Sa. 01.09.18

 

Wir haben uns so auf unseren Traumplatz gefreut, aber schon morgens nieselt es - hindert uns natürlich nicht, schon vor dem Frühstück eine Runde in 'unserem' See zu schwimmen. Aber in den Garten sitzen können wir heute wohl nicht.

Kommenden Montag ist Labour-Day – Feiertag in Kanada. Viele sind an diesem langen Wochenende aus dem Süden hoch in die Wälder gefahren, um mit der Familie die Zeit zu genießen. – Am Dienstag fängt hier die Schule wieder an, nach 3 Monaten Sommerferien! Da gehört neben Fischen auch das ausgiebige Fahren mit den ATVs (Quad) dazu, so dass in den Regenpausen immer mal wieder ATVs vorbeikommen und unser Mobil bestaunen. Wir sind nur wenige Kilometer von 3 access points/Seezugänge des Aubrey Falls PP entfernt und unsere Anwesenheit spricht sich schnell rum, die Dichte der Besucher nimmt mal kurzfristig deutlich zu. Da wir nicht draußen sitzen und das Wetter für die Besucher auch nur bedingt Spaß macht, winkt man sich zu, aber Gespräche kommen nicht zustande.

Zwei junge Pärchen kommen mit ihren RAMs/Pickup, Anhänger mit ATVs, Boot oben drauf; fragen, ob es OK ist, wenn sie hier campen und bauen dann weiter oben ihre Zelte auf – ruhige Zeitgenossen, stören gar nicht – ist ja Platz mehr als genug da.

Wir ergeben uns unserem Schicksal und genießen den Indoor-Tag mit Lesen, planen, kochen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Peshu Lake , GPS: 46.960619, -83.153981, public access point am See , total ruhig, sehr empfehlenswert, bisher der beste Platz in Kanada

 

 

So. 02.09.18

 

Heute sieht es wieder trübe aus, haben keine Lust, die Motorräder runterzuholen, beschließen: Auf die Straße, weiter in den Süden. Der Highway#129 führt durch die bekannten kanadischen Wälder, wenig Verkehr, viele Kilometer entlang eines breiten aber nicht tiefen Flusses, an dem unregelmäßig verteilt Angler versuchen, die leckeren Fische zu erwischen.

Nach ca. 50km sehen wir wieder ein Hinweisschild zu einem Boatlaunch/Seezugang an einem großen See. Da wir etwas Hunger verspüren – reisen macht hungrig -, fahren wir die paar Kilometer in den Wald und erreichen den Sandstrand am Wakomata Lake. Hier stehen Tausha und Josh mit ihrem Pickupmobil und Randy mit seinem kleinen Trailer. Wir werden gleich lautstark von Happy dem kleinen Kläffer von Tausha empfangen und klären gleich mit der Hundebesitzerin ab, ob es OK ist, wenn wir uns hier hinstellen für einen Lunch. Sie meint, hier ist Crownland, wir brauchen nicht fragen, sondern können bis zu 21 Tage einfach stehen wo wir wollen.

Noch sieht der Himmel über dem See recht düster aus, aber nach dem Mittagessen reißt es auf und die Sonne brennt wieder.

Obwohl wir heute eigentlich eine längere Etappe runter zum Lake Huron vorhaben, entscheiden wir uns spontan stehen zu bleiben, das schöne Wetter zu nutzen, die Mopeds runterzuholen und die Waldwege in der Umgebung zu erkunden. Leider enden die meisten Waldwege irgendwo mitten im Wald oder werden sogar für die Mopeds zu schmal, so dass wir immer wieder umkehren müssen, oder sie führen zu privatem Gelände.

Nur einmal haben wir Glück, als wir an einem großen lichten Platz vorbei kommen und mehrere größere Vögel in der Luft entdecken. Zuerst denken wir es sind Adler, aber mit dem Kamerazoom erkennen wir, dass es sich wohl um eine Geierart handelt. Als wir zum photographieren absteigen, warten die Vögel kurz ab, fliegen dann über uns Kreise, um zu schauen, ob wir etwas mitgebracht haben. Auf dem Boden liegen unzählige abgenagte Fischgräten. Wir erfahren abends von Tausha, dass die Lodge in der Nähe, die Fischreste der angelnden Gäste hier für die Geier ablädt. Immer wieder schön anzusehen, wie die großen Vögel nur mit ein paar Schwanzbewegungen elegant im Wind über unseren Köpfen segeln – ohne einen einzigen Flügelschlag – wie die Milane zuhause!

Nach 2,5h herumheizen durch die Wälder, fahren wir wieder zurück, verstauen die Mopeds, nehmen ein erfrischendes Bad im See und setzen uns nach dem Abendessen mit einem Bier zu den anderen ans Lagerfeuer von Randy. Es ist eine wundervolle sternenklare Nacht mit gut sichtbarer Milchstraße, unzähligen Satelliten und Sternschnuppen am Himmel. Viele Geschichten von Reisen und Erlebnissen beim Jagen und Fischen runden den Abend ab. Es ist immer wieder toll, wie schnell man mit wildfremden Menschen, die man erst ein paar Stunden kennt, gemütliche Abende mit interessanten Gesprächen verbringen kann.

Tausha und Josh aus Niagara-on-the-Lake sind selbstständig, hatten früher mal einen Antiquitätenladen, inzwischen Online-Handel, können sich ihre Zeit einteilen und sind deshalb auch schon viiiieeel herumgekommen. Randy ist schon älter, Fixxer-Upper – kauft und renoviert Häuser. Sie kommen schon seit vielen Jahren immer wieder einmal in diese Gegend, weil es hier soooooooo schööööööön ist.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Wakomata Lake , GPS: 46.576886, -83.405745, public access point am See , sehr ruhig, empfehlenswert. Die Bucht ist sehr seicht und man muss schon sehr weit durchs Wasser und etwas Schlamm, um richtig schwimmen zu können.

 

 

Mo. 03.09.18

 

Bis wir nach dem Frühstück aus der Mupfel kommen, sind Randy und Josh schon wieder draußen beim Fischen, daher können wir uns von den Beiden leider nicht verabschieden. Tausha sucht für uns noch im Internet nach den Preisen für die Fähre von Manitoulin Island nach Tobermory und nach längerem Rechnen (m in feet und Zusatzkosten für unser großes Gefährt) kommen wir so auf ungefähr 150C$. Wir sind mal gespannt, ob das passt, aber jetzt haben wir zumindest eine grobe Vorstellung von den Fährkosten für uns und den Dicken. Tausha gibt uns noch ihre Adresse und Kontaktdaten in Niagara on the Lake, vielleicht kommen wir dort zum richtigen Zeitpunkt vorbei, wenn die beiden auch wieder zu Hause sind.

Als ich noch ein paar Bilder des Standorts mache, höre ich ein Rascheln hinter mir und als ich mich umdrehe sehe ich gerade noch wie sich die kleine Schlange ins Gebüsch davon macht. Leider nur ein unscharfer Schnappschuss, aber als Beweisfoto reicht's aus. Endlich mal eine von den viel beschriebenen Schlangen.

Wir fahren heute die #129 weiter nach Süden, biegen aber unterwegs nach Osten ab und fahren durch die Pampa (auf der Hypotenuse) direkt nach Iron Bridge am Highway#17. Von dort geht es wieder Richtung Sudbury bzw. Espanola, wo wir vor ca. einer Woche schon einmal übernachtet hatten.

In Walford kommen wir an einem geöffneten Subway vorbei, frisch zubereitetes „Gummibaguette“ belegt mit allem Möglichen (für M: good mixture of all, spicy = 2 gegrillte Hähnchenfilets, Käse, Salat, Tomaten, Zwiebeln, Oliven grün+schwarz, Habaneros, Paprika, Gurken, Soße = Mahlzeit = babb-satt / P nimmt 'was kleineres = nur Fleisch, Salat und Käse). Als wir wieder losfahren wollen, streikt seit langem mal wieder der Anlasser (wir vermuten das Starterrelais). Während P den Sicherungskasten mit den Relais ausbaut, stoppt ein Motorradfahrer, ein Deutscher, arbeitet seit 31 Jahren in Toronto für Daimler. Er hat sich eine freie Woche genehmigt und macht die Runde um den Lake Superior mit seiner großen BMW GS1200 voll bepackt (Touratech-Koffer, alles vom Feinsten) – auch schön! Bei ausgebautem Relaiskasten wird nochmal gestartet und: Der LKW läuft wieder. Ob es an der Erschütterung beim Ausbau liegt, oder am Abziehen des Natoknochens – trennen vom Strom, keine Ahnung – müssen wir noch gezielt danach suchen, Hauptsache ist, er läuft wieder.

Wir verabschieden uns, fahren 5km weiter zu einem theoretischen Stellplatz auf einem Waldparkplatz getrennt durch eine Eisenbahnlinie (die gut zu überqueren ist) vom Sandstrand am Lake Huron.

Da es aber doch noch recht früh am Tag ist, beschließen wir weiter zu fahren und Manitoulin Island zu erreichen. Unterwegs kommen wir am Straßenrand an einem Fleisch- und Gemüsestand vorbei, wo wir noch eine Flasche Maple-Sirup Erzeugerabfüllung erstehen.

MANITOULIN-ISLAND

Von Espanola Richtung Manitoulin Island überqueren wir einige mit Dämmen verbundene Inseln, die den North Channel im Lake Huron bevölkern, bevor wir dann auf die große Insel Manitoulin Island gelangen. Manitoulin Island ist die weltweit größte Insel in einem Süßwasser-See – Kunststück, bei DER Größe von See! Die ihr vorgelagerten Inseln sind sehr flach und fast komplett mit Marschland bedeckt. Auf Manitoulin-Island gibt es Wälder, Berge und hohe Klippen, Grasland und Steppe, an die hundert größere und kleine Seen, Sumpfgebiete, Ackerbau und Viehzucht... eigentlich alles. Die ganze Insel gehört den First Nation, deshalb sind die Ortsnamen etwas schwieriger auszusprechen....

Rüber geht es über eine schwenkbare Eisenbrücke, die einmal pro Stunde für 15 min für den Schiffsverkehr geöffnet wird; nur kleinere Schiffe – nix Großes.

Wir müssen nicht warten, können direkt rüber nach Little Current.

Da heute Labour Day ist, haben auch hier Supermärkte und Geschäfte zu. Ein Stopp macht keinen Sinn, wir fahren auf direktem Wege nach Kagawong zu unserem ersten Stellplatz auf der Insel. Kommen durch Ortschaften wie Aundeck Omni Kaning und M'Chigeeng (kein Schreibfehler!). Die Landschaft gibt nicht wirklich viel her und wir haben noch die Worte von Tausha im Ohr, die da meinte, sie versteht nicht, was die Leute an Manitoulin Island finden, da wäre es hier im Norden deutlich schöner. Bis jetzt sehen wir das auch so. Vielleicht wird es ja noch besser.

Bevor wir nach Kagawong reinkommen, halten wir direkt an den überall empfohlenen Bridal Veil Falls, sind aber auf Grund der etwas dünnen Wassermenge nicht sonderlich beeindruckt, haben auch keine Lust , die Treppen runter zu steigen und dort unten zu baden. Mensch, sind wir verwöhnt!

Als wir am public Beach außerhalb von Kagawong ankommen, müssen wir leider feststellen, dass Overnight-Camping verboten ist; ein vor einer Woche dort aufgestelltes neues Schild weist entspr. darauf hin. (Hat uns ein junges lokales Pärchen, die in der Nähe wohnen, verraten. Warum, wussten sie auch nicht.)

Anyway – schöner Strand, noch besseres Wasser. Nach einer Runde schwimmen fahren wir ins kleine Zentrum des angeblich schönsten Dorfes in Ontario zurück, wo es einen Parkplatz am zentralen Beach bzw. am Old Mill Museum gibt, auf dem keines dieser lästigen Schilder steht.

Auf dem Rückweg müssen wir langsam fahren. Bei einsetzender Dämmerung sind einige Rehe mit ihren Jungen unterwegs; lassen sich nicht so wirklich durch unseren LKW-Lärm stören, sondern fressen ruhig weiter als wir sie photographieren. Eingeparkt, kommen auch gleich noch 2 „Reisemobil-Touristen“ vorbei, werden mit Fakten zum Mobil und unserer Reise zufriedengestellt. Ein Auto mit einer rüstigen ca. 90jährigen Frau, deren Tochter und Enkel – die ältere Dame ist 1948 mit Mann nach Kanada ausgewandert – spricht noch sehr gut deutsch – freuen sich alle riesig, dass wir eine so tolle Reise machen mit solch einem wunderbaren Fahrzeug. Sie selbst sind gerade auf Urlaub, kommen aus Toronto. M: Sie erinnert mich total an meine Mengener Oma – richtig lieb, scheeeeee. Solche Begegnungen machen's aus, das Reisen!

Vor dem Abendessen noch schnell das Grauwasser in den naheliegenden Mobiltoiletten entsorgt/dumpen, und schon geht die Sonne unter.

Durch die viele Fahrerei heute sind wir recht müde und nach ein paar Folgen der Serie Game-of-Thrones geht es ins Näschd. (Die Serie ist super – so richtig schön brutal, Splish-Splash! Ich/M liebe das – Außerdem hab' ich die Bücher schon gelesen. Toll.)

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen auf Parkplatz in Zentrum von Kagawong , GPS: 45.909236, -82.257569, public, kleiner Sandstrand, ruhig, empfehlenswert

 

 

Di. 04.09.18

 

Schon die halbe Nacht regnet es und es lässt auch während des Frühstücks nicht wirklich nach. Wir machen uns trotzdem abfahrbereit und gehen bei leichtem Niesel noch rüber zum Old Mill Museum, das heute natürlich prompt geschlossen hat, besuchen noch die Art-Gallery im 1. Stock. Ein paar nette Sachen sind dabei, Fotos sind leider nicht erlaubt; die Preise liegen außerhalb unseres Geldbeutels. ...und Platz haben wir ja auch nicht.

Kagawong wird als the prettiest village in Ontario angepriesen, aber vielleicht liegt es am Regen und den Wolken, dass wir das nicht sofort erkannt haben. Hm.

Wir fahren eigentlich nur 22km weiter nach Gore Bay, um dort mal wieder unsere Vorräte aufzufüllen und Wäsche zu waschen. Das kostet doch immer nicht unerheblich Zeit. M macht Wäsche, P kann sich solange dank freien Wifi in der ganzen Stadt um die Homepage, emails, etc. kümmern.

Auf Manitoulin Island gibt es nicht viele ausgewiesene freie Stellplätze, so dass wir zur Marina/Hafen runter fahren und dort auf dem Parkplatz für RVs/Camper direkt am Wasser stehenbleiben. Hier darf man bis zu zwei Nächte frei stehen und im benachbarten Hafenmeistergebäude gibt es public washrooms/Toiletten, die genutzt werden können – falls nötig.

Kaum richtig eingeparkt, sind gleich 3 Paare zur Stelle, die uns in der Stadt gesehen haben und uns hinterhergefahren sind, so dass wir erst mal für eine halbe Stunde Rede und Antwort stehen dürfen.

Aber dann geht's ins erfrischende Nass des North Channel des Lake Huron. Tut das gut!

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen an der Marina von Gore Bay , GPS: 45.909236, -82.257569, public, guter Seezugang, relativ ruhig, empfehlenswert, offiziell für 2 Übernachtungen erlaubt

 

 

Mi. 05.09.18

 

Eigentlich hat der Wetterbericht gestern Gewitter und Regen für die Region gemeldet. Aber bis auf kräftigen sehr warmen Wind und Wolken zum Frühstück bis zum Mittag – kein Regen. Gegen 10Uhr kommt sogar die Sonne raus, also eigentlich ideales Bade- und Wanderwetter.

Wir wollen aber endlich mal wieder die Homepage aktualisieren und so setzen wir uns hin und schreiben fleißig. Da wir direkt gegenüber dem Hafen stehen, wird unsere Arbeit immer wieder unterbrochen: Müssen beobachten, wie Segelboote mit dem Laufkran aus dem Wasser gehoben werden und dann auf Anhängern ins Winterlager geschoben werden – sieht man ja auch nicht alle Tage. Außerdem müssen wichtige Schwimmpausen eingelegt werden.

