29.02.12 Tag 10: Und schon sind die Tage im Bergland vorbei und nach einem weiteren phänomenalen Sonnenaufgang von der Terrasse der White Monkey Lodge, einem leckeren Frühstück bei Dias Familie und alle Sachen wieder im Rucksack verpackt, geht es auf die Piste in Richtung Nuwara Eliya am Lake Grogory gelegen. Kaum daß wir über unendlich viele Serpentinen wieder ins Tiefland abgefahren sind, findet man sich in landwirtschaftlich stark genutzer Umgebung. Man fährt durch Reisterrassen und Felder voll Gemüse, welches man normalerweise nur an überfüllten Marktständen findet.

Bevor wir Nuwara Eliya erreichen machen wir einen Stop in Hakgala und besuchen den Botanischen Garten. Er wurde 1862 gegründet und liegt auf 1680m über dem Meeresspiegel, weshalb wir uns aus dem Tiefland wieder nach oben schrauben mussten. Der botanische Garten hat viele Pflanzen welche wir aus dem gemäßigten Klima in Europa kennen und er deshalb nur eingeschränkt interessant war, obwohl er schön angelegt war. Heerscharen von Schulklassen in ihren Uniformen von Mönchen in orangen Kutten begleitet, durchwanderten den Garten. Zwischendurch hatten wir Götz verloren, dann aber beim Fotoshooting mit Schülerinnen wiedergefunden. Er war als Ausländer wohl interessanter als die ganze Flora.

Gleich nach Hakgala ca. 5 km vor Nuwara Eliya kommen wir am Seetha Amman Kovil in Sita Eliya vorbei. Es ist ein üppig bunter Hindutempel, welcher wie alle diese Tempel ein phantastische Geschichte über Dämonen, entführte Prinzessinnen und Götter als Gründungsgrund hat. Aber es ist immer toll diese überbordende Detailtiefe anzuschauen, obwohl man Tage bräuchte um sich alles in Ruhe anzuschauen und vorallem die dazugehörenden Geschichten anzuhören.

Weiter geht es Richtung Norden, wobei wir Nuwara Eliya am Lake Gregory nicht mit einem Halt beehren, da es stark englisch geprägt ist, was sich in der Bauweise der Häuser zeigt. Der Ort besteht aus vielen, sicher nicht billigen Hotels, welche aus der Zeit stammen als die Engländer während der Kolonialzeit hier in das angenehmere Klima aus dem Tiefland geflüchtet sind. Da wir in Dambatenne nicht photografieren durften hat uns Jayamal versprochen, daß er eine Teefabrik kennt wo dies erlaubt sei. Dafür müssen wir einen größeren Umweg in Kauf nehmen und weniger Haltestellen, damit wir etwas Strecke machen. Am frühen Nachmittag sind wir dann an der Glenloch Teefabrik angekommen und starten mit einem Führer ausgestattet auf die Besichtigungstour. Von der Teeanlieferung, über die Trockenlager unter dem Dach, hin zu den Kreiseln, in welchem die Teeblätter vorsichtig gebrochen bzw. gequetscht werden, damit die anschliessende Fermentation durch den ausgetretenen Saft angestartet wird, bis zu der Trocknungsanlage, aus welchem dann die Teekrümel so herauskommen, wie wir Tee kennen. Diese getrocknete Masse wird jetzt noch über Förderbänder in die Siebhalle befördert und dort über endlose Siebvorrichtung in lauter unterschiedliche Chargen aufgetrennt. Am Schluss der Tour bekommen wir noch die Unterschiede von BOP (Broken Orange Pekoe) , BP, PS und Dust erklärt, bevor wir im Nachbargebäude im Verkaufsraum eine Kanne Tee mit Gebäck kostenlos testen dürfen. Wir haben uns natürlich reichlich mit leckeren Sorten eingedeckt, bevor uns auf die letzte Etappe am heutigen Tag aufgemacht haben und zwar geht es jetzt nach Kandy ins Zentrum der Insel Sri Lanka.

Wie immer wenn wir in Asien unterwegs sind versuchen wir heimische Gärtnereien zu finden und zu besichtigen, vorallem Orchideengärtnereien. Was in Thailand sehr einfach ist, stellte sich schon im Vorfeld bei den Vorbereitungsrecherchen sehr schwierig dar. Wir hatten eigentlich nur eine einzige vielversprechende Adresse im Gepäck und zwar ca. 10km vor Kandy. Nach vielen Umwegen und noch mehr Fragen bei den Einheimischen und der unheilvollen Sichtung eines verschmorten Flughundes an der Stromleitung hängend, haben wir schlussendlich die Gärtnerei gefunden. Sie ist ist eigentlich nicht öffentlich zugänglich, aber obwohl die Besitzer nicht anwesend waren, haben uns die Angestellten erlaubt uns in den offenen Zuchthäusern umzusehen, einen Blick in die Kinderstube der in Flaschen aufgezogenen Pflänzchen zu werfen und die fleissigen Hände beim pikieren der Sämlinge zu beobachten.

Nach der Gärtnereibesichtigung sind wir schon mitten im Trubel auf einer der vielen Einfallstrassen nach Kandy. Ohne Probleme erreichen wir die vorab gebuchte Lodge im Zentrum (Guesthouse Expeditor) und beziehen unsere Zimmer. Das Haus liegt am Hang des Talkessels und da wir in den oberen Etagen des Hauses Quartier bezogen haben, besitzen wir eine phänomenale Aussicht auf Kandy und vorallem auf den goldüberdachten Tempel welcher einen Zahn des Buddha beherbergt und daher der heiligste Ort auf der ganzen Insel darstellt. Am nächsten Morgen bekommen wir auf der kleinen Terasse unser Frühstück serviert und werden kritisch von der heimischen Vogelschar beobachtet (Hitchcock lässt grüssen).

01.03.12 Tag 11: Heute steht als grosses Highlight der Botanische Garten von Peradeniya am Rande von Kandy auf dem Programm. Wer nur eine Spur von Interesse an Pflanzen hat muss diesen Garten gesehen haben. Am Eingang werden wir noch Zeuge eines Fotoshootings für eine traditionelle Hochzeit bevor wir im ersten offenen Gewächshaus in einer Fülle von Orchideen ertrinken.

Neben uralten riesigen Bäumen und der Blütenpracht am Wegesrand wie zb. die leuchtenden Heliconien, trifft man auf absolute exotische Arten wie den "Kanonenkugelbaum" (Couroupita guianensis) aus der Familie der Topffruchtbaumgewäschse beheimatet im nördlichen Südamerika.

Auf unseren bisherigen Reisen durch Südostasien haben wir unzählige Bambusarten entdecken können, aber dieser Bestand des Riesenbambus Dendrocalamus giganteus, beheimatet in Myanmar bzw. dem nördlichen Inden, inmitten des Botanischen Gartens sprengt alle Dimensionen. Der Riesenbambus ist die weltweit größte Bambusart. Er erreicht Wuchshöhen von 25 bis 40 m und Halmdurchmesser von 20 bis 35 cm. In der Wachstumsphase zeigt er ein tägliches Längenwachstum von bis zu 70 cm. Und hier ist er in vollem Wuchs und Pracht zu finden.

Vor lauter Riesenbambus, Flaschenbäumen aus Madagaskar und der Seychellen-Palme übersieht man beinahe die zarten Blütengeschöpfe am Wegesrand. Die Nuss der Seychellen-Palme ist der größte Samen der Welt, wiegt 10-25kg und ist nur mit Sondergenehmigung teuer zu erwerben bzw. ausführbar. Der männliche Blütenstand besteht aus 60-70 kleinen Blüten dem sogenannten Wickel. Im Park findet sich natürlich auch die kulturell sehr wichtige Palme Talipot (Corypha umbraculifera) aus deren Palmblätter die Basis für die Palmblatt-Bibliotheken gewonnen wird.

Der Park ist sehr beliebt bei der Jugend um sich heimlich mit dem Liebsten zu treffen. Da die Kultur in SriLanka keine öffentliche Zuschaustellung von Zärtlichkeiten und Berührungen zulässt, ebenso wenig wie ein ungestörtes Treffen zwischen den Geschlechtern, ist es eine seit Generationen übliche Praxis, die Schule zu schwänzen und sich mit seinem Liebsten im Royal Garden zu treffen. Es ist unglaublich wieviel Pärchen sich im ganzen Park aufhalten.

Allerdings gibt es in einem grossen Areal des Parks keine Pärchen, was auf ein weiteres Highlight zurück zuführen ist. Hier befindet sich eine der größten Flughund-Kolonien der Insel. Die ganzen Bäume hängen voll mit tausenden der possierlichen Tierchen mit ihrem goldgelben Fell und den großen Flügeln, mit welchen Sie sich in der Hitze Luft zu fächeln. Die Tiere sind nachtaktiv und schwärmen morgens und abends aus, um im kilometerweiten Umfeld sich von Früchten bzw. den Blüten und deren Blütennektar zu ernähren. Wie bei uns die Bienen, sind vorallem in tropischen Ländern, die Flughunde und viele Fledermausarten essentiell wichtig für die Bestäubung im Urwald. Man muss etwas aufpassen wenn man unter den Bäumen wandelt, da die Verdauung der Tiere tagsüber auf Hochtouren läuft und dies ist auch die Erklärung warum in diesem Parkbereich keine Pärchen unter den Bäumen anzutreffen sind. embarassed

Im benachbarten Areal gibt es viel angenehmen Schatten da mehrere Ficus in Baumstärke miteinander verwachsen sind und eine riesige Ast-Kathedrale bilden. Obwohl wir nach vielen Stunden Wanderung durch den Park schon übersättigt an tollen Bildern sind, treffen wir immer noch auf Bäume und Blüten die uns nochmal faszinieren. Da gibt es 20m hohe Bäume welche so voll Blüten sind, daß keine Blätter bzw. Zweige mehr zu sehen sind. Ebenso sind die Hortensienbäume (Dombeya Wallichii), vorallem die dunkelrote Variante hier im Park, einfach unglaublich.

 

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Die blaue Nadel zeigt auf die White Monkey Lodge, grün markiert ist der Botanische Garten in Hakgala. Die rote Nadel weist auf die GlenlochTea Factory und hellblau gekennzeichnet die Stadt Kandy im Zentrum von Sri Lanka.

 

 

 

 

 

01.03.12 Tag 11: Bevor wir uns am frühen Abend zur Besichtigung des "Zahn-Tempels" und den dort stattfindenden religiösen Feiern (Puja) aufmachen, besichtigen wir, um unserem Fahrer einen Gefallen zu erweisen, eine Teakholz-Schnitzerei und einen großen Juwellier. Auch wenn wir nichts gekauft haben, waren beide Betriebe sehenswert. Wir haben u.a. einen Kurzfilm zu den Edelsteinminen auf SriLanka gesehen und wurden in die Qualitätsgeheimnisse der unterschiedlichen Edelsteine eingeweiht. Auch die Schnitzer zaubern aus dem Holz zum Teil monumentale Gebilde. Von beiden Lokalitäten hatten wir einen tollen Blick über Kandy.

Obwohl wir bisher in Asien keine positiven Erfahrungen mit einheimischen kulturellen Veranstaltungen für Touristen gemacht haben, war die Aufführung der Tänzer, Musiker und Feuerläufer bei den traditionellen Kandy-Tänzen, überraschend gut, vorallem da man den Akteuren ihre Konzentration und den Willen zur Professionalität angemerkt hat.

Nachdem die Dämmerung hereingebrochen ist begeben wir uns zum "Palast / Tempel des heiligen Zahns" Sri Dalada Maligawa. Er beherbergt einer der vier Eckzzähne des Buddhas, welche aus der Asche bei seiner rituellen Verbrennung gerettet wurden. und von einer Prinzession in Ihrem Haar incognito nach Sri Lanka gebracht wurde. Ursprünglich wurde die Asche auf verschiedene Stupas als Reliquen verteilt und die Zähne an Könige im Norden Indiens. Aus Angst vor einem Krieg wurde einer der Zähne zu einem befreundeten König auf Sri Lanka in Sicherheit gebracht. Der ganze Tempel ist voll mit Darstellungen zu den Lebenszyklen von Buddha und von der riskanten Reise des Zahns von Indien auf die Insel. Wenn man wie wir die Weltkulturstätten auf der Insel besucht, besucht man damit auch die Zentren der königlichen Macht durch die Jahrhunderte und immer war in der entsprechenden Epoche der Zahn als heiligste Relique des Buddhismus in diesen Machtzentren anwesend.

Nachdem wir den Tempel besichtigt hatten u.a. auch die berühmte Palmblatt-Bibliothek beginnt um 18:30 Uhr das eigentlich Ereignis und zwar die Öffnung der Kammer in welcher die Relique im Innern einer juwelengeschmückten siebenfachen Stupa besichtigt werden kann. Gruppen bzw. großzügige Spender bekommen einen Sitzplatz vor der Türe zugewiesen, während das normale Volk sich in die Schlange einreihen kann bzw. aus der Entfernung einen Einblick bekommt. Wenn man in der Schlange vorbeiläuft darf man nicht fotografieren, daher sind die Bilder mit entsprechenden Zoom aus dem Hintergrund geschossen.

Nach ca. 30min wird die Türe wieder geschlossen und man wird aufgefordert die beeindruckende von aussen beleuchtete Palast/Tempelanlage zu verlassen.

Nach so einem langen und anstrengenden Tag sind wir mit Jaymal zu einem open air-Restaurant gefahren, welches eigentlich nur von Einheimischen frequentiert wird. Aber wie immer ist es spannend zu beobachten wie die unterschiedlichen Köstlichkeiten hergestellt werden und vorallem sie hinterher zu geniessen. Absolut lecker !

02.03.12 Tag 12: Nach dem Frühstück endet unser Aufenthalt in Kandy schon wieder und wir machen uns auf den Weg nach Norden in Richtung Matale, Dambulla und dem Tagesziel Sigiriya Cottage als unserem nächsten Stützpunkt.

Aber zuerst geniessen wir die Landschaft und die exotischen Sehenswürdigkeiten auf dem Weg durchs Land. Als erste Station halten wir in Matale, bekannt durch seinen Gewürzanbau bzw. den Gewürzgärten welche man mit fachkundiger Begleitung besichtigen kann. Aber auch hier landet man am Ende der Tour in einer Art Apotheke, wo man dann Naturarzneimittel erwerben kann.

Nach den Gewürzgärten halten wir am Tempel "Sri Muthumariamman Thevasthaman" welcher der größte Hindu-Tempel auf Sri Lanka ist. Er ist ca. 300 Jahre alt und wurde an einer Stelle erbaut, an der eine Statue von Mariamma (Mutter von Gott Ganesh und Gott Skanda) unter einem Baum gefunden wurde. Den Stamm dieses Baumes kann man auch heute noch, gut abgestützt, im Inneren des Tempels sehen. Wir leider nicht, da wegen einem besonderen Tag für uns Nicht-Hindus der Zugang zum Tempel verwehrt ist und wir daher nur im Aussenbereich die reich bestückten Verzierungen und Figuren (Gottheiten, heiligen Tieren, etc.) bestaunen können.

Hinter dem Tempel ist die Schule für die Kleinen und rund um den Tempel haben alle Besucher ihre besten Festtagskleider für den besonderen Tag an. Wir haben leider nicht erfahren können, um welchen Feiertag es sich handelt, allerdings wird auch hier wie in Indien an solchen Feiertagen für die gesamten Gläubigen in riesigen Bottichen über offenen Feuern eine Mahlzeit gekocht. Linsendahl welcher dann mit Reis serviert wird.

Nächste Station ist Aluvihare Felsenhöhlentempel/Kloster. Im benachbarten unspektakulären Museum, in welchem sich eine kleine Palmblatt-Bibliothek befindet, kann man sich die Herstellung und Beschriftung der Palmblätter genauer ansehen und man bekommt ein kleines Souvenir mit seinem Namen in srilankesisch mit nach Hause.

Den Aufstieg zu der goldenen Buddha-Statue und dem dortigen sicher tollen Ausblick gönnen wir uns nicht, da die Hitze und Luftfeuchtigkeit einen eher in die kühleren Tempel zwingen. Die Höhlentempel sind berühmt für ihre martialische Darstellung der Qualen für alle Sünder (es werden 32 Höllenstrafen dargestellt), was dazu führt, daß Kinder bestimmte Tempelteile nicht betreten dürfen. Sehr farbintensiv und das über Jahrhunderte hinweg sind die mit Naturfarben bemalten Decken. In den Tempeln auf der ganzen Insel in welchen die Farbe wegen des Klimas von der Decke fällt, wurden moderne Farben und nicht Naturfarben wie die letzten Jahrhunderte, zum Einsatz gebracht.

Jetzt gilt es mal wieder Strecke zu machen damit wir noch ausreichend Besichtigungszeit für unser nächstes Etappenziel die berühmten Höhlentempel des Dambulla Raja Maha Vihara haben. Da unter den Singhalesen auch als Rangiri Vihara "Goldenes Kloster" bekannte Heiligtum blickt auf eine 2000-jährige Geschichte zurück und entsprechend alt sind in bestimmten Höhlen die Malereien und Statuen. Ehrlich gesagt erschlägt einen die Masse und Vielfalt an Detail in den Malereien und unterschiedlichen Höhlen, auf der anderen Seite kann man unendlich viel Zeit damit verbringen sich in der Detailtiefe zu verlieren. Wir haben hier nur eine sehr kleine Auswahl an Bildern genommen, was allerdings die Auswahl sehr schwierig gestaltete.

Nach verlassen der Tempelanlage, welche wir natürlich wie alle Tempel barfüssig erkundet haben, hoffen wir daß unsere Schuhe noch da sind. Die im Umfeld lebenden Affen freuen sich über die vielen Opfergaben der Pilger. An den Zufahrtstrassen gibt es unzählige zur Strasse hin offene Hütten, in welchen zb. Frauen Schneiderarbeiten erledigen.

Spät abends kommen wir in der kleinen Sigiraya Lodge an, bekommen noch eine leckeres Curry-Gericht serviert und fallen todmüde von den vielen Eindrücken und einen kühlen Bier zum Abschluss in unsere Betten.

 

 

 

Die blaue Nadel zeigt das Long Beach Cottage , rot markiert ist die Stadt Galle und grün zeigt auf die Rainforest Lodge. Weiter gehts über die das Dorf Sooriyakanda (braun), vorbei an der Edelsteinstadt Ratnapura (hellblau) bis ins Hochland nach Haputale (gelb).