So. 16.09.18

Heute ist der große Tag! Grenzübertritt USA. Wir hoffen, die Grenzbeamten davon überzeugen zu können, uns ein Visum für 12 Monate anstelle von üblichen 6 Monaten zu geben, und sind gespannt, wie das Prozedere ablaufen wird. Auch die Durchleuchtung des LKWs, obwohl wir alles offensichtliches (frisches Fleisch/Wurst, Gemüse, Obst) ausgemistet haben. Aber wie steht es mit Honig, Dosenwurst, eingefrorene Würste und Fisch, Müsli, leichtes Überschreiten der 1l-Alkohol-Grenze usw... mal sehen.

Aber zuerst genießen wir noch ein gemütliches Frühstück mit Vogelbeobachtung im Garten und den umliegenden Weinfeldern. Wir warten mit der Abfahrt und Verabschiedung bis Tausha von ihrer Yogastunde zurückkommt.

 

@Tausha – Thanks so much for your kind invitation and warm hospitality. We were so happy to have you organizing fresh water for us and moreover had a lot of fun together. Hearty embrace. Greetings to Josh.

 

Bevor wir zur Grenze fahren, wollen wir nochmal den Parkway runter bis zu den Fällen fahren und diese nochmal bei Tageslicht bewundern. Stau. Nach 20min entscheiden wir noch vor den Horseshoe Falls wieder um zu drehen und fahren gleich Richtung Norden zum Grenzübergang.

Hier gibt es 3 Übergänge von Ontario nach New York State. Der in Buffalo im Süden wird hauptsächlich von kommerziellen Truckern benutzt; die Rainbow-Bridge direkt bei den Fällen, ist durch die Touristen gut ausgelastet. Wir nehmen den Nördlichen, bei Niagara-on-the-Lake, da hier wahrscheinlich das kleinste Stresspotential herrscht.

Also überqueren wir die große Brücke über den Grenzfluss und schwenken in die RV-Spur ein. Der junge Grenzer macht einen auf cool und fordert mit barscher Stimme die Ausweise, fragt wo wir für wie lange hinwollen. In zwei kurzen Sätzen versuche ich aus der Fahrerkabine heraus zu erläutern, dass wir auf Weltreise sind, möglichst viele Nationalparks in den USA besuchen wollen und idealerweise je ein Visa für 12 Monate bekommen möchten. Dies wird grob abgelehnt: Mehr wie 6 Monate gibt es nicht! Da er aber mit unserem Vehikel nichts anfangen kann, informiert er seinen Vorgesetzten, übergibt diesem unsere Ausweise und wir werden angewiesen, auf den seitlichen Parkplatz zu fahren. - Gottseidank läuft der LKW an. In den letzten Tagen hatte der Anlasser immer mal wieder seine Aussetzer. Musste schon hin und wieder unter den Dicken krabbeln und mit einem Stück Holz auf den Anlasser klopfen. Wieder eine Baustelle! Aber es klappt, er läuft. Wir parken ein und gehen mit unseren vorbereiteten Unterlagen in das BorderOffice. Hier ist es wenigstens klimatisiert; draußen ist eine Affenhitze. Wir müssen warten, obwohl 10 Beamte mehr mit dem Football Spiel am 40“-TV in der Ecke des Büros beschäftigt sind als sonst irgendwie. Egal, wir sind relaxed, haben Zeit.

Irgendwann werden wir informiert, dass es deshalb so lange dauert, weil erst geklärt werden muss, ob unser selbstgebautes Mobil so in den USA überhaupt 'straßentauglich' ist. Deshalb wird vorsichtshalber die State Police angerufen, damit diese zu einem Check vorbeikommt. Das kann ja heiter werden.

Nach weiteren 15 min werden wir dann zum Schalter 1 gerufen. Hier erklären wir was wir vor haben, und auf Rückfrage stellen wir vorsichtig nochmal die Frage nach 12 Monaten Einreiseerlaubnis. Dies wirft natürlich weitere Fragen auf: Ob wir in Rente sind? Wie unsere finanzielle Situation aussieht? Brav die Fragen beantwortet, worauf der Beamte zu seinem Chef geht, da er selbst nicht autorisiert ist, derartige Entscheidungen zu treffen. Der Cheffe hat wohlwollend zu unseren Gunsten entschieden und wir bekommen die gewünschten 12 Monate! Super. Jetzt noch 12US$ Bearbeitungsgebühr bezahlen; geben noch unsere Adresse in den USA an (obwohl auch ein Campingplatz als erster Übernachtungsplatz ausgereicht hätte), dann müssen wir nochmals Platz nehmen. Der Cheffe kommt auch irgendwann aus seiner Kabine, um das Football Spiel anzuschauen, wünscht uns nebenbei eine gute Reise. Jetzt müssen wir nur noch die Inspektion überstehen.

Warten, nach ca. 10 min überreicht uns ein weiterer Beamter unsere Ausweise und einen gestempelten Zettel, den wir draußen abgeben müssen und wünscht uns ebenfalls eine gute Reise. Die Begutachtung durch die State Police ist auch positiv verlaufen (wie auch schon in Kanada), womit wir künftig beruhigt unterwegs sein können. Wir also raus, geben den Zettel beim Wachbeamten ab. Dieser wünscht uns auch eine gute Reise! Aha. War's das?

Wir fahren vom Hof, sind somit offiziell in die USA eingereist, ohne jegliche Kontrolle und Inspektion!

Das Ganze Prozedere hat nur ein bisschen mehr wie eine Stunde gedauert. Sind ganz happy. Können unser Glück noch gar nicht fassen, dass alles so problem- und reibungslos abgelaufen ist. Große Erleichterung! Jetzt haben wir 12 Monate und können entsprechend planen.

Bye Bye Canada – See you in a while!

 

Hello NEW YORK – Empire State

Aber bevor wir weiterfahren und tiefer ins USA-Hohheitsgebiet eindringen, müssen wir tanken. 10km entfernt liegt ein kleines First Nation-Gebiet, wo bei Smoking Joe's Gasstation der billigste Diesel im großen Umkreis zu kriegen ist (2,78US$/Gallon=0,63€/l). Jetzt macht das Tanken endlich mal richtig Spaß (ca. 25-30 €Cent günstiger als in Kanada).

Als nächstes: Vorräte auffüllen, beim nächstgelegenen Walmart (jetzt gibt es definitiv kein genießbares Brot mehr, höchstens noch Baguette). Dann Richtung Finger Lakes.

Das für heute anvisierte Ziel im Süden ist noch 60km entfernt, da wir den mautpflichtigen Hwy auf Landstraßen umfahren, kostet uns das reichlich Zeit und es wird bereits dunkel. Am Straßenrand entdecken wir ein Schild zum Darien Lakes State Park. Das dortige Rangerbüro ist nicht mehr besetzt und so fahren wir auf den großen Parkplatz, parken im hinteren Bereich ein. Die Aushänge am Büro gecheckt, bringt aber nichts. Feierabend, noch ein Bierchen und eine kurze Außendusche, Ratzitis. Morgen sehen wir weiter. Es ist sternenklar, toll.

Übernachtungsplatz:

Freistehen auf Parkplatz des Darien Lakes State Park, GPS: 42.903875, -78.432106, abends angekommen, früh morgens weitergefahren, total ruhig, empfehlenswert, evtl. 6$ car parking fee

 

Mo. 17.09.18

Ich/P wache schon sehr früh auf und genieße den Sonnenaufgang.

Wir wollen schnell zusammenpacken und 20km weiter auf einen Parkplatz fahren, um dort in Ruhe zu frühstücken. Da das Rangerbüro jetzt um diese Zeit noch nicht besetzt ist, sparen wir uns evtl. die Parkgebühren, falls in der Nachsaison überhaupt noch kassiert wird (wir sind ja Schwaben, und müssen sparen).

Die anvisierten Parkplätze sind nicht der Bringer. Dann wird’s halt wieder ein Walmart, nicht weit weg. Dort wollen wir uns über günstige Smartphones und einen prepaid-Tarif erkundigen. (In Kanada haben wir nur über WiFi gearbeitet – ist aber auf die Dauer echt nervig. Hier in den USA ist es wieder etwas billiger.)

Auf dem Weg durch die Landschaft sind wir beinahe an einem Kabel hängen geblieben. Als wir so durch das malerische, hügelige Hinterland fahren, kommt uns ein Baustellen-LKW entgegen, bei dem das Gestänge samt Abdeckplane nach oben ausgefahren ist. Hat der Fahrer wohl vergessen. Kurz danach auf der Straße reichlich Blatt- und Astmaterial vor einem Haus. Hier hat der LKW die überhängenden Äste rasiert. Dadurch abgelenkt, habe ich gar nicht mitbekommen, dass er auch eine tieferliegende Telefon-/Stromleitung erwischt hat, allerdings noch nicht ganz abgerissen. Ich kann gerade noch nach rechts ausweichen, und das Kabel hüpft Gottseidank über unser Mobil drüber. Viel hat da nicht gefehlt. Der uns nachkommende Megaliner kann noch rechtzeitig bremsen. Der weitere Verkehr ist erst mal ausgebremst. Auf den nächsten Kilometern gibt es noch weitere rasierte Bäume und eine abgerissene Leitung; für uns aber keine weitere Behinderung.

