21.02.16 Tag 19: Als wir gestern am späten Nachmittag angekommen sind, haben wir uns trotz der sehr anstrengenden Anreise entschlossen noch einen Abendtrip zu wagen. Eines der absoluten Highlights in Laos, vorallem aus religöser Sicht, ist der Tempel Vat Phou Champasack, welcher sich ca. 40 km südlich von Pakse am Fuss des Phou Kao befindet. Es ist ursprünglich ein Hindu-Tempelkomplex welcher in der Khmer-Dynastie (10.-14. Jh.) eine zentrale Rolle gespielt hat. Die ältesten Teile des Tempels gehen zurück auf das 6. Jahrhundert. Seit 2001 ist der Tempel ein Weltkulturerbe. Immer am 15. Tag des 3. Monats des laotischen Mondkalenders (Makha Bousa) findet das Vat Phou Festival statt, welches zu den wichtigsten religösen Festen vorallem der inzwischen hauptsächlich buddhistischen Gläubigen (seit dem 14.Jh) zählt. Am gestrigen Samstagabend war der Höhepunkt des nächtlichen Vollmondfestes und da wollten wir natürlich trotz anstrengender Anreise mit dabei sein. Es waren Artisten-Shows, Hahnen-und Büffelkämpfe, eine Elefantenprozession und Konzerte mit vielen Musikern angekündigt. Allerdings standen wir mehr als 2 h total übermüdet im staubigen Stau und ein nächtlicher Stau mit Tausenden ausgelassen Laoten mitten in der Pampa, welche tagelang für dieses Fest angereist sind, kann man sich als Westeuropäer nicht so wirklich vorstellen. Wir haben irgendwann aufgegeben, haben in einer fast unmöglichen Aktion mitten im Getümmel gewendet und sind über 1,5 h nach Hause gefahren und wie tot ins Bett gefallen. Da das Festival sich über mehrere Tage zieht sind wir am folgenden Morgen nach einem leckeren Frühstück auf gemieteten Scootern wieder in Richtung Tempel aufgebrochen. Als Pilger kann man sich auf dem Weg zum Tempel an Strassenständen und fahrenden Garküchen problemlos verköstigen.

Irgendwann, einige Kilometer vor dem Ziel, reiht man sich in die endlosen Scooter-Schlangen ein und hofft beim Fest heraus zu kommen. Endlich am Ziel gibt es mit Stacheldraht gut gesicherte Areale auf welchen man sein Gefährt gegen Gebühr parken kann. Man bekommt eine Parkmarke mit Nummer, welche in einer Klatte zusammen mit der Nummertafel sauber dokumentiert wird und man wird eindringlich belehrt die Marke nicht zu verlieren, sonst geht man am Ende leer, sprich ohne Scooter nach Hause. Mutet schon fast deutsch organisiert an, aber halt inmitten laotischem Festtagstrubel. Wenn man dann noch sicher das Areal kletternd über den Stacheldraht verlassen hat, findet man sich mitten im Jahrmarkt entlang des Sees an welchem die Strasse in Richtung Tempel verläuft. Auf dem See finden über die ganzen Festivaltage verteilt Bootsrennen der unzähligen Dorfmannschaften statt. Als ich diese Zeilen schreibe und beim betrachten der Bilder meine Erinnerung aufleben, kann ich die Gerüche und die Hitze fast spüren, welche ihr leider nicht aus den Bilder erwecken könnt. Trotzdem nehmt euch die Zeit und lasst die Details auf euch wirken.

