27.02.12 Tag 8: Für den nächsten Morgen haben wir uns gleich vorgenommen den Sonnenaufgang mit Weitblick über die Insel einzufangen, wozu wir durch Teefelder auf die nahe gelegene Anhöhe steigen mussten (siehe roter Pfeil auf Bild 3). So wenig wie die Bilder die Stimmung an diesem Morgen vermitteln können, genauso schwer ist sie zu beschreiben. Früh morgens ist die Luft noch frisch, keine drückende Hitze, eine ertragbare Luftfeuchtigkeit und soweit man mit dem Auge blicken kann ist die ganze Landschaft in einen weichmalerischen Dunst gehüllt. Überall in der nahen und fernen Umgebung beginnt das Leben in den Teepflücker-Siedlungen und die erste Trupps sind schon auf den Feldern unterwegs. Schon morgens um 6 Uhr werden die ganzen Berghänge über Lautsprecher mit religiösen Gesängen beschallt. Man hört sowohl muslimische, als auch hinduistische Musik heraus. Alles zusammen gibt mit der Vielfalt an unbekannten Gerüche einen Gesamteindruck, welcher schwer beschreibbar ist und dazu geführt hat, daß wir fast zwei Stunden oben auf dem Berg gesessen sind und diese Stimmung in uns aufgenommen haben.

Nach dem Frühstück hat uns Jayamal abgeholt und wir sind nach Bandarawela gefahren um dort durch die Stadt zu bummeln und vorallem die Markhallen zu besichtigen. Auch hier wieder die überladenen Stände mit den exotischen Früchten und dem Gemüse für die Curries. Fleisch sieht man selten und dann nur an muslimisch geführten Ständen.

Die leckeren Teigwaren von welchen wir uns tagsüber oft ernährt haben, gibt es fast überall und die Füllungen gehen von Gemüsemischungen über verschiene Fischzubereitungen bis hin zu reiner Chilipaste. Wenn man nachfragt bekommt man die Teigtaschen verkauft welche man vom Schärfegrad auch als Ausländer noch essen kann. Auch die Zubereitung der Teigtaschen ist sehenswert, vorallem der "Bäcker" welcher von oben bis unten vor Palmöl trieft, in welchem der Teig verarbeitet wird. Sobald man als Fremder irgendwo einkauft, wird man angesprochen und muss erzählen woher man kommt, wie lange man bleibt, was man schon alles von Sri Lanka gesehen hat und oft darf man dann auch noch was Leckeres probieren. Auf dem nächsten Bild sieht man die großen glänzenden Blättern des Betelpfeffers. Der Betelpfeffer (Piper betle) bzw. dessen Blatt ist eine Pflanzenart aus der Gattung Pfeffer in der Familie der Pfeffergewächse (Piperaceae) und hat eine leicht berauschende Wirkung. Es wird verwendet um das eigentliche Suchmittel die Betelnuss mit etwas Kalk zu einer kaubaren Tasche zu verpacken. Die Betelnuss, ist der Samen der Betelpalme, deren Genuss eine weitverbreitete Sucht im ganzen asiatischen Raum ist, vorallem der älteren Generation. Sie ist eine Droge - enthält Alkaloide - und ist giftig. Die Konsumenten bekommen davon einen milden Rauschzustand - es ist aufputschend, verdrängt die Müdigkeit und dämpft den Hunger. Obwohl wir immer alles ausprobieren, haben wir auf diesen Versuch verzichtet. Auch die Läden ausserhalb der Markthallen sind ein sehenswertes Sammelsurium von allem was die asiatische Küche brauchen und verwerten kann. Auch auf Sri Lanka wie in vielen anderen Ländern ist es immer wieder erstaunlich unter welchen technischen Zuständen Elektrizität genutzt werden kann.

Von Bandarawela aus fahren wir nun weiter in Richtung Ella. Auf halber Strecke steht beim Dowa Raja Maha Viharaya Tempel der nächste Halt an. Er wurde von König Walagamba im 1. Jhd. vor Christus errichtet und ist berühmt für den in Granit gemeisselten Buddha. Ansonsten ist es ein Höhlentempel, welcher durch sehr ornamentreiche Bemalung der Höhlendecke beeindruckt. Faszinierend ist, daß diese Höhlenmalereien mit Pflanzenfarben über Jahrhunderte in ihrer Leuchtkraft unverändert sind, während Malereien mit Farben aus aktueller Zeit meistens nur ein paar Jahre mit dem Klima klarkommen und dann verwittern. Weil auf Sri Lanka eine sehr tolerante Form des Buddhismus praktiziert wird, beten viele Gläubige neben Buddha auch einen Teil der unüberschaubaren Heerschar an hinduistischen Göttern an. Auch in diesem Tempel findet man deshalb Bereiche welche hinduistischen Götter geweiht ist. Neben all den Gemälden und Statuen sind es Entdeckungen der kleinen, aber feinen Details wie der Türklopfer oder das Motiv auf den Kacheln welches den Besuch eines Tempels interessant machen. Nach einer kleinen Spende geht es wieder raus in die Hitze und als Snack für zwischendurch gibt es in Salzwasser gekochte Maiskolben.

Bevor wir Ella besuchen machen wir noch einen Abstecher nach Osten zu der berühmten Nine Arches Bridge. Leider kann man nur in die Nähe der Bahnlinie fahren, muss anschliessend den Hang zum Bahndamm hochsteigen, dann auf der Bahnstrecke bis zu einem Tunnel wandern, den Tunnel auf den Schienen durchqueren, um schließlich direkt hinter dem Tunnel die Brücke zu erreichen. Auf dem Weg in Richtung Bahndamm entdecken wir zum ersten Mal ein Exemplar des Riesenbambus (Dendrocalamus giganteus) welcher weltweit die größte Bambusart ist. Er erreicht Wuchshöhen von 25 bis 40 m und Halmdurchmesser von 20 bis 35 cm. In der Wachstumsphase zeigt er ein tägliches Längenwachstum von bis zu 70 cm. Desweiteren treffen wir 2 Frauen welche Brennholz gesammelt haben und nun diese schweren Stapel auf dem Kopf nach Hause balancieren müssen.

Auf Sri Lanka ist die Brücke eine Besonderheit, da sie 1921 fertigestellt ohne ein Stück Stahl nur aus Steinen und Zement erbaut wurde und das größte Viadukt auf der Insel war, solange die britische Kolonialmacht bestand. Sie liegt genau zwischen den beiden Bahnstationen Ella und Demodara. Da wir in Europa über alle Lande verstreut, größere Brücken oder Viadukte schon gesehen haben, sind wir nur bedingt beeindruckt. Aber immerhin haben wir einen weiteren geheimen Zugang zum Bahnsteig für den Zug nach Hogwarts entdeckt und zwar den Bahnsteig mit der Nummer 169 3/4. Da wir aber leider Muggel sind, funktionerte der Wechsel auf den anderen Bahnsteig bei uns nicht. Direkt unterhalb des mittleren Brückenbogens gab es mehrere große Bienennester. Diese kann man in ganz Sri Lanka vorallem auf hohen Bäumen entdecken. Dabei handelt es sich nicht wie bei uns um zierliche Bienen sondern um irgendeine große tropische Art und der Lautstärke nach ist diese Art auch nicht unbedingt von der zahmen Sorte.

Nach einem schweisstreibenden Rückmarsch in der Mittagshitze haben wir uns in Ella einen kühlen Büffelyoghurt mit Palmhonig (Curd & Honey) redlich verdient und weil es so lecker geschmeckt hat, gleich noch einen zweiten hinterher. Da unser Yoghurt-Restaurant zentral liegt, kann man gegenüber ein "Jahrhundertbaustelle" beobachten, wo jeder Stein einzeln langwierige ausgesucht und mit viel Geduld in die Mauer eingefügt wird, oder man kann der Näherin in Ihrem offenen Strassenladen zuschauen oder die Maggi-Werbung für scharfes Nudelgewürz im Plakatwirrwarr entdecken.

Frisch gestärkt geht es jetzt nach Süden in Richtung Wellaway. Ungefähr nach 5 km kommen wir an den bekannten Lower Ravana Ella (Bambaragama Ella Falls) Wasserfällen vorbei. Allerdings sind sie zu dieser Zeit (Trockenzeit) eher ein dünnes Rinnsal und deshalb fällt unser Stop relativ kurz aus.

Die letzte Station auf unserer heutigen sehr ausgefüllten Rundtour sind die in Granit verewigten Buddhastatuen von Buduruwagala südlich von Wellawaya. Um zu Ihnen zu gelangen durchquert man ländliches Gebiet entlang eines großen Sees. In der nachlassenden Hitze des späten Nachmittags kann man den einen oder anderen Vogel beobachten. Der Pfau als auch der Eisvogel sind 2 Arten welchen wir auf Sri Lanka noch sehr oft begegnen werden. Die Statuen sind über 1000 Jahre alt und der Buddha in der Mitte mit 15m Höhe die größte auf Sri Lanka. Obwohl wir sehr spät am Nachmittag eintreffen und die einzigsten Besucher auf dem Gelände sind, kommt noch ein Guide vorbei, um sich ein paar Rupien zu verdienen. Der Guide ist zwischen 30 und 40 Jahre alt, allerdings schon ohne eine Zahn in seinem leuchtend roten Mund, da er viele Jahre ausgiebig Betelnuss gekaut hat. Sehr erschöpft und erfüllt von unzähligen Bildern im Kopf essen wir zum Abschluss in einem Lokal für Einheimische in Haputale zu Abend, wobei die Gemüsecurries grenzwertig scharf sind, eben nicht für Touristen sondern für die Arbeiter hier aus der Gegend.

 

 

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Die blaue Nadel zeigt die White Monkey Lodge, rot markiert sind die Märkte in Bandarawela und die braune Nadel zeigt auf den Dowa Raja Maha Viharaya Tempel. Weiter geht es in Richtung Ella (silber), aber vorher noch ein Abstecher zur Nine Arches Bridge (grün). Auf der Strasse von Ella nach Wellawaya kommt man an den Lower Ravana Ella (Bambaragama Ella Falls)Wasserfällen (hellblau) vorbei, um dann südlich von Wellawaya zu den Steinreliefs von Buduruwagala (gelb) zu gelangen.

 

 

28.02.12 Tag 9: Heute wollen wir es etwas ruhiger angehen lassen und geben unserem Guide Jayamal frei. Wir planen einen Aufstieg auf Lipton's Seat und anschliessend die Besichtigung der von Sir Lipton 1890 gegründeten Teefabrik Dambatenne. Beides in relativer Nähe unseres akutellen Stützpunkts der White Monkey Lodge. Lipton's Seat liegt 1970m über dem Meeresspiegel, ist damit einer der höchsten Aussichtspunkte auf Sri Lanka und bietet einen fantastischen Rundblick. Die meisten Reiseführer und Tourbegleiter bringen ihre Gäste nach World's End, was diesen Aussichtspunkt teuer und überfüllt werden ließ. Die Aussicht auf Lipton's Seat ist mindestens so spektakulär und man ist bis auf eine Handvoll weiterer Touristen alleine und kann den Ausblick deshalb sehr relaxed geniessen. Nachteil ist, daß man sehr früh morgens aufsteigen muss, da am späten Vormittag auf Grund der Sonneneinstrahlung Nebel- und Wolkenbänke aus dem Tiefland in die Berge hochziehen und damit jede Sicht behindern. Deshalb werden wir schon morgens um 7 Uhr von einem Taxi abgeholt und ca 7 km den Berg hinauf durch die Teeplantagen bis zum Ausgangspunkt für unsere Wanderung gebracht. Unterwegs überholen wir Heerscharen von Kindern aus den Pflückerdörfern welche in Schuluniformen frierend zum Teil bis zu 2 Stunden zu Fuss zur Schule gehen müssen. Für uns Mitteleuropäer sind diese morgendliche Temperaturen in den Bergen eine sehr angenehme Abwechslung zu der sonst herrschenden tropischen Hitze, allerdings sind Temperaturen unter 20° C für die Einheimischen schon Kältegrade. Schulen, ärztliche Versorgung und zentrale Einrichtungen werden von den Plantagenbesitzern zur Verfügung gestellt, damit die Arbeiter und ihre Familien nicht weite Wege bis nach Haputale oder ins Tiefland auf sich nehmen müssen, auf der anderen Seite aber auch den Arbeiter und seine Familie lokal binden.

Gottseidank hat es um diese Zeit noch diese für uns annehmbaren Temperaturen, da der steile Aufstieg inmitten der Teeanpflanzungen zum Teil auf Wegen, als auch recht steilen Steintreppen, erfolgt.

Oben angekommen geht es zuerst mal auf den kleinen Aussichtsturm um noch ein paar Höhenmeter für eine perfekte Rundumsicht zu gewinnen. Anschliessend bekommt man nachdem man einen kleinen Obolus von 30 Rp als formaler Eintritt entrichtet hat, eine Tasse frisch gebrühten Tee, leckeren Palmzucker und ein süßes Teilchen (srilankesiches YES-Torty) dazu. Was braucht man mehr zum Frühstück bei dem herrlichen Panorama. Bevor wir wieder absteigen, haben wir noch den Nachbarhügel erkundet, welcher zusätzliche Weitblicke über die Insel erlaubt.

Beim Abstieg sind wir dann vielen Pflückerinnen (Frauen haben zartere Hände für die empfindlichen Teeblätter) begegnet und konnten bei den Sammelstellen das Wiegeprozdere beobachten. Jede Pflückerin hat eine eigenes Wiegebuch in welches der Vorarbeiter die bestimmte Ausbeute einträgt. In der Regel wird nur in den Morgenstunden und pro Pflückerin maximal 3 Säcke voll gesammelt, bevor es zu heiß wird. Der Verdienst pro Tag sind ca. 10 Euro, wie wir auf Nachfrage heraus bekommen haben. Obwohl wir hier ringsherum eindeutige Monokultur erleben, findet man beim genauen hinschauen viele blühenden Pflanzen und einiges an Getier.

Da wir keine Lust hatten den ganzen Berg bis hinunter zur Teefabrik zu wandern, vorallem weil inzwischen die Wolken schon mächtig aus dem Tiefland hochdrückten, sind wir in das nächste Dorf gewandert und haben mit etwas Englisch und Händen/Füßen und Müsliriegel für die Kinder, eine Mitfahrgelegenheit organisiert. Das Fahrzeug war nicht sehr vertrauenserweckend, wurde hauptsächlich von Götterfiguren, Heiligenbilder und Lichterketten zusammengehalten, aber wir sind trotz sehr heftigen Strassenzustände mit einem kleinen Abstecher zum benachbarten Berg Nayabedda mit seinen Funkmasten und tollem Blick ins Tal nach Bandarawela, heil bei der Teefabrik Dambatenne angekommen.

Die Besichtigung war sehr spannend, aber leider durfte nicht photografiert werden und es gab auch keine Tee-Probierrunde. Wir haben dies auf unserer weiteren Reise in einer anderen Fabrik nachgeholt und daher an späterer Stelle noch ausführlich beschrieben.

Nach der Besichtigung wollten wir nun doch schon etwas müde schnell zur Lodge zurück und haben deshalb die Einheimischen befragt ob es eine Mitfahrgelegenheit geben würde. Sie haben uns erklärt, daß in unregelmässigen Abständen private Minibusse vorbeikommen und man diese durch Winken zum Anhalten bringen kann. Gesagt getan. Als wir auf der Straße Richtung Lodge zurückmarschierten, haben wir den nächsten Mini-Bus angehalten und waren schon enttäuscht, da er bis unters Dach voll mit Reisenden war. Typisch westlich falsch gedacht, denn hier gilt das Motto: Alle zusammenrücken die Neuen kommen. Zuerst sind mal ca. 5 Leute ausgestiegen um etwas Luft zu schaffen, 3 von uns haben diesen geschaffenen Hohlraum in die Mitte gleich wieder ausfgefüllt und die vorher ausgestiegenen pressen jetzt wieder rein. Peter durfte zu den 3 Passagieren plus Fahrer vorne mit einsteigen, was auch zuerst unmöglich schien, aber unter Verlust jeglicher Berührungsängste doch funktioniert hat. Wir haben uns hinterher immer wieder gefragt wie das funktioniert hat, zb. saß Marion bei einer Nonne auf dem Schoß und so weiter..... Aber wir sind angekommen, der halbe Bus musste dann wieder aussteigen, damit wir rauskamen und dann wieder alles rein bevor es wieder weiter ging. Business as usual. Die Bilder sprechen ihre eigene Sprache. :-)

Götz und Helga mussten über das Fenster einsteigen, da der Schlüssel nicht auffindbar war, Jayamal kam noch zum Abendbriefing für den nächsten Tag vorbei und vor dem Abendessen gab es noch eine Runde Hornochsen mit Tageslicht. Nach dem Essen wegen Stromausfall fand die Feierabendrunde bei Kerzenschein statt. Auf Grund der vielen Wanderei hatten wir inzwischen auch die nötige Bettschwere um den Tag schliesslich zu beenden.

 

 

 

 

 

 

Die blaue Nadel zeigt die White Monkey Lodge, braun markiert ist die Teefabrik Dambatenne. Die rote Nadel weist auf Liptons Seat und die gelbe Nadel zeigt den Nayabedda Mountain mit seinen Funkmasten.