Walmart, Frühstück. Wir haben uns ein LG-Smartphone zugelegt und für 45US$/30Tage 10Gb Internet + unbegrenzt Telefonieren/SMS dazu. Mal schauen, wie wir damit hinkommen. Für 55US$ gibt es Internet unlimited (wobei ab 60Gb die Telefongesellschaft prüft, ob die Regeln eingehalten werden - Tethering für einen Wifi-Hotspot ist eigentlich nicht erlaubt). Ein Smartphone-Kauf ist gar nicht so einfach, da die LGs, Samsungs, I-phones OHNE Lock schweineteuer sind. Wir entscheiden uns letztlich für ein LG Style 4 im Angebot von Straight Talk zum Preis von 199US$. Laut Internet ist es möglich, nach 12 Monaten einen offiziellen Entsperrcode anzufordern, damit das Handy auch mit anderen SIM-Karten im Ausland genutzt werden kann (z.B. in Kanada, Mexico, etc). Mal sehen, ob das dann auch klappt.

Als heutiges Etappenziel nehmen wir uns den Letchworth State Park vor. Haben wir damals auf der Fahrt von New York City zu den Niagara-Fällen mit unseren Jungs schon einmal besucht. Dieser Canyon wird auch der Grand Canyon des Ostens genannt, deswegen wollen wir ihn uns nochmal ansehen, da wir nun gerade in der Nähe sind. Beim nördlichen Staudamm ist schon zu sehen, dass es nur sehr wenig Wasser gibt und der Canyongrund fast im Trockenen liegt. Die weitere Fahrt entlang des Canyons mit seinen Lookout-Points ist trotzdem schön.

Da der Anlasser inzwischen komplett aussetzt und ich jedes Mal runterkriechen muss und mit dem Holzstock gegen den Anlasser klopfe, während Marion versucht zu starten, macht es nicht wirklich Spaß noch mehr im Park zu unternehmen, irgendwelche Wanderungen oder so. Viele Punkte fahren wir deshalb nur an und machen bei laufendem Motor ein paar Bilder. -

Im südlichen Bereich des Canyons befinden sich 3 unterschiedlich große Wasserfälle. Wir besuchen den mittleren (der höchste) und den Upper Fall (mit der alten Eisenbahnbrücke), da der Lower Fall laut Beschreibung eher niedrig ist.

Der Park ist die Heimat von hunderten grauen Eichhörnchen. Ich habe Glück, und habe eines der quirligen Tiere mit vollem Mund erwischt.

Nach den Wasserfällen fahren wir direkt raus, in das nicht allzu weit entfernte Danseville. Hier ist laut IOverlander ein möglicher Stellplatz am Rande des Rotary-Parks. Der Park schließt offiziell um 10pm, es gibt auch Schranken. Am Waldrand außerhalb des Parkgeländes gibt es keine Schilder und einen schönen Platz zum Freistehen.

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Rotary Park in Dansville, GPS: 42.571117, -77.695347, Waldrand neben Baseballfeld, sehr ruhig nach Ende des Trainings, empfehlenswert,

 

Di. 18.09.18

Gut geschlafen, eine sehr ruhige Nacht am Rande des Parks

Mit dem neuen Telefon kontaktieren wir nach dem Frühstück gleich mal 2 verschiedene LKW-Werkstätten, um das dringende Anlasserproblem anzugehen. Die erste Werkstatt, nur 25km südlich von unserem Standort, passt nicht auf Grund fehlenden Standplatzes für uns. Wir sind ja nicht mobil, da wir die Kanzel kippen müssen zum Aus- und wieder Einbau und während der Reparatur bzw. bis ein neuer Anlasser geliefert wird. Deshalb rufen wir noch bei einer Werkstatt an ca. 50km im Norden Richtung Rochester. Ein Truck-Stopp, direkt am Hwy, ein riesiger Komplex mit Servicehaus (Duschen, WC, TV-Raum, kleine Restaurants, usw.), Tankstellenanlage und einer großen Werkstatt spezialisiert auf Diesel-Trucks.

Der Lagerist sucht anhand der von mir gelieferten Daten nach dem richtigen Anlasser und verkündet nach längerer Suche, dass dieser Morgen gegen 11 Uhr geliefert wird und ca. 370 US$ kostet. Eigentlich wollte ich nur einen aus Silber nicht aus Gold (in D kostet er ca. 170 €), aber was soll man machen.

Bevor wir hinten auf dem großen Parkplatz für die Nacht einparken, fahren wir noch ca. 25km nach Henrietta. Dort gibt es ein Gewerbegebiet von ca. 10x10km, auf dem es jegliche Art von Geschäft gibt, natürlich auch einen riesigen Walmart und Aldi (gibt’s in den USA, in Kanada nicht). Den besuchen wir als erstes, in der Hoffnung, bekannte Marken aus der Heimat zu finden und evtl. genießbares (deutsches) Brot, müssen aber leider feststellen, dass nur billige amerikanische Produkte angeboten werden von einer Qualität, wie bei uns zu Aldi-Anfangszeiten, Hauptsache billig. Enttäuscht ziehen wir weiter, holen den Rest bei Walmart, wobei wir diesen speziellen Walmart eigentlich nicht unterstützen wollen, weil er hier Overnightparking verbietet.

Jedes mal, wenn wir wieder starten wollen, muss ich mit der Holzstange unter den LKW kriechen und kräftig auf den Anlasser klopfen sobald Marion oben versucht zu starten. In der Regel klappt das recht zügig, ist aber total nervig.

Genug geshoppt, wir fahren wieder zurück und nach einer kurzen Pause unter der Markise ziehe ich die öligen Klamotten an und beginne, die Fahrerkabine zu kippen, um ans Herz des LKWs zu kommen. Zuerst muss ich putzen, da durch den Öldampfrüssel in der Nähe des Anlassers alles eingesaut und ölig ist. Beim Ausbau des Anlassers stelle ich dann fest, dass ein dünnes Kabel nahe am Magnetschalter lose rumhängt, kann aber nicht wirklich erkennen, wo es hingehört. Es hilft nichts, der Anlasser muss raus; putzen und nachschauen. Gesagt, getan. In geputztem Zustand ist die Halterschraube schnell gefunden, noch schnell ein Bild von der Seriennummer gemacht, und dann den Anlasser wieder eingebaut. Der Anlasser ist schwer, die Schrauben packen nur, wenn man genau im richtigen Winkel das Loch in der Kupplungsglocke trifft, und eigentlich ist nur Platz für sehr zierliche Frauenhände. Der Ausbau war deutlich entspannter als das anschließende Einbaugefummel. Aber irgendwann ist auch das mit viel Geduld und hin und wieder einem Wutschrei geschafft. Das lose Kabel ist wieder ordentlich am Magnetschalter befestigt. - Jetzt der Test. - Brrrummm – Gottseidank! Der Anlasser funktioniert wie neu. Mehrmals nacheinander testen, einwandfrei. Ich geh dann gleich nach vorne in die Werkstatt und gebe Bescheid, dass ich den Ersatzanlasser doch nicht brauche, bedanke mich natürlich für die Unterstützung. Alles kein Problem, und die Mechaniker freuen sich, dass das Problem so einfach zu lösen war.

Das Aufräumen des Werkzeugs, Fahrräder wieder montieren und alles zusammenpacken braucht fast mehr Zeit als die Reparatur selbst. Jetzt muss nur noch ich von all dem eingefangenen Ölfilm befreit werden, aber zu was hat man eine Außendusche. Ich liebe meine Außendusche – kann es gar nicht oft genug sagen!

Da es auf dem Parkplatz sehr laut ist, wollen wir hier nicht die Nacht verbringen und fahren noch 120km in den Süden Richtung Sugar Hill State Forest, haben wir mal so geplant.

10km vor dem Ziel entdecke ich am Straßenrand das Schild zum Birdseye Hollow State Forest. Blinker raus, da schauen wir mal vorbei. Bingo. Ein kleiner Parkplatz mit 2 Plastiktoilettenhäuschen, schöner Blick auf einen See und keine „No Overnightparking“-Schilder. Da bleiben wir doch spontan stehen und machen, bevor es zu dunkel wird, gleich noch einen kleinen Spaziergang. Bis auf zwei Jäger mit voller Ausrüstung ist niemand da und auch die sind dann irgendwann abgezogen. Es ist herrlich ruhig und wir freuen uns auf die erholsame Nacht nach dem heutigen Stress.

Übernachtungsplatz:

Freistehen im Birdseye Hollow State Forest , GPS: 42.370513, -77.148245, kleiner Parkplatz am Moorsee, total ruhig, leider nicht zum Schwimmen, sehr empfehlenswert,

 

Mi. 19.09.18

Als wir aufwachen beginnt es zu regnen. M weckt mich: „schnell, du musst das Dachfenster im Bad schließen...“ und argumentiert hinterher, dass sie ansonsten über mich drüberklettern muss und dann wäre ich sowieso wach... so kann man es auch sehen.

Heute ist Pausentag, nach der Action mit dem Anlasser gestern. Bis wir mit dem Frühstück fertig sind, klart es auf und die Sonne brennt die restlichen Wolken vom Himmel. Jetzt können wir den tollen Stellplatz so richtig genießen.

Außer uns ist fast den ganzen Tag niemand da, erst gegen Spätnachmittag kommen einzelne Besucher für eine Stippvisite.

Es ist nur ein kurzer Spazierweg zum künstlich durch einen Damm aufgestauten See. Der einzelne Fischreiher ist nicht gerade scheu, so kommen ein paar Flugstudienbilder zustande, wenn er in der Nähe landet bzw. durchstartet.

Marion sitzt längere Zeit auf dem Fischersteg und ist so begeistert von den vielen Vögeln und dem tollen Platz, dass sie zu einigem Quatsch aufgelegt ist (P: die restlichen Bilder wurden leider von M zensiert).

Ich wandere noch etwas den Damm entlang, entdecke die schöne Raupe (was das wohl für ein Schmetterling wird), eine Schildkröte (war zu schnell im Wasser/Dickicht für ein Photo verschwunden) und auch ich habe dem Fischreiher nachgestellt.

Übernachtungsplatz:

Freistehen im Birdseye Hollow State Forest , GPS: 42.370513, -77.148245, kleiner Parkplatz am Moorsee, total ruhig, leider nicht zum Schwimmen, sehr empfehlenswert,

 

Do. 20.09.18

Nach dem Frühstück wollen wir noch nicht so richtig los und P schreibt mit Blick auf den See weiter an den HP-Texten. M sollte eigentlich parallel korrigieren, flüchtet aber aufs Bänkle am See und photographiert lieber dem Fischreiher hinterher (und ich/P muss dann wieder Tausend Bilder löschen. M: Dann mach ich halt gar keine mehr!).

Aber irgendwann müssen wir halt doch los. Durch hügelige Gegend geht es zum Watkins Glen State Park am südlichen Ende des Seneca Lake. Die Finger Lakes liegen alle in Nord-Süd-Richtung in den wahrscheinlich von Gletschern ausgeschliffenen Tälern. In Ost-West-Richtung geht’s demnach immer Hügel rauf und wieder runter; als Entlohnung haben wir wunderschöne Ausblicke. Da schluckt unser Moppel aber wieder einiges mehr.

Was den Letchworth State Park mit seinem breitem Canyon auszeichnet, das macht der Watkins Glen Park mit seiner tiefen Klamm wett. Der schönste Teil des Wanderweges zieht sich ca. 3,5km immer entlang des Flusses und hinter jeder Biegung entdecken wir noch schönere durch das Flusswasser entstandene Frässpuren im Fels.

An vielen Stellen kann man den Niagara Horse Shoe Fall en miniature sehen. Dasselbe Prinzip: Auch der berühmte große Bruder frisst sich rückwärts durch den Fels in Richtung des herabströmenden Wassers aus dem Eriesee, nur halt ein bisschen breiter und mehr Wasser.

Leider geht die Sonne auf Grund der Jahreszeit schon recht schnell am Nachmittag gen Horizont und die Lichtverhältnisse in der Klamm werden immer schlechter, außer es fallen kurzfristige Lichtvorhänge von Oben ins Wasser (sieht auf den Bildern leider nicht so spektakulär aus wie in Natura).

Vom State Park (der Campingplatz kostet hier leider für Nicht-New Yorker Residents über 30$) fahren wir rüber zum Finger Lakes National Forest (dies ist public land; in allen ausgewiesenen State/National-Forests ist es erlaubt frei zu stehen / zu campieren), bunkern aber vorher nach Rückfrage noch Frischwasser in die Tanks.

Der Platz im Finger Lakes National Forest liegt mitten im Wald und entpuppt sich als kleiner schnukkeliger Platz am Wasserlinsenteich. Es wird Herbst, die Temperaturen ziehen an, müssen mit der Außendusche Gas geben und sind froh danach im kuscheligen Container zu sein. Die Marschiererei durch die Klamm hat müde gemacht, daher sind wir nicht beleidigt, als es dunkel wird und die Sterne sichtbar werden.

Übernachtungsplatz:

Freistehen im Finger Lakes National Forest , GPS: 42.45415, -76.80654, kleiner Platz für max. 2 Rigs mitten im Wald , total ruhig, sehr empfehlenswert, längere Anfahrt

 

Fr. 21.09.18

Beim Frühstück studieren wir mal wieder die Karten und die möglichen Routen für die nächsten Tage. Wenn wir weiter in diesem Tempo fahren und die Gegenden so chillig erkunden, kommen wir vor dem Schnee nicht in den Süden. Also wird ab jetzt mehr Strecke gemacht. Nächstes Großziel ist der in den White Mountains liegende Mount Washington. Die Entscheidung, ob wir die längere Route durch den riesigen Adirondack National Forest nehmen (der zweitgrößte National Forest nach Alaska), oder auf direkter Route gen Nord-Osten fahren, verschieben wir wieder auf Morgen.

Wir verlassen unseren schönen Waldparkplatz, fahren zuerst nach Ithaca, am südlichen Ende des Cayuga Lake, zum Walmart 'Shopping' und danach direkt zum Laundromat, es ist mal wieder Wäsche waschen angesagt.

Der Tag schreitet voran, so dass wir uns sputen müssen, sonst wird das nichts mit dem Vorsatz, größere Strecken zu fahren. Wir arbeiten uns von Ithaca aus auf dem Scenic Byway entlang des Cayuga-Lake gen Norden. Bei diversen Stopps müssen wir leider feststellen, dass der Wind immer heftiger wird und das Wasser noch aufgewühlter und dreckig. Selbst Marion hat keine Lust zum Baden.

An einem Farmers Markt decken wir uns noch mit Äpfeln, 1 Süsskartoffel, kernlosem Himbeergsälz und Senf ein. Angehalten haben wir eigentlich wegen des auf den Werbeschildern versprochenen frisch gepressten Apfel-Cider (Apfelmost) – ist aber heute schon ausverkauft. Noch schnell ein Bild der sogenannten Mummies, die es zur Zeit in allen Farben an jeder Hausecke zu kaufen gibt. Ein echter Herbstblüher.

Kurz nach Cayuga, am Nordende des Sees angekommen, schwenken wir rechtwinklig nach Osten auf den Hwy #20 ein. Diesen werden wir planmäßig erst kurz vor unserem heutigen Ziel wieder verlassen. Der Hwy#20 touchiert die Nordspitzen der Finger Lakes, so dass wir auch bei den anderen Seen noch nach Bademöglichkeiten Ausschau halten können. Auch hier, gleich windig und wellig.

Im bisher bereisten Nordamerika gibt es keine Erdkabelverlegung, sondern zum Teil sehr asiatisch anmutende Wurfverkabelungen auch über die Straße. Die Lösung: Eine Tafel am Straßenrand warnt vor den überhängenden Kabeln. Wird dann schon keiner mit zu hohem Aufbau durchfahren und das Kabelzeugs wieder abreißen. Normalerweise sollte alles über 4,20m sein, sonst muss entsprechend beschriftet werden, natürlich in Zoll und Fuß. Man ist immer am Rechnen.

Über die Jahre bilden sich auch urige Baumtunnel, wie man sieht.

Die Gegend um die Seen ist Obstanbaugebiet. Wie am heimischen Bodensee. Nach der x-ten Farm mit Selbstpflückung machen wir dann doch mal Halt und kaufen eine Tüte Äpfel.

Irgendwann biegen wir für ein paar Kilometer nach Süden von der #20 ab, um auf einen der beiden öffentlichen Stellplätze im Baker State Forest zu kommen. Es stehen schon an die 30 Trailer inkl. Pferdeanhänger da. Auf dem zweiten Platz ganz in der Nähe findet ein kleines Willkommens-BBQ statt. Die scheinen sich alle zu kennen und treffen sich hier wohl fürs Wochenende. Die Stellplätze, die auf dem Areal verteilt sind, sind meistens auch mit Pferdeboxen ausgerüstet. Wir kurven noch etwas weiter in den Forest rein, finden aber nichts Anderes und kehren zum Platz 1 zurück, wo wir noch ein Plätzchen zum Einparken finden. Die Nacht ist ruhig, gegen Morgen ist nur hin und wieder ein Wiehern zu hören. Ist wie Ferien auf dem Bauernhof.

Übernachtungsplatz:

Freistehen im Charles E. Baker State Forest, GPS: 42.793681, -75.406863, public use area, relativ ruhig, sehr empfehlenswert, wird von Pferdeliebhabern stark frequentiert da an jedem Platz extra überdachte Pferdeboxen sind

 

Sa. 22.09.18

Der Morgen ist recht frisch und alles ist stark mit Tau beschlagen. Als die ersten Reiter auf Tour gehen, machen auch wir uns auf den Weg. In dieser Gegend scheint es neben Freizeitreitern auch Mennoniten/Amish zu haben. Überall stehen Warntafeln für Pferdekutschen, wie in der Ecke um Kitchener (Kanada). An einem der vielen privaten Stände erweitere ich/P meinen langsam wachsenden Honigbestand. Schokolade ist als Nachtisch gestrichen und durch 2-3 TL Honig ersetzt, deshalb drückt Marion das eine oder andere Auge zu, wenn ich mal wieder zuschlage (M: Bist halt mein Honigbär, oder mein Bumble bee....)