Als Abwechslung gibt es im benachbarten Harbour Center auf 3 Ebenen Kunst zum Anschauen und natürlich Kaufen. Habe mal als Beispiel die 3 schönsten Quilts aufgenommen.

Und Esspausen. Und Mobiltouristen gibt’s ja auch noch. Aber endlich, schon fast 6pm, sind wir auf aktuellem Stand. Für heute :-) Und wie man sehen kann stimmt der Wetterbericht fast, denn am späten Nachmittag ziehen dann doch die dunklen Wolken auf.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen an der Marina von Gore Bay , GPS: 45.909236, -82.257569, public, guter Seezugang, relativ ruhig, empfehlenswert, offiziell für 2 Übernachtungen erlaubt

 

 

Do. 06.09.18

 

Sonnenaufgang ohne Wolken am Himmel; es verspricht, ein sonniger Tag zu werden. Es geht schon Richtung Herbst, die Nächte sind angenehm kühl, die Tage nicht mehr ganz so stichig.

Bevor wir Gore Bay verlassen, fahren wir noch bis zum Leuchtturm raus. Auf der Strecke viele kleine tolle Häuser mit Blick auf die Bay und direktem Wasserzugang. So ein Sommerhaus ist sicher eine feine Sache.

Wir machen heute eine kleine Rundtour durch das Herz von Manitoulin Island. Zuerst nach Süden nach Spring Bay und dann weiter nach Osten bis Mindemoya. Wir sehen mehrere Gruppen Kraniche, die auf den Feldern mit ihren Jungen unterwegs sind, vermutlich 'Jagdunterricht'. So trocken wie das Gelände hier ist, können die eigentlich nur Heuschrecken fangen.

Vorbei am Tobacco Lake, Nameless Lake, Lake Kagawong, Monkhouse Bay am Lake Mindemoya … In Mindemoya Lebensmittel einkaufen, eine Kleinigkeit essen, dann weiter nach Norden Richtung West Bay. Zwischen der West Bay und dem Lake Manitou liegt der Cup and Saucer Hiking Trail: Ein mehrere Kilometer langer schöner Wanderweg; vergleichbar mit dem Traufgang auf der Schwäbischen Alb. Man arbeitet sich durch den Wald über diverse Anstiege zur Abrisskante hoch. Oben angekommen tolle Ausblicke über das Waldmeer und die eingebetteten Seen. Vereinzelt beginnt schon die Herbstfärbung; sieht sicher super aus, wenn all die vielen unterschiedlichen Laubbäume in sämtlichen Herbstfarben knallen. 4 Wochen vielleicht noch.... Solange sind wir nicht mehr hier – glaub' ich!

Am spektakulärsten Lookout/Aussichtspunkt gibt es eine Felsnase ohne jegliche Sicherung, und M wagt sich trotz ihrer Höhenangst bis fast an die Kante; etwas Adrenalin getankt.

Wir kommen noch an weiteren Lookouts vorbei, nicht mehr ganz so nervenaufreibend.

Auf dem Rückweg wird’s dann doch noch ganz schön warm, kommen etwas verschwitzt am Mobil an. Wenige Kilometer vom Trail entfernt entdecken wir eine schöne Badestelle am Lake Manitou, nutzen dies natürlich für eine Schwimmpause, wobei 'schwimmen' in gerade mal knie- bis hüfthohem Wasser gar nicht so einfach ist. Anyway, erfrischend isses allemal. Weiter geht’s auf die Ostseite der Insel. Sehen Rehfamilien, schöne Seen, und dank diverser Schilder an der Straße wissen wir auch, was hier so alles in der Gegend kreucht und fleucht....

In der Nähe der First Nation Ortschaft Sheguiandah gibt es einen Trail, der nicht schlecht sein soll: Der Lewis Twin Peak Trail. Also hingefahren und losmarschiert. Naja, der Trail ist jetzt nicht so der Burner. Kurz vor Trail-Ende sehen wir dann aber noch eine "Garter"-Schlange. Sie ist leider recht schnell unterwegs und auch gleich wieder im Gestrüpp verschwunden.

Nun geht es auf der Ostseite der Insel gen Süden, immer mit Blick auf die Georgian Bay. Hier gibt es immer mal wieder Aussichtspunkte, irgendwann haben wir uns sattgesehen. Ein quirliger kleiner Klaiber ist eine schöne nette Abwechslung.

In Manitowaning am Strand am Lake Manitou nochmal zum Baden, schönes klares Wasser. Leider No Overnight Camping. Daher sind wir wie die kanadischen Wildgänse in Richtung South Baymouth weitergezogen, dort wollen wir ja Morgen die Fähre rüber nach Bruce Peninsula erwischen.

In South Baymouth gibt es einen kleinen municipalen/städtischen Campingplatz. Von Dominik haben wir schon erfahren, dass dieses Jahr wohl nicht kassiert wird. Wir fahren hin, sind auch gerne bereit, die 20C$ zu bezahlen, da wir nur 5 min vom Fährhafen schön ruhig im Wald stehen können. Keiner da, niemand kassiert. Auch gut!

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen John Budd Memorial Park, GPS: 45.565171, -82.011953, eigentlich der örtliche Campingplatz aber dieses Jahr kassiert wohl keiner ab - haben den Tipp von unserer Reisebekanntschaft Dominik, total ruhig, sehr empfehlenswert

 

 

Fr. 07.09.18

 

Da wir die Fähre vorab nicht reserviert haben, trödeln wir heute Morgen nicht 'rum, sondern schauen, dass wir spätestens um 9:30Uhr am Fährhafen sind. Da kommt schon beinahe Stress auf!

Der Kontrolleur weist uns ein auf die Wartebahn; wir haben zwei weitere Fahrzeuge ohne Reservierung vor uns. Eigentlich ist die Fähre schon ausgebucht, trotz Nachsaison , aber mit etwas Zusammenrücken passen immer noch ein paar Fahrzeuge zusätzlich drauf, und er macht uns Hoffnung, dass auch unser Dicker noch mitfahren kann. So gegen 10:20Uhr dürfen wir dann schon mal vorfahren und ein vorläufiges Ticket für 150C$ lösen – hat also gepasst, was M und Tausha ausgerechnet haben. Um es kurz zu machen: Wir können mit und auch noch einige Fahrzeuge hinter uns, sogar noch Pickups mit Bootsanhängern. Geht ganz schön was drauf auf die Fähre – sieht man ihr gar nicht an. Sie heißt Chi-Cheemaun Car Ferry, was so viel bedeutet wie „Großes Kanu“.

Natürlich ziehen wir mit unserem Moppel wieder das Interesse von vielen Neugierigen auf uns - „quite a rig“, aber wir haben ja Zeit und daher einige nette Gespräche, u.a. auch Reisende aus Bayern.

Direkt vor uns steht ein großer Trailer/Wohnanhänger, dessen Besitzer Pauline und Lee (beide schon älter, in Rente) sprechen uns ebenfalls an. Sie hatten uns schon in Gore Bay gesehen und wie sich später noch herausstellt, auch schon am Ranger Lake im Norden oben. Lee ist sehr am LKW interessiert und auch an der selbst ausgebauten Kabine. Die beiden laden uns nach kurzem Gespräch zu sich nach Hause ein und Lee schreibt mir auf einem kleinen Zettel Adresse samt kleiner Anreiseskizze auf. Sie wollen mehr Zeit mit uns verbringen und unbedingt mehr von uns und unserer Reise erfahren. Sie sind total nett und wir versprechen vorbei zu schauen, wenn wir auf dem Weg nach Süden an Wiarton (ca. 80km entfernt) vorbeikommen. ...Und schon dürfen wir auf das „Große Kanu“, die Fähre. Herrliches Wetter, die Überfahrt ist sehr ruhig, vorbei an diversen Inseln, nach ca. 2 Stunden kommen wir im Hafen von Tobermory an, an der Spitze der Bruce Peninsula.

BRUCE PENINSULA

Wir fahren gleich weiter, da es in Tobermory, wenn überhaupt, nur sehr teure Parkplätze gibt. Steuern direkt den Bruce Peninsula NP (National Park) an, wollen den Trail zur Grotte machen, werden allerdings an der Schranke abgewiesen, da alle Parkplätze belegt sind. Es gibt nicht wirklich viele Parkplätze im Park; die Trails sind sehr beliebt, speziell der zur Grotte an der Küste; Wochenende haben wir ja auch noch. Deshalb wurde dieses Jahr für diesen Trail bzw. Parkplatz eingeführt, vorab einen Platz online zu reservieren – man bekommt ein Zeitfenster von drei Stunden für die Wanderung. Im Sommer kommen täglich bis zu 4000 Besucher in den Park und wollen zur Grotte – ein Highlight im Park - und anders ist diese Menge an Besuchern nicht zu steuern. Wir setzen, wie bei der Fähre, auf die Nachsaison, aber hier funktioniert es leider nicht; können erst ab 16.00 Uhr rein. Also umgedreht und für die nächsten zwei Stunden auf den in der Nähe liegenden Singing Sands Beach Parkplatz, wollen ja sowieso noch in Ruhe essen und ruhen uns noch etwas aus. Baden am Singing Sands haben wir uns abgeschminkt; hier kann man bis zu einer Meile durch das seichte, nur knietiefe Wasser hinaus waten – ideal für Familien mit Kindern, aber nicht zum Schwimmen.

P ist mufflig, denn pünktlich wie wir sind, sind wir schon 15 Min früher wieder am Tor zum Grotten-Parkplatz, dürfen aber immer noch nicht rein. Warten is nicht, also wieder zurück zum Singing Sands. Hier vertreten wir uns jetzt die Beine und laufen ein paar Meter auf dem Holzsteg entlang, der durch das moorige Grasland am Strand führt. Schöne purpurne Carniforen / fleischfressende Pflanzen.

Nach 16 Uhr bekommen wir auf jeden Fall Einlass, Zeitfenster sogar bis 21.00 Uhr, dann wird der Park geschlossen. Können vorbei an einer weiteren Schranke und diversen Campingplätzen im NP, auf den Parkplatz P1 als Ausgangspunkt zu den meisten Trails. Reichlich Platz, der Parkplatz ist inzwischen halb leer.

Wir schnüren die Wanderschuhe und bereuen auf den ersten 1,5 km fast diese Entscheidung: Dieser Weg ist geeignet für Rollatoren oder Flip-Flop-Wanderer, endet allerdings an einem ersten Lookout auf den Süßwassersee/Georgian Bay. Von hier aus geht es dann über viel Gewurzel und Steine durch den Wald (ab jetzt passen die Schuhe zum Gelände) zum ersten Zielpunkt Indian Head Cove, zwischen den Seen Horse Lake und Marr Lake. Die Küste ist hier wie überall auf der Nord-Ostseite der Peninsula, sehr steinig, felsig (die Westseite ist sandig und sumpfig, siehe Singing Sands), hat hier aber trotzdem die Möglichkeit, in das sehr erfrischende Wasser der Georgian Bay zu hüpfen.

Wir ziehen also auch die Badesachen an und genießen es, in den Wellen zu schwimmen.

Da das Wasser sehr frisch ist, sind wir nicht stundenlang im Wasser, marschieren nach dem Umziehen und Trocknen zur nahe gelegenen Grotte, der Hauptattraktion dieses Trails.

Auch hier kann man über die Felsen hinunterklettern, allerdings ist das etwas tricky, außerdem wollte ich/P mich nicht schon wieder umziehen. So bin ich nur halb runter, um eine paar Bilder zu schießen. Ein paar junge klettern ganz hinunter und schwimmen durch die auf dem Wasser stehenden Lichtkegel, die Sonne scheint durch Löcher in der Grottenwand.

Weiter geht's auf dem Teilstück des Bruce Trails (dieser zieht sich von den Niagara-Fällen die Küste entlang bis hoch nach Tobermory) und in der Nähe der überhängenden Felsen wieder durch den Wald entlang des Marr Lakes zurück zum Parkplatz.

Als wir am Ufer des Marr Lakes stehen entdeckt M den Kopf eines Bibers, der langsam Richtung Ufer direkt auf uns zu kommt. Wir sehen, dass es sogar 3 Tiere sind und aus der Nähe erkennen wir, dass es sich um Jungtiere handelt, die uns mindestens so neugierig beäugen wie wir sie.

Auf dem nahe verlaufenden Trail kommen ein paar laute Touris vorbei und eines der Tiere schlägt beim Abtauchen kräftig auf die Wasseroberfläche, was einen Pflatscher verursacht, wie bei einer Bauchlandung vom 3m Brett, und warnt somit die anderen Biberkollegen, die dann ebenfalls für kurze Zeit abtauchen. Nach einer Weile tauchen sie wieder auf, aber weit draußen auf dem See. Sehr schade, aber toll, dass wir die Biber so aus der Nähe betrachten konnten.

Zurück am Parkplatz suchen wir noch 3 mögliche Stellplätze für die Nacht raus, fahren sie ab, zwei sind leider nicht mehr aktuell, hier wurden bereits schon No-Overnight-Camping-Schilder angebracht. Einer dieser beiden liegt auf der recht laaangen Straße entlang an der Dorcas Bay. Schöne Strecke, waldig, kurvig und an einer offenen Stelle bestaunen wir einen der spektakulärsten Sonnenuntergänge unserer bisherigen Reisen. Unglaublich schwer zu beschreiben und auf Bildern nur ansatzweise zu erkennen, welche Farben am Himmel über dem See brennen. Das Schauspiel verändert sich ja im Minutentakt und immer wieder zeichnen sich noch tollere Farbenspiele ab. WUNDERSCHÖN !

Vor lauter Staunen haben wir fast vergessen, dass wir noch keinen Nachtplatz haben. Leider sind wir nicht fündig geworden, so dass wir letztlich einen Parkplatz direkt am Hwy#6 schon bei einsetzender Dunkelheit ansteuern. Auf dem Hwy war es so spät schon relativ ruhig, bis auf 20min, als nochmal ein größerer Schwung Autos und LKWs von der freitäglichen Spätfähre von Tobermory in den Süden rollte.

Wir waren heute viel unterwegs und daher reichlich müde.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen auf freiem Parkplatz am Hwy #6 , GPS: 45.127183, -81.437005, nachts überraschenderweise relativ ruhig, ansonsten der normale Verkehr, für eine Nacht OK

 

 

Sa. 08.09.18

 

Der Verkehr kam in der Nacht fast zum Erliegen und obwohl wir direkt am Hwy standen, konnten wir sehr gut schlafen. Es war eine klare Nacht, ein toller Sternenhimmel , aber eben auch schon eine herbstliche Frische in der Luft.

Heute fahren wir nochmal nach Tobermory zum Nationalpark-Visitor Centre und wollen auf jeden Fall den ausgewiesenen Trail dort abmarschieren. Das Visitor Centre selbst ist, wie jenes im Algonquin-Park, sehr aufwändig gestaltet. Außer allgemeiner Info zu den unterschiedlichen Wanderwegen und der Bruce Peninsula gibt es ein Museum mit ausgestopftem Schwarzbär, Biber, Otter, Schlangen, diversen Pflanzen sowie ausführliche Beschreibungen zu den unterschiedlichen Lebensräumen wie Wald und Sumpfgebiete. Gleich in der Nähe zum Visitor Centre steht ein 30m hoher Aussichtsturm (im Prinzip der gleiche wie in Ostrach im Pfrunger Ried), von dort oben schauen wir über die ausgedehnten Wälder, die Küste und die vorgelagerten Inseln.

Von hier aus wollen wir jetzt auf dem gut ausgebauten Hauptpfad bis vor an die Küste - das können auch Touristen in Badelatschen -, danach allerdings ist der Trail nur mit richtigem Wanderschuhwerk zu empfehlen. Auf Grund des immer stärker werdenden Windes peitschen die Süßwasserwellen der Georgian Bay heftig gegen die steinige Küste. Sieht toll aus – kristallklares Wasser, hohe Wellen, wie am Meer!

Man steht am Lookout und denkt sich, irgendwie fehlt 'was bei diesem Meer. Aber es ist ja kein Meer und daher auch kein Salz- und Algengeschmack in der Luft. Unglaublich diese Wassermassen, und alles Süßwasser, soweit das Auge reicht. Und wir stehen gerade NUR an der Georgian Bay, nicht einmal direkt am Lake Huron, der ja noch viel größer ist - …und dann gibt’s ja noch die anderen 'großen' Seen – einfach nur gigantisch!

Dieser Trail ist knappe 5km lang und geht über Stock, Stein und Wurzeln.

Neben vielen Lookouts und Begegnungen mit possierlichen Tierchen, sehen wir auch in der Ferne die Flowerpot-Insel, die ihren Namen den beiden einzeln am Strand stehenden Felssäulen verdankt, die entfernt an schlanke Blumenvasen erinnern. Wir haben uns überlegt, ob wir die 3stündige Tour mit dem Glasbodenboot durch den geschützten Schiffsfriedhof (Fathom Five National Marine Park) rüber zur Insel machen sollen, da wir aber bereits die Hopewell Rocks in der Bay of Fundy/NB gesehen haben, ist der Reiz nicht mehr so groß.

Durch die Hitze der Sonne ist die Luft über dem Wasser recht aktiv; deshalb und auf Grund der Entfernung sind die Bilder nicht so scharf geworden. Aber man kann erkennen, was es sein soll.

Der Rückweg zum Visitor Centre geht wieder durch den lichtdurchfluteten Wald, und da ergibt sich das eine oder andere schöne Motiv.

Da der Trail dann doch ganz nett anstrengend ist, machen wir noch die 600m vom Visitor Centre aus zur Marina von Tobermory, um dort in Ruhe zu essen. Das haben wir uns verdient! Hier gibt es einige Restaurants und wir wählen das bekannte Fish&Chips Palace aus. Der Wind pfeift nicht mehr so stark, wir bekommen einen schönen Sonnenplatz mit Blick auf den Hafen, und das Essen ist séhr lecker.

Nachdem sich die Beine ausgiebig erholen konnten, holen wir für M noch ein paar Dosen Bier mit Dampf aus dem benachbarten Alkoholladen und für P Radler und marschieren wieder zurück zu unserem Moppel. (In Kanada gibt’s Alk nur in separaten staatlich lizenzierten Läden außerhalb der lizenzierten Restaurants, also nicht einfach im Supermarkt um die Ecke.)

Wir beschließen, heute keinen weiteren Trail mehr zu machen und fahren stattdessen scenic routes/Panoramastraßen entlang der Küste und im Hinterland. 'ne Runde Schwimmen zwischendurch wäre nicht schlecht... der Wind frischt wieder auf. Fahren durch Lion's Head, ganz nette Ortschaft mit großem Strand. Eine Familie mit Kindern ist beim Baden, bibbern alle, trotzdem 'quite a rig' etc. Wir sind ja Deutsche und – bekanntermaßen – hart im Nehmen. Also umziehen und schnell ins Wasser. Wasser ist OK – recht frisch aber OK. Der Wind bläst aber dermaßen... wollen gar nicht mehr aus dem vergleichsweise warmen Wasser raus. Hilft nix, raus, und in nullkommanix sind wir umgezogen. Erfrischt geht’s wieder auf Tour.

Als Zwischenziel haben wir uns den Leuchtturm am Cape Croker ausgesucht. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir wieder First Nation Gebiet, kommen nach längerer schöner Fahrt am Leuchtturm an. Hier ist reichlich Platz, kein Parkverbotsschild und wir sind alleine, mit tollem Ausblick auf die aufgepeitschte See (zur Erinnerung: Süßwasser :-) ). So große Wellen hatten wir zuletzt am Atlantik in Süd-Marokko gesehen. Könnte man gut surfen. Ich/M liebe es, den Wellen zuzusehen, könnte ich stundenlang machen!

Spontanentschluss: Wir parken ein und bleiben stehen.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Leuchtturm am Cape Croker , GPS: 44.956437, -80.960733, total ruhig, keine Verbotsschilder, gehört evtl. noch zum First Nation Gebiet, daher nur eine Nacht, obwohl sehr schön

 

 

So. 09.09.18

 

Die Nacht war stürmisch, die/der See war rauh, genialer Sternenhimmel....

Der Morgen: Toller Sonnenaufgang.

Eigentlich wollen wir an diesem tollen Stellplatz länger stehen und mal wieder paperwork machen, allerdings bläst der Wind heute so heftig, Baden geht gar nicht – die Wellen sind zu hoch und schlagen zu heftig auf die Felsen. Deswegen ziehen wir weiter und, weil wir uns nicht sicher sind, ob wir hier auf First Nation Gebiet evtl. eine Erlaubnis benötigen,um auf dem Gelände zu stehen.

Es ist nur eine kurze Strecke bis nach Wiarton, zum Hafen, großer Parkplatz am Blue Water Beach - frei stehen und offenes Wifi. Wir checken unsere e-mails, aktualisieren unseren Standort auf der HP, Whatsapp etc. (M: Ich bin ewig im Lee hinterm Camp-Office gestanden und P konnte mich nicht finden. Hat sich dann schon Sorgen gemacht, wo ich wohl abgeblieben bin. Mann, ist der sauer gewesen! Aber wir haben uns trotzdem ganz doll lieb!) Auch hier ist es zu windig und inzwischen zu frisch, um am benachbarten Strand baden zu gehen.

Somit fahren wir weiter, 5km ins Hinterland zu Pauline und Lee. Dank GPS kein Problem; schon stehen wir im großzügig angelegten Hof und bewundern das Blockhaus aus massiven Red Pine-Stämmen. Toll!

Zweimal Klingeln, Pauline öffnet und freut sich riesig, dass wir den Weg hierher gefunden haben. Lee ist unterwegs beim Arbeiten und kommt später dazu.

Ihr Blockhaus ist innen genauso schön und voll gemütlich eingerichtet. Wir fühlen uns sofort wohl. Der Dachstuhl ist das Markenzeichen des Erbauers. Wenn man also in ein Blockhaus im Umkreis von ein paar hundert Kilometern kommt (gleich um die Ecke also) und diese Dachstuhl-Form sieht, weiß man, dass das Blockhaus vom selben Erbauer ist.

Erstmal Kaffee, und dann erzählen wir, was wir in den letzten Tagen so erlebt haben. Ich/P mache mit Lee dann noch eine kleine Rundfahrt mit dem Auto über ihr Grundstück: Einfach riesig, der größte Teil mit dichtem Wald bewachsen. Hier hat Lee in den vergangenen Jahren kreuz und quer Schotterwege angelegt, um besser ans Feuerholz für den Winter zu kommen. Im Sommer können sich hier die Enkel mit ATVs/Quads austoben. Am hinteren rechten Ende des Grundstückes liegen Getreidefelder und die linke Ecke nimmt ein größerer Sumpf ein. Dieser fällt im Sommer normalerweise trocken, außer die possierlichen Biber (Lee: die lästigen Viecher) stauen das Wasser und fluten so gleich noch ein gutes Stück seines Waldes. Dies kostet dann das Leben des einen oder anderen Baumes wegen nasser Füße. Lee meint, wir können die Viecher alle gerne mit nach Europa nehmen, lebendig oder als Fell – was übrigens total kuschelig ist.

Bevor Lee unter die Dusche hüpft, zeigt er uns noch seinen Neuerwerb: Ein 80 Jahre alter Dodge. Dasselbe Auto haben Bonny und Clyde im Film gefahren.

M und ich machen noch einen Spaziergang und entdecken ein paar richtig mächtige alte Bäume am Rande eines Getreidefelds - Ahorn.

Am Nachmittag hat sein Bruder auf dem Grundstück einen ausgewachsenen Riesenbovist gefunden. Das größte Exemplar, das Lee, und auch wir, je gesehen haben – mindestens Fullballgröße! Es ist natürlich klar, dass dieser zum Abendessen geschlachtet wird und, falls genießbar, in die Pfanne kommt (innen schneeweiß, nicht gelb).

Pauline zückt ihr größtes Küchenmesser. Wir haben Glück, der Pilz ist schneeweiß. Pauline schneidet Stücke in Schnitzelgröße ab, die dann in der Pfanne mit Butter braun angebraten werden.

Dazu gibt es vom Grill leckere Bratwürste (Italian style, mild) und Kartoffeln mit Knoblauchbutter. Alles schmeckt natürlich super lecker, ebenso der Nachtisch, Kuchen mit Eis. Lee ist ein Süßzahn; es gibt immer ein leckeres Dessert nach dem Essen, was vor allem P sehr zusagt – er ist ja auch so ein Süßer!

Wir erzählen uns gegenseitig unsere Lebensgeschichten, kommen natürlich von einem Detail zum nächsten. Der Abend ist so nett und plötzlich ist es schon nach 11 Uhr. Wir sind alle müde. Der Wetterbericht sagt Regen voraus. Wir werden Morgen sicherlich noch stehen bleiben.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen bei Lee & Pauline Dawson, Wiarton , GPS: 44.724571, -81.089732

 

 

Mo. 10.09.18

 

Im Süden der USA über dem Atlantik zieht ein Hurricane der Stufe 4 (zwischendurch sogar mal Stufe 5) direkt auf Florida und das Festland zu und zieht dann hoch vor die Ostküste. Dies hat Auswirkungen auf das Wetter bis hierher, hoch an die Großen Seen im Süden von Kanada bzw. Norden der USA. Heute ist Nieselregen angesagt und, wie zur Bestätigung, wache ich/P früh auf und habe mal wieder eine stärkere Migräne, kommt so 2-3 Mal im Jahr vor. Das heißt, Tablette einwerfen, im Bett liegenbleiben.

Musik hören, etwas lesen, Spaziergang auf dem großen Grundstück zum Swamp/Sumpf, M bekommt noch eine Hausführung von Pauline, heiße Dusche vor dem Abendessen - Rehkeule aus dem Schmortopf mit Süßkartoffel/Rosenkohl-Gemüse und angebratenem Riesenbovist.

Den ganzen Abend, bis fast um 11 Uhr, reden wir dann über Gott und die Welt und vor allem übers Reisen. Wir lernen viel über die Gepflogenheiten hier in Kanada. Auch wenn es eine westliche Kultur ist und die Wurzeln in Europa liegen (ist ja noch nicht sooo lange her), gibt es doch viele Themen, die wir so nicht kennen.

Das Reh hat Lee selbst erlegt, allerdings nicht hier auf eigenem Gelände, sondern weiter südlich auf einer riesigen Farm bei London/Ontario, auf der es nur so von Rehen wimmelt und der Farmer nicht mehr Herr darüber wird, selbst gar nicht soviel essen kann. Der Handel/Verkauf von erlegtem Wild ist in Kanada illegal; es darf nur zum Selbstverzehr erlegt/gejagt werden. Deshalb bekommt man Wildfleisch eigentlich nur, wenn man zum leckeren Essen eingeladen wird oder als Geschenk.

Es war wieder ein kurzweiliger, wunderbarer Abend, der viel zu schnell vorbei war.

 

@Pauline und Lee:

Many many thanks for your invitation into your cosy home and the feeling being a part of your kind family.

Vielen vielen Dank für eure Einladung in euer gemütliches Heim und das Gefühl, Teil eurer netten Familie zu sein.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen bei Lee & Pauline Dawson, Wiarton , GPS: 44.724571, -81.089732

 

 

Di. 11.09.18

 

Heute ist mal wieder ein richtiger Reisetag, geplant sind mehr als nur 30-50km. Wir wollen runter bis nach Kitchener und St. Jacobs. Diese Gegend ist bekannt dafür, dass über 30% der Einwohner deutschstämmig sind und das Gebiet von Mennoniten besiedelt ist. Die Old Mennonites verzichten auf jegliche Elektrizität und reden untereinander noch in Altem Deutsch. Wir wollen Morgen auf einen riesigen Farmers Market, wo an mehr als 150 Ständen einheimische, hauptsächlich von Mennoniten angebaute Produkte angeboten werden.

Aber zuerst müssen wir uns von Pauline und Lee verabschieden. Vor Lee's Werkstatt pumpe ich noch Luft in die Reifen, erhöhe um 1 bar auf 7 bar, da wir in nächster Zeit nur noch selten gravel roads / Schotterstraßen fahren werden; die Reifen somit wieder mehr in der Mitte abgefahren werden. Es gibt einen herzlichen Abschied, erneut die Einladung, doch noch ein paar Tage zu bleiben, und falls wir irgendwann wieder hier durch die Gegend kommen, unbedingt bei ihnen vorbei zu schauen. Wir versprechen es!

Wir nehmen nicht den Hwy 6 nach Süden, sondern umrunden die Halbinsel Georgian Bluffs auf der Greyroad #1 entlang der Küste bis nach Owen Sound.

Hier müssen wir mal wieder unsere Lebensmittel aufstocken, bevor es weiter nach Süden geht, runter von der Bruce Peninsula.

Um nicht nur auf dem Hwy zu brettern, fahren wir 5km gen Westen und nehmen die parallelen Straßen im Hinterland. Die Gegend bis runter an den Erie-See ist altes Siedlerland, symmetrisch von Straßen durchzogen, die die ursprünglichen Landschenkungen an die Siedler (in der Regel eine Quadratmeile) abgrenzen. Der Großteil der Straßen von Ost nach West ist geteert, während die Straßen von Nord nach Süd meistens nur festgefahrene Schotterstraßen sind. Es ist wunderschön durch das alte Kulturland zu fahren. An den noch nicht kultivierten Landstücken zwischendurch ist zu erkennen, welch enormen Aufwand die Siedler in dieser Urlandschaft hatten, um ausreichend Landwirtschaft betreiben zu können.

Vorbei an Hanover, Heidelberg, Salem, Mannheim, usw. kommen wir gegen Spätnachmittag an der Outlet-Mall von St. Jacobs an, nachdem wir schon seit längerem durch Mennoniten-Gebiet gefahren sind, erkennbar an den großen gepflegten Höfen ohne motorisierte Landmaschinen, an den Pferdekutschen unterwegs auf extra hierfür angelegten nicht geteerten Seitenstreifen an den Straßen, an Straßennamen wie Herrgott-Road oder Lobsinger-Street.

Durch die Mall laufen wir einmal durch, ist nicht wirklich berauschend und eigentlich brauchen wir auch nichts. Da meine Walkingschuhe aber schon etwas abgenutzt sind (habe sie zwischenzeitlich mit Panzertape repariert), überredet mich Marion neue zu kaufen.

Weil wir uns Morgen Kitchener ansehen wollen, fahren wir nicht in St. Jacobs auf den Walmart-Parkplatz, sondern 20km weiter nach Kitchener (hieß früher übrigens mal Berlin).

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen Walmart Kitchener, GPS: 43.425884, -80.436297, hell durch die Scheinwerfer aber ausreichend ruhig zum Schlafen, für eine Nacht Ok

 

 

Mi. 12.09.18

 

Am Rande des Riesenparkplatzes hält sich der morgendliche Lärm durch die ersten Walmart-Besucher in Grenzen. Nach dem Frühstück fahren wir nur 1km weiter zu einem Waschsalon, ist mal wieder fällig.

Kitchener ist eigentlich nur deshalb sehr bekannt, weil die Dichte an Deutschstämmigen hier in der Umgebung so hoch ist und es hier dank eines Deutschen Metzgers so leckere Bratwurst gibt. - Nebenbei bemerkt: Als es in Amerika zur Abstimmung kam, welche Sprache künftig gesprochen werden soll, wurde Englisch nur deshalb gewählt, weil der Großteil der Deutschstämmigen nicht zur Wahl ging, sondern auf dem Feld bei der Arbeit war. Man stelle sich das mal vor: International würde jetzt hauptsächlich Deutsch und nicht Englisch gesprochen!! Schräg. -

Geplant ist, dass wir irgendwo im Stadtkern von Kitchener parken und dann bummeln gehen. Als wir dann aber durch Downtown fahren, ist zwar alles relativ neu gestaltet und renoviert, ein Stadtbummel reizt uns hier trotzdem nicht – es gibt keine einladende Fugäzo. Somit bleibt es bei dieser Sightseeing-Durchfahrt und wir fahren direkt weiter nach St. Jacobs.

Hier entdecken wir den großen Parkplatz am Fluss, direkt am TCH (Trans Canada Hiking Trail), wo man unbehelligt frei stehen kann (RV and Camper parking only). Bis auf einen Trailer ist niemand da, Platz zum Liegen bzw. Querstehen also. Zuerst schauen wir zu Fuß beim hiesigen Visitor centre und beim Baumarkt vorbei. Die Bäckerei nebenan verführt uns dann noch zu einer Auswahl von 6 verschiedenen Cupcakes/Muffins für den Nachmittagskaffee. Boing – drauf auf die Hüfte!

Kaffee wird durch kalten Orangensaft ersetzt. Lecker.

Gegen Spätnachmittag ist es dann nicht mehr so warm und wir nehmen die Fahrräder und radeln eine Stunde durch die von Mennoniten-Farmen durchsetzte Landschaft. Leider ist um diese Uhrzeit niemand mehr mit der Pferdekutsche unterwegs, die Gegend ist einfach schöne alte Kulturlandschaft. Da wir Morgen früh nicht zu spät auf den 4km entfernten Farmers Market wollen, machen wir abends nicht mehr so lange und verziehen uns früh ins Bett.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen in St. Jacobs, GPS: 43.539237, -80.549974, public parkinglot , total ruhig, sehr empfehlenswert, 4km auf TCH-Trail zum riesigen Farmers Market (Do, Sa)

 

 

Do. 13.09.18

 

P: Irgendwie zickt mein e-Bike immer mal wieder. Es braucht immer länger bis der Motor überhaupt reagiert und dann nochmal seine Zeit bis sich die unterschiedlichen Leistungsstufen einstellen lassen. Hin und wieder erscheint ein Fehlercode auf dem Display, der aber nicht wirklich aussagekräftig ist. Am Vorabend hatte ich schon einmal alle Kontakte gereinigt und poliert, auch den Controller aufgeschraubt, um evtl. spontan einen Defekt zu erkennen. Leider alles Fehlanzeige. Daher habe ich natürlich prompt auf dem ansteigenden Stück zum Farmers Market keine Motorunterstützung, aber auf dem Heimweg, wo ich es eigentlich nicht mehr gebraucht hätte, da zeigte er dann wieder Lebenszeichen. Ich muss mal dran denken, die Hersteller-Firma in Heidelberg zu kontaktieren.

 

Es sind ja aber nur 4km bis zum Markt, sind problemlos dort angekommen. Die Parkplätze, von denen es reichlich gibt, sind schon weitestgehend voll und entsprechend geht es auf dem ausgedehnten Gelände zu. Zu dieser Jahreszeit wird schon die volle Spätsommerernte an Früchten und Gemüse angeboten, soviel Verschiedenes sieht man das restliche Jahr über nicht. Wegen unseres geplanten Grenzübertritts in die USA in den nächsten Tagen können wir leider keine Lebensmittel, Gemüse oder Früchte mitnehmen. So verlockend das Angebot ist, riesige Mengen für relativ günstiges Geld, aber es hilft nichts – nichts wird gekauft. Schade, vor allem wegen der lokalen Pfirsiche aus der Niagara-Umgebung, diese sollen die Besten und Süßesten in ganz Nordamerika sein. Trotzdem toll, alleine schon die bunte Vielfalt anzuschauen ist den Besuch schon wert. Zum Mittagessen gibt es eine Oktoberfestwurst vom Grill und bevor wir wieder nach Hause aufbrechen, kaufen wir noch Honig, eine Stange Sommerwurst, eine Dauerbackfolie und eine Mischung verschiedener Bratwürste, die nach altdeutschen Rezepten hergestellt werden (Honig, Hartwurst und Tiefgefrorenes darf in die USA mitgenommen werden).

Wir sind zeitig dran, packen zusammen und fahren noch nach Hamilton am Lake Ontario, in der Hoffnung, dort im Bayfront Park am dortigen Beach heute noch baden zu können. Wort mit X – nix!

Der Parkplatz am Park ist groß, wir können hier problemlos mehrere Tage frei stehen. Es gibt auch ein Gebäude mit Toiletten. Aber das Wasser in der Bucht ist so verdreckt, dass wir nicht einmal auf die Idee kommen, da rein zu steigen. Da kann man nichts machen. (Die Badestrände am Lake Ontario sind allgemein nicht so toll, da es hier viel Schwerindustrie gibt und große Ballungszentren – z.B. Toronto) Also relaxen wir einfach bei einem kalten Bier, schauen dem Sonnenuntergang zu und M korrigiert noch mein Tagebuchgeschreibsel.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen am Bayfront Park, Hamilton, GPS: 43.269094, -79.868754, public Parkinglot am Park, relativ ruhig, schwimmen wegen miserabler Wasserqualität nicht zu empfehlen, als Zwischenstopp zur Übernachtung auf jeden Fall empfehlenswert

 

 

Fr. 14.09.18

 

Hamilton reizt uns nichts, kein Grund länger stehen zu bleiben, daher beschließen wir, uns aufzumachen Richtung Niagara-Fälle. Als wir aus der Stadt rausfahren kommen wir an den beiden großen Stahlwerken vorbei, welchen Hamilton ihren Reichtum zu verdanken hat. Riesige aktive Stahlwerke - wie vor 30 Jahren im Ruhrpott.

Riesige Fabrikanlagen, Raffinerien, Coil-Lager mit hunderten riesigen gewalzten Stahlblechrollen, dazwischen mehrspurige Autobahnen und gigantische Einkaufsmalls. Stadt, Industrie, Ballungszentrum – nach so viel schöner Natur gefällt uns das so gar nicht.

In einer dieser Malls gehen wir zu Tim Hortons (gutes Wifi, Kaffee für M und Früchte-Smothie für P) und rufen über Skype bei Tausha & Josh an. Leider erreichen wir die beiden nicht. Wir vermuten, sie sind auf dem Flughafen in Toronto, denn Josh fliegt heute für ein paar Wochen nach Bali, geschäftlich, um weitere Ware für ihren Online-Handel einzukaufen. - Wir wollen heute Nachmittag bei den Beiden einfach mal vorbeifahren und ihnen dann eine Nachricht hinterlassen.

Je weiter wir aus dem Hinterland in Richtung der Großstädte (Toronto, Niagara, Buffalo) fahren, desto breiter werden die Autobahnen, 10-Spuren sind nicht selten; und die Größe der Trucks nimmt auch entspr. Zu. Wir haben echt schon welche mit 10 Achsen, jeweils mit Zwillingsreifen, gesehen. Hammer, oder?! 1 Satz Reifen = 40 Reifen! Da fällt unser Dicker so gar nicht mehr auf, ganz klein ist der!

Entlang des Ontario-See führt der Queen-Elisabeth-Hwy nach Osten. Verlässt man diesen Richtung Seeufer kommt man in die Neubausiedlungen, in denen die Besserverdienenden der großen Städte wohnen bzw. ihren Altersruhesitz suchen. Wir machen nur einen kurzen Abstecher in eine dieser Siedlungswelten für eine kurze Pause in einem kleinen Park am See und fahren dann weiter auf dem Hwy in Richtung Niagara on the lake.

Kurz vor dem Ziel überqueren wir noch den Erie-Kanal, nachdem die Brücke wieder nach unten geklappt wurde.

Wir sind mitten in einem ausgedehnten Weinanbaugebiet (hier sieht es aus wie bei uns an der Mosel bzw. Rhein, nur halt flach, keine Täler).

Bei Tausha angekommen, ist sie gerade zurück vom Flughafen. Nach ausführlicher Begrüßung, überlegen wir, wo wir auf dem Gelände einparken können, und - ganz wichtig - die Frage nach einem Wasserhahn. Unsere Tanks haben wir zuletzt im Norden bei Wawa am Lake Superior aufgefüllt. Das Wasser geht nun doch so langsam zur Neige, eigentlich sind die Tanks fast ganz leer. Leider haben hier in der Gegend die meisten nur eine Grundwasserzisterne. Dieses Wasser kann zum Waschen und Duschen genutzt werden, aber nicht zum Trinken. Auch der Anruf bei 1, 2, 3 oder noch mehr Bekannten brachte kein Ergebnis. Auf Taushas Empfehlung hin, sind wir dann zur naheliegenden Navy-Hall des historischen Forts gefahren, mit Badeplatz. Hier gibt es keinen außenliegenden Wasserhahn. Und das Wasser im Fluss ist nicht so sauber; hinterher abduschen müsste schon sein, aber mit fast leeren Tanks ist das etwas schwierig.

Daher konzentrieren wir uns weiter auf die Wassersuche. Wir versuchen es bei der Marina/Hafen – leider geschlossen. Dann beim Golfclub, wo wir beim Geräteschuppen (Servicestation für Golfwägelchen) eine Wasserstelle bzw. -hahn entdeckt haben. Marion fragt sich über 3 Bedienstete zum Manager des Golfclubs hoch. Dieser winkt mit dem Hinweis 'nur für Mitglieder' leider auch ab, verweist allerdings auf einen RV/Campingplatz in der Nähe.

Aus Frust sind wir dann die Lakeshore bzw. den Niagara Parkway bis zu den Falls gefahren, vorbei an der Powerplant (Staumauer mit Turbinenhalle) und haben den einen oder anderen Photostopp eingelegt.

Auch die Seilbahn über dem Wasserwirbel schauen wir nur von oben an, da wir dies schon mal vor Jahren mit unseren Jungs gemacht haben. Ein Bus Japaner oder Chinesen oder so (sehen doch alle ähnlich aus) macht erst Fotos von unserem Dicken, bevor sie sich dem Wasserwirbel und der Seilbahn widmen. Touristen!

An den eigentlichen Niagara Fällen sind wir nur vorbeigefahren. Wollen diese Morgen oder Übermorgen, mit Übernachtungsstopp hinter dem Skylon-Tower, in aller Ruhe per pedes nochmal besichtigen. In einem dieser Wolkenkratzerhotels mit direktem Blick auf die Fälle hatten wir damals ein luxuriöses Zimmer (wir bekamen beim Einchecken als Familie mit 2 Kindern einen Upgrade auf eine Suite). So wird die eine oder andere Erinnerung wach beim Vorbeifahren. Was ist bei den Kids wohl hängengeblieben? Auf jeden Fall die Rutsche und der Pool im Hotel.

Zurück bei Tausha, ist gerade ihre Freundin Tobi da. Beide zücken ihre Handys und rufen Gott und die Welt an, damit wir an Trinkwasser kommen. Alles hilft nichts, entweder kein Trinkwasser oder niemand erreichbar. Zuletzt ruft Tausha noch beim 11km entfernten RV/Trailerhändler an, bei dem Sie selbst und bereits schon ihre Eltern Campmobile geliehen bzw. gekauft hatten. Hier hat sie endlich Glück und wir fahren direkt hin. Empfangen werden wir von Kevin in gutem Deutsch. Er ist der Verkaufsmanager, kam mit seinen Eltern 1982 als Siebenjähriger von Gummersbach nach Kanada. Nachdem das Adapterproblem (zum ersten Mal in Kanada) gelöst ist, können wir endlich tanken. Zuerst in deutsch und dann hauptsächlich in englisch, da die anderen Mitarbeiter noch zum Feierabendplausch dazukommen, gibt es viele Fragen zum Aufbau, dem Truck und der Reise zu beantworten. Als dann alle so langsam nach Hause gehen, sind dann auch unsere Tanks voll und Kevin schließt hinter uns das Gelände ab. Wir müssen für das Wasser und den Adapter nichts bezahle. Und wieder einmal sind wir von der Gastfreundschaft in Kanada begeistert!

Bei Tausha parken wir rückwärts aufs Gelände ein, werden mit einem leckeren Abendessen aus Hähnchenfilets vom Grill mit Bratkartoffeln und Salat überrascht. Haben Hunger, haben uns auf dem Heimweg schon überlegt, was wir kochen wollen. Das hat sich somit erledigt. Super.

Tausha und Josh reisen seit über 20 Jahren viel in der Welt und verstärkt in Asien. Tausha ist eigentlich in den USA geboren und dort auch viel unterwegs gewesen. Da gibt es natürlich viele, viele Tipps, vor allem für die USA.

Wir tratschen, erzählen, lachen dann noch bis nachts um 11Uhr, bevor wir nach einer kühlen Außendusche ins Bett fallen.

Eigentlich haben wir uns schon auf Herbst eingestellt, angenehm kühle Nächte. Aber hier ist jetzt wieder voll der heiße Sommer ausgebrochen, Hitze tagsüber und eklig schwüle Nächte. Das Wetter passt doch nie, oder?

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen bei Tausha & Josh , GPS: 43.226634, -79.072402, mitten im Weinanbaugebiet von Niagara on the Lake

 

 

Sa. 15.09.18

 

Kaum ist das Frühstück vorbei und die Sonne steigt über die Baumwipfel wird es schon wieder lästig warm und schwül. Die Vorbereitungen für den Grenzübertritt Kanada/USA laufen auf Hochtouren. Marion räumt weitestgehend den Kühlschrank aus, da wir die meisten Lebensmittel nicht über die Grenze mitnehmen können. Ein Teil wird noch gekocht und verzehrt, Kuchen gebacken, restliches Gemüse und Obst geben wir Tausha.

Wir haben nochmals unsere Masterplan-Karte von Nordamerika überarbeitet, die grobe Route eingezeichnet, damit wir Morgen an der Grenze ein zwölfmonatiges Einreisevisum verargumentieren können und hoffentlich dann auch bekommen.

Als Tausha vom Besuch bei einer Freundin wieder zurück ist, fahren wir mit ihr gemeinsam zum Parkway runter, um dort im Fluss zu baden. Es ist so dermaßen warm – brauchen dringend eine Abkühlung. Im Fluss hat es heute ausgesprochen starke Strömungen, was am weiter oben liegenden Wasserkraftwerk liegt. Je nach Strombedarf wird mehr oder weniger Wasser durch die Turbinen gejagt. Bei so heißem und schwülem Wetter laufen in allen Haushalten die Klimaanlagen und die Generatoren somit auf Volllast. Wir bleiben sehr nahe am Ufer, denn nur wenig weiter draußen würden wir in die Wirbel gezogen und im schlimmsten Fall bis runter zum 'Whirlpool'. Wir legen uns einfach ins flache Nass, halten uns an den Felsen fest und lassen uns vom kühlen Wasser umspülen. Herrlich.

Spätnachmittags macht Tausha dann noch leckere, mit Käse überbackene Hamburger vom Grill mit etwas Salat. Und weil es hier so schön ist, bleiben wir doch noch bei ihr im Garten stehen und nehmen ihr Angebot herzlich gerne an, abends gemeinsam zu den beleuchteten Fällen zu fahren und um 22Uhr das Feuerwerk zu bestaunen.

Auf dem Weg dorthin und auch während der einen oder anderen Runde auf der Suche nach einem Parkplatz durch das riesige Vergnügungsviertel um die Fälle herum, hat Tausha uns viele Geschichten erzählt, zum Teil historische aber auch von Freunden. Weiter oben, von der Ebene der Hotels aus, sind bereits die Dunstnebel der angestrahlten Fälle zu sehen. Die Skyline mit Hotels, Casino und der Skylon-Tower, leuchtende Reklame überall, Mini-Las Vegas!

Auf dem riesigen Parkplatz des Skylon-Towers finden auch wir Platz, gehen die kurze Strecke runter zu den Fällen und mischen uns unter die Tausende anderen Besucher. Es ist inzwischen 21Uhr und dunkel. Die Fälle werden von einer Lichtsäule angestrahlt. Alle paar Sekunden wechselt die Farbe – weiß, blau, grün, rot – voll kitschig, aber trotzdem sehr beeindruckend.

Es ist herrlich warm, wie in einer Hochsommeraugustnacht. Es ist angenehm, den Gischtnebel von den Horseshoefalls auf sich niederrieseln zu lassen.

Sollten wir mal irgendwann wieder kommen, werden wir die Nachtfahrt auf der Maid of the Mist machen.

Um 22Uhr geht dann auch pünktlich das 15min. Feuerwerk los, und das kann sich echt sehen lassen. Hat natürlich mit den Fällen als Kulisse ein tolles Ambiente. Da wir alle keine Lust haben uns ins Amüsierviertel zu begeben, fahren wir wieder zurück. Scheee war's.

 

Übernachtungsplatz:

Freistehen bei Tausha & Josh , GPS: 43.226634, -79.072402, mitten im Weinanbaugebiet von Niagara on the Lake