Die Tempelanlage ist in drei Teile aufgeteilt. Die als dachlos am Fuss des Berges liegenden Hallen, auch Paläste genannt, die Schreine auf halben Weg nach oben zum eigentlichen Heiligtum oben am Berg welche man über eine mit blühenden Frangipani-Bäumen gesäumte Treppe erreicht. Die Ernennung zum Weltkulturerbe hat etwas Geld eingebracht und es wurden die noch vorhandenen Steinblöcke numeriert und katalogisiert. Aber die begonnene Restauration ist doch sehr rudimentär und man hat ein komisches Gefühl wenn man sich innerhalb der Gänge und durch Holzbalken gestützte Durchgänge geht. Beim genauen Betrachten der feinen Steinmetzarbeiten erkennt man die Kunstfertigkeit welche die Jahrhunderte überdauert hat. Vat Phou gilt als der Ursprung der Stilrichtung in welcher das weltberühmte Angkor Wat im benachbarten Kambodscha von den Khmer errichtet wurde und ist daher kulturhistorisch fast wertvoller. Aber durch die lange Abschottung von Laos durch die kommunistische Regierung und den Unruhen durch den Vietnam-Krieg und das apokalyptische Chaos welches die roten Khmer heraufbeschworen haben, geriet diese Tempelanlage fast in Vergessenheit.

Wir reihen uns in den Pilgerstrom ein und kämpfen uns über die unregelmässigen Stufen der nur noch zum Teil existenten Treppe nach oben. Während wir uns auf den Aufstieg konzentrieren können, ist des Pilgers Pflicht an den vielen seitlich gelegenen Schreinen mit Gebeten, Blumen und Räucherstäbchen als Opfergaben, inne zu halten und sich bis zum Ende der Treppe und Erreichen des heiligsten Schreins oben am Berg, innerlich gereinigt zu haben. Buddhistische Nonnen in weißen Gewändern erteilen gegen eine Spende ihren Segen und man bekommt als sichtbares Zeichen des Segens einen weissen Bindfaden ans Handgelenk.

Die fast senkrecht über dem Areal stehende Sonne erzeugt eine auszehrende Hitze und wir sind froh als wir endlich oben ankommen und dem, ursprünglich Shiva geweihtem, zentralen Heiligtum gegenüberstehen. Auch an diesem Gebäude nagt der Zahn der Zeit und die alljährlich tausende Pilger und deren Opfergaben sind dem Erhalt auch nicht förderlich. Wir sind fast die einzigsten Ausländer und ohne Opfergaben in den Händen unterwegs, was aus Pilgersicht garnicht angeht. Deshalb wird Marion sofort von anderen Wartenden vor dem Tempel mit Räucherstäbchen ausgestattet. Die vier Buddhastatuen im Inneren sind so mit Rauch eingehüllt, daß man schon genau hinschauen muss um sie zu erkennen.

Jetzt ist dringend eine Pause angesagt und wir geniessem im Schatten, wie viele andere auch, die herrliche Aussicht auf die Seen, die untere Tempelanlage und das bunte Treiben auf dem Festplatz. Nach einiger Zeit machen wir uns auf die Suche nach dem Krokodilstein, welcher wohl früher als Opferstein für Menschen herhalten musste, wir fanden aber nur den Elefantenkopf. Auch bei diesem Rundgang sind es wieder die Kleinigkeiten die man entdeckt. Wie zb. der hochbetagte Senior, welcher ein Bild von sich im Tempel, frisch ausgedruckt, von seinem Sohn geschenkt bekommen hat und sich vor lauter Freude nicht satt sehen kann. Überall wird campiert, gegessen, Eis von Würfeln, gelagert in Reisspelzen, abgeschlagen und gemahlen, Tafeln mit Hinweis auf Müllvermeidung aufs sträflichste missachtet oder gegen Gebühr lautstark Gebete über Lautsprecher bestellt, damit auch alle Pilger am Berg etwas davon haben. Es ist immer wieder faszinierend wie sehr sich das Praktizieren des Glaubens zwischen West und Fernost unterscheidet. Während durch das vordere Tor ein nicht endender Pilgerstrom seine Opfergaben ablädt, entsorgen helfende Hände kontinuirlich die Blumen und Räucherwaren, ansonsten würde der Tempel aus allen Nähten platzen.

