten um den Pool verschönern. Wir waren ja auch schon auf Bali, deshalb sind uns die Figuren sofort aufgefallen. Die beiden sind viele Jahre regelmäßig in Guatemala gereist, sie haben dort zwei Adoptivkinder, und können uns den einen oder anderen wertvollen Tipp gegeben.

Irgendwann später kommt dann Brian direkt von der Arbeit dazu und ist auch gleich mit in den Pool gesprungen. Auch Nathalie kommt noch dazu. Hanni kredenzt eine große Schüssel Gemüselasagne und Salat dazu. Wieder werden wir in die Runde wie alte Freunde integriert und die Gespräche wechseln von Reisen über Arbeit zur Politik und zurück zum Thema Reisen. Als wir so gegen 19 Uhr aufbrechen, verabschieden wir uns alle nochmal herzlich. André muss aber unbedingt noch sein balinesisches Einbaumboot in der Garage zeigen, das er ebenfalls direkt importiert hat. Er ist gerade am Renovieren, aber wie es halt bei Rentnern so ist, fehlt immer die Zeit bzw. kommen andere Themen dazwischen.

Hallo Nathalie, Hanni, Brian, Andre, wenn ihr diese Zeilen lest, hier nochmal ein ganz herzliches Dankeschön für die liebevolle Aufnahme in euren Kreis und die tollen Geschichten und Tipps.

Eigentlich wollten wir noch aus Ottawa rausfahren, haben uns dann aber doch nochmal kurzfristig für den Parkplatz am See entschieden. Und weil es noch nicht soo spät ist, machen wir am Wasserhahn gleich noch unsere Tanks wieder randvoll.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Lac Leamy Gatineau/Ottawa , GPS: 45.454053, -75.725337, Parkplatz am See, public, Beach in der Nähe, ruhig, sehr empfehlenswert,

 

Mi. 08.08.18

Bei dem starken Gewitterregen bei Nathalie und Brian hat sich mal wieder eine Undichtigkeit im Dach durch einige Wassertropfen bemerkbar gemacht. Wir wissen, dass da noch irgendwo eine undichte Stelle sein muss, haben aber nicht so wirklich eine Idee WO. Die möglichen Lecks an der Klimaanlage haben wir noch in Marokko angegangen. Für den aktuellen Fall habe ich die nicht mehr optimale Abdichtung des großen Dachfensters im Verdacht. Also mache ich mich gleich morgens noch vor dem Frühstück aufs Dach und reinige alle Stellen, die ich nachher mit dauerelastischer Dichtmasse behandeln will. Als ich fertig bin, brauche ich schon die erste Dusche noch vor dem Frühstück, Hitze!

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg gen Westen Richtung Algonquin-Park. Wir überqueren nochmal den Ottawa-River, vorbei an einer der vielen Stellen wo mit seiner Wasserkraft Strom erzeugt wird.

Auf dem Highway sind Höhlen ausgeschildert, wollen ja nichts verpassen, deshalb biegen wir nach Süden ins Hinterland ab. Bis wir endlich dort ankommen, sind die Höhlen geschlossen. Wir überlegen, ob wir in der Nähe übernachten sollen, um die Höhlen anderntags zu machen, entscheiden uns aber dagegen. Eintritt 19C$/person für eine 1stündige Tour. In einer Broschüre sehen wir, dass diese Höhlen vom Flusswasser ausgewaschene Katakomben sind; wir haben in der Vergangenheit schon so viele tolle Höhlen gesehen; können auch ohne diese.

Zurück auf dem Highway kommen wir später am Golden Lake vorbei, gehen spontan eine Runde schwimmen. Der See ist sehr flach und sehr warm, aber als Unterbrechungspause OK.

