Do. 01.11.18

Heute und Morgen ist Schlechtwetter gemeldet und wir stehen auch schon in dichtem Nebel, obwohl wir eigentlich oben auf dem Berg sind und nicht im Tal. Macht jedenfalls keinen Sinn, irgendwo hinzufahren, wenn man keine 20m weit sehen kann. Gleich nach dem Frühstück werden also die neuesten Backlinge in den Ofen geschoben. Heute mal mit dem Ansatz: Zweite Gärphase über Nacht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Allerdings werden die Scheiben schmal, da der Teig über Nacht im Topf in die Breite ging.

Sonst steht heute nach über einer Woche mal wieder Bilder sortieren und HP schreiben auf dem Programm und endlich auch mal wieder ein seltenes Mittagsschläfchen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Outlook Low Notch , GPS: 36.435389 , -81.169669, sehr ruhig, empfehlenswert, evtl. in der Saison schwierig

 

Fr. 02.11.18

Wetter heute: Ein bisschen Sicht, komplette Nebelwand, Regen.... Demnach wieder ein geruhsamer Tag in der Mupfel. Nur der „Hund“ (Marion) muss mal raus, ein paar mal mit dem Regenschirm um den Platz, Bewegung und frische Luft. Aber auch der „Bohle“ (fauler moppeliger Kater, Peter) muss wenigstens kurz an die frische Luft.

Zur Belohnung gibt es Pancakes mit frisch gemachtem Apfelmus .....mmmmhh.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Outlook Low Notch , GPS: 36.435389 , -81.169669, sehr ruhig, empfehlenswert, evtl. in der Saison schwierig

 

 

Sa. 03.11.18

Wie vorhergesagt reißt der Himmel auf und wir freuen uns auf einen sonnigen Tag und die Fahrt weiter auf dem BRP durch den Indian Summer.

Aber zuerst geht es nochmal ca 15km nach Norden zurück und runter ins Tal zum Stone Mountain State Park, um dort nach Frischwasser zu fragen. Unsere Tanks dürfen wir kostenlos füllen und werden auch gleich noch 3 Tüten Müll am großen Container los. Wir fahren nicht gleich raus, sondern nehmen die Straße quer durch den Park und genießen die hier noch intensiveren Farben als oben auf dem BRP, wo wegen der Höhe schon die Blätter beginnen zu fallen.

Um wieder auf den BRP zu kommen, müssen wir den State Park umfahren und kommen dabei an einem Country Store vorbei. Machen Pause, vernichten zwei frisch gemachte Cheeseburger und erstehen im Store noch zwei Gläser leckere Marmelade. Die uralte CocaCola-Kühltruhe ist noch voll in Betrieb und enthält unzählig viele verschiedene Getränke, siehe Regal.

Und weiter geht es auf dem BRP von Outlook zu Outlook, wobei wir die Hälfte schon gar nicht mehr anfahren, ändert sich ja nicht viel. Irgendwie schon faszinierend: Fahren auf dem BRP plus Shenandoah NP im Norden plus Great-Smoky-Mountains NP im Süden über 1000km, ohne den Wald zu verlassen bzw. durch Dörfer oder Städte zu kommen und immer oben auf dem Kamm der Appalachen.

Teilstücke des BRPs sind öfters separat ausgewiesene Parks und an solch einem kommen wir bei Meilenstein 294 vorbei, am Moses H. Cone Memorial Park. Flat Top Manor ist als Ausflugsziel sehr beliebt. Cone, ein Großindustrieller, hatte sich hier ein nettes 'Häusle' auf einem wirklich schönen Fleckchen Erde hingestellt – gigantische Aussicht ins Tal. Inzwischen ist die Villa Museum und Souvenir-Laden.

Während Marion Bilder macht, zerlege ich die Armatur und sehe ich nach dem Tacho. Der gibt mal wieder komische Geräusche von sich und ich will sofort nachschauen. Habe nichts spezielles gefunden; habe die Lage der Tachowelle nochmal überprüft und weiter nach unten verlegt. Als wir weiterfahren ist alles wieder OK – nix mehr zu hören.

Gegen Nachmittag beginnen wir wie immer mit der Stellplatzsuche. Es gibt den einen oder anderen versteckten Platz, aber wir haben ja noch Zeit, etwas besseres zu finden. Irgendwann fahren wir raus und versuchen mal unser Glück an einem Wanderparkplatz außerhalb des BRP. Der Platz ist nur über Gravelroad zu erreichen, ist bis auf ein paar Autos ruhig gelegen. Wir steigen auf den nächsten Hügel hoch und warten auf den Sonnenuntergang. Währenddessen kommen die restlichen Wanderer mit ihren Hunden zurück und fahren davon. Als wir alleine sind, geht plötzlich doch noch der Verkehr los. Nach einem Blick auf die Karte sehen wir, dass diese Gravelroad als Promille-Abkürzung vom BRP ins Hinterland genutzt wird von all den Sonntagsausflüglern. Aber irgendwann ist damit auch Schluss. Als wir schon im „Heimkino“ sitzen, kommt noch die Polizei vorbei. Wir machen einen auf Gefechtsverdunklung. Der Beamte läuft einmal mit der Taschenlampe ums Gefährt, lässt uns aber in Ruhe und fährt wieder davon. Ab jetzt ist wirklich Ruhe und wir haben eine erholsame Nacht; sternenklar und saukalt draußen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Wanderparkplatz Holloway Mountain , GPS: 36.139776 , -81.757632, relativ ruhig, eigentlich ein No-Camping-Schild, aber es ist Low Season.

 

 

So. 04.11.18

Heute Morgen haben wir Raureif. Die Nacht war wunderbar klar, gigantischer Sternenhimmel, aber eben schon ganz nett kalt. Daher auch keine nächtlichen Himmelaufnahmen, keiner von uns wollte aus dem warmen Nest.

Kaum mit dem Frühstück fertig, hat die aufziehende Sonne alles Weiße weggetaut und wir können schon wieder die Fenster zum Lüften aufstellen, da es kuschelig warm von draußen kommt. Das wird sicher ein toller Tag und wir freuen uns schon auf den Indian Summer in der Sonne. Der Wechsel von Grün zu den tollen Farben hin bis zum Laubabwurf geht doch relativ schnell voran, alles innerhalb weniger Tage. Wir sehen, zurück auf dem BRP, dass in den Höhenlagen die Bäume deutlich kahler sind als unten im Tal und in Schattenstellen bleibt auch schon das erste Schneegefiesel liegen.