Es gibt kein Fleckchen Erde welches nicht durch ausruhende Pilger besetzt ist. Sie laben sich an exotischen Leckereien wie gekochten Hühnerfüsse und hinterlassen leider nicht unerhebliche Mengen an Müll. Junge Familien werden mittels eines bunt bemalten Wandteppichs aufgeklärt bzw. bekommen Erziehungstips (weil die Aufklärung zu spät kommt), während andere noch ein paar zusätzliche Segen von den Nonnen einsammeln. Irgendwann ist unser Kopfspeicher randvoll mit Eindrücken und wir verlassen die Tempelanlage, allerdings nicht ohne den leider totgetrampelten Skorpion am Geländeausgang zu bewundern.

Von unserem Lodgebesitzer haben wir den Tip bekommen, daß in Champasack ein paar Kilometer vom Tempel entfernt, direkt am Mekong, ein holländischer Auswanderer ein kleines Restaurant betreibt, in welchem man sehr gut und lecker essen gehen kann. Wir haben es auf der Rückfahrt auf Anhieb gefunden und uns ein Platz mit Blick auf den grossen Fluss gesichert und geniessen die leichte Brise. Zum Nudelgericht bzw. der Nudelsuppe wird "Maggi"-Würze gereicht, was des Schwaben Herz höher schlagen läßt.

Vorbei an kolonialen Villen mit Blick auf den Mekong gelangen wir am Ende des Dorfes zur Anlegestelle der Bootsfähren, welche Überfahrten auf die andere Flussseite anbieten. Von unserem holländischen Gastwirt haben wir den Tip bekommen, auf der anderen Mekongseite zurück nach Pakse zu fahren und er hat uns auch gleich auf die korrekte Gebühr für eine Überfahrt hingewiesen, welche am Ende des Verhandelns stehen sollte. So ausgerüstet ist das Verhandeln schnell erledigt und wir laden unsere Scooter auf das Boot und geniessen die Überquerung des Flusses.

Die Rückfahrt auf der anderen Mekongseite verläuft zuerst auf langen Strecken durch noch wenig erschlossenes Gebiet, allerdings schreitet auch hier die Brandrodung voran. Vorbei an immer wieder spannend anzusehenden Transportmitteln und Tempeln kommen wir nun über eine andere Ausfallstrasse wieder zurück nach Pakse. Bevor wir aber zu unserem Guesthouse fahren, machen wir noch einen Abstecher über die 1380m lange Lao-Nippon-Brücke (von Japan im Jahr 2000 für 48Mio $ finanziert) über den Mekong, auf deren anderer Seite ein riesiger sitzender Buddha auf dem Bergkamm thront (Vat Phou Salao temple). Dieser wäre über eine naga-verzierte Treppe erreichbar, allerdings wollen wir uns den Aufstieg heute nicht mehr antun, sondern nehmen wieder die Brücke zurück in die Innenstadt, vorbei am Champasak Palace Hotel, hinter welchem das riesige Marktviertel der Stadt liegt.

Zu den folgenden Bildern vom täglichen Markttreiben denke ich brauchen wir nicht viel schreiben. Viel Spass und "Klick the gallery":

Nach einer kurzen Ruhepause im klimatisierten Zimmer machen wir uns auf die Suche nach einem leckeren Abendessen. Zu unserer Überraschung finden wir in den nächsten Seitenstrasse eine kleine schnucklige italienische Trattoria, welche von einem ausgewanderten Toskaner mit Leidenschaft betrieben wird. Er importiert zusammen mit anderen Restaurants in der Hauptstadt Vientiane viele heimatliche Leckereien. Wenn man hier abends sitzt, mit dem Rotweinglas in der Hand und die leckere Bruschetta vor sich auf dem Tisch, kommt dies einem gemütlichen Abend in einer Seitengasse in Rom sehr nahe. Wir geniessen in vollen Zügen diese kleine Abwechslung von der laotischen Küche und fallen weintrunken in unsere Betten.

 

22.02.16 Tag 20: Fast 3 Wochen unseres Urlaubs liegen schon hinter uns und heute wollen wir zu unserem letzten Mehrtagestrip aufbrechen. Analog der Scooter-Rundreise in Nordthailand gibt es auch in Laos mehrere Loops. Der bekannteste ist die Rundreise auf dem Bolavenplateau. Das Plateau ist bekannt für die hohe Dichte an Wasserfällen, welche man anfahren und geniessen kann. In weiten Teilen des Plateaus, vorallem im Nordosten, ist ausser der Strassen-Infrastruktur der Rest noch sehr rudimentär erschlossen. Für Normaltouristen sind die Übernachtungsmöglichkeiten noch recht überschaubar und daher eher was für Rucksacktouristen. Die Tagesausflugbusse fahren zu den 3-4 bekannteren Wasserfällen auf der Strecke nach Paksong, welche wir uns zum Teil auch anschauen wollen, uns aber auch auf die weniger Besuchten im Hinterland freuen.

Auf der folgenden Karte ist unsere Reiseroute Pakse - Paksong - Sekong - Pakse eingezeichet. Rot eingekreist sind alle Wasserfälle, welche wir angefahren und besichtigt haben. In Paksong und Sekong (blauer Rand) haben wir übernachtet. Auf Grund der extremen Trockenheit sind viele Flüsse und Wasserfälle zum Teil trocken oder nur ein Rinnsal, weshalb wir die ursprünglich 4-5 Tagestour auf 3 Tage eingedampft haben, da sich der längere Aufenthalt nur an wenigen Wasserfällen gelohnt hat und wir daher mehr Strecke machen konnten.

Wie immer starten wir auch heute nach einem ausgiebigen Frühstück, bunkern unsere grossen Rucksäcke in einem abgeschlossenen Raum und flitzen mit kleinem Gepäck auf dem Rücken über die Ausfallstrasse hinaus in Richtung Paksong. Auch hier im Süden bieten die Händler entlang der Strasse ihre Waren an. Von Melonen, über Korbflechtarbeiten bis zum gut sortierten Obststand findet man alles vor. Ich hätte ja gerne eine handgeschmiedete Sichel oder frisch eingekochte Ananas-Marmelade gekauft, aber davon abgesehen, daß wir unseren Loop erst starten, haben wir auch keinen Platz in unseren Reise-Rucksäcken um all diese Souvenirs nach Hause zu bringen. So bleibt es leider beim Betrachten und den Handwerkern über die Schulter zu schauen. An der grossen Kreuzung (violetter Stern auf der Karte) an welcher sich unser Loop in den nächsten Tagen wieder schliessen wird, decken wir uns noch mit Bananen und frisch zubereiter Jackfruit ein.

Die Strasse in Richtung Paksong ist frisch geteert und bis auf einige am Strassenrand angebotenen wild gesammelten Orchideen zeigt sich wenig Abwechslung.

Bei KM 40 erreichen wir den ersten großen Wasserfall, Tad Yuang (Tad Gneuang Waterfall). Der Blick vom Wasserfall hinunter in den Talkessel ist schon sehr imposant und verheisst einen kräftezehrenden Ab- und Aufstieg. Inzwischen hat die Sonne ihre volle Tageskraft erreicht und auch wenn einem die beim Abstieg unterschiedlichen Sichten auf die Wasserkaskaden etwas ablenken ist es doch sehr anstrengend und man muss höllisch aufpassen, daß man bei der sehr unterschiedlichen Stufenhöhe immer einen guten Halt hat.

Unten angekommen, wird zuerst mal eine Runde geschwommen und wie immer überrascht einen die Wucht der fallenden Wassermassen. Während wir unser mitgebrachtes Obst nach dem Baden geniessen, trifft das Pärchen aus den USA, welches im Nachbarbungalow bei der Konglor-Cave gewohnt hat, ein. Sie haben sich ein Auto mit Fahrer gemietet und besuchen geführt nun einige Wasserfälle, bevor sie am nächsten Tag schon wieder in Richtung 1000 Islands weiterziehen. Ein Blick in die umgebende Botanik zeigt, daß sich auch hier in diesem feuchtnebligen Umfeld Orchideen sehr wohl fühlen und die großen Bäume überwuchern.

Nachdem wir den schweisstreibenden Aufstieg hinter uns gebracht haben, sind wir schon wieder badereif. Deshalb queren wir die Strasse und fahren den in der Nähe befindlichen Tad Champi (Champee, Thamchampy Waterfall, 38 km von Pakse aus) an und hoffen, daß dieser einfacher zu erreichen ist. Unser Gebete werden erhört und nach etwas staubiger Anfahrt, was wir inzwischen gewöhnt sind und nach kurzem Anmarsch öffnet sich ein Halbrund über dessen Kante das Wasser des Flusses stürzt.

Hier hat es noch weniger Besucher und kann das erfrischende Nass ausgiebig geniessen oder hinter den Wasserfällen einen Rundgang machen.

Irgendwann müssen wir auch wieder los und treffen bei KM43 (blauer Stern in der Karte) auf eine im Internet von anderen Loopfahrern empfohlenes Noodlesoup-Restaurant. Der Clou ist, daß die Besitzerin deutsch spricht, da sie vor 30 Jahren ein Restaurant in Zürich eröffnet hat, dieses inzwischen an den Nachwuchs übergeben hat und über die Winterzeit gemeinsam mit ihrer Schwester das Suppenrestaurant betreibt. Sie hat sich richtig gefreut, daß wir eingekehrt sind und während wir die wirklich lecker Nudelsuppe genossen haben, hat sie uns mit ihrer Lebensgeschichte unterhalten.

Auf der weiteren Fahrt nach Paksong gibt es neben getrocknetem Fleisch und wilden Orchideen auch die ersten Kaffee-Ernten vor den Hütten beim Trocknen zu sehen. In Paksong eingetroffen suchen wir die etwas versteckt liegenden Übernachtungsmöglichkeiten und entscheiden uns bevor es Dunkel wird für das Paksong Guesthouse, da die anderen Unterkünfte nicht so ansprechend waren. Das Haus wird von einer jungen laotischen Familie geführt und ist einigermassen sauber. Die Betten waren allerdings das härteste (mit Tuch bezogene Holzbretter) was wir bisher in unseren Urlauben vorgefunden haben. Den Abend haben wir mit Bier, Snacks von der Tanke, netten Gesprächen mit dem nach uns eingetroffenen jungen Studentenpärchen aus Berlin und einem gigantischen Vollmond, beendet. Das Pärchen hat sich ein altes Motorrad gekauft und Laos von Nord nach Süd durchquert. Der Grenzwechsel nach Kambodscha hat allerdings nicht funktioniert und deshalb probieren sie es nun mit einem Umweg über Vietnam nach Kambodscha zu kommen. Wir hoffen sie hatten Glück und viele unfallfreie Kilometer.

 

23.02.16 Tag 21: Heute nehmen wir die zweite Etappe zwischen Paksong und Sekong durch das östliche Hinterland in Angriff.

Ein Frühstück in Paksong war leider nicht zu bekommen, aber in der gegen-überliegenden Karaokebar bekommt Marion wenigstens sowas ähnliches wie einen Kaffee. Auf der weiteren Fahrt in Richtung östlich Ecke des Bolaven kommen wir nun in die angekündigten Kaffee-Anbaugebiete, für welche das Plateau bekannt ist und der Primärwald im grossen Stil gerodet und unwiederbringlich zerstört wird. Wie immer in der dritten Welt, sind es nicht die Einheimischen, welche den Profit aus der erzwungenen Umweltzerstörung haben, sondern ausländische Investoren, welche die Bewohner als billige "Arbeitssklaven" einstellen und den Erlös ins Ausland transferieren.

Ab dem Dorf Ban Nong Oy teilt sich die Strasse in eine neu geteerte Strasse und der alten Buschstrasse. Wir wollen das Abenteuer und da wir uns in der Trockenzeit befinden, dürften wir auch keine Probleme bekommen. Auf dieser Strasse ist in der feuchteren Jahreszeit kein Vorankommen wegen übermässigem Matsch, während uns die Staubhölle erwartet. Aber das merken wir erst nachdem wir mitten drin waren. Der erste heutige Wasserfall, Tad Alone, ist eher von der kleineren Sorte und lädt nicht gross zum Verweilen ein. Also geht es zügig über die staubige Piste in Richtung Tad Tayicseua durch den Busch. Hin und wieder müssen wir schnell die Strasse verlassen um der Staubwolke eines LKWs zu entkommen.

Als wir am Guesthouse des Tad Tayicseua (Tad Tayuek Seua, 92 km von Pakse aus) ankommen, können wir von einer Platform aus in der Ferne den imposanten Wasserfall sehen. Wir machen uns auch umgehend an den Abstieg und machen öfters eine Halt um zu entscheiden, ob wir wirklich noch weiter den steilen Abstieg durch die Bambushaine fortsetzen wollen, da wir da auch wieder hochkraxeln müssen. Mit etwas Überredungskunst konnte ich Marion überzeugen es zu wagen. Immer wieder gab es Abzweigungen zu weiteren Wasserfällen, aber wir blieben auf der Hauptroute.

Endlich unten angekommen öffnet sich das Tal mit einer gigantischen Flusslandschaft, welche einen einlädt sich der Klamotten zu entledigen und den Schweiss im Fluss abwaschen zu lassen. Durch den niedrigen Wasserstand war dies auch relativ problemlos machbar, in der Regenzeit sicher nicht zu empfehlen. Wir erkundeten noch die Landschaft flussaufwärts, aber ein Marsch in Richtung des grossen Wasserfalls war auf Grund der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr drin. Nach zwei Stunden mussten wir uns wieder an den Aufstieg machen und freuten uns auf ein Nudelgericht und kühle Getränke in der Lodge am oberen Ende des Pfades.

Zurück auf dem schwierig zu befahrenen Dschungelpfad hoffen wir irgendwann wieder auf eine normale Strasse zu stossen. Fünf Kilometer weiter trafen wir auf die neu geteerte Alternativroute und konnten ab jetzt mit höherer Geschwindigkeit reisen.

Als wir an die östliche Ecke des Plateaus kommen, treffen wir auf den Tad Katamtok (= Xe Katarm Waterfall), welcher allerdings nur über einen weiteren Dschungelpfad erreichbar ist. Marion war nicht mehr zu überreden einen weiteren Trip in den orchideenüberwucherten Baumbestand zu wagen und deshalb setzten wir unser Reise in Richtung Tad Fek fort, welcher ca. 14 km vor unserem heutigen Etappenziel Sekong liegt.

Vorbei an typischen Stelzendörfer, ausgetrockneten Flussbetten und neuzeitlichen, farblich auffallenden Häusern erreichten wir den Tad Fek. Wir wollten eigentlich noch eine Runde schwimmen, allerdings hatte das Wasser eine leicht milchige Farbe und lud deshalb nicht wirklich ein um darin zu baden. Da wir so langsam den anstrengenden Tag in den Knochen spürten, absolvierten wir noch den Rest nach Sekong und hatten auch hier wieder die Herausforderung eine adäquate Unterkunft zu finden. Nach längerer Suche haben wir uns für das Keovilay Guesthouse entschieden. Hier war trotz fehlendem WLan das Zimmer incl. Bad einigermassen sauber, allerdings startete die ganze Nacht im gleichmässigen Abstand eine Wasserpumpe, welche einen ruhigen Schlaf fast unmöglich machte. Bevor wir aber ins Bett sind, haben wir noch eine Restaurant aufgesucht und uns mit Händen und Füssen Pommes und Salat bestellt. Der Vollmond war auch wieder zu Besuch, allerdings war irgendwann die einsetzende obligatorische Karaoke-Musik schwer zu ertragen und wir suchten unseren Weg zurück zum Guesthouse.