Als wir in Barry's Bay vorbeikommen, sehen wir ein Visitor-Center, wo wir schnell die emails abrufen. Währenddessen werden wir vom Besitzer des benachbarten Balmoral-Hotels angesprochen, und nach den üblichen Fragen erzählt er uns, dass seine Frau aus Süddeutschland ist und sich sicherlich freuen würde mit uns zu sprechen. Da kann man nicht Nein sagen. Also gehen wir in das dazugehörige Restaurant, treffen dort auf die Chefin, nämlich Iris aus Bad Wimpfen. Es gibt natürlich gleich einiges zu reden. Sie erzählt, wie sie vor vielen Jahren von ihrem kanadischen Mann in die Ferne entführt wurde und wir erzählen natürlich von unserer Reise. Die Welt ist trotz ihrer Größe doch ein Dorf.

Wir verabschieden uns als es draußen bereits dämmert, um eigentlich noch ein Stück zu fahren. Iris gibt uns dann den Tipp, dass wir unten am See auf den Parkplätzen gegenüber den Tennisplätzen frei stehen können und dort auch unsere Ruhe haben.

Das hört sich super an und wir fahren runter und parken für die Nacht ein.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Kamaniskeg Lake in Barry's Bay , GPS: 45.478325, -77.675665, Kleiner Parkplatz am See, public, kleiner Beach, ruhig, empfehlenswert

 

Do. 09.08.18

Wir sind nur noch ca. 50km vom Algonquin-Provincial Park entfernt und deshalb zügig am Eastgate. Hier informieren wir uns erst mal ausführlich und nehmen einiges an Infomaterial mit. Der Park ist der älteste und einer der größten in Kanada. Ursprünglich wurde hier massiv durch Holzeinschlag Raubbau betrieben, bis Proteste dazu führten, dass ein großer Teil geschützt wird, der aber für den geregelten Tourismus freigegeben ist. In bestimmten Teilen des Parkes darf weiterhin Forstwirtschaft betrieben werden. Im südlichen Teil entlang des Highway #60, der quer durch den Park führt, liegen einige Wanderrouten, viele größere Campingplätze und x Seen, ideal zum Kanufahren.

Eigentlich wollen wir für zwei Nächte auf einen Campingplatz im Park, aber das ist uns doch zu teuer und die Plätze sind schon brechend voll. Da wir nur einen Stellplatz brauchen und sonst nichts, sind 45C$ + Tax doch recht happig, auch wenn darin dann schon der Tagespass für 17C$ enthalten ist.

Beim Aussuchen des Infomaterials fällt mir noch Chester the Chipmunk auf und ich nehme ihn gleich als Souvenir mit. Er bekommt im Fahrerhaus neben Baldi dem Seeadler seinen Platz.

Auf dem Weg in den Park kommen wir auf einer Seitenstraße an Seen vorbei, wo wir die ersten Biberburgen sichten. Hier soll man die possierlichen Tiere mit viel Glück sichten können.

Beim ersten Versuch klappt es leider nicht, so dass wir uns zum Parkplatz unseres ersten Trails aufmachen. Kaum angekommen, beginnt es zu nieseln. Wir nehmen den Schirm mit und machen uns bei schwüler Hitze im Wald auf einen steilen Pfad nach oben. Nach ca. 1km erreichen wir den Lookout-point mit Blick über die Wälder und den versteckten Seen. Da es aber wegen des immer stärker werdenden Regens schon recht trübe ist, ist der Ausblick doch recht bescheiden. Anyway – Bewegung schadet nie!

Also wieder zurück. Da das Wetter absehbar nicht besser werden wird, machen wir noch einen kurzen Stopp im Visitor-Center und nutzen das Wifi, bevor wir wieder zum Costello Lake zu den Bibern fahren.

Jetzt haben wir Glück und sehen zwei Biber-Bobbel schwimmen. Interessanterweise kommen die Biber am Ufer zum Fressen bis fast zur Straße hoch. Als uns zwei andere Biber-Paparazzis winken, bekomme ich leider nur noch den Schwanz des sich wieder ins Wasser zurückziehenden Bibers zu sehen. Aber er schwimmt wieder nach vorne an die Stelle, wo wir ihn zum ersten Mal gesehen haben und arbeitet sich hier nochmal bis auf zwei Meter Entfernung an uns heran. Er sitzt im hohen Gras und knabbert genüsslich an unterschiedlichen Pflanzen. Nach 10min beißt er sich ca. 5-6 größere Pflanzenstängel ab und schleift diese zurück ins Wasser, wo er dann geräuschvoll weiterfrisst.

Für optimale Fotos ist leider immer das lästige Grünzeug im Weg, trotzdem ist es toll, so nah an dieses Wildtier heranzukommen und ihm beim Fressen zuschauen zu können. Die Straße ist stark befahren, führt an einen See mit Kanuverleih, deswegen kommen immer wieder Autos vorbei, die dann mit laufenden Motor stehenbleiben, um zu fragen was es Tolles zu sehen gibt. Irgendwann wird das dann auch dem Biber zu viel und er schwimmt wieder zurück ins Seerosendickicht seines Sees – blubb – weg isser. Scheeee!

Für unser Abendessen im Mobil haben wir uns auf einen benachbarten Parkplatz zurückgezogen, um anschließend nochmal auf Biberpirsch zu gehen. Ohne Erfolg; wir machen uns auf den Weg raus aus dem Park, um 1-2 Stellen für die Nacht zu prüfen. Gleich der erste am Lake Poverty an einer nicht geteerten Straße passt, und wir sind hocherfreut, dass am restlichen Abend und die ganze Nacht über nur 2 Autos vorbeifahren. Zur Begrüßung und bevor wir richtig eingeparkt haben, sehen wir am Ufer doch noch einen Biber schwimmen. Das nennen wir mal Glück, gleich zwei Biber-Sichtungen an einem Tag.

So können wir nach einem tollen Sonnenuntergang, die Nachtruhe am See total genießen. Perfekt!

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Lake Poverty , GPS: 45.485087, -78.217237, Kleiner Stellplatz am See für 1/ein großes Fahrzeug, public, direkt am Wasser, nachts total ruhig, sehr empfehlenswert

 

Fr. 10.08.18

Während des Frühstücks sehen wir, dass das Wasser so still und glatt wie ein Spiegel ist und man die gesamte Uferlandschaft ohne Verzerrung im Wasser sehen kann.

Heute geht es zum Kanu fahren. Wir fahren wieder in den Algonquin-Park hinein und nehmen gleich die erste mögliche Abfahrt entlang des Costello-Creeks bis zur Kanu-Basisstation.

Hier ist man durch jahrelange Erfahrung auf die unzähligen Besucher in der Saison eingestimmt und die Prozesse des Verleihens und der Einweisung laufen flott.

Wir bekommen ein großes Fiberglaskanu, zwei Stechpaddel, 2 Schwimmwesten (Pflicht) und einen kleinen verschließbaren wasserdichten Behälter, der Pfeife und Seil beinhaltet und selbst als Schöpfeimer benutzt werden kann.

Noch kurz ein kleiner Imbiss, damit wir nicht auch noch Fressalien mitschleppen müssen und schon stechen wir in See.

Nach Norden auf den großen See, der sich immer weiter öffnet und die vielen Kanuten verschlingt, so dass wir nach einer Stunde paddeln fast alleine in Kanadas Wildnis unterwegs sind. Alleine halt doch nicht, immer wieder fahren Motorboote vorbei, die als Wassertaxis unterwegs sind, und bringen das Kanu ganz schön zum Schaukeln.

Wir unterbrechen immer wenn wir keine Lust mehr zum Paddeln haben, suchen eine schöne Ausstiegsstelle und lassen uns beim Baden im tollen Wasser treiben.

Gegen Spätnachmittag fahren wir dann noch nach Süden den Costello-Creek hinunter. Dieser ist nur ein schmaler Wasserpfad, der auf beiden Seiten dicht mit blühenden Seerosen, Hechtkraut und anderem Grünzeug zugewachsen ist. Hier gleiten wir nur mit wenigen Paddelschlägen auf der spiegelglatten Oberfläche, und die Wolken und angrenzenden Bäume spiegeln sich wunderschön, wie heute Morgen schon an 'unserem' See. Kurz vor dem Wendepunkt fangen die Mücken und anderes Viechzeug an zu nerven, da es mittlerweile dämmrig wird. Wir beschließen, den schönen Tag zu beenden, u. A. auch wegen der ungewohnten stundenlangen Bewegung – wir spüren unsere Schultern – des gibt Muschkelkater (hat's dann aber doch nicht).

Die Rückgabe des Kanus samt Zubehör erfolgt genauso problemlos. Bei der Rückfahrt halten wir nochmal am Seitenarm vom Costello-Creek – Biber gucken. Keiner da – wahrscheinlich ratzen sie in der Burg. Nur ein einsamer Reiher steht in sumpfigem Gelände. Zurück zu unserem tollen Stellplatz an einsamem See.

Paddeln, Sonne, Baden haben uns sehr müde gemacht; ein kleines Vesper und wir fallen dankbar ins weiche Bett.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Lake Poverty , GPS: 45.485087, -78.217237, Kleiner Stellplatz am See für 1/ein großes Fahrzeug, public, direkt am Wasser, nachts total ruhig, sehr empfehlenswert

 

Sa. 11.08.18

Irgendwie bin ich der Meinung, heute müsste mal wieder ein Pausentag sein. Es ist zwar eine Fahrradtour auf einer alten Railwaystrecke im Park geplant, aber das können wir notfalls auch noch nachmittags einschieben. Marion backt Kuchen und während ich endlich mal wieder Bilder sortiere und versuche, die letzte Woche in Worte zu fassen, sortiert sie Unmengen an Infomaterial aus, das wir nicht mehr brauchen. Nachmittags regnet es noch leicht und bleibt bewölkt. Richtige Entscheidung für den Chilltag, so wird es im Mobil nicht zu warm.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Lake Poverty , GPS: 45.485087, -78.217237, Kleiner Stellplatz am See für 1/ein großes Fahrzeug, public, direkt am Wasser, nachts total ruhig, sehr empfehlenswert

 

So. 12.08.18

Gleich früh morgens als der Nebel noch in leichten Schwaden über das Wasser zog, zieht es Marion zum Baden raus. 20m von unserem tollen Standort entfernt ist ein kleiner Bootssteg, ideal zum Einstieg in den See. Noch vor dem Frühstück genießen wir die Ruhe und herrlich erfrischende Temperatur des Wassers. Obwohl wir hier nun schon die 3. Nacht stehen, haben wir es die Tage vorher irgendwie nicht auf die Reihe gebracht, in den See zu hüpfen.

Auf der Fahrt ins Parkinnere lesen wir zufällig auf einer Tafel, dass hier das jährliche zweitägige PowWow stattfindet. Sylvia und Paul haben uns ja darauf hingewiesen, dass es schwierig ist, zum rechten Zeitpunkt am richtigen Ort für solche PowWows zu sein, darum Blinker raus und abgebogen. Wir kommen zu einem kleinen Parkplatz und können aus der Entfernung schon die Trommeln hören. Eintritt jeweils 8C$, dann dürfen wir auf das Gelände. Vorbei an mehreren Händlerzelten (da gab es noch einen Traumfänger zur Erinnerung ins Fahrerhaus) kommen wir zum eigentlichen PowWow-Platz, wo unter einem Zeltdach viele Trommler sitzen. Wir sind bis auf ein paar weitere Touristen die einzigen, die nicht zu den First Nation gehören.

Kaum dass wir da sind, versammeln sich alle in ihren unterschiedlichen Outfits: Federgeschmückte Häuptlinge, einfache teils bestickte Lederkostüme, Manche einfach nur mit Federschwingen in der Hand oder Federschmuck im Haar, aufwändig bemalte und bestickte lange Kleider mit hunderten Glöckchen.... Es sind mehr als 6 verschiedene First Nation Volksgruppen vertreten, tragen stolz die jeweiligen Fahnen. Wir erkennen sofort die MiqMaq-Flagge aus dem Osten von Nova Scotia und Cape Breton.

Just in time – rechtzeitig gekommen, um einer Zeremonie beizuwohnen, die an eine religiöse Messe erinnert. Die Fahnenträger und Fahnen der einzelnen Gruppen werden geehrt, ebenso die anwesenden Ältesten und neue Mitglieder werden jubelnd aufgenommen. Die aktuelle Wasserbeauftragte der First Nation aus dieser Region hält eine kleine Ansprache, um das Element Wasser und dessen Wichtigkeit für die Menschheit und die Natur hervorzuheben. Einer der Ältesten bedankt sich, dass er einigermaßen gesund an diesem PowWow teilnehmen kann und erzählt, dass er abends zuvor am See mit seinem Bruder eine Pfeife rauchte und seiner verstorbenen Frau und seinen Ahnen begegnet ist. Danach wird das zentrale Trommelzelt mit viel Gesang und Trommelbegleitung, Fahnen und Älteste voran, umrundet und anschließend viel getanzt. Die Trommelmusik und der Gesang dazu – alles sehr stimmungsvoll, tief beeindruckend.

Es ist so, wie man sich solch ein PowWow vorstellt, auch wenn nur einzelne so gewandet sind, wie man das aus Hollywood-Filmen kennt (es gibt auch Mitglieder in Superman T-Shirt mit Federn im Haar). Leider ist es verboten, während der Zeremonie zu filmen oder Bilder zu machen. So können wir nur wenige Bilder von davor bzw. anschließend machen. Es ist auf jeden Fall ein wirklich sehr interessantes Erlebnis; nicht einfach nur eine Aufführung, sondern gelebte Erinnerung an die eigenen Wurzeln, die Herkunft, und die Verehrung und Liebe zur Natur.

Am Himmel ziehen wieder, wie die letzten Tagen auch, dicke Wolken auf und wir machen uns auf, unsere geplante Fahrradtour entlang des Old Railway Bike Trails (16km) anzugehen vom Mew Lake, vorbei am Lake of Two Rivers und Whitefish-Lake, zum Rock Lake. Es ist zwar toll, immer mal wieder die Seen durch die Bäume zu sehen, aber ansonsten ist es ein langweiliger aber gottseidank schattiger Waldweg. Er wird ziemlich beworben, vor allem die Historie dazu, was hier entlang des Weges zu finden war – ein Sägewerk, eine tolle Holzbrücke, heute nur noch Wiese und eine Hinweistafel. Da haben wir uns mehr erhofft, auch was die Bademöglichkeiten angeht. So treten wir am Rock Lake wieder die Rückfahrt an und beschließen, anschließend eine Badestelle an den anderen Seen zu suchen. Es ist ja sooo heiß und dazu noch Sport – schwitz !

Auf dem Weg nach Westen und zu einer möglichen Badestelle, sehen wir am Straßenrand jede Menge Autos und Menschen mit Kamera in der Hand. Wildtier ! Es ist eine Elchmutter mit ihrem Kalb, nur 10m vom Straßenrand entfernt im Moor, weidet gemütlich. Die Tiere sind einfach NUR groß und in ihrer staksigen Unbeholfenheit im Moor einfach zum Verlieben. SCHÖÖÖN ! So cute !

Der Auflauf wird immer größer und ein vorbeifahrender Ranger verjagt mit kräftigem Gehupe die Tiere, damit sich der Stau auf dem Highway und daraus resultierende Gefahrenquelle wieder auflöst, bevor noch jemand zu Schaden kommt.

Wir testen noch 2-3 Badeplätze, die mir/P aber nicht gefallen, und landen kurz bevor wir den Park verlassen, am Tea Lake Damm. Das Wasser ist Tee- oder Whiskey-farben von den gelösten Tanninen, aber ansonsten sehr klar und wie alle Seen hier im Park von Trinkwasserqualität. Wir genießen die Erfrischung und fahren dann weiter nach Huntsville zu unserem nächsten geplanten Stellplatz. In Huntsville füllen wir noch im großen Supermarkt, der auch am Sonntag spätnachmittags geöffnet hat, unsere Vorräte auf und dann zum Parkplatz direkt am Beach.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Hutcheson Beach, Huntsville , GPS: 45.335269, -79.264406, Parkplatz am See mit Badestrand,public, nachts total ruhig, sehr empfehlenswert

 

Mo. 13.08.18

Endlich mal wieder Ruhetag.

Als Nachbarn haben wir Stefan und Moni, die in einem umgebauten Auto (Rücksitz raus, Liegeplattform aus Holz rein) schon viele Monate in Nordamerika unterwegs sind. Sie haben uns von ihren vielen Reisen (Work & Travel, Neuseeland, Australien, 9 Mon. Asienrundreise, usw.) in ihren NOCH jüngeren Jahren erzählt (sie ist noch keine und er gerade so 30) und schwupp war es fast 11 Uhr als das spontane gemeinsame Frühstück endete und die beiden endlich loskommen, um heute im Algonquin-Park Kanu zu fahren.

Wir lassen mal wieder die Seelen baumeln und tun einfach nix.

Als die beiden gegen Abend wieder vom Kanu fahren zurückkommen, essen wir zusammen draußen vor dem Mobil zu Abend, trinken ein lecker Bierchen und hören uns gespannt die Reiseberichte der jeweils anderen an.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Hutcheson Beach, Huntsville , GPS: 45.335269, -79.264406, Parkplatz am See mit Badestrand,public, nachts total ruhig, sehr empfehlenswert

 

Di. 14.08.18

 

Nach dem Aufstehen geht es erst mal in den See und anschließend sitzen wir wieder mit Stefan und Moni beim Frühstück zusammen. P hat Sonnenbrand auf dem Bauch, obwohl wir der gnadenlosen Sonne immer wieder ausweichen und uns in den Schatten zurückziehen. So geht’s halt, wenn man tratscht und tratscht und tratscht.... Irgendwie verquatschen wir den ganzen Morgen und als Moni meint, jetzt müssten sie mal los, zeigt die Uhr schon mittags zwei – sie wollen weiterfahren Richtung Westen. Bis die beiden zusammengepackt haben und dann noch eine Runde beim Schwimmen, geht's schon auf die Dreie zu. Mal sehen, ob Sie nach den Arbeiten im Wifi bei Tim Hortons nochmal zurückkommen. Es war auf jeden Fall toll, ihre Geschichten zu hören, und ein bisschen sind wir neidisch, weil die beiden es schon in jungen Jahren geschafft haben, große Teile der Welt zu bereisen, die wir erst in den nächsten Jahren in Angriff nehmen werden. Aber nur ein bisschen.

Wir chillen noch rum, gehen schwimmen, chillen/ratzen, lesen, schwimmen.... Das Leben kann echt anstrengend sein ;)

Wie erwartet sind Sie gegen später doch wieder aufgetaucht, weil die Internet-Session länger gedauert hat. Somit gibt es noch einen weiteren gemeinsamen Abend mit vielen Geschichten; Johannes und Sophia, ein junges Pärchen aus den Neuen Ländern, setzen sich auch noch zu uns.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Hutcheson Beach, Huntsville , GPS: 45.335269, -79.264406, Parkplatz am See mit Badestrand,public, nachts total ruhig, sehr empfehlenswert

 

Hier wieder die Kartenübersicht der 9. und 10. Woche mit den gewählten Stellplätzen:

Kanada_2018_Aug_1