Auf dem weiteren Weg nach Süden kommen wir wieder an unzähligen Outlooks vorbei, sehen von unten schon das Linn Cove Viadukt, über das wir gleich fahren werden, halten aber nicht an, da alle Parkplätze mit Sonntagsausflüglern besetzt sind. Dann kommt die Auffahrt zum Grandfather Mountain, von dem aus man eine noch weitere Sicht ins Landesinnere haben soll; außerdem gibt es dort oben auch ein Visitor-Center mit Museum zur Geologie. 40$ Eintrittspreis, das sparen wir uns. Wir sind ja hier schon auf 1500m Höhe und in große Entfernungen ist die Sicht schon hier trübe. 500m höher ist die Fernsicht sicher nicht besser. Zudem ist Sonntag und auf der Zufahrtsstraße am Eingang ist Stau. Oben am Berg auf den beiden überschaubaren Parkplätzen ist sicher die Hölle los. Wir verzichten. Ein Outlook weniger. Auch die eine oder andere Unterführung sorgt für Spannung und etwas Kopfeinziehen.... wird es reichen ?

Bei Meilenstein 316 kommen wir an den Linville Falls vorbei. Der Trail ist sehr moderat und genau das richtige für einen kleinen Sonntagsnachmittagsausflug in den Wald. Am Ende des Trails ein super Blick von oben auf den Wasserfall und die Schlucht.

Einige Kilometer weiter haben wir einen tollen Blick zurück auf die Berglandschaft mit Grandfather Mountain als höchste Erhebung mitten drin. Gegen Nachmittag suchen wir schon mal mögliche Übernachtungsziele im Navi und markieren sie. Vielleicht finden wir wieder einen Stellplatz etwas weg von der Straße an einem nicht so einsehbaren Outlook. Wir kommen in der Nähe von Marion und Little Switzerland wieder zu einem Kopfeinziehtunnel, aber alles passt. Ein paar Kilometer weiter, kurz vor dem ersten der möglichen Übernachtungsplätze, ist der BRP plötzlich gesperrt und damit auch die Weiterfahrt bis nach Asheville. Wir werden über eine Serpentinen-Straße ins Tal umgeleitet. Der Abstieg durch die Wälder ist wirklich toll, die Sonne scheint voll in die Blätter und lässt sie leuchten.

Bisher haben wir hier im Tal noch keinen möglichen Platz gefunden, obwohl es am See sicher schöne Plätze geben würde. Wir fahren noch bei einer Recreation area vorbei: Overnight-Parking verboten. Also weiter Richtung Asheville. Vor Asheville kreuzen wir wieder den BRP und steuern das naheliegende Folk Art Center inkl. Visitor-Center an. Dort erfahren wir, dass der BRP von hier Richtung Norden auch nur noch 18 Meilen befahrbar ist, da ein großer Tunnel gesperrt wurde, in dem sich in der letzten kalten Nacht schon gefährliches Eis gebildet hat. Mist. Somit sind auch von Süden her die meisten ausgesuchten Plätze nicht mehr erreichbar. Außerdem kommen wir nicht am höchsten Punkt der Strecke, dem Mount Mitchell mit 6684 feet (=2194m) vorbei. Obwohl die Dämmerung schon einsetzt, fahren wir trotzdem noch die ca. 30km nach Norden und bis auf über 1500m Höhe hoch. Leider sind die Outlooks und auch die Parkplätze in den Graggy Gardens (Rhododendron-Gärten) zu klein, schlecht zu stehen oder mit No-Camping-Schildern verziert. Erst ganz oben, aber leider genau 1km vor unserem letzten möglichen Ziel, kommt die Sperre. Hier ist ein sehr großer Outlook sogar mit Visitor-Center, und eigentlich erwarten wir hier auch keine Störung mehr, aber der Wind pfeift schon so stark und die Wolken ziehen sehr tief vorbei, dass wir vor lauter Geschaukel wahrscheinlich kein Auge zu machen bzw. evtl. Morgen früh Schnee auf dem Dach haben werden. Schade. Wir entscheiden, die 30km wieder runter zum Folk Art Center zu fahren und dort auf dem großen Parkplatz einzuparken. Als wir ankommen hat das Center schon zu und wir haben unsere Ruhe. Es kommt auch niemand mehr zum Kontrollieren vorbei. Wahrscheinlich funktioniert das in der High Season so nicht, aber jetzt im November ist das eher entspannt.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Folk Art Center , GPS: 35.592184 , -82.480696, sehr ruhig, keine Schilder, empfehlenswert, in der High Season evtl. Kontrolle durch Ranger

 

Mo. 05.11.18

Nach einer sehr ruhigen Nacht sind wir morgens von den milden Temperaturen überrascht. Nach dem angekündigten Schlechtwetter sind wir extra vom Berg heruntergefahren, haben dort oben schon mit Schnee gerechnet.

Nach dem Frühstück geht Marion ins Visitor-Center rüber und kauft als Andenken noch einen BRP-Sticker für die Haustüre. Danach fahren wir nach Asheville rein, um in einer Coin-Laundry (Münzwäscherei) zu waschen. Es hat sich wieder einiges angesammelt. Anschließend auf dem Weg zu einem möglichen Stellplatz nördlich von Asheville an einem Fluss, wollen wir noch die Tanks mit billigem Diesel (2,999$/gal) füllen. Als wir zur Tanke kommen, erfahren wir, dass die einzige Dieselsäule kaputt ist. Also weiter zum Stellplatz.

Eine Abfahrt weiter auf dem Hwy sehen wir das Schild für das National Forest Visitor-Center & Office. Die Gelegenheit – hier wollen wir uns doch gleich mal informieren, wie es mit frei campen in National Forests nun denn so genau funktioniert. Volltreffer. Der Ranger an der Theke drückt uns gleich eine Kopie des südlich gelegenen Pisgah NF und eine größere Übersichtskarte in die Hand. Auf der Kopie sind über 30 free campsites, also kostenlos, eingezeichnet. Es gibt für normale Camper aber auch noch kostenpflichtige Campgrounds mit Facilities/Ausstattung, was wir ja so nicht brauchen. Somit ist die Entscheidung gefallen. Wegen der am Wochenende stattfindenden Overlander-Expo, südlich nahe Hendersonville, sind wir sowieso nicht so begeistert von dem so weit im Norden liegenden Stellplatz. Also Navi umprogrammiert und nach Süden in den Pisgah NF.

Unterwegs kommen wir nach erneutem Suchen im Gasbuddy doch noch an einer günstigen Tanke (3,009$/gal =0,70€/l) vorbei und haben für 300$ die Tanks wieder randvoll gemacht. Das ganze bergauf/bergab in den Appalachen hat den Schnitt etwas versaut, da wir fast 3L Diesel pro 100km mehr verbraucht haben als bisher. Aber bei diesem Preis ist das nicht ganz so schmerzhaft.

