24.02.12 Tag 5: Nachdem wir uns nun schon gut akklimatisiert und im weiteren Umkreis um Hannis Residenz die meisten interessanten Plätze besucht haben, gilt es nun die Koffer wieder im Van zu verstauen, sich nochmal bei Hanni und Ihrem Mann herzlich für die tollen Tage unter ihrem Dach zu bedanken, bevor es weiter geht. Bei dem morgendlichen Abschiedsbad im Meer konnten wir nochmal die Strandläufer bei ihrer Suche nach Nahrung beobachten.

Die Fahrt geht jetzt ganz in den Süden nach Galle, zur laut Reiseführer touristisch reizvollsten Stadt auf Sri Lanka. Diesen Ruf verdankt Galle in erster Linie der gut erhaltenen Altstadt und den rundherum massiv gebauten Mauern und dem Fort. Auf Grund seiner Lage war es über hunderte von Jahren ein Handelshafen auf den Gewürzrouten von und nach Südostasien aus dem arabischen und afrikanischen Raum. Nach einer Uhrensynchronisation mit unseren Begleitern sind wir für mehrere Stunden alleine auf Entdeckungstour in der Stadt unterwegs gewesen. Wir wandelten unter Alleen imposanter Baumriesen, sahen beim Blick über die Hafenmauer Felsen am Meer welche die Wellen über unzählige Jahre zu schöne Skulpturen geformt haben, umrundeten europäisch anmutende Häuser (holländischer Einfluß) in der Altstadt, kauften in kleinen Läden Wasser und ein paar Lebensmittel ein, besichtigten ein riesiges Haus voller Sammlerstücke, welche ein reicher Händler zusammengekauft hat (bei uns heißen solche Menschen Messies), bestaunten Heerscharen von Schülern gekleidet in Uniformen wie in England und fanden eine imposante weisse Moschee, welche einen extra kleinen Anbau für weibliche Gläubige besaß. Es war alles schön anzuschauen, aber irgendwie passte dieses Städtchen nicht in das inzwischen gewonnene Bild der tropischen Insel der vergangenen Tage.

Gegen Ende unserer vereinbarten Zeit machten wir nochmal Rast auf einer der hohen Fort-Mauern mit Blick über die Stadt als auch auf das direkt darunter liegende Kricketareal, auf welchem zufällig an diesem Tag sich die besten acht Kricketmannschaften und zwar die der Mädchen-Internate von Sri Lanka zu einem Treffen versammelt haben. Es war ein farbenprächtiges Spektakel, da sich sowohl die Eltern als auch die Honoratioren im Festgewand eingefunden haben. Der Gouverneur der Insel und die oberste Schulleiterin eröffneten mit einer Rede das Zusammentreffen bevor die einzelnen Schulen mit ihren Flaggen einmarschierten bzw. zwischendurch lokale Tanz-bzw. Musikgruppen in ihren schillernden Kostümen einige Darbietungen gaben. Wir konnten nicht bis zum Ende zu schauen, da wir uns zum ausgemachten Treffpunkt aufmachen müssen für die noch längere Anfahrt zum das nächste Etappenziel, die Rainforest-Lodge im Singharaja-Regenwald in Richtung Landesinnere.

Wie immer in den letzten Tagen waren die Fahrten zu den geplanten Zielen nicht einfach Bewegung von A nach B, sondern es gab immer etwas zu bestaunen zb. malerische Tempelanlagen in sattgrünen Reisfeldern oder ein Anwesen auf welchem der Gummi-Saft aus den umliegenden Kautschukwäldern zu Rohgummimatten verarbeitet wird. An diesem Tag war leider die Arbeit schon erledigt und deshalb konnten wir nur noch das Endprodukt und die ruhenden Maschinen anschauen. Jaymal unser Fahrer hatte zwar immer viel Geduld mit unserer Neugier, drängte aber trotzdem auch immer wieder zur Eile, da in diesen tropischen Breitengraden die Nacht halt doch sehr schnell hereinbricht.

Wir haben es trotz einiger Fahrtunterbrechungen noch bei Tageslicht zur Rainforest-Lodge geschafft. Wir wurden von einem ganz aufgeregten Begrüssungskomitee am Rande des Lodge-Grundstücks empfangen. Die Lodge liegt auf der Regenwald-Seite des Grundstücks und man muss die davorliegende Teeplantage welche mit Pfeffergirlanden bewachsenen Bäumchen durchsetzt war, zu Fuß mit dem Gepäck durchqueren. Natürlich wollte jedes der Kinder unbedingt eine Tasche oder Rucksack tragen um sich etwas Süßes (wir hatten von zu Hause etliche Müsliriegel für solche Situationen eingepackt) oder ein paar Rupien zu verdienen. Wir haben ihnen natürlich den Spaß gelassen, aber die schweren Rucksäcke selber geschultert. An der Lodge am Waldesrand angekommen haben wir die Zimmer bezogen und schon brach die Dunkelheit über uns herein. Erneut stellen wir fest wie tiefschwarz eigentlich Nacht ohne Mond bedeutet, inclusive der Geräuschkulisse welche losbricht, nachdem die Dunkelheit eingesetzt hat.

Der "Speisesaal" der Lodge lag natürlich im Freien und direkt am Urwaldrand, wobei ich wie immer nicht das Erlebnis der herrlichen Speisen, vermischt mit dem schweren, dampfigen Aroma des Urwalds und der unglaublichen Klangkulisse, beschreiben kann. Das muss man erlebt haben. Wie inzwischen gewohnt und freudig erwartet, gab es viele verschiedene auf Gemüse basierende Curries, Unmengen an Reis und starkes Bier, welches es mit 8,8% in sich hatte. Ich hatte nach dem Einchecken gegenüber der Lodge einen riesigen Baum voll mit Früchten bewundert und von der Lodge-Betreiberin erfahren, daß es ein Holzapfelbaum handelt. Aus dessen Früchten kann man leckere Marmelade kochen oder die Früchte auch zu einem scharfen Curry verarbeiten. Da das Essen ganz frisch für uns mit viel Geklapper in der Küche zubereitet wurde, haben wir dann auch gleich ein solches Holzapfelcurrie serviert bekommen. Etwas Aufregung ist entstanden als Helga aufsprang, weil sie irgendetwas im Hosenbein gekitzelt hatte und nachdem sie die Hose etwas ausgeschüttelt hatte, flüchtete der Verursacher. Dieser Hundertfüssler auch Caruda genannt kann sehr schmerzhafte Bisse verteilen, ist nicht lebensgefährlich aber die Wunden heilen sehr schlecht. Deshalb wird er von den Einheimischen rigoros getötet. Mir gelang mit diesem Bild die letzten Sekunden seines Daseins zu dokumentieren, da eine Rettung der Kreatur vor der aufgebrachten Lodge-Crew leider nicht mehr möglich war. Die Anstrengungen des Tages und das Bier haben uns zu einer ruhigen Nacht mit tiefem Schlaf, trotz "Urwaldkrach" verholfen.

25.02.12 Tag 6: Nach einem leckeren Frühstück mit Holzapfelmarmelade sind wir gestärkt und ausgerüstet mit der Tagesverpflegung in die wartenden Tuk-Tuks eingestiegen und ca. 45 min auf holprigen Wegen als auch über wacklige Brücken zu unserem Treffpunkt mit unserem Dschungelguide gefahren. Alleine diese Anfahrt war schon ein kleines Abenteur. Auf unserem Weg zu unser Regenwaldtour entlang von Flüssen und gesäumt mit Orchideen, mussten wir auch die eine oder andere schon sehr desolate Brücke überqueren. Ohne Guide würde man im Wald auf Grund der Lichtverhältnisse und der guten Tarnung die vielen Tiere gar nicht zum sehen bekommen. Er zeigt einem die fast unsichtbar auf einer Rinde sitzenden Chamäleons, die allgegenwärtigen Blutegel (leaches, ungefährlich und deutlich kleiner als die man bei uns als medizinische Blutegel kennt), als auch die Rüsselkäfer, welche einen klaren Exotik-Extrapunkt bekommen. Die Wege sind oft beschwerlich steil und kletterlastig und bei interessanten Objekten kann es auch mal zum "Stau durch Gaffer" kommen.

 

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Die blaue Nadel zeigt wie immer Hanni's Long Beach Cottage , die gelbe weist auf den Bentota Ganga und den Tempel Galapatha Vihara. Und ganz im Süden liegt rot markiert die Hafenstadt Galle.

 

 

 

 

 

Nach dem wir den Weg wieder verlassen haben und querwaldein marschierten bekommen wir endlich auch mal eine Schlange zu Gesicht, auch wenn sie sehr zierlich ist und wir sie ohne den Guide wahrscheinlich übersehen hätte. Es ist eine Nasenpeitschennatter (Ahaetulla nasuta) aus der Gattung der Trugnattern. Sie ist nur leicht giftig und nicht aggressiv. Der etwas scheue schwarze Tausendfüssler aus der Gattung Thyropygus ist ungiftig und man kann ihn ohne Bedenken in die Hand nehmen. So zusammengerollt hat man das Gefühl eine Scheibe Kunststoff zu halten. Legt man ihn vorsichtig auf den Boden und wartet 10s dann entrollt er sich und marschiert auf seinen knapp 100 Beinpaare von dannen. Wunderschön grazil sind auch die großen Seidenspinnen der Gattung Nephila. Die kleineren Exemplare sind keine Jungtiere sondern die Männchen, welche wie oft im Spinnenreich nach dem Sex verspeist werden, wenn sie nicht schnell genug sind. Interessanterweise zeigen sich im Gegensatz zu Hause im Keller, hier keine arachnophobischen Anzeichen, selbst wenn man die Tiere in ihrem Radnetz aus der Nähe betrachtet.

Das Ziel unserer Wanderung durch den Regenwald ist ein herrlicher Wasserfall mit kühlem, glasklaren Wasser. Der Weg dorthin ist eine kleine Kletterpartie aber am Ende wird man mit einem erfrischenden Bad vor Dschungelkulisse belohnt. Auch auf dem Rückweg muss der eine oder andere Bach durchquert werden. Gegen Ende der Tour hatten wir noch das Glück auf einem Baum ein Sri-Lanka-Riesenhörnchen (Ratufa macroura) zu beobachten, welches sich aber durch uns nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Bevor wir die Rückreise mit unseren Tuk-Tuks aus dem Regenwald antreten, entdeckten wir noch die tollen Baumpilze und einen großen Kapok-Baum (Ceiba pentandra). Aus den reifen Samenkapseln kann man das baumwollartige Kapok auch Pflanzendaunen genannt, gewinnen. Die Fasern waren früher deutlich bekannter, werden aber heute wieder unter ökologischen Gesichtspunkten (s.a. Kapok.de) wieder zum Befüllen von Kissen und Matrazen benutzt. Seit wir mehr im Landesinneren sind und uns damit von der Küste weg in höhere Gefilde begeben, ist der massive Teeanbau nicht mehr zu übersehen. Zurück in der Lodge gibt es auch um das Haus herum die eine oder andere schöne Blüte bzw. zierliche Tierchen zu entdecken.

Aber dann macht jemand den Lichtschalter aus, das Dschungelradio an und es gibt wieder eine Auswahl an leckerem Essen und zur Entspannung / Ausklingen des Tages noch eine Runde Tichu bzw. Hornochsen, bevor wir todmüde ins Bett fallen.

26.02.12 Tag 7: Nach einem weiteren leckeren Frühstück mit frischen Früchten auf offener Terasse am Dschungelrand müssen wir leider unsere sieben Sachen wieder zusammenpacken, denn die Reise geht weiter zu neuen Entdeckungen. Die helfenden Hände sind heute alle in der Schule und daher tragen wir unsere Rucksäcke selber zum Parkplatz. Hier entdecken wir an einem Baum nochmal einen Tausendfüssler. Auf der Weiterfahrt gibt es neben vielen exotischen Blüten auch zwischendurch eine Affenhorde in den Baumwipfeln am Strassenrand zu beobachten. Helga kam nach einem kleinen Ausflug auf die Dschungeltoilette erleichert, aber ziemlich schnell wieder zurück.

Auf unserer Strecke Richtung der Stadt Ratnapura kommen wir nördlich des Sinharaja-Regenwalds durch die Ortschaft Sooriyakanda, in welcher wir einen weiteren Halt machten. Jaymal unser Fahrer hatte hier 5 Jahre zuvor einen Unfall und während der Zwangspause für die Reperatur fand er bei einer Familie Unterkunft. Er war seither nicht mehr hier, aber er wurde mit uns im Schlepptau sofort von der Hausherrin herzlich empfangen und wir alle in das sehr einfache Wohnzimmer auf eine Tasse Tee eingeladen. Es scheint Glück zu bringen, wenn Vögel im Haus nisten, da wir hier und auch später auf unserer Reise immer wieder Vogelnester mit Bewohnern (meistens Spatzen) in Wohnräumen, als auch in Gaststätten antreffen. Die Türen sind immer offen, sofern es überhaupt eine gibt und daher können die fleissigen Flieger problemlos raus und rein. Auf Anfrage von Jaymal dürfen wir das an einen Hang abschüssig oberhalb eines Flusslaufs gebaute "Haus" besichtigen. Die Führung ist schnell vorbei, da es ausser einem unter dem Wohnzimmer liegenden kargen Raum nur noch die Küche gab, welche ebenso spartanisch ausgerüstet ist. Zum Tee werden Würfel von Palmzucker gereicht, was etwas besonderes ist, weil die doch sehr armen Familien sich solchen Luxus nur selten leisten. Bevor wir wieder aufbrechen, bitten wir Jaymal, daß er als Gastgeschenk der Familie etwas Geld zukommen lassen soll, da wir dies nicht direkt machen können, ohne die Gastfreundlichkeit zu beleidigen. Auch hier hilft uns mal wieder, daß wir in Begleitung eines orts- und sprachkundiger Führers sind, welcher uns zur Seite steht.

Auf unserem weiteren Weg in Richtung dem Zentrum der Edelsteinregion Sri Lankas, der Stadt Ratnapura, machen wir zwischendurch immer mal wieder einen Halt wenn wir einen kleinen Supermarkt sehen und decken uns mit Wasser, Teigtaschen und Naschwerk ein. Eine sehr leckere Erfrischung ist der Büffelyoghurt wenn er aus dem Kühlfach kommt und daher schnell vertilgt ist.

Daß man in die Region der Edelsteinschürfer kommt, erkennt man recht schnell, sobald man überall im Gelände Berge von Aushub neben mit Schilf gedeckten Hütten sieht. Wir (Götz und Peter) sind natürlich neugierig und fragen bei einem Halt am Strassenrand über den Zaun hinweg, ob wir die "Mine" auf dem Gelände anschauen dürfen. Ein kurzer Blick zum Vorarbeiter oder vielleicht auch Chef, so genau haben wir das nicht rausbekommen, und schon dürfen wir über den dornenüberwucherten Stacheldrahtzaun klettern. Die Mine besteht aus einem senkrechten Schacht, welcher mit Holzbohlen abgestützt ist und die Ritzen / Spalten zwischen den Bohlen werden mit langwedeligem Farn ausgestopft. Immer wenn beim senkrechten Abtäufen eine interessante Schicht entdeckt wird, dann geht es in die Waagerechte. Hier wird dann nicht mehr abgestützt, sondern nur noch ein niedriger Stollen gebuddelt, so daß der Schürfer gerade so rein und heraus kriechen kann. Wie man auf den Bildern sehen kann muss ständig in Unmengen das Grundwasser abgesaugt werden, woran man somit auch ermessen kann, wie stabil die waagrechten, nicht abgestützen Stollen sind. Es kommt daher immer wieder zu schlimmen Unfällen, aber da die Bevölkerung sehr arm ist und hofft an tollen Funden beteiligt zu werden, findet der Minenbesitzer trotz dieser katastrophalen Zustände immer genügend arme Hunde, welche in die Stollen kriechen. Edelsteine haben wir natürlich nicht gesehen, da der Aushub nicht an Ort und Stelle verarbeitet werden, sondern auf einem gesonderten Gelände unter der Aufsicht des Chefs.

Wir haben gehofft bei der Besichtigung des Mineralien/Edelstein-Museums in Ratnapura die hiesig vorkommenden Edelsteine und Mineralien bewundern zu können, allerdings war die schon etwas in die Jahre gekommene private Sammlung eher enttäuschend, vorallem wenn man in Deutschland die eine oder andere Mineralienbörse schon besucht hat. Deshalb haben wir uns in Ratnapura nicht länger aufgehalten und unsere Route in Richtung zentrales Bergland schnell fortgesetzt. Unser Ziel ist die White Monkey Dias Rest Lodge oberhalb Haputale auf dem Weg zu Sir Liptons erster Teefabrik auf Sri Lanka in Dambateene.

 

 


Die blaue Nadel zeigt wieder auf das Long Beach Cottage , rot markiert ist die Stadt Galle, grün zeigt auf die Rainforest Lodge, braun weist auf unseren Stop in Sooriyakanda und kurz vor Ratnapura liegt die besuchte Edelsteinmine (hellblau). Unser Tagesziel die White Monkey Dias Rest Lodge ist gelb markiert.

 

 

 

 

Nach vielen Serpentinen und spannenden Überholmanövern auf unübersichtlichen Strassen hoch in die Berge und das noch bei Linksverkehr, haben wir die White Monkey Dias Rest Lodge erreicht. Auf dem ersten Bild hat man den Blick von der Lodge zurück zur hochgelegenen Stadt Haputale. Auf dem dritten Bild kann man erahnen, daß es doch sehr beschwerlich war mit den Rucksäcken von der Strasse aus zur Lodge hinunterzusteigen. Die Zimmer sind sehr spartanisch und es wird auch die einfachste Unterkunft der ganzen Reise sein. Es war schon etwas Überwindung und Mut notwendig, beim ersten Mal unter den mit blanken Drähten angeschlossen Durchlauferhitzer-Duschkopf zu stehen und zu hoffen, daß man keinen elektrischen Schlag bekommt. Nach der Ankunft und Begrüßung gab es noch eine einfache aber sehr gute Nachtmahlzeit, welche in einer überdachten Aussenküche auf selbstgebautem Lehmofen zubereitet wurde. Inzwischen war es wieder stockdunkel und mit Stirnlampe geht es zurück ins Nachbargebäude zu unserer Unterkunft, wo wir dann sehr müde ins Bett gefallen sind.