Als wir wieder auf die #20 treffen und von dort weiter nach Utica fahren, um eine günstige Tankstelle zu finden, entdecken wir auf einem der riesigen Mall Gelände einen Outdoor-Outfitter, der für Angler und Jäger alles hat, wirklich ALLES. Das ist „Last Man standing“ mit Tim Allen im Quadrat. Schon im Eingangsbereich kann man an der Trophäenwand erfassen, was alles erlegbar ist. Der Rest des Einkaufszentrums (anders kann man das nicht beschreiben) besteht zu einem Drittel aus Angeln inkl. Zubehör, ein Drittel Waffen (neben den klassischen Schusswaffen auch zwei Regale nur mit Armbrüsten) und das letzte Drittel ist Zubehör: Regale voll mit Munition bis hin zum fast 4m hohen Hochsitz, der aufgebaut am SUV verschraubt werden kann, Klamotten ohne Ende hauptsächlich in Tarnfarbe. Die Hälfte der Rückwand nimmt ein riesiges Aquarium ein, in dem alles fischbare in echt rumschwimmt. Sieht man die eine oder andere mächtige Regenbogenforelle hier drinne, passt das wieder mit den geräucherten Filets in Kanada zusammen, wo wir uns schon gefragt haben, welche Ausmaße diese Fische haben müssen bei den riesigen Filetstücken.

Wir haben in Kanada ja schon den einen oder anderen Laden gesehen, aber was hier an zigtausenden Blinkern, Haken, Vorbauten und Ruten steht und hängt ist einfach der Wahnsinn und sicher der feuchte Traum eines jeden Anglers.

Der eigentliche Hammer ist aber, dass hier die ganze Familie von klein auf beim Shoppen ist. Und da reden wir nicht nur von den Angeln, sondern auch am Waffenbufett werden die Kleinen in die Feinheiten der Kunst eingeführt. Leider habe ich mich nicht getraut die „Frauen“-Gewehre in Pink zu photographieren.

Ich/M habe mir als Souvenir einen ausziehbaren Grillstab gekauft, der hoffentlich auch mal zum Einsatz kommt.

Aber irgendwann ist der Spaß vorbei, wir hätten uns ewig hier aufhalten können, und wir suchen die günstige Tankstelle, die wir via Gasbuddy (Such-App für den günstigsten Sprit im Umkreis) gefunden haben. Leider wird diese gerade renoviert, es gibt erst nächste Woche wieder den superbilligen Diesel. Also fahren wir zur nächsten Tanke, die auch schon gut mit dem Preis runter ist, und können nochmal 10Cent pro Gallone sparen, in dem wir eine Tankkarte ausfüllen. Da diese allerdings nur im Staat New York gilt, wird das eine einmalige Aktion bleiben. Aber immerhin kommen wir so auf 3,09US$/gall. (=69,7€Cent/L) was immer noch Spaß macht. Als ich so am Tanken bin, spricht ein anderer Kunde Marion an und bekommt natürlich alle notwendigen Details. Er ist so begeistert von unserem Vorhaben und unserem Mobil. Fragt, ob wir Bier trinken, was Marion natürlich bejaht. Darauf verschwindet er im Tankshop und kommt mit einem gekühlten Sixpack Utica-Bier, Lager, als Geschenk zurück. Es ist das lokale Bier und ist das erste offizielle Bier nach der Prohibition in den USA. Willkommen in New York !! Wow... (Ha, da P ja fast kein Bier trinkt, komme ich in den Genuss – ist echt lecker!)

Vollgetankt machen wir uns jetzt endlich nach Norden auf in den Adirondack National Forest. Der südliche Teil ist auf Grund der guten Erreichbarkeit aus den Großstädten entsprechend touristisch aufgearbeitet und die Seen im Forest sind rundherum mit Ferienhäusern besiedelt, die Ortschaften ganz klar auf Tourismus eingestellt. Aber von den unzähligen Lookouts/Aussichtspunkten aus kann man die urwüchsige Landschaft genießen. Da wir die letzten 3 Monate in Kanada in den Wäldern unterwegs waren und die Natur bei unserer Kurzvisite in der Toronto-Niagara-Ecke schon sehnlichst vermisst haben, freuen wir uns wieder im Wald mit vielen Seen unterwegs zu sein.

Am Wegesrand entdecken wir wilde Truthähne und freuen uns schon über die Entdeckung. Um es aber vorweg zu nehmen, je weiter wir in den Park fahren bzw. auch später in der Ecke um den Mount Washington herum, sehen wir das Federvolk oft im Pulk durch die Landschaft streunen. …die Jagdsaison beginnt... Thanksgiving...

Auch hier im Adirondack Park gibt es einige Plätze, die für public use ausgewiesen sind - frei stehen, campen und mit Permit auch jagen ist erlaubt. Rechtzeitig entdecken wir am Straßenrand ein entsprechendes Schild und biegen ab. Marion muss aussteigen und prüfen, ob der Moppel unter den niedrig hängenden Stromkabeln durchpasst, es reicht – alles OK. Wir sind gut von der Straße weg und haben eine sehr ruhige Nacht.

Übernachtungsplatz:

Freistehen im Adirondack National Forest, GPS: 43.974014, -74.355999, public use area, total ruhig, sehr empfehlenswert

 

So. 23.09.18

Die Nacht war sehr frisch. Der Norden und die Höhe hier im National Forest machen's aus. Aber die Sonne hat noch viel Kraft, deshalb ist es schon angenehm warm, als wir endlich loskommen. Auch die Vogelwelt sucht sich ein sonniges Plätzchen, um die Nachtkälte zu vertreiben. Wir machen noch einen kleinen Spaziergang zu einem nahegelegenen Biberteich; der Baumeister lässt sich allerdings nicht blicken.

Auf der Straßenkarte sehen wir, dass es einen schnellen direkten Weg aus dem National Forest Richtung Mount Washington gibt, oder aber wir machen einen größeren Schlenker Richtung Nord-Westen tiefer in den Park hinein und entlang der scenic route, der zentralen Parkstraße. Schon entschieden - das Wetter ist so toll, das wollen wir nutzen – scenic route also. Unterm Strich ist es ja immer dasselbe: Hügelige Mischwälder, zwischendurch nackte Felsen, schöne Seen, toller Ausblick von der Hügelspitze aus. Trotzdem immer wieder schön und wir können uns einfach nicht sattsehen, sind gespannt, was hinter der nächsten Kurve liegt.

Hinter einer solchen Kurve liegt eine Bisonzucht mit Verkaufsbude und Souvenirladen. Da wird gleich mal gestöbert und wir bunkern 6 Bisonburger (gefroren). Sind ja keine wilden Bisons, aber trotzdem Bisons. Aus der Entfernung sehen sie ganz putzig aus. Steht man dann aber neben einem ausgestopften Bullen, dann ist das doch ein ganz nett mächtiges Viech.

Hinter 3 weiteren Kurven steuern wir mal einen der malerisch in der Landschaft liegenden Seen an. Nach einem Handwassertest, ist Marion nicht mehr zu bremsen. Rein in den Badeanzug und mit zwei Hopsern im See abgetaucht. Er ist recht warm (zumindest an der Oberfläche), aber P hat keine Lust, macht lieber ein paar Bilder vom plantschenden, ab-und auftauchenden „Otter“ oder den vielen kleinen Jungfischen im kristallklaren Wasser.

Gegen Spätnachmittag kommen wir an einem riesigen Wiesengelände vorbei, wo gerade ein Sonntag-Farmers Market zu Ende geht und nebenan eine Auto-Schau mit antiken Mobilen. Von hier sind also all die Oldies gekommen, die uns in der letzten Stunde begegnet sind. Als wir einparken, sind WIR plötzlich die Attraktion, deshalb flüchten wir schnell unter die Marktbesucher, sonst kommen wir nicht mehr weg.

Die scenic route führt auch nach Lake Placid (Olympische Winterspiele 1932 und 1980). Schon von weitem können wir die Skisprung-Schanzen sehen. Wir parken ein, fahren mit der Gondel hoch und dann im Aufzug zur Aussichtsplattform der großen Schanze. Von unten leider voll Gegenlicht, aber von oben super Aussicht. In der Ferne sehen wir den höchsten Berg der Umgebung, den White Face Mountain. Man könnte hochfahren und eine wohl noch spektakulärere Rundsicht genießen. Wieder unten auf dem Observation Deck/Beobachtungsplattform können wir sogar einem trainierenden Skispringer zusehen. Gehört schon was dazu, von da oben zu starten und zu springen. Dann geht’s wieder mit der Gondel runter.

Die Fernsicht ist wegen Wetterverschlechterung schon recht trübe, und spät ist es inzwischen auch geworden. Wenn wir heute noch White Face Mountain machen, müssen wir in der Nähe übernachten. Dann ist der Weg bis zum Mount Washington nicht mehr in anderthalb Tagen zu schaffen. Wir müssen aber unbedingt bis Dienstag dort sein, da in den White Mountains für den Rest der Woche nur Mistwetter angesagt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die White Mountains bekannt sind als Wetterhexenkessel. Also keine Garantie, ob das versprochene Sonnenwetter für Übermorgen wirklich auch eintrifft. Und nun? Spatz in der Hand (White Face Mountain) oder Taube auf dem Dach (Mount Washington)? Wir entscheiden uns für die Taube, da die Sicht rundherum immer schlechter wird. Mit Vollgas weiter in gerader Linie nach Osten Richtung Burlington am Lake Champlain. Der See in Nord-Süd-Ausdehnung ist gleichzeitig die Grenze zwischen New York State und Vermont.

Keine Brücken, nur Fähren. Unterwegs checken wir online Zeiten und Kosten. Zur nördlichen Fähre direkt in Burlington wird es zeitlich sehr knapp und sie ist fast 3mal so teuer wie die Kurzstreckenfähre weiter südlich zwischen Essex und Charlotte. Auch hier wird es für die laut Plan letzte Fähre heute zeitlich ziemlich knapp. Wir schaffen es, kommen 15min vorher an. Es stellt sich heraus, dass der Sonntagsplan um zwei weitere Termine ergänzt wurde. Kein Stress also.

 

VERMONT – The Green Mountain State

 

Nach ruhiger Überfahrt fahren wir in der bereits hereinbrechenden Dämmerung einen Wanderparkplatz im Camel Hump State Forest an. Auf der Karte sieht die Anfahrtsstrecke nicht sehr lange aus. Es zieht sich aber und die letzten 5km gehen nur noch steil bergauf auf einem Feldweg. Hier können wir sehr ruhig stehen. Trotz Dunkelheit sind noch Wanderer unterwegs; die Trails hier am Berg sollen zu den schönsten in Vermont gehören. Wir wären Morgen gerne den einen oder anderen Trail gelaufen, aber wieder macht uns der Zeitdruck auf Grund der Wetterlage einen Strich durch die Rechnung. Tja – ent- oder weder!

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Camel Hump State Forest, GPS: 44.304945, -72.90794, Wanderparkplatz ganz oben am Berg, total ruhig, bedingt empfehlenswert wegen der langen steilen Anfahrt

 

Mo. 24.09.18

Morgens auf dem Weg, wieder steil den Berg runter, kommen wir durch einen Ahornwald. Die Bäume sind mit Schläuchen verbunden und der abfließende Pflanzensaft wird direkt in einem großen Tank gesammelt.

Weiter geht es durch die wirklich idyllische Landschaft von Vermont. Sollten wir in ferner Zukunft nochmal die Chance haben hier in den Osten der USA zu kommen, werden wir uns die Grünen Hügel von Vermont in Ruhe vornehmen und einige der unzähligen Trails absolvieren.

Wir durchqueren die Hauptstadt Montpelier und machen nur einen kurzen Schlenker am Capitol vorbei. In der Nachbarstadt Barre hat die Feuerwehr ihr Haus schon für Halloween a la Ghostbusters geschmückt.

Die Höhe und die kühlen Nächte sorgen dafür, dass sich das Laub vereinzelter Bäume bereits verfärbt – Vorboten von Indian Summer bzw. Fall/Herbst. Wir sind noch ca. 4 Wochen zu früh dran, hoffen auf die Farbenpracht auf unserer Fahrt nach Süden von Washington D.C. nach Asheville durch die Appalachen.

Um die Mittagszeit überqueren wir die nächste Staatengrenze rüber nach New Hampshire. Dort werden wir von einem schönen Oldie begrüsst und auch das Motto des Staates finden wir super.

 

NEW HAMPSHIRE - Live Free or Die

 

Was uns nicht so gefällt, ist der Fernblick auf die White Mountains: Mächtige Wolken. Hoffentlich wird es besser bis wir hinkommen. Vorher aber kommen wir noch am Wohnort von Santa vorbei. Sommersaison ist allerdings vorbei und bis Weihnachten ist noch ein Stück - tote Hose also – wahrscheinlich ist er gerade auf Urlaub!

Je näher wir unserem Ziel kommen, desto konkreter werden die Wolken, keine geschlossene Decke. Vom Parkplatz der Straße hinauf auf den Gipfel sieht es schon wieder sehr vielversprechend aus. Plan war, mit dem Moppel hochzufahren. Dürfen wir aber nicht – keine Trucks, RVs oder Camper. Die Alternative Zahnradbahn gestrichen - unfassbare 156$ für 2 Personen! Bleibt nur noch die Fahrt mit einem Shuttlebus oder Selbstfahrt mit unseren Bikes. Da die beiden Süßen für Straßenfahrten angemeldet und versichert sind (Dirtbikes nur fürs Gelände brauchen eigentlich keine Versicherung) dürfen wir damit hochfahren. Kostet zwar wertvolle Zeit, die Bikes runter zu holen, die Klamotten auszupacken und uns entsprechend einzupacken – wir fahren ja auf über 1900m, dafür können wir uns mal wieder den Fahrtwind um die Nase wehen lassen.

Ca. 15km in Serpentinen nach oben, zum Teil so steil, dass die Bikes es nur im ersten Gang schaffen. Doch gut, dass der Moppel sich nicht hoch plagen muss. Das heben wir uns für die Rockies im Westen bzw. für die Anden in Südamerika auf.

M: UND außerdem ist die eine oder andere Stelle WIRKLICH recht schmal – zwei Autos kommen definitiv nicht aneinander vorbei und Straßenbefestigung gibt es oft auch nicht – fast wie in Marokko! Auch wenn die Beiden wieder ihren Spaß hätten.... Und viel los ist auch – ein Mords-Verkehr.

Je weiter wir nach oben kommen, desto froher sind wir an den Inlays für unsere Jacken und dem sicherheitshalber angezogenen warmen Unterhemd. Als wir in Gipfelnähe kommen, sehen wir noch die Wolken hängen. Dann wird es halt nichts mit der Fernsicht, aber für's Gipfelphoto passt es allemal. Das Tiptop-Haus ist auch nichts anderes als eine alte Berg-Hütte vom Alpverein. Bedenkt man allerdings das sehr schwierige Wetter hier in der Gegend (siehe Info-Tafel), kann man sich gut vorstellen, wie manch Gipfelwanderer froh gewesen sein muss, die Hütte erreicht zu haben. Heute gibt es Kiosk und Souvenirladen, eine Wetterstation und X Funkantennen.

Alles noch in Wolken, sieht man von hier oben zu wenig. Wir fahren wieder ein paar hundert Meter runter und genießen von dort den Ausblick. Schon wieder auf dem Rückweg, reißt der Gipfel auf. Also zurück - und wir werden mit nebelfreiem Gipfel belohnt.

Oben stehen inzwischen auch wieder 2 der 3 Züge, die zur ältesten Zahnradbahn der Welt gehören. Ein teurer Spaß!

Ein Gipfelbild ohne Nebel wäre nett, aber hier geht’s zu wie auf dem Mount Everest: Stau! Dann halt nicht. Als wir zu unseren Bikes zurückkommen, hat direkt daneben mein/P Traumbike zum Cruisen im Westen eingeparkt. Dort werden wir uns sicher mal solche Cruiser ausleihen.

...und sogar hier oben werden wir von Moppel-Touristen angesprochen – haben sich das Kennzeichen HOR gemerkt.

Die Abfahrt unterbrechen wir durch regelmäßige Stopps in speziellen Haltebuchten, damit sich die Bremsen etwas erholen können, trotz Benutzung eines niedrigeren Gangs als Motorbremse. Einige Autofahrer halten sich nicht daran, trotz der vielen Warntafeln – es riecht nach überhitzten Bremsbelägen. Werden sicherlich einige die Beläge wechseln müssen.

Als wir die Bikes wieder fest verpackt haben – die Klamotten werfen wir in unseren Hausgang zum Lüften, fahren wir noch 20km weiter und parken auf dem riesigen verlassenen Parkplatz des Wildcat Mountain Skilifts ein. Im Abendlicht haben wir noch einen tollen Blick auf den immer noch wolkenlosen Mount Washington. Draußen wird es schon wieder recht frisch in dieser Höhe (wir sind auf ca. 600m), deshalb kommt die Heizung mal wieder zum Einsatz.

Übernachtungsplatz:

Freistehen auf Parkplatz Skilift Wildcat Mountain , GPS: 44.265512, -71,238894, offener Parkplatz , nachts relativ ruhig, empfehlenswert, da sehr nah am Mount Washington Auto Drive

 

Di. 25.09.18

Frühstücken – geruhsam den Tag beginnen. Motorrad-Klamotten versorgen, heißt wieder rauf aufs Dach, bevor es zu regnen anfängt, denn heute Morgen drückt das angekündigte schlechte Wetter mit Gewalt rein und die tief hängenden Wolken versperren jegliche Sicht auf die umliegenden Berge.

Nicht weit aus den White Mountains geht es dann weiter in den Süden vorbei an Conway, komplett touristisch, auf den Winter-/Sommer-Tourismus ausgerichtet. Mit der Conway Scenic Railroad kann man schöne aber teure slow-motion Touren durch die Bergwelt von New Hampshire machen. Heute macht hierfür das Wetter nicht mit, trotzdem allerhand los hier.

Nach einem Blick in den Gasbuddy (zwecks Dieselpreis) sehen wir, dass in Laconia am Lake Winnipesaukee der billigste Diesel im weiten Umkreis angeboten wird. (2,989 $/gall = 67,5€Cent/L). Da hier in den Staaten der Dieselpreis immer teurer wird je weiter wir in den Süden kommen (Massachusetts, Rhode Island, Connecticut, New York), bunkern wir entspr. viel und machen gleich mal beide Tanks randvoll. Das müsste jetzt wieder reichen für ca. 2200km.

Das Wetter hat sich weiter verschlechtert und, gerade fertig mit dem Einkaufen im Walmart, schüttet es Bindfäden. Wir fragen sicherheitshalber an der Info nach, ob Overnight-Parking erlaubt ist und bleiben für die Nacht stehen. Es gießt, wie aus Eimern und lässt nicht nach. Wir sitzen noch auf der Couch, als es plötzlich auch Innen zu regnen anfängt – ein ganzer Schwall Wasser aus der Klimaanlage. Peter greift sich eine Schüssel. Es ist wieder dieselbe Ecke – immer noch nicht dicht. Mist – Wo kommt das Wasser denn nur rein? Peter hat doch oben um die Klimaanlage alles nochmals gut abgedichtet. Nützt jetzt auch nichts. Wir schrauben die Abdeckung ab und stellen über Nacht eine Schüssel mit Handtuch unter die betreffende Stelle. Irgendwann mal, wenn wir viiieeel Zeit haben und der Moppel länger im Trockenen steht, müssen wir dieses Thema angehen. Bis dahin werden wir uns künftig bei Regen so hinstellen müssen bzw. den Container so ausrichten, dass das Regenwasser vom Dach abfließen kann. So isses halt – s'isch emmer ebbes.

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Walmart in Laconia , GPS: 43.566189, -71.438026, relativ ruhig, empfehlenswert,

 

Mi. 26.09.18

Obwohl das Wetter heute nicht wirklich besser aussieht, fahren wir weiter und schlagen die Grobrichtung Atlantikküste ein. Auf dem Weg nach North Hampton Beach, südlich von Portsmouth, durchqueren wir das grüne New Hampshire, vorbei an scenic Nurseries / Gärtnereien und schmucken kleinen Städtchen.

Am North Hampton Beach bläst eine steife Brise, total warm. Wir sehen einen Mutigen beim Wellenbaden. Das Wasser hier ist total aufgewühlt und sicherlich auch nicht ganz so warm – ist ja Atlantik. Also nicht Baden, dafür gibt es ein leckeres Eis, und solange wir schlecken werden die Wellen beobachtet.

Weiter geht es in den Süden Richtung Boston, immer an der Atlantikküste entlang. Und schon wieder überqueren wir eine Staatengrenze, diesmal rüber nach Massachusetts.

 

MASSACHUSETTS – The Spirit of America

 

Auf Höhe Essex schwenken wir wieder ins Landesinnere, da in Saugus, weiter südlich direkt an der #1, ein Walmart das Übernachten erlaubt. Beim Durchqueren von Essex, immer noch in Küstennähe, fällt uns der Memorial Park auf. Wir biegen kurzerhand ein, entdecken keine Verbotstafeln und einen größeren nicht geteerten Platz gleich hinter dem Tennisplatz und neben einem Football-Trainingsfeld. Hier sollen die Bootsanhänger abgestellt werden, nicht vorne auf dem geteerten Parkplatz. Vorne direkt an der Straße ist das hiesige Feuerwehr-/Polizeigebäude. Wir fragen einen gerade aus seinem Streifenwagen aussteigenden Polizisten, ob Übernachten verboten ist. Er meint: Keine Verbotsschilder, daher auch kein Ticket. Feel free to stand there... Wir bedanken uns und parken ein.

Da wir direkt am Salzwassermarsch stehen, hat es immer noch ein paar Mücken, außerdem ist es hier wieder bedeutend wärmer als in den White Mountains. Schutznetze hochgezogen, gut is. Und mit der offiziellen Genehmigung schläft sich's doch gleich ruhiger.

Unsere Ankunft ist natürlich nicht unbemerkt geblieben, vor allem da eine halbe Stunde später die Jugendmannschaft noch Training hat. Nachdem der Erste sich traut zu fragen, folgen gleich noch ein paar hinterher. Ein Rentner vorne an der Straße, der uns mit seiner Frau schon zugewunken hat, kommt noch mit Freund vorbei und bietet an, wir sollen uns einfach melden, falls wir was brauchen. Wieder ein freundlicher Empfang. Schön.

Übernachtungsplatz:

Freistehen Essex Memorial Park, GPS: 42.630316, -70,781062, Stellplatz hinter Tennisplatz direkt am Football-Trainingsfeld, total ruhig, sehr empfehlenswert,

 

Do. 27.09.18

Heute nehmen wir Boston in Angriff. Gut frühstücken, es wird ein harter Tag. Inzwischen gibt es morgens nicht mehr Müsli mit Obst, sondern Haferflocken mit gespaltenen Hanfsamen, Cranberries, Zucker-Zimt oder Honig. Das stopft und hält länger an bis zum nächsten Kleinen Hunger – haben wir von Lee gelernt.

Die Anreise von Essex sind nur 35km bis zu einem großen Pendlerparkplatz in Medford (U-Bahnstation Wellington, GPS: 42.40157, -71.07628). Hier gibt es auch die Möglichkeit für Overnight Parking und man ist in ca. 25min im Stadtkern von Boston. Super. Gebucht und bezahlt wird online (pay by phone) 9$ für 24h, und am Wochenende für Sa+So zusammen nur 8$. Dann noch eine 7-Tage-Karte für die U-Bahn für 21,25$ und schon sind wir flexibel unterwegs. Einfach genial.

Los geht’s. Wir steigen State Station aus und sind gleich beim ältesten öffentlichen Gebäude in Boston, wo viel der Geschichte der USA geschrieben bzw. gestartet wurde. Das letzte Bild symbolisiert die Geschichte sehr eindrucksvoll. Gestartet im kleinen Backsteinhaus, inzwischen durch die Gegenwart in Form von verglasten Hochhäusern eingerahmt. Boston ist ja berühmt für all die Backsteinhäuser. Es gibt nicht nur alte Häuser von anno-wasweißich, sondern auch viele neuere, die in diesem Stil gebaut wurden. Sehr schön.

Da es schon gut nach Mittag ist, steuern wir etwas abseits des Freedom-Trails (der an den wichtigsten geschichtsträchtigen Gebäuden in Boston vorbeiführt) die Markthallen Faneuil Hall an (dahinter befindet sich auch gleich noch das Hard Rock Cafe – besuchen wir aber nicht). Im zentralen Gebäude Quincy Market der drei Markthallen befindet sich die Foodstreet/Fressmeile. Hier wird an unzähligen Ständen gebraten und gebrutzelt bzw. Nachtisch produziert. Alle Küchen der Welt sind vertreten, so dass jeder Geschmack etwas findet. Für ca. 10$ bekommt man eine reichliche, meist frisch zubereitete Portion. Gestärkt bummeln wir durch den weitläufigen Außenbereich zwischen den Ständen, sehen den Musikern bzw. Akrobaten bei ihren zum Teil doch sehr waghalsigen Kunststücken zu. Durch das Tor unter dem Metallgerüst nach draußen Richtung Hafen und man befindet sich ungefähr in der Mitte des Rose Kennedy Greenway. Ab 2008 wurde dieser Grünstreifen angelegt, der sich quer durch Boston zieht und zu einem großen Teil die Autobahn #93 bedeckt, die sich davor oberirdisch und lärmend durch die Stadt gewunden hat. Durch diese Maßnahme hat die Stadt enorm an Grünfläche gewonnen, man hat nicht das Gefühl in einer Großstadt zu sein. Vor allem der Lärm durch die Autobahn ist weg. Diesen Park werden wir aber erst in den nächsten Tagen erkunden.

Heute wandern wir zuerst ein Stück auf dem Freedom-Trail entlang. Ganz Boston atmet Geschichte und die Stadt hat es geschafft, die alte Stadtstruktur konserviert zu erhalten und die Zukunft der Moderne parallel hochzuziehen. Überall finden wir die alten Reichtum ausstrahlenden Gebäude mit ihren opulenten Verzierungen, direkt in Nachbarschaft zu modernen verglasten Wolkenkratzern, alt in neu integriert. Toll anzusehen, wenn die alten Gebäude sich in den neuen Glasfassaden spiegeln. Leider ist das auf den Bildern nicht so plastisch zu sehen wie in live.

Heute ist es sehr warm und die hohe Luftfeuchtigkeit führt dazu, dass die Kanaldeckel zur U-Bahn kräftig Dampf ausstoßen. Wer keine Lust zu wandern hat, kann in Busse der verschiedenen Hop-on/Hop-Off-Fuhrunternehmen einsteigen und sich von Punkt zu Punkt kutschieren lassen. Das Amphibienfahrzeug ist da mal eine ausgefallene Variante, auf dem wohl auch ein Stück Hafenrundfahrt absolviert wird. Wir machen es zu Fuß, so haben wir mehr Zeit, alles auf uns wirken zu lassen.

Vom Markt geht es wieder vorbei am Old State House Richtung des Old South Meeting House; sieht aus wie eine kleine Backsteinkirche. Weiter zur Kings Chapel, zum Granary Burying Ground. Auf diesem Friedhof sind mehrere wichtige Persönlichkeiten wie z.B. Samuel Adams begraben.

Am heutigen State House angekommen, haben wir gleichzeitig auch den Boston Common Park erreicht, der neben einem Froschteich, einer Memorial Statue für die Gefallenen des Bürgerkriegs auch einige possierliche Tierchen (Tausende) beheimatet.

An den Boston Common Park schließt sich nahtlos der Public Garden an, der einen tollen alten Baumbestand hat und damit samt der Skyline von Boston den richtigen Rahmen für Mr. Washington hoch zu Ross bietet. Hier sehen wir auch zum ersten mal ein Albino-Hörnchen.

Weiter geht es vorbei an vielen Kirchen, barocken Häusern und Einkaufstempeln Richtung Trinity Church und Boston Public Library.

Auch hier wieder der extreme Kontrast zwischen alter Kirche aus der Gründerzeit neben hochmodernem Glasgigant.

Gegenüber der Trinity Church thront die Boston Public Library mit ihren Lesesälen und vielen Nebenräumen, die mit verschiedenen Gemälden zum verweilen und lesen in der Stille einladen. Wir haben hier nur den alten Teil der Bibliothek besucht. Der moderne Teil mit der heutigen Medienvielfalt schließt sich im hinteren Bereich an. Die in der Nachbarschaft liegende Old South Church sticht imposant durch ihr Detailreichtum aus der Umgebung hervor.

Der Spätnachmittag neigt sich seinem Ende entgegen und wir erreichen unser heutiges Ziel, das Hochhaus des Prudential Centers. Dort wollen wir eigentlich auf dem Observation Desk den tollen Blick über die Stadt genießen, aber die Kosten für dieses kurzweilige Vergnügen (20$/Person) lässt uns wieder in den Aufzug einsteigen und nach unten in die überdachte Halle fahren.

Wir steigen in die nächste U-Bahn ein, fahren noch in die Fußgängerzone im Stadtkern, essen eine Kleinigkeit und fahren danach direkt raus zu unserem Mobil. Obwohl wir müde sind, fahren wir die 35km wieder hinaus nach Essex zu unserem gestrigen kostenlosen Stellplatz am Salzwassermarsch, da für morgen Regen angesagt ist und wir einen Indoor-Tag zum Ausruhen und dokumentieren nutzen wollen.

Übernachtungsplatz:

Freistehen Essex Memorial Park, GPS: 42.630316, -70,781062, Stellplatz hinter Tennisplatz direkt am Football-Trainingsfeld, total ruhig, sehr empfehlenswert,

 

Fr. 28.09.18

Indoortag, Regentag.... Ausschlafen.

Boston-Wochenende planen und buchen (Whale watching, Boston Symphoniehall, Harvard/MIT-Studentenführung,...), Bilder sortieren, HP updaten....

Ebbe und Flut im Salzwassermarsch direkt neben dem Mobil beobachten....

Übernachtungsplatz:

Freistehen Essex Memorial Park, GPS: 42.630316, -70,781062, Stellplatz hinter Tennisplatz direkt am Football-Trainingsfeld, total ruhig, sehr empfehlenswert,

 

 

Sa. 29.09.18

Heute ist super Wetter angesagt und somit ideales Wetter für Whale Watching. In der Nähe von Essex liegt an der Küste das Städtchen Gloucester, bekannt für Walbeobachtungstouren. Hier gibt es mehrere Anbieter.

Ca. 70km vor der Küste sind verschiedene Riffe, die die kalte Strömung aus dem Norden nach oben an die Oberfläche leiten und die im Wasser gelösten Mineralien aus der Tiefe transportieren. Diese sind die Nahrungsbasis für Algen und Ein-/Mehrzeller, die wiederum die Leibspeise der Mini-Krebse, dem Krill, sind. Und Wale, und zwar die Bartenwale, z.B. der Finnwal - Zweitgrößter in der Familie nach dem Blauwal, lieben und ernähren sich vom Krill, den sie mit ihren Barten aus dem Wasser fischen. Daher tummeln sich hier vor der Küste die Wale mit ihren Jungen im Sommerurlaub und fressen sich voll. Also ideal, um problemlos die „possierlichen Tierchen“ vom Schiff aus zu beobachten.

Kurz nach 9 Uhr ist Abfahrt. Zuerst gibt es eine kurze Einführung in Walkunde durch die wissenschaftliche Begleiterin, und als der Kapitän dann auch eingetroffen ist, geht es los.

Blauer Himmel, spiegelglatte See, und zur Sicherheit noch eine Reisetablette intus, da kann es nur gut werden. Als wir aus dem geschützten Hafen sind, vorbei an den vielen Villen mit super Meersicht, wird es doch ein bisschen Wellenreiten, da die Wellen vom Meer an die Küste drücken und das Schiff sie durchpflügen muss.

Nach einer knappen Stunde sind wir im ersten Zielgebiet. Ab jetzt heißt es: Warten und beobachten, bis das „Wal da bläst er....“ ertönt. Da die Wale am Fressen sind, sieht man sie meistens nur kurz auftauchen, mehrmals Luft holen und in einer eleganten Bewegung wieder abtauchen. Dummerweise können sie alle ganz nett lange die Luft anhalten, werden dann längere Zeit nicht mehr gesichtet bzw. tauchen außerhalb der Sichtweite wieder auf.

Aber der Kapitän schafft es immer nach einer Sichtung, schnell hinterher zu fahren, so dass die Brummer (die Ausgewachsenen bringen bis zu 40 To auf die Waage bei einer Größe eines gelben amerikanischen Schulbusses) relativ nahe am Boot wieder an die Oberfläche kommen. Durch das klare Wasser ist der weiße Bauch des Finnwals gut zu sehen, und mit Glück steht das Schiff gerade so, dass man beim Abtauchen die Flucke von der Unterseite sehen kann. Diese ist wie eine Fingerabdruck und die wissenschaftliche Begleiterin an Board informiert dann via Lautsprecher: z.B. über Name des Wales, wie alt er/sie ist, etwas zu seiner Geschichte. Die Walbeobachtungstouren sind nicht nur interessant für Touristen, sondern auch für Wissenschaftler, denn jede Sichtung wird dokumentiert und damit über die Jahre ein Gesamtbild der Population erfasst. Sogar ein Muttertier mit Kalb lässt sich blicken.

Die Sonne im Rücken zeigen sich Regenbogen im Gischtnebel der ausgeatmeten Luft aus dem Atemloch des Wales.

Kalt ist es eigentlich nicht, aber der Fahrtwind bläst uns auf der 1,5h dauernden Beobachtungstour (ohne An- und Rückfahrt) um den Kopf, deshalb ist Marion so eingepackt.

Aber jetzt viel Spaß beim Bilderschauen:

Auf der Rückfahrt an der Küste entlang kommen wir wieder an ein paar wirklich tollen Villen vorbei. Kurz vor der Hafeneinfahrt dreht der Kapitän nochmal eine Schleife. Direkt an der Oberfläche schwimmt ein etwas seltener Fisch: Ein Mondfisch (Mola Mola). Leider bin ich nicht in optimaler Photographier-Position. Einfach mal googeln, ist echt ein exotisches Teilchen.

Insgesamt eine beeindruckende Tour mit 6 unterschiedlichen Sichtungen, von meistens 2 großen Finnwalen bzw. Muttertier mit Kalb. Auf der Heimfahrt werden wir auch noch von einer Tümmlerschule überholt, die sich vor lauter Freude an der Geschwindigkeit, ein Rennen mit unserem Boot liefern. Keine Chance auf ein Photo; da schaut man einfach zu und staunt über den Speed.

Normalerweise kosten diese Touren 48$ pro Person. Ich/P bin einen Tag zuvor im Internet mal wieder über Groupon gestolpert und, welch Wunder, gleich drei Anbieter in und um Gloucester bieten günstiger an. So haben wir die Tour für jeweils 30$/Person bekommen. Jeder Dollar super angelegt.

Es ist schon wieder nach 13 Uhr als wir mit dem Mobil loskommen und uns aufmachen Richtung Boston zum Pendlerparkplatz. Hier wollen wir heute Nacht stehenbleiben und den restlichen Tag bzw. Morgen in Boston verbringen. Es ist nämlich super Wetter fürs Wochenende angesagt. Zudem bezahlen wir für Sa+So nur 8$.

Unsere Metro-Karten gelten für mehrere Tage. Innerhalb von knapp 30min sind wir wieder im Zentrum von Boston. Heute Mittag marschieren wir als Erstes zur USS Constitution im Hafen. Es ist zwar ein Nachbau, aber trotzdem schön.

Weiter geht es am Hafen entlang, rüber zum Tea Party Museum mit den Nachbauten der englischen Schiffe, von denen aus Bostoner Bürger englischen Tee über Bord warfen, Ausdruck der Rebellion und Unabhängigkeitswunsch. Heute können Touristen Pseudo-Teepakete über Bord werfen. Schräg.

Im Hintergrund die gebogene Glasfront des Intercontinental Hotels. An den etwas entfernteren verglasten Hochhäusern erkennen wir auf verschiedenen ebenen Balkone, haben wir in dieser Form auch noch nicht gesehen.

Da es schon auf Abend zu geht, wollen wir wieder zur Foodstreet im Quincy Market, liegt ungefähr auf der Hälfte des Rose Kennedy Greenway. Zur Erinnerung: Highway #93 verlief bis vor ein paar Jahren quer durch Boston und wurde nun unter die Erde verlegt. Auf dem 'Deckel' des Tunnels wurde ein Parkähnlicher Grünstreifen angelegt und in mehreren Parzellen mit verschiedenen Kunstwerken bestückt.

Am Quincy Market angekommen, sind viele andere (Samstagabend) ebenfalls auf die Idee gekommen, hier nach einem leckeren Dinner zu schauen. Wir genießen neben dem Essen die sommerlichen Temperaturen und die verschiedenen Musiker und Artisten, einer besser wie der andere.

 

Übernachtungsplatz:

Pendlerparkplatz Wellington in Medford, GPS: 42.40157, -71.07628, am Wochenende Platz ohne Ende, super Anbindung an Boston, bis abends um 11 Uhr donnern die Flieger zum benachbarten Flughafen durch, danach ist Pause bis 6 Uhr morgens. Für ein bis zwei Nächte OK.

 

 

So. 30.09.18

 

Da wir nun schon in Boston sind, wollen wir auch die weltberühmte Harvard University und das etwas jüngere aber ebenso bekannte MIT besuchen. Vor vielen Jahren haben eine Handvoll Studenten ein kleines Unternehmen gegründet: Sie zeigen Besuchern und Touristen ihre Uni und vermitteln auf diesen Touren einiges an Geschichte und interessante Stories:

Die Inschrift der Bronzestatue vor der University Hall beinhaltet 3 Nicht-Wahrheiten: 1.) Es ist nicht John Harvard dargestellt, da zum Zeitpunkt der Entstehung der Statue kein Bild von Mr. Harvard existierte. Ein Unbekannter hat Modell gestanden; hierüber gibt es verschiedene Spekulationen. 2.) Mr. Harvard war nicht der Gründer der Uni und 3.) das eingemeißelte Gründungsjahr stimmt auch nicht.

Den Schuh der Statue berühren soll Glück bringen. In der Nacht vor den Prüfungen, kurz vor Weihnachten, gibt es ein 'spezielles' Ritual unter den Studenten: Auch bei bitterer Kälte laufen einige von der Statue aus einmal um die University Hall herum zurück zur Statue und zwar splitternackt (Schuhe sind erlaubt). Das zieht natürlich auch einige Schaulustige an. Unsere Führerin Sunny, die wirklich alles mit viel Witz und Engagement erzählt, hat dieses Ritual auch schon hinter sich.

Die Bibliothek wurde von einer seeehr reichen Witwe gestiftet (Name vergessen) und auch Unmengen an wissenschaftlichen Büchern. Ihr Mann und ihr Sohn waren auf der Titanic und sind als Helden gestorben. Sie hatten ihre 'reservierten' Plätze auf den Rettungsbooten armen Frauen zur Verfügung gestellt. Der Sohn war ein Büchernarr und unterwegs von Europa, wo er wissenschaftliche Bücher einkaufte. Die Witwe spendete die Bibliothek, sämtliche Bücher und eine 'größere' Menge Geld, verfügte aber, dass der sichtbare Teil des Gebäudes nicht verändert oder umbenannt werden darf. Von außen also immer noch dieselbe Bibliothek wurde sie im Untergrund erweitert, erweitert, erweitert, so dass sämtliche zur Verfügung stehenden Medien unter dem Großteil des Universitätsgeländes liegen. Etwas makaber aber passend: Die Bibliothek ist nur die Spitze des Eisberges!

Auf dem ersten Bild sieht man das offizielle Eingangstor zu Harvard. Dieses Tor darf ein Student nur zweimal durchschreiten, nämlich am ersten Tag und am letzten nach bestandener Prüfung. Ansonsten ist dieses Tor fest verschlossen. Es gibt ein kleines Nebenportal für das tägliche Ein und Aus.

Und noch eine: In dem Gebäude, in dem JFK wohnte/studierte musste ein Fahrstuhl eingebaut werden, damit auch behinderte Studenten die oberen Stockwerke nutzen können. Dieser Fahrstuhl wurde direkt in JFKs Studierzimmer gebaut – Wo also hat JFK studiert? Im Aufzugschacht. Usw. usw. Das sind nur ein paar der vielen interessanten und oft auch lustigen Geschichten um Harvard. Und natürlich hat diese Uni einige Berühmtheiten hervorgebracht – Matt Damon und Natalie Portman – und 8 Präsidenten!

Nach Harvard sind wir 2 Stationen zurück Richtung Stadtkern gefahren und beim MIT ausgestiegen. Auch hier eine junge Studentin im 2. Semester, die uns das Gelände, die Gebäude und Geschichten erzählt. Viele Berühmtheiten und diverse Nobelpreisträger haben hier studiert und gearbeitet, u.a. Bill Gates und Howard Wollowitz (Insider: Big Bang Theory). Das MIT hat jetzt nicht den historischen Charme wie Harvard, aber von der Kultur her ist es jünger und Visionen reicher. In den Anfangszeiten des MIT gab es keinen offiziellen Abschluss, kein Titel etc. Warum nicht? Einfach weil es das MIT ist. Inzwischen gibt es offizielle Titel und außer Naturwissenschaften auch Geisteswissenschaften. Bei Bewerbungen stehen nicht die Noten im Vordergrund, sondern die Leidenschaft und Interessen eines Studierenden.

Das Gebäude mit den etwas windschiefen Gebäudeteilen ist Stück für Stück gewachsen, u.a. hat Bill Gates als ehemaliger Student auch einen Gebäudeteil gestiftet. Der Greene-Tower mit der schwarzen Skulptur davor ist das höchste Gebäude. Der Stifter des Gebäudes hat den Architekten dazu beauftragt, die Höheneinschränkung durch extrem hohe Einzelstockwerke zu unterwandern. Da der Wind immer vom Hafen her durch die Öffnung im Sockel pfeift, wurde ein massiver Windschild gebaut. Da der Standort dieses Windschildes allerdings zu weit vom Gebäude weg liegt, funktioniert er nicht. Deshalb wir der Windschild heute offiziell einfach als Kunstwerk deklariert und die Eingänge des Gebäudes haben Windschutzkabinen vor den Türen. Ansonsten steht noch einiges an gestifteter Kunst auf dem Gelände herum.

Zur Entspannung von soviel Infos, war es auch nett den Spatzen beim Baden zuzuschauen.

Da es Sonntag war, konnten wir quer durch die Gebäude im Innern auf dem sogenannten Infinity-Pfad laufen, vorbei an den diversen Laborräumen mit den unterschiedlichsten Versuchsaufbauten. Die Türen haben alle einen Bieber als Türgriff, da der Bieber bei den Ingenieuren als ältester Baumeister gilt und somit deren Wappentier geworden ist.

Am Ende der Tour sind wir noch an der Hall of Fame der Studenten-Hacks vorbei gekommen. Ein Hack ist ein Studentenscherz, der aber natürlich eine gewisse Originalität besitzen muss und oft an einem Platz auf dem MIT-Gelände ausgeführt wird, wo betreten verboten ist. Wenn man dann erwischt wird, kann es einen Verweis von der Uni geben. Ein solcher Gag war ein Polizeiauto mit einem dicklichen Polizisten, dessen Hand in einer Donuts-Schachtel ist, oben auf der Kuppel des Hauptgebäudes abgestellt. Musste mit einem Hubschrauber wieder entfernt werden. Da das Hauptgebäude unter Bundesaufsicht steht, ist eine Besteigung natürlich strengstens verboten. Inzwischen gibt es auch Regeln, die bei einem Hack zu beachten sind – niemand darf verletzt werden.... Vom Dach des Green Tower werfen die Studenten zu Halloween Kürbisse, gibt natürlich eine Riesensauerei. Und eigentlich ist der Zugang zum Dach auch verboten – ebenfalls Staatseigentum, da stehen so allerhand Antennen.

Vor dem Gelände direkt am Wasser sehen wir noch die vielen kleinen Segelschiffe im Hafenbecken und erfahren, dass Studenten diese Boote kostenlos nutzen und segeln lernen können.

Auch noch witzig: Auf die Frage, welchen Namen die jetzige Harvard Bridge erhalten soll – Harvard Bridge oder MIT Bridge, verzichteten die MITs darauf, da sie der Brückenkonstruktion nicht trauten und vorhersagten, die Brücke würde über kurz oder lang zusammenbrechen. Kam dann auch so – die Brücke musste innerhalb weniger Jahre komplett restauriert werden, da die Konstruktion nicht hielt. Die MIT Ingenieure hatten Recht; der Ruf des MIT hätte wahrscheinlich ziemlich darunter gelitten.

Als wir auf die Uhr schauen, stellen wir fest, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, um rechtzeitig bis zur Symphoniehall zu fahren und auch noch etwas zu Mittag zu essen. So gibt es für jeden nur 2 Müsliriegel, nicht dass uns der Magen knurrt während des Konzertes. Zweiter Rang, auf der Empore, zum zweistündigen Bachkonzert der Haydn and Händel Society of Boston. Boston Symphonie Hall – Super. Eines der besten Häuser weltweit. Zufällig im Internet entdeckt, und noch günstige Karten für zweimal 50$ ergattert. Etwas weit weg von der Bühne, aber eine super Akustik und trotzdem sehr guter Blick auf die Bühne. Ein wirklich tolles Konzert inkl. tollem Chor und hervorragenden Einzelstimmen – Bach-Kantaten, gesungen auf deutsch.

Jetzt geht aber nichts mehr, Kultur reichlich und nichts im Magen. Der Körper verlangt nach richtiger Nahrung. Also wieder zur Foodstreet gefahren: Heute leckere asiatische Nudelgerichte mit Gemüse und mariniertem Hähnchenfleisch. Rundum zufrieden zurück zum Moppel dann noch von Medford südlich nach Walpole zum Übernachten.

 

Übernachtungsplatz:

Parkplatz BigY, Walpole. Der ansässige Walmart ist zugepflastert mit no-overnight-Tafeln; scheint zwar die Trucker nicht zu stören, war uns aber zu riskant in der Nacht geweckt zu werden. Am BigY , haben aber tno signs, trotzdem beim Manager um Erlaubnis gefragt, GPS: 42.138712, -71.220465, nur bedingt empfehlenswert, da der Hwy doch recht nah ist, aber für eine Nacht OK.

 

Hier wieder die Kartenübersicht der 15. und 16. Woche mit den gewählten Stellplätzen:

Kanada_2018_Sept_2

 

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