Jetzt geht es zurück auf den BRP, der hier nicht ganz so hoch liegt und daher die Bäume noch in voller Pracht stehen. Mit der Karte vom NF-Office und Navi finden wir den nicht ausgeschilderten Waldweg, der zu den campsites mitten im Wald führt.

Den Waldweg entlang, noch 6km den Berg runter, bis wir zu den ersten free campsites kommen. Diese sind gekennzeichnet, braune Schilder mit Zelt und Nummer; genügend Platz zum Parken, zum Zelten und eine Feuerstelle gibt es auch. Außer dem vorbeifließenden Bächlein gibt es sonst nichts. Natürlich muss aller Müll, wie überall, wieder mit nach Hause – carry in, carry out. Ausnahme ist human waste: Loch buddeln und mindestens 15cm tief unter die Erde.

Wir nehmen die Nummer WC(Wash Creek) 7-8, da dieser Platz der größte ist und viel Licht von oben bietet.

Der NF ist beliebt bei Mountainbike-Fahrern. Noch bis Einbruch der Dunkelheit radeln einige vorbei, grüßen und machen noch schnell ein Bild von unserem Moppel.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen im Pisgah National Forest, WC (Wash Creek) #7-8, GPS: 35.432034 , -82.656423, sehr ruhig, sehr empfehlenswert, über 30 free campsites in diesem NF, first come - first serve, in der Nebensaison kein Problem

 

 

Di. 06.11.18

Heute ist neben Lese-und Chilltag auch mal wieder Backtag. Außer den beiden Sauerteigbroten kommt auch gleich noch ein süßer Hefezopf, mit Mandelstiften gespickt, in den Ofen.

Morgens regnet es noch ein bisschen, aber gegen 15 Uhr am Nachmittag scheint wieder die Sonne und während unseres Waldspaziergangs ist es überraschend warm.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen im Pisgah National Forest, WC (Wash Creek) #7-8, GPS: 35.432034 , -82.656423, sehr ruhig, sehr empfehlenswert, über 30 free campsites in diesem NF, first come - first serve, in der Nebensaison kein Problem

 

 

Mi. 07.11.18

Kaum scheint die Sonne durch die schon fast wieder kahlen Bäume, wird die Luft auch hier mitten im Pisgah NF warm. Wir machen uns gleich nach dem Frühstück abfahrbereit, da wir den Pisgah NF einmal durchqueren wollen, um zum einen den Großteil der free campsites in Augenschein zu nehmen, und zum anderen das Ende des Indian Summers zu genießen. Seit gestern schneit es unentwegt nicht Schneeflocken, sondern bunte Blätter und die Bäume werden immer kahler.

Die Strecke ist eine löcherige Gravelroad, geht bergauf und bergab durch den Wald.

Auf halber Strecke hören wir verdächtige Schläge, und zwar irgendwo hinter mir/P auf der Fahrerseite, aber ich kann es noch nicht genau lokalisieren. Heute morgen hat sich schon eine LED-Lampe am Dachgepäckträger selbständig gemacht, diese ist aber gesichert und daher nicht für den Krach verantwortlich.

Der Krach lässt nicht nach. Hilft nichts - anhalten und genauer nachsehen. Ein Träger des Dachgepäckträgers hat ein Stück der Dachrinne durchbrochen und auch ein kleines Loch ins Dach gerissen. Ich will jetzt gar nicht tief ins Detail gehen, aber nach 2,5h Bastelei und einigem herzhaften Fluchen haben wir eine Bypasslösung gefunden und das Loch zusätzlich mit Dichtmasse verschlossen und somit gegen Wasser geschützt. Sobald wir wieder in die Zivilisation zurückkehren, werden wir nach Metall-U-schienen suchen und damit die Dachrinnen entlasten bzw. verstärken, damit dies nicht nochmal vorkommt. Wenigstens ist während der Reparatur gutes Wetter. Und eine praktische 'Werkbank' gibt es auch – auf dem Felsen können wir gut hämmern und biegen. Nur der Schraubstock fehlt; da muss Marion für herhalten: Sie klettert auf den Felsen und steht auf die zu sägenden Teile; um einen besseren Stand zu haben bückt sie sich nach vorne. „Auch ein schöner 'Rücken' kann entzücken.“ Schade, dass wir hiervon kein Foto haben! Und für Peter's „sprich mich jetzt nicht an – Denkpause“ dient der Brocken auch.

So kommen wir etwas verspätet beim Walmart an und machen dort mit Internet-Empfang zuerst mal eine Skype-Session mit meiner Schwester, die heute Geburtstag hat.

Nach dem Einkaufen fahren wir wieder zurück in den südlichen Teil des Pisgah NF und parken beim AC (Ashley Creek) Horse Camp ein, das bis auf einen weiteren Camper leer ist. Die ersten 6 Campsites sind für heute Nacht schon belegt, aber wir haben ja von heute Mittag gewusst, dass es noch einige freie hat. Kurz noch eine erfrischende Außendusche und dann eigentlich ein Feierabendbier. Kaum fertig geduscht, meldet Marion, dass kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt. Der Fehler ist schnell gefunden: Sicherung durchgebrannt. Warum ist nicht ersichtlich. Die Ersatzsicherungen sind natürlich hinten in einer der 8 Staukisten. Also wieder raus mit der Halogenlampe und nach etwas Suchen sind sie auch gefunden und ausgetauscht. Jetzt läuft wieder alles und der Feierabend kann endlich kommen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen im Pisgah National Forest, AC (Ashley Creek) Horse Camp , GPS: 35.3084 , -82.745024, sehr ruhig, sehr empfehlenswert, über 30 free campsites in diesem NF, first come - first serve, in der Nebensaison kein Problem

 

Do. 08.11.18

Kaum ist die Sonne raus, pfeifen schon die ersten Vögel, wie dieser Kardinal, und Marion noch im Nachthemd ist auch schon zu Scherzen aufgelegt.

Als wir auf der Overland-Expo ankommen ist schon Einiges los, und nach dem Einlass werden wir dummerweise, wie sich später herausstellt, auf die untere Campingwiese eingewiesen. Diese ist noch recht feucht und für uns Dicke kritisch, aber wenn man langsam und kontinuierlich fährt machbar ohne stecken zu bleiben. Warum auch immer stockt plötzlich der Tross und wir stehen gerade in einer Mulde. Ein paar Meter weiter rechts von uns, etwas höher gelegen, ist der Weg deutlich besser und trockener. Und so kommt es wie es kommen muss: Da wir etwas hecklastig sind, graben wir uns beim Anfahren sofort tief ein. Also Spaten und Sandbleche raus. Zwei Helfer sind mit ihren Jeeps auch gleich da. Mit vereinten Kräften legen wir diverse Bleche aus und mit Unterstützung der Seilwinde inkl. Umlenkrolle hoffen wir, dass wir wieder aus dem Loch kommen. Funktioniert leider nur meterweise. Kaum halb raus, gibt der weiche Untergrund schon wieder nach. Der nach uns kommende Verkehr wird inzwischen problemlos über die gute Strecke oberhalb von uns durchgeleitet. Zu allem Übel fängt es noch an zu regnen, was alles noch rutschiger und matschiger macht.

