Fr. 01.02.19

Eigentlich wollten wir von den anderen beiden Travelern von gestern Abend noch ein paar Infos bekommen, aber die sind schon abgereist, bevor wir richtig in die Puschen kommen. Schade.

Unser Ziel heute ist Padre Island National Seashore, betrieben vom NP-Service und somit kostenlos für alle mit „America the Beautiful“-Pass. Da auch das Campen am 65 Meilen langen Sandstrand Richtung Süden kostenlos ist, natürlich für alle Traveler, einheimischen Urlauber und Angler die ideale Gelegenheit, direkt am Meer zu stehen.

Als wir aus Corpus Christi 'rausfahren auf die Brücke, rüber auf Mustang Padre Island, sehen wir, dass die ganze Küste im Nebel hängt. Wir checken beinahe täglich das Wetter, deshalb haben wir warm und bedeckt erwartet, aber diese Nebelsuppe dann doch nicht. An der Straße ein paar ausgefallene Restaurants, die teils erheblichen Aufwand betreiben, um Gäste anzulocken.

Nach ca. 30km kommen wir ins National Seashore-Gebiet; die Landschaft dieselbe wie die letzten 25km, Sanddünen, Marsch, braunes Dünengras. In der Nähe des Visitor Centers gibt es eine camping area, kostet 14$/Nacht, sowie eine Abwasserstation + Frischwasser. Dumping und Frischwasser sind für alle Besucher der National Seashore kostenlos zugänglich. Auch wir nutzen das natürlich, leeren unseren Abwassertank und bunkern gleich noch 150L gutes Trinkwasser.

Da wir kein Netz haben, lassen wir uns im Visitor Center einen Infozettel zu Ebbe- und Flutzeiten geben. Gleich danach geht es direkt auf den Strand. Inzwischen früher Nachmittag und wir bewegen uns zeitlich auf den Höhepunkt der Tide um ca. 16Uhr zu. Der Tidenhub ist nicht sonderlich hoch, nur ca. 50 cm. Der Strand ist allerdings extrem flach und so kommt das Wasser schon beachtlich nahe Richtung Dünen. Wir müssen immer mal wieder durchs Salzwasser fahren und hoffen, dass der Untergrund weiterhin unsere knapp 10 To. trägt. Klappt sehr gut. An den Dünen entlang durch den Nebel, vorbei an anderen Campern, auf der Suche nach einer kleinen Bucht groß genug für unseren Moppel, um dem Wasser auszuweichen.

Nach ein paar Kilometern werden wir fündig und parken rückwärts in die Bucht ein. Schon am Aufbauen und Auspacken der Markise, der Nebel ist aufgerissen und die Sonne brennt runter, sehen wir wie die Wellen schon an unseren Vorderrädern lecken. Um zu vermeiden, dass sich unsere Räder in den Wellen langsam aber sicher tiefer in den Sand arbeiten (genauso wie mit den Füssen in den Wellen am Meer), setzen wir nochmal 2 m zurück. Hier ist der Sand allerdings schon etwas weich und wir sinken auch gleich mal 25cm ein.

So, das passt. Jetzt den sonnigen Mittag genießen. Wir müssen noch unseren neuen Vorrat an Kleintierstreu für die Trockentrenntoilette in kleinere Portionen verpacken und auf den Wassertanks unterm Bett verstauen. Marion liest in der Sonne. Peter zappelt rum und macht sich an eine Halterung aus Gewindestangen für die neu erstandenen Sandbleche. Die alten Sandbleche bekommen ebenfalls gleich noch 2 Löcher und werden mit auf den Containerrücken gepackt. Eigentlich sind die Stangen noch zu lang, aber vielleicht ergibt sich ja noch eine weitere Nutzungsmöglichkeit. Als Unfall-Schutz kommen eine leere Bierdose und ein kleiner bunter Kunststoffball zum Einsatz, bevor das Treibgut etwas besseres hergibt oder wir irgendwo zwei Tennisbälle auftreiben können.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Padre Island National Seashore, GPS: 27.400849 , -97.307476, mit NP-Access Pass Campieren am Strand kostenlos; bei Ebbe gut zu fahren, bei Flut kommt das Wasser bis zu den Dünen und die Reifen stehen im Wasser; kein Telefon-/Internet-Empfang

 

 

Sa. 02.02.19

So direkt am Meer ist es doch recht laut, wenn die Wellen fast ins Wohnzimmer rollen. Der angekündigte leichte Nieselregen entpuppte sich als ausgewachsener Dauerregen. Kein Internet-Empfang am Strand. Schränkt die Arbeiten an der Homepage oder Reiseplanung ziemlich ein. Wir planen deshalb auf der Insel Richtung Norden auf die Mustang-Island-Seite zu fahren. Hier muss man zwar für 12$ ein Corpus Christi Jahres-Permit kaufen, hat aber wohl mehr Platz zum Stehen und vor allem Internet-Empfang. Mit ein paar Anläufen und etwas Unterstützung mit der Schaufel, befreien wir uns aus dem weichen Sand, fahren noch den Strand nach Süden runter, um zu sehen, ob es evtl. bessere Buchten gibt oder vielleicht das eine oder andere interessante Mobil. Nach ca. 5-6 km drehen wir um, nichts Besseres bzw. Interessantes entdeckt. Bei Ebbe am Morgen lässt es sich viel entspannter am Strand brettern. So macht das Fahren am Strand Spaß!

Am Visitor Center machen wir nochmals kurz Halt und Peter nutzt die wenn auch kalte Dusche im Badehaus. Warm und schwül ist es, also nicht so schlimm. Wir verpassen natürlich prompt die Abfahrt auf den Nordteil der Insel und landen auf dem Zubringer und der Brücke rüber nach Corpus Christi. Hat allerdings den Vorteil, dass wir an Pauls Seafood-Market vorbeikommen und uns dort an der ausladenden Frischfischtheke mit 3 Filets Red Snapper und 2 Pfund frischen Garnelen eindecken. Eine Portion Red Snapper für heute Abend mit grünem Spargel, der Rest wird verarbeitet und eingefroren. Haben wir schon erwähnt, dass wir unser Gefrierfach wirklich sehr lieben?!!

Nach einem U-Turn geht es wieder über die Brücke raus zur Insel und nach Norden Richtung Port Aransas. Unterwegs machen wir an einem Parkbüro Halt und kaufen den Permit. Die Lady empfiehlt uns die Zahn-Street an den Strand zu nehmen, gleich zu Beginn der Mustang-Island noch vor dem State Park. Dort gibt es einen größeren Strandabschnitt, der die Möglichkeit bietet, etwas weiter vom Wasser entfernt zu stehen, sicher vor den Wellen. Wir nehmen den Rat an, denn der Strand nördlich des State Parks ist genauso schmal wie im Süden auf Padre Island.

Als wir wieder Internet-Empfang haben, bekommen wir via Facebook Info von Devon und Dayna, dass sie inzwischen auch in Corpus Christi angekommen sind und gleich zu uns an den Strand kommen werden. Wir trafen uns schon am Stuart Beach in Florida bzw. Wochen später auf dem Walmart-Parkplatz in New Orleans. Das gibt natürlich ein herzliches Wiedersehen mit den beiden Kanadiern + Hund + 2 Katzen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen JP Luby Beach, Mustang Padre Island, GPS: 27.6213 , -97.199297, viel Platz zum Stehen und gut zu fahren, am Wochenende etwas laut, 12$ Jahres-Permit, alle 3 Tage muss man den Strandabschnitt wechseln, Internet-Empfang, Abfalleimer und WC-Häuschen, sehr empfehlenswert

 

So. 03.02.19

Rolling – Rolling – Rolling – 365 days !!!!!!!

Heute ist es soweit: das erste Reisejahr ist voll. Vor 365 Tagen sind wir an einem Samstagmorgen Richtung Marokko aufgebrochen und hatten unseren ersten Stopp bei Iris und Dieter in Emmendingen.

Es ist der Wahnsinn, was wir schon in diesem ersten Jahr alles erlebt und gesehen haben, wie viele unterschiedliche Menschen wir getroffen haben. Mit vielen tauschen wir uns regelmäßig über e-mail, WhatsApp, Skype und Facebook aus. Wir wurden mehrfach zum Essen eingeladen, zum Teil für mehrere Tage in die Familie integriert und haben so viel offenes Interesse an unserer Reise erlebt. Wir tun etwas, was nicht nur in unseren Augen ein Abenteuer und wichtige Lebenserfahrung ist, sondern auch viele andere Menschen teilen diese Gedanken und stehen oft kurz vor einer ähnlichen Entscheidung.

Die ersten Monate in Marokko kommen uns schon so weit in der Vergangenheit vor, wie ein Urlaub vor 3-4 Jahren. Normalerweise zehrt man die kommenden Wochen und Monate von seinem Jahresurlaub, wenn man wieder zurück auf Arbeit ist. Bei uns wird der Speicher im Kopf aber eben nicht nur mit Bildern und Begegnungen von 3-4 Wochen gefüllt, sondern mit 365 Tagen im Jahr. Natürlich gibt es auch bei uns Tage, an denen wir keine neuen Bekanntschaften schließen oder irgendwelche Highlights besichtigen, aber insgesamt gibt es jeden Monat mindestens so viele Erlebnisse wie in einem normalen 2-Wochen-Urlaub. Rechnet man das auf 12 Monate hoch, bekommt ihr hoffentlich in etwa eine Vorstellung davon.

Fazit ist auf jeden Fall: Wir haben für uns die richtige Entscheidung getroffen, haben keinen einzigen Tag an dieser Entscheidung gezweifelt oder sie bereut. Wie am ersten Tag bzw. wie 5 Jahre zuvor, als wir angefangen hatten mit den Vorbereitungen, sind wir gespannt wie Flitzbogen, was uns die Zukunft wohl bringen wird. Wir leben komfortabler, als wir es uns vorgestellt haben, vermissen fast nichts (nur manchmal die süddeutschen Wurstwaren, Sauerteigbrot machen wir dank Sibylle inzwischen besseres als das zu Hause kaufbare), und unser fahrendes Haus ist uns inzwischen noch stärker ans Herz gewachsen, denn einfach die Türe schließen und wir sind in unserem Heim (my home is my castle) und die große weite Welt bleibt außen vor. Machen wir sie aber morgens auf, haben wir immer wieder einen neuen Garten vor dem Haus, und wir entscheiden jeden Tag selbst, wie dieser aussehen soll. So ein hohes Maß an Selbstbestimmung konnten wir uns nur ansatzweise vorstellen beim Lesen von Reiseberichten anderer Langzeitreisender. Man muss es selbst erlebt haben. Aber jetzt genug geschwärmt. Wir hoffen, dass wir auf unserem bisherigen Reiseabschnitt viele Menschen mit dem Virus infiziert und zum Reisen bzw. Langzeitreisen inspiriert haben.

 

Von Dayna und Devon, unseren aktuellen Nachbarn, haben wir zu unserem Jubi-Tag einen Pfannen-Kuchen mit Honig, Maple-Sirup und Bananen bekommen, den wir bei warmen 23 Grad aber bei leichtem Nebel, am Strand genießen.

Neben der Temperatur des Wasser (ca. 17-18°C) wird uns ein Bad im Mexikanischen Golf vermiest durch das hier im Februar vermehrte Auftreten der Portugiesischen Galeere mit ihren bis zu 50m langen Tentakeln, die mit bis zu tausend Nesselzellen pro cm ausgestattet sind. Die Exemplare hier sind allerdings nicht ganz so riesig. Bei gesunden Menschen verursacht das Gift einen heftigen Schmerz, der nach einer Stunde abklingt und rote Quaddeln hinterlässt. Bei allergisch reagierenden bzw. geschwächten Personen kann das Gift tödlich sein. (Infos von Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Galeere). An unserem Strandabschnitt finden wir eine größere Anzahl der angeschwemmten Tiere und deshalb unterlassen wir auf jeden Fall einen wenn auch nur kurzen Badeausflug. Pinguin Marion: Echt schade! Devon ist mit seinem Paddle-Board in den Wellen unterwegs, und das ebenfalls mal auszuprobieren, wäre sicherlich spaßig!

Dafür gib es abends ein gemütliches Lagerfeuer am einsamen kilometerlangen Strand mit Hotdog- und Marshmellow-Grillen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen JP Luby Beach, Mustang Padre Island, GPS: 27.6213 , -97.199297, viel Platz zum Stehen und gut zu fahren, am Wochenende etwas laut, 12$ Jahres-Permit, alle 3 Tage muss man den Strandabschnitt wechseln, Internet-Empfang, Abfalleimer und WC-Häuschen, sehr empfehlenswert

 

 

Mo. 04.02.19

Morgens um Sieben piepst es laut und regelmäßig, Rückwärtsgang eines Fahrzeugs. Als wir rausschauen, können wir es nicht glauben: Ein Bagger fängt in der Nähe an, den Strand einzuebnen. Bei diesem nervtötenden Gepiepse ist an entspanntes Aufwachen und Dösen nicht mehr zu denken. Heute also ein frühes Frühstück. Da sowieso schon einer Krach macht, stellen wir unseren Moppel/Generator auf und laden die Batterien. Bei dem dichten Nebel die letzten Tage haben die Solarzellen nicht so gut funktioniert.

Wir lassen es ruhig angehen, lesen viel, schreiben an der Homepage, nicht dass wir wieder zu lange hinterher hinken. Marion backt wieder ihr super leckeres Brot. Kleinere Reparaturen stehen auch an, wie z.B. defekte Birnen im Rückscheinwerfer und der Begrenzungsleuchte austauschen. Eigentlich nichts weltbewegendes, aber das rote Blinkerglas weist am Rand 3 Bruchstücke auf und die Begrenzungsleuchte am Dach ist halb voll Wasser und komplett durchgerostet. Mit etwas silbrigem Klebeband (Duck-Tape, die Allzweckwaffe des Reisenden) und viel Reinigung/Trocknung/Entrostung kommt alles wieder ins Lot. Aber diese Fummelei zieht sich immer ewig hin, obwohl man nur schnell mal zwei Birnchen auswechseln will.

Devon lässt sich trotz Portugiesischer Galeere nicht aufhalten und sticht mit seinem Board und Stechpaddel raus in die Wellen. Irgendwann ruft er uns, weil er ganz in Strandnähe eine Delphinschule entdeckt hat. Leider zieht die Schule am Strand entlang weiter und verschwindet relativ schnell wieder außer Sicht.

Aber es gibt ja immer noch ein paar Sand Piper und Möwen zu beobachten und die Hoffnung, dass die Delphine evtl. nochmal zurück kommen.

Der abends aufziehende noch dichtere Nebel bringt soviel Feuchtigkeit mit, dass wir auf ein Lagerfeuer verzichten. Dafür genießen Dayna und Devon zum Abendbrot frisches, noch leicht warmes deutsches Sauerteigbrot und sind total begeistert. Morgen werden wir wohl einen Teil unseres Sam weitervererben, damit die beiden auf ihrer weiteren Reise selbst leckeres Brot backen können.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen JP Luby Beach, Mustang Padre Island, GPS: 27.6213 , -97.199297, viel Platz zum Stehen und gut zu fahren, am Wochenende etwas laut, 12$ Jahres-Permit, alle 3 Tage muss man den Strandabschnitt wechseln, Internet-Empfang, Abfalleimer und WC-Häuschen, sehr empfehlenswert

 

 

Di. 05.02.19

Immer noch neblig. Aber wenigstens einigermaßen warm. Der Bagger ist auch schon unterwegs und hat gleich noch einen Kollegen mitgebracht. Nach dem Frühstück gibt’s heute kein Halten für Marion und sie macht einen ausgedehnten Spaziergang am Strand, natürlich mit Kamera. Allzu viel Interessantes gibt es nicht am Strand. Die Bagger ebnen großflächig ein und weiter nördlich von unserem Standort erstreckt sich noch ein weiterer großer Stellplatz. Direkt am Wasser ein paar Vögel, exotische Quallen und wieder einige Exemplare der Portugiesischen Galeere. Gruselig sehen die aus! Wie Aliens!

Peter will heute gar nicht raus. Wir lesen viel. Und schreiben die letzten Tage an der Homepage. Heute sind wir mal zur Abwechslung ganz aktuell.

Der Wind nimmt zu. Ein Lagerfeuer gibt es somit heute doch nicht. Da wir aber Morgen wieder weiterfahren wollen, laden wir Dayna und Devon heute Abend noch auf ein Gläschen zum Abschied zu uns ein.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen JP Luby Beach, Mustang Padre Island, GPS: 27.6213 , -97.199297, viel Platz zum Stehen und gut zu fahren, am Wochenende etwas laut, 12$ Jahres-Permit, alle 3 Tage muss man den Strandabschnitt wechseln, Internet-Empfang, Abfalleimer und WC-Häuschen, sehr empfehlenswert

 

Hier wieder die Kartenübersicht der 33. und 34. Woche mit den gewählten Stellplätzen:

USA_2019_Feb_1

 

<<< Teil 16: USA - LA / TX

Teil 18: USA - NM  >>>