18.02.16 Tag 16: Nachdem wir am Vorabend erst kurz vor "Nachtumschaltung" angekommen sind, hatten wir noch keine Chance das Areal zu besichtigen. Habe ich gleich vor dem Frühstück, wo noch alles in morgendlicher Stille liegt und Marion sich noch in den Laken räkelt erledigt. Wir sind froh, daß wir den Aufpreis für den Fluss-Bungalow investiert haben. Es ist absolut genial auf dem eigenen Balkon zu sitzen und den Fluss bzw. die Wildnis auf der anderen Flussseite zu unterschiedlichen Tageszeiten auf sich wirken zu lassen. Aber auch die Mountain-View-Bungalows im hinteren Teil des Geländes mit den gemeinsamen Toiletten und Duschen haben ein passendes Preis-Leistungsverhältnis. Es ist alles sehr sauber, aber der Fluss fehlt halt. smile Unten am Fluss sind flache Boote welche man jederzeit nutzen kann und wenn Sie nicht mehr dicht sind, werden Sie als Gemüsebeete weiterverwendet. Im benachbarten Dorf mitten in den Tabakfeldern findet bei für Einheimische frischen Morgentemperaturen auf der "Terasse" des Dorfmönchs eine Morgenandacht statt, bevor es wieder raus auf die Felder geht.

Nach einem leckeren Frühstück sind wir aufgebrochen um die Attraktion zu erkunden, weswegen wir hier im südlichen Zentralslaos Station machen. Die Kong Lor-Cave bzw. Tham Kong Lo ist ca. 7 km lang und kann per Boot durchfahren werden. Die größte Ausdehnung erreicht die Höhle mit 90 Metern Breite und 100 Metern Höhe und ist damit die größte erschlossene Höhle in Laos. Nachdem der Obolus bezahlt und die Schwimmweste empfangen ist, machen wir uns mit unserem Guide auf den Weg zu Höhle. Im Eingangsbereich liegen die flachen Boote bereit und nachdem die Lampe ausreichend Öl bekommen hat, geht es auch schon los.

Nach etwa 10min Fahrt in die stockdunkle Höhle erkennt man den hellen Schein von elektrischer Beleuchtung und erreicht die Hauptattraktion, in Reiseführern als Tempelkomplex bezeichnet. Man steigt aus, erklimmt über Treppen den oberen Teil der Höhle und wandelt durch eine faszinierende Welt von Stalagmiten und Stalaktiten. Geniesst die Bilder in Grossformat.

Im hinteren Teil der Höhle gibt es kleinere Stromschnellen, welche bei normalen Wasserstand problemlos überfahren werden können, allerdings herrscht aktuell starke Trockenheit und das heisst aussteigen und gemeinsam das Boot über die Hürde ziehen. Leider ist es im nichtbeleuchteten Teil der Höhle nicht möglich Bilder zu machen und daher geht die Berichterstattung wieder weiter, als wir die Sonne durch das hintere Höhlenportal leuchten sahen. Man schippert noch etwas auf dem Fluss und erreicht das Dorf Natane Village.

Die Einwohner des Dorfes haben inzwischen als Haupteinahmequelle den Erlös für ihre Erzeugnisse wie gewebte Schals, Tücher oder Erfrischungsgetränke welche Sie an die Touristen verkaufen. Für uns war das Dorf nicht wirklich interessant und deshalb haben wir unseren Bootsführer geschnappt und sind wieder zurück in die Höhle gefahren, vorbei an der vom Baden müden Büffelherde. Auf der Eingangseite wurde ein kleiner Badesee mit vielen Fischen aufgestaut, da wir aber am Nachmittag noch einen weiteren Ausflug geplant hatten, sind wir direkt zum Auto am Eingang zurück.