Die erfolgreiche Rettung naht mit AJ und seinem 6x6-Militärtruck. Da ich, in weiser Voraussicht, die superstabilen Abschleppbänder und dicke Schäkel dabei habe, nimmt er mich in Schlepp und ohne Probleme erreichen wir den finalen Stellplatz. Die von uns durchgeackerte Stelle sieht schlimm aus.

Zu allem Überfluss soll es am Wochenende noch kräftig regnen – na super. Wie sollen wir da bloß wieder rauskommen? Wir bauen auf AJ.

Neben AJs Truck sehen wir richtig schnuckelig aus. Weiter unten parken noch Harriet und Oli aus Berlin ein mit ihrem Woelke-Zebra-Aufbau auf Basis eines Fusos.

Nach der ganzen Aufregung machen wir einen ersten Rundgang übers Gelände. Die meisten Fahrzeuge sind Jeeps mit entsprechenden Aufbauten oder absetzbaren Kabinen für Pickups. Großgeräte sind nur wenige da und nur ein Aussteller. Gerade als wir unseren Stellplatz erreichen, kommen zwei ältere Fulltime-Reisende aus der Nähe von Seattle bei uns vorbei. Rob und Nina sind mit ihrem knallgelben Whiteacorn-Unimog auch schon um die ganze Welt gereist und haben uns sofort eingeladen, bei Ihnen in Seattle einen längeren Stopp einzulegen, wenn wir nächsten Herbst wieder von Alaska in den Süden fahren.

Eigentlich wollen wir Harriet und Oli auf ein Feierabendbier besuchen, aber plötzlich ist es Nacht, wird kalt und beginnt dauerhaft zu regnen. Wir bleiben zuhause. Sind mal gespannt, wie sich das Ganze hier bei dem angekündigten Mistwetter morgen entwickelt.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen auf Overland Expo 2018 East, REEB Ranch - 315 Shoals Falls Rd, Hendersonville

 

 

Fr. 09.11.18

Mit kleinen Pausen regnet es nahezu ohne Unterlass und der Fahrweg, der morgens noch einigermaßen befahrbar aussieht, verwandelt sich tagsüber in eine immer tiefer werdende Schlammspur, wird nach jedem durchkommenden Fahrzeug schlimmer. Das kann ja lustig werden mit dem Rausfahren.

Ich/P mache einen kleinen Rundgang durchs Ausstellergelände. Auch dort ist es fast unmöglich, zu den Ständen durchzukommen, da hier schon unzählige Füße das ganze Areal in eine matschige, rutschige Schlammwüste verwandelt haben. Und saukalt ist es obendrein. Also wieder zurück in den warmen Moppel.

Am Abend machen wir uns dann doch noch auf, mit einer Flasche Wein bewaffnet, zu Harriet und Oli sowie deren 4 kanadischen Freunden. Die Kanadier haben eine Stahlpfanne mit Lavasteinen, die an eine Gasflasche angeschlossen wird, und in 0,nix hat man ein schönes, wärmendes Lagerfeuer. So sitzen wir warm eingepackt am Feuer und erzählen Reisegeschichten. Unter neuen Gesichtern gibt es ja immer viel zu erzählen. Irgendwann gegen 11 ist es dann aber doch zu kalt und wir 'matschieren' wieder nach Hause.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen auf Overland Expo 2018 East, REEB Ranch - 315 Shoals Falls Rd, Hendersonville

 

 

Sa. 10.11.18

Heute Nacht hat es endlich aufgehört zu regnen, und nach dem Frühstück kommt die Sonne raus. Aber es ist noch richtig knackig draußen. Unsere Heizung läuft auf Hochtouren und wir beneiden die Nachbarn nicht, die aus ihren nassen Dachzelten oder Bodenzelten kriechen und versuchen mit heißem Kaffee oder Tee, etwas Leben in die Glieder zu bekommen.

Als die Sonne auf Mittag hin etwas mehr Kraft entwickelt, machen wir gemeinsam nochmal einen Rundgang und hören uns den einen oder anderen Vortrag bzw. Expertenrunde zu bestimmten Gebieten an, durch die wir noch reisen wollen.

Der Wind wird den ganzen Morgen über immer stärker und pfeift irgendwann so übers Gelände, dass die Sonne keine Chance mehr hat und es richtig, richtig kalt ist. Schlotter.

An den Ständen gibt es nicht wirklich viel Neues und, wenn interessant, dann doch recht teuer, so dass keine Lust aufkommt, etwas zu kaufen. Wir schauen uns noch das eine oder andere größere Fahrzeug an, besuchen noch Rob & Nina – die beiden sind aber leider unterwegs – und stapfen wieder zurück.

AJ ist inzwischen auch schon draußen. Wir überlegen, wie wir wieder rauskommen. Er hat Bedenken, dass er mich durch die engen Gassen mit genügend Power ziehen kann. Die Kurven und Fahrwege sind doch recht eng und er möchte natürlich selbst auch nicht stecken bleiben. Gestern hat AJ allerdings schon 2 Caterpillars/Raupen gesehen. Gemeinsam machen wir uns auf die Suche nach einem Verantwortlichen oder einem Fahrer, um abzuklären, ob er uns helfen kann.

Wir klären kurz mit dem Fahrer die Situation und auf die Frage, ob er Zeit hat, meint er, in 15 min kann er mit der größeren Raupe vorbeikommen.

Da uns eigentlich bei dem kalten Wetter und dem Matsch hier nichts hält, aufregende Vorträge gibt es laut Programm auch keine mehr, stimme ich zu und kehre zu Marion zurück, um alles abfahrbereit zu machen.

Wir nehmen nur ein Abschleppband auf die Hälfte (4m), somit ist der Abbiegeradius sehr klein. Die Raupe voran, unser Dicker im Schlepptau. Die einzige kritische Kurve meistern wir mit etwas Rutschen problemlos, und 10min später sind wir wieder auf festem Grund auf der Straße. Marion stapft hinterher, in den Spurrillen im Matsch, und macht die Fotos. Bloß nicht ausrutschen! Alles noch verpacken, ein Trinkgeld für den Fahrer und raus auf die Straße, alles nochmal richtig vertäuen, damit wir auf den nächsten Kilometern nichts verlieren. Wir verabschieden uns noch schnell von AJ, bedanken uns nochmal für seine Hilfe am Donnerstag. Leider stehen wir etwas im Weg und müssen wegfahren, deshalb können wir uns nicht mehr von Harriet und Oli und deren kanadischen Freunden verabschieden. Holen wir aber dann per Email nach und hoffen, die beiden auf unserem Weg Richtung Florida nochmal zu treffen.

Beim Rausfahren blicken wir nochmal zurück auf's volle Gelände und kommen am noch sehr jungfräulich aussehenden Testgelände vorbei. Eigentlich sollten die Instruktoren ihre Kurse auf dem Campinggelände durchführen, das wäre eine Herausforderung und nicht hier oben, am trockenen Hang.

In MapsMe suchen wir eine Autowaschanlage und werden auch gleich in der Nähe fündig. Hier ist auch ein Platz für größere Fahrzeuge und so können wir mit ein paar Dollar unsere verschlammten Sandbleche und das Fahrzeug wieder auf Hochglanz bringen.

Jetzt nur noch zurück in den Wald zu unserem free campsite im Pisgah NF und Feierabend machen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen im Pisgah National Forest, AC (Ashley Creek) Horse Camp , GPS: 35.3084 , -82.745024, sehr ruhig, sehr empfehlenswert, über 30 free campsites in diesem NF, first come - first serve, in der Nachsaison kein Problem

 

 

So. 11.11.18

Heute ist nochmal schönes Wetter angesagt und ab Montag kommt dann eine größere Schlechtwetterfront von Westen rüber. Deshalb starten wir heute Richtung Great Smoky Mountains NP.

Zuerst müssen wir einige Kilometer durch den Pisgah NF hoch auf den BRP, dessen südliches Ende gleichzeitig der Eingang in den Great Smoky Mountains NP ist. Schöne Strecke, immer entlang eines größeren Baches, der ab und zu über kleine Wasserfälle nach unten stürzt.

Oben angekommen, müssen wir leider feststellen, dass auf Grund des schlechten Wetters die letzten Tage und dem Temperatursturz, der BRP geschlossen wurde. Wir fahren also auf der Nordseite gleich wieder ins Tal hinunter, vorbei an Eiszapfen und gefrorenen kleinen Wasserfällen. Da die Nordseite von der Sonne verschont wird, bleiben diese Eisformationen ab jetzt den Winter über und werden sicherlich mächtiger.

Spätnachmittags erreichen wir endlich das Tor zum Great Smoky Mountains NP. Bereits nach wenigen Kilometern kommen wir an einer großen Wiese mit hunderten von Schaulustigen vorbei. Die Parkranger haben eine Spur gesperrt und regeln den Verkehr. Jeden Tag, gegen Abend hin, kommt eine große Herde Elks zum Fressen auf diese Wiese und sind damit natürlich ein Hingucker. Die Tiere wissen, dass ihnen nichts passiert; lassen sich durch die Menschen nicht stören, und manchmal ist man sich nicht sicher wer hier wen beobachtet. (Elks sind Rotwild, Hirsche, keine Elche=Moose.)

Wir verlassen das Tal mit der Elkwiese und schrauben uns immer weiter die Smokies hoch. Auch die Outlooks hier bieten tolle Ausblicke auf die umgebenden Hügelketten, die in diesem vielschichtigen Grau-Dunst liegen, der letztlich zum Namen Great Smoky Mountains geführt hat.

Ungefähr in der Mitte des Parks biegen wir nach links ab, auf die One-way-Zufahrtsstraße zum Clingmans Dome, dem höchsten Punkt im NP. Auch hier sind die Wasserrinnsale auf der sonnenabgewandten Seite schon dauerhaft gefroren und natürlich ein ideales Fotomotiv.

Nach vielen Serpentinen kommen wir oben auf einem riesigen Parkplatz an, und zu unserer Überraschung ist dieser rammelvoll, obwohl es bereits relativ spät ist. Alle stehen mit Kameras am Rande des Abgrunds und versuchen, die grauen Hügelketten im Bild einzufangen. Die Bilder geben die wirkliche Vielfalt der „Fifty Shades of Grey“ nicht wider. In Natura, mit den eigenen Augen, sieht es viel beeindruckender aus.

Die Straße zum Clingmans Dome wird ab Dezember bis ins Frühjahr geschlossen. Wir haben Glück und können einen der letzten schönen Tage hier oben genießen.

Bevor es ganz dunkel wird, fahren wir wieder runter und Richtung Gatlinburg, dem nördlichen Ausgang des NP. Wir wissen noch nicht genau, wo wir übernachten werden und wollen eigentlich noch Wasser bunkern, deshalb fahren wir zuerst das Sugarland Visitor-Center an, das noch innerhalb des NPs liegt. Leider schon geschlossen. Auf dem RV/Bus-Parkplatz sehen wir noch zwei andere Camper stehen. Kurzentschlossen stellen wir uns daneben. Hoffen, dass uns nicht noch ein Ranger vertreibt. Ruckzuck ist es Nacht, wir verdunkeln unsere Fenster und gehen irgendwann ins Bett. Keinerlei Besuch, haben eine ruhige Nacht.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Sugarlands Visitorcenter Great Smoky Mountain NP , GPS:35.685464 , -83.538074, sehr ruhig, sehr empfehlenswert, in low season kein problem, in high season wahrscheinlich weil innerhalb Nationalpark nicht erlaubt

 

 

Mo. 12.11.18

Mitten in der Nacht fängt es zu schütten an. Wir fragen im Visitor-Center nach, wo genau die Wassertankstelle ist und erfahren, dass die Dumpstation inkl. Frischwasser schon geschlossen hat. Nur der Campingplatz im Süden hat noch Frischwasser zur Verfügung, also dort, wo wir gestern die Elks gesehen haben. Schade.

Also fahren wir nach Gatlinburg rein und direkt zum etwas außerhalb liegenden Community center. Hier können wir für 2$/Person das öffentliche Schwimmbad nutzen. Es ist fast nichts los, so dass wir in Ruhe schwimmen und anschließend lange ausgiebig und heiß duschen können. Genau das Richtige bei diesem nasskalten Schmuddelwetter.

Jetzt kann es nach Nordwesten Richtung Nashville gehen. Das nächste Städtchen nach Gatlinburg, praktisch zusammengewachsen, ist Sevierville, die Heimatstadt von Dolly Parton.

Die ganze Strecke von Gatlinburg nach Sevierville ist eine riesige Vergnügungsmeile, Dollywood. Aber bei diesem Mistwetter ist natürlich 'fast' nichts los – für amerikanische Verhältnisse jedenfalls. Im Sommer kommen die Wanderer bzw. diejenigen, die aus der Hitze im Süden flüchten und im Winter fallen die Skifahrer in die Skigebiete ringsherum ein. Aber der Rummel ist sowieso nichts für uns. Wir machen noch ein paar kleine Einkäufe im Supermarkt und fahren schnell weiter.

Abends, schon bei Dämmerlicht, kommen wir am Falling Water River, auf einer provisorischen Bootsrampe. Die Abfahrt durch den Wald ist sehr steil und dank einer alten löchrigen Teerschicht einigermaßen befahrbar. An der stark abfallenden Böschung Richtung Wasser haben starke Regenfälle tiefe Längsrillen ausgespült, so dass beim Überqueren das Mobil mal wieder stark verschränkt. Auch wenn Marion immer damit rechnet, sind wir nicht umgefallen, müssen aber auf die Stützen fahren, um einigermaßen schlafen zu können.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Falling Water River near Burgess Falls State Park , GPS: 36.032502 , -85.62181, sehr ruhig, empfehlenswert, sehr steile An-/Abfahrt, etwas schräge Plätze und tiefe ausgewaschene Längsrillen Richtung River, bei Schlechtwetter evtl. Allrad notwendig

 

Di. 13.11.18

Trotz leichter Schräglage haben wir sehr gut geschlafen, vor allem da es sehr, sehr ruhig war und uns niemand gestört hat. Mit Geländeuntersetzung und im 2. Gang ist es kein Problem aus dem etwas losen Schotter und durch die Querrillen zu kommen, auch wenn der Container, was man auf den Bildern nicht sieht, doch reichlich schwankt bis wir auf ebener Straße sind.

Der Stellplatz liegt außerhalb des Burgess Falls State Parks, Day-use-only – nur tagsüber zur Besichtigung, kein Overnight-parking. Trotz der etwas kühlen Witterung machen wir den kurzen Trail vorbei an den unterschiedlichen Wasserstufen bis nach hinten zum Outlook der höchsten Fallstufe. Das Wasser hat sich hier, wie in anderen Schluchten, Jahrtausende durchs Gestein gefressen und lässt damit einen Blick auf die unterschiedlichen Schichten zu, die Jahrmillionen zur Ablagerung und Versteinerung gebraucht haben.

Nach diesem erfrischenden Morgenspaziergang, den Park hatten wir komplett für uns alleine, fahren wir weiter Richtung Nashville und zwar nicht auf dem Highway, sondern wir nehmen die gemütlichere, dafür kurvenreiche Tour durch das Hinterland von Tennessee. Wir fahren viele Kilometer oben auf dem Hügelkamm, rechts und links tiefe, bewaldete Schluchten und nur hin und wieder Farmen. Auch durch das eine oder andere Städtchen kommen wir, bevor wir kurz vor Nashville in Lebanon eine Mittagspause im Burger King machen. Okay – wir sind jetzt eindeutig im Südstaaten-Hinterland unterwegs – wir verstehen fast kein Wort mehr, müssen uns als Ausländer zu erkennen geben, damit langsamer und deutlicher mit uns gesprochen wird. Yeeaahhh !

In Nashville gibt es zwei bekannte Stellplätze, die gut zum Übernachten sind, wobei wir den Platz direkt am Nissan Stadium wählen, der Homebase der Tennessee Titans (NFL). Von hier aus ist es nur ein kurzer Fußmarsch über die Fußgängerbrücke zum unteren Ende des Broadway in Downtown Nashville, wo sich die unzähligen Musikkneipen aneinander reihen. Die Skyline von Nashville ist überschaubar, Downtown ist hauptsächlich geprägt von älteren Ziegelsteinbauten.

Kaum über die Brücke, von der wir einen schönen Überblick haben, stehen wir vor dem Johnny Cash-Museum. Gehen wir natürlich rein. Draußen ist es richtig kalt, und da der Eintritt mit 25,95$/Person nicht gerade wenig ist, nehmen wir uns viel Zeit, um die ausgestellten Exponate und Erklärungen genau zu studieren. Alle paar Meter sind Kopfhörer verfügbar, die bieten einiges an Musikstücken im jeweiligen zeitlichen Kontext. Johnny Cash kennt wohl jeder, aber wenn man mal zwei Stunden Zeit investiert und das aufbereitete Material präsentiert bekommt, so ist diese Karriere schon sehr beeindruckend, nicht nur wegen der unzähligen LPs und Singles bzw. Goldenen-/Platin-Scheiben und x Preisen, sondern auch wegen seines Einflusses durch die Jahrzehnte auf die unterschiedlichsten Musiker, die seine Songs in ihr Repertoire aufgenommen haben bzw. durch seinen Stil inspiriert wurden. Tolles Museum.

Raus aus dem Museum ist es bereits dunkel und wir marschieren tapfer mit hochgezogenem Kragen bzw. warmer Zipfelmütze auf dem Kopf durch Downtown. Musikkneipe an Musikkneipe und alle haben Live-Musik im Angebot, zum Teil auf 3 Stockwerken mit unterschiedlichen Gruppen. Hier begannen und werden weiterhin Karrieren beginnen und natürlich auch viele Träume sterben. Wir bleiben immer kurz vor den Kneipen stehen, ignorieren die Wärme versprechenden Angebote der Türsteher, und hören zu, welcher Sound durch die halboffene Tür nach außen dringt.

Natürlich gibt es in DER Country-Stadt schlechthin auch viele Geschäfte, voll mit Cowboy-Stiefeln und entsprechenden Hüten. Sonderangebote wie 'Kaufe ein Paar und bekomme 2 Paar geschenkt', lassen uns fast in Versuchung kommen, uns auch einzudecken. Aber, bis wir die Stiefel mit standesgemäßen Motorrädern ausfahren können, dauert es einfach zu lange, deshalb bleiben wir draußen, kaufen uns vorerst noch keine (Es gibt aber wirklich tolle Stiefelchen, und dann noch der passende Cowboy- bzw. Cowgirl-Hut dazu – Sieht bestimmt cool aus!).

Irgendwann wird es uns dann doch zu kalt und wir gehen ins Nudies Honky Tonk, mit seiner langen Bar, dem Cadillac an der Wand und einer Band, die einen super Sound macht, der uns reinlockt. Das kleine Fläschchen Bier zu 6$ ist zwar happig, aber dafür zahlt man keinen Eintritt und kann im Warmen tolle Musik hören. Zu dem Cadillac und dem Namen der Kneipe gibt es eine Story, die wir aber selbst erst am nächsten Tag in der Country Musik Hall of Fame kennenlernen.

Irgendwann ist das Bier leer und wir sind etwas müde von der Fahrerei und der Marschierei. Zurück über die Brücke Ausblick auf das erleuchtete Stadium bzw. die Skyline von Nashville.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Nissan Stadion, Nashville , GPS: 36.164903 , -86.772967, sehr ruhig, sehr empfehlenswert; man muss den Eventschedule des Stadions beachten, da sonst dort das Parken nicht möglich ist; 5 min zum Broadway Downtown Nashville über Fußgängerbrücke

 

 

Mi. 14.11.18

Gottseidank haben wir eine super Gasheizung und daher schön mockelig warm. Irgendwie wollen wir noch nicht los, aber Marion checkt die Wettervorhersage und wir müssen ab Mittag mit anhaltenden Regenfällen für den Rest des Tages rechnen. Also machen wir uns auf den Weg zur Country Musik Hall of Fame. Gegenüber des Museums finden die letzten Vorbereitungen für das heute Abend stattfindende Mega-Event „Verleihung des Country-Musik-Awards 2018“ statt. Leider kosten die Karten auf den hintersten Rängen 250$ aufwärts und sind daher out of range. Vielleicht ist das Wetter heute Abend nicht ganz so schlimm, dann können wir evtl. den einen oder anderen Star über den roten Teppich wandeln sehen. Jetzt geht es aber erst mal ins warme Museum.

Das Museum ist auf 3 Ebenen angelegt und man startet mit dem Audio-Führer ganz oben mit der Geschichte der Country-Musik. Aber zuerst besuchen wir die Sonderausstellung zum Lebenswerk von Emmylou Harris mit einigen Exponanten und einem Interview bzw. Filmbericht über ihr Leben.

Weiter geht es danach durch die musikalische Entwicklungsgeschichte von einfacher ländlicher Hausmusik

über die wilden 50/60iger Jahre (Webb Pierce, Elvis Presley...), Gitarrenvirtuosen wie Chet Atkins, Urgesteinen wie Willie Nelson, bis zum heutigen Country-Stil, der im Musik-Mainstream angekommen ist z.B. Shania Twain, Taylor Swift oder Keith Urban.

Viele Wände u.a. zwischen den Stockwerk-Ebenen sind gepflastert mit Goldenen und Platin-Schallplatten der unzähligen Interpreten. Im zweiten Stock wird auf die Vermarktung und die Medien eingegangen und welchen Einfluss dies auf die Ausrichtung bzw. umgekehrt auf die Country-Musik hatte. Die damaligen Tonstudios waren doch recht schnuckelig und trotzdem wurden darin Welthits produziert.

Zu guter Letzt kommt man natürlich in die eigentliche Hall of Fame, in der jeder ausgezeichnete Interpret mit einer Messingtafel und Würdigung seiner Verdienste aufgehängt ist. Die Tafeln sind wahllos verteilt, damit keinerlei Hierarchie oder Bevorzugung entsteht.

Für alle Interessierten haben wir hier mal die für uns Bekanntesten abgelichtet.

Als wir wieder aus dem Museum raus sind, schüttet es aber sowasvon. Wir kommen triefnass nach Hause und leider lässt der Regen nicht nach, im Gegenteil, wird gegen Abend noch stärker, und zusätzlich noch heftiger kalter Wind. Da mag kein Hund und keine Katz vor die Tür, und damit stirbt auch das Vorhaben, Stars auf dem roten Teppich zu bewundern. Schade aber auch! Da ist man gerade zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz und dann solch ein Mistwetter.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Nissan Stadion, Nashville , GPS: 36.164903 , -86.772967, sehr ruhig, sehr empfehlenswert, man muss den Eventschedule des Stadions beachten, da sonst dort das Parken nicht möglich ist; 5 min zum Broadway Downtown Nashville über Fußgängerbrücke

 

 

Do. 15.11.18

Der Regen hat heute Morgen endlich aufgehört, dafür ist es ganz nett knackig kalt. Was soll man bei solchem Wetter machen? Man sucht sich im Internet das nächstgelegene Community center (davon gibt es im Stadtkreis von Nashville einige), und zwar eines mit öffentlichem Schwimmbad. In Nashville sind diese Schwimmbäder sogar kostenlos. Wir freuen uns schon darauf, im warmen Wasser einige Bahnen zu ziehen und anschließend lange unter der heißen Dusche zu stehen. Bei den Temperaturen hat die Außendusche definitiv geschlossen.

Wir haben uns zwei verschiedene Center ausgesucht, wobei wir schlussendlich beim Zweiten gelandet sind, da dieses größer und eine 25m-Bahn hat.

Frisch gebadet steuern wir gleich noch eine Coin-Laundry/Münzwäscherei im Süden von Nashville an, und welches Glück, daneben ist auch noch eine Filiale von Pizza Papa John. Da gibt es heute die Large-Version mit 2 Toppings für 10$. Die reicht für zweimal Pizza-essen. Und lecker ist sie auch.

Ein etwas trüber Tag, aber trotzdem interessant, durchs Tennessee-Hinterland nach Lynchburg zu fahren.

Unser nächstes Ziel ist nämlich die Jack Daniels Distillery, sozusagen direkt an der Quelle vorbeifahren. Wir kommen um 16:27 Uhr auf dem Parkplatz an und gerade fährt der Shuttlebus zum Visitor-Center an uns vorbei. Er hält an und nimmt uns gleich mit. Normalerweise startet die letzte Führung um 16:30h. Als wir ankommen, ist die Reception schon am zusammenpacken, aber wir haben Glück und bekommen noch auf die schnelle 2 Tickets für die Angel-Share-Tour. Die ist zwar mit 25$ teurer als die von uns ursprünglich geplante, aber dafür werden wir mit einem anderen Shuttle zur schon gestarteten Tour gebracht und haben dadurch fast nichts verpasst. Bei der Angel-Share-Tour hat man etwas mehr Einblick im Hintergrund und die zu verkostenden Whiskeys sind alle von der oberen Preisklasse.

Jack Daniels ist die älteste registrierte Destillerie des Landes und arbeitet mit einem kontinuierlichen Brennprozess in vier mehreren Meter hohen Kupferkesseln. Die vergorene Maische (Dauer 5 Tage) wird darin von oben durch den Kessel über mehrere Böden entgegen dem von unten aufsteigenden Dampf geleitet und somit der Alkohol nach oben in die Dampfphase entführt. Die größte Destille liefert bei diesem Prozess ca. 60L/min reinen Alkohol, der einen vom Zoll verschlossenen Glaskasten durchfließt wie Wasser aus einem Feuerwehrschlauch. Wenn man das nicht live sieht, glaubt man es nicht. Leider darf man innerhalb der Gebäude nirgends photographieren, wobei der Hauptgrund Brandschutz ist. Man läuft hier schon durch einen durchgängig leckeren Dampf.

Die Herstellung erfolgt nach dem Sour-Mash-Verfahren, es kommen also die gleichen Milchsäurebakterien wie beim Sauerteig zum Einsatz. Die Maische der Basis von 80% Mais, 12% Roggen und 8% Gerste wird immer mit einem Teil der schon vergorenen Maische angesetzt, erhält damit einen niedrigen pH und bietet ideale Bedingungen für die arbeitende Hefe. Eigentlich ist der Whiskey ein Bourbon, allerdings wird der gewonnene Alkohol bei Jack Daniels noch 12 Tage über selbst hergestellte Zuckerahorn-Holzkohle getropft, bevor er dann in ausgebrannte Weißeichenfässer abgefüllt wird und für mindestens 4 Jahre in eines der inzwischen über 80 Lagerhäuser verschwindet. Das Träufeln über die Holzkohle ergibt keine Aromen im Alkohol und dient nur der Filtration von störenden Bestandteilen, die bei der Gärung zusätzlich entstehen und beim Brennvorgang mit herausdestilliert werden. Dadurch wird der Whiskey deutlich milder und wird so zum Tennesse-Whiskey und nicht zu einem Bourbon. Der teuerste angebotene, die Goldmarke, wird nach der Lagerung nochmals über Holzkohle geträufelt und für weitere 9 Monate im Fass gelagert. Deswegen kostet hiervon der Liter ca. 100$, falls man eine der limitierten Flaschen ergattern kann.

Es gibt zwei Fabriken, die nur für Jack Daniels Fässer herstellt, die nur einmal verwendet werden, anschließend aber weltweit verkauft werden. Diese bereits benutzten Fässer werden in Schottland und Irland für die Whiskey-Herstellung genommen und auch Weinproduzenten bauen darin bestimmte Weine aus (Barrique). Die nach dem Brennprozess übriggebliebene Maische enthält noch 3% Alkohol und wird von den hiesigen Landwirten zur Fütterung ihres Viehs aufgekauft. Um Lynchburg herum leben also die glücklichsten Kühe von Tennessee, und das Fleisch dieser glücklichen Rindviecher schmeckt auch besonders gut!

Wer nicht den 'normalen' Whiskey möchte, einen Blend/Mischung aus ca. 200 unterschiedlichen Fässern für einen gleichbleibenden Geschmack, kann sich für ca. 9000-15000$ (je nach Herstellung und Versandmodalitäten) ein eigenes Barrel selektieren (man darf aus 3 verschiedenen auswählen), und die etwas mehr als 200L werden dann von Hand auf Flaschen gezogen und speziell nach Kundenwunsch etikettiert. Wenn man solch einen Kauf getätigt hat, wird man Mitglied in der Single Barrel Society und bekommt eine entsprechende Plakette in der Hall.

Die Fässer werden auf mehreren Stockwerken in Regalen in den Lagerhäusern gelagert. Demnach herrschen dort auch unterschiedliche Temperaturzonen, was dazu führt, dass der Whiskey unterschiedlich stark ins Holz hinein und heraus diffundiert, je nach Jahreszeit. Die im oberen Stockwerk gelagerten erfahren die höchsten Schwankungen, haben daher das intensivste Aroma, aber auch den höchsten Angel-Share, also der Teil Verlust an Alkohol, den das Fass während der Lagerung verliert.

Zum Abschluss gibt es noch ein Tasting der 5 besten Sorten von Jack Daniels mit entsprechender Geschichte dazu. U.a. die Speziell-Edition Frank Sinatra. Er hatte eigentlich immer ein Whiskey-Glas in der Hand, und da war immer Jack Daniels drin, und zwar seine Selektion. Da es zu dieser Zeit den Warenverkehr und das Überangebot von heute noch nicht gab, hatte Frank eigens einen Mitarbeiter angestellt, der dafür zuständig war sicherzustellen, dass immer genügend von seinem Whiskey in ausreichender Menge zur Verfügung stand.

In dem nächstgelegenen Lagerhaus ist ein spezieller Tastingraum mit Plexiglaswänden gesichert, so dass dort wieder fotografiert werden darf. Mit viel Erläuterungen verkosten wir die 5 teuersten Varianten, wobei leider der Goldene aktuell nicht verfügbar ist. Nach dem Tasting geht es zurück zur Eingangshalle und dem daran angeschlossenen Verkaufsraum, wo man sich gleich mit allen leckeren Sachen eindecken kann.

Da man angeblich leider nicht auf dem riesigen Parkplatz stehen bleiben darf, haben wir den Versuch erst gar nicht unternommen und sind 15km weiter auf einen Parkplatz mit Bootsrampe im Lost Creek State Park gefahren. Auch hier steht eigentlich, dass Camping in der Day-Use-Area verboten ist, aber wir denken uns, dass um diese Nachtzeit und bei der Kälte niemand mehr kontrolliert. Falsch gedacht. Gegen 21 Uhr werden wir angeleuchtet und der Sheriff plus Parkranger stehen vor der Tür. Wir haben wohl das Schild am Eingang „übersehen“. Mit meinem Personalausweis verschwinden die beiden wieder im Auto und checken mal zuerst unsere Daten, und ob wir evtl. von Interpol gesucht werden. Nach 5 min kommen sie wieder zurück, ich bekomme meinen Ausweis wieder, und auf meine Frage, ob wir nun wegfahren müssen, meint der Ranger, nein, wir können stehen bleiben. Er wünscht uns eine ruhige Nacht und noch eine weitere schöne Reise durchs Land. Noch etwas Smalltalk zu unserem 'awesome Rig' und schon sind wir mit offizieller Freigabe wieder alleine. - Also bisher können wir uns über die Gesetzeshüter in den USA nicht beschweren.

Wir genießen noch die zweite Hälfte unserer Large-Pizza und machen irgendwann das Licht aus.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Bootramp Lost Creek SP, Lynchburg , GPS: 35.258375 , -86.303181, sehr ruhig aber eben nicht zum Übernachten erlaubt. Wir haben Glück und dürfen stehen bleiben, aber ich denke das ist eher dem kalten Wetter und der Nebensaison geschuldet.

 

Hier wieder die Kartenübersicht der 21. und 22. Woche mit den gewählten Stellplätzen:

USA_2018_Nov_1

 

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