Im Reiseführer und im Internet haben wir gefunden, daß es in der Nähe noch eine riesige Höhle geben soll, welche noch viel länger (ca. 15km sind erst begangen worden) aber unerschlossen ist. Man kann die Tham Nam None nur während der Trockenzeit besichtigen, da ansonsten der Fluss einem das Eindringen schwer macht. Wir müssen von der Tham Kong Lo welche am Ende der Strasse liegt wieder 20 km zurück über die Dörfer fahren bis wir im gleichnamigen Dorf Ban Nam None am Straßenrand eine Hinweistafel wieder entdecken, nachdem wir sie vor 2 Tagen bei der Anfahrt schon bemerkt haben. Es soll nur 1 km bis zur beeindruckenden Felswand im Hintergrund gehen und zur dortigen Höhle. Wir haben am Strassenrand geparkt, sehen das trockene Flussbett, halten uns aber an das Hinweisschild in Richtung Weg durchs Dorf und die Felder. Im Nachhinein wären wir sicher schneller entlang dem Flussbett gewesen, hätten aber viel weniger gesehen und erlebt.

Wir sind ja mitten im Tabakanbaugebiet und haben überall in den Dörfern die hohen mit Lehm verputzten Gebäude gesehen. Meistens nur eine Eingangstür und seitlich ein Schlund mit Glut, in welchem ganze Baumstämme zum abbrennen geschoben werden. Nachdem wir mit Händen und Füssen gefragt haben, dürfen wir mal reinschauen. Der ganze Innenraum hängt voll mit Tabakblätter zum Trocknen. In dicken Röhren wird der heisse Raum durch den Innenraum geleitet und macht eine richtige Sauna daraus.

Langsam aber sicher kommen wir der mächtigen Wand entgegen und es ist sehr beeindruckend dann direkt davor bzw. unter den zackigen Auswüchsen zu stehen. Man erkennt beim Wandern entlang der schroffen Kulisse, wie über Jahrtausende der Regen den Kalkstein angegriffen hat. Überall sind auch die ebenfalls über Tausende von Jahren von oben nach unten gewachsenen Stalaktiten an den Überhängen zu sehen und man hat ein etwas mulmiges Gefühl direkt darunter durch zu gehen.

Als wir schon fast aufgeben wollten und dachten wir finden den Eingang der Höhle nie, treffen wir nachdem durchqueren von dichtem Buschwerk direkt auf das ausgetrocknete Flussbett und der riesige Schlund der Höhle tut sich vor uns auf. Man erkennt auf den Bildern wie winzig die Marion gegenüber dem Riss in der Wand bzw. dem links von ihr gewachsenen Baum ist und bekommt dadurch eine Eindruck wie riesig alleine schon der Eingang der Höhle ist. Es ist etwas beschwerlich auf den vom Wasser rundgeschliffenen Steinen in die Höhle einzudringen. Während ich noch beschäftigt bin bei den schwierigen Lichtverhältnissen, draussen gleissende Mittagssonne und drinnen schneller Übergang zu stockdunkel, ein paar gute Bilder mit Tiefenschärfe hinzubekommen, ruft mir Marion ich solle schnell kommen, Sie hat eine Schlange entdeckt. Normalerweise flüchten Schlangen wenn man in ihre Richtung trampelt aber diese hier war mindestens so neugierig wie wir und ließ sich bereitwillig aus der Nähe ablichten. Sie war aber leider die Einzigste in der Höhle und als wir sie beim Verlassen wieder versucht haben zu finden, war sie verschwunden. Wir sind nur ein paar hundert Meter in die Höhle vorgedrungen, da ab dem Punkt an welchen von aussen kein Licht mehr rankommt ein gefahrloses weiteres Vordringen nicht mehr möglich ist. Bei den Dimensionen der Höhle haben wir mit unseren Stirnlampen, welche viel zu schwach sind, keine Chance. Man tappt nur noch durch Dunkelheit und verliert mit der Zeit die Orientierung, da das schwache Lampenlicht keine Wand und keine Decke mehr erfasst. Schade, aber sollten wir mal wieder kommen, werden wir wie im Reiseführer empfohlen eine Tour mit einheimischen Guides organisieren und mit richtigem Equipment die Höhle weiter in die Tiefe erforschen.

Als wir die Höhle nach langem Zögern und mit einem wehmütigen Blick zurück zum Schlund, wieder verlassen, folgen wir zuerst dem Flusslauf, sind froh, daß die wohl doch recht reissenden Wasser, siehe den Busch am Flussufer, nicht fliessen. Nach kurzer Zeit ändern wir unsere Richtung und queren wieder die Felder und durch etwas andere Ausläufer des Dorfs Ban Nam None zurück zur Hauptstrasse.

Auf der Strasse zu unserem Pickup, kommen uns viele Kinder mit ihren Fahrräder nach Ende des Schulunterrichts entgegen und winken unter wackligem Fahrstil sogar freihändig. Ein paar Kilometer vor der Abfahrt zu unserer Lodge entdecke ich noch mitten in einem ausgetrocketen Reisfeld ein solitären Baum voll mit Orchideen. Den kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Den Spätnachmittag geniessen wir auf der Terrasse, bei leckeren Früchten und Keksen vom Markt und beobachten in der nachlassenden trägen Hitze die paddelnden Kinder auf dem Fluss.

 

19.02.16 Tag 17: Am nächsten Morgen treffen wir unsere neuen Nachbarn vom angrenzenden Bungalow beim Frühstück. Sie kommen aus dem Nordosten der USA und wir werden uns Tage später, Hunderte von Kilometer entfernt durch Zufall beim Schwimmen unter einem Wasserfall auf dem Bolaven-Plateau im Süden von Laos nochmal treffen. Aber bevor wir weiterreisen, haben wir noch einen ganzen Tag um die bergige Karst-Landschaft weiter zu erkunden. Da wir uns gestern hauptsächlich unterirdisch in Höhlen vergnügten, steht heute die Wanderung zu 2 Wasserfällen an, welche sich auf dem Höhenzug hinter der Ortschaft Khoun Kham (Na Hin) befinden. Also mit dem Auto zurück zum Abzweig an der Strasse 8, vorbei an Tabakfeldern bzw. Familien welche die Ernte zum Trocknen vorbereiten, dann nach rechts in Richtung Vietnam abgebogen bis nach Na Hin. Nach etwas Suchen haben wir das farbverschmierte Schild mit dem Hinweis auf einen der Wasserfälle entdeckt, in der Nähe am Strassenrand geparkt und dann auf einem kaum sichtbaren Pfad in den Wald eingedrungen.

Die Wasserfälle heissen Tad Namsanam und Tad Mouang. Der Pfad zum Tad Namsanam startet in der Nähe des Vat, während der nicht sofort erkennbare Pfad zum Tad Mouang bei dem farbverschmierten Schild startet. Wir folgen zu Beginn zwei Kunststoffrohren, welche wohl zur Wasserableitung direkt aus dem Wasserfall dienen. Wir kommen an Stellen vorbei, welche nach einem ausgetrockneten Flussbett aussehen, entdecken wieder Orchideen an den Bäumen und zu unserer besonderen Freude reiht sich ein Baumriese an den Anderen. Daß wir wohl auf dem richtigen Pfad unterwegs sind, erkennen wir daran, daß die Baumriesen Tafeln mit ihrem lateinischen Artnamen tragen. Oft wird das Dickicht so undurchdringlich, daß wir uns nicht sicher sind ob wir eine Abzweigung verpasst haben. Dann suchten wir den nächsten Riesen aus und wenn er beschriftet war, waren wir wieder "back to the route". Obwohl wir im Wald unterwegs waren, wurde es mit fortschreitender Tageszeit immer wärmer und die Steigungen wurden auch nicht weniger und kosteten viel Kraft.

Irgendwann ging es nicht mehr weiter nach oben und auch nach längerem Suchen gab es keinen erkennbaren Pfad der uns zum eigentlichen Wasserfall, falls er in der aktuellen Trockenzeit überhaupt sprudelt, führen würde. Ein Stück wieder zurück haben wir den zerbrochenen Wegweiser gen Westen auf dem Boden entdeckt und zwar zum Tad Namsanam dem anderen Wasserfall. Deshalb entschlossen wir uns in diese Richtung unser Glück zu probieren. Diese Entscheidung brachte wandertechnisch nicht wirklich die Erlösung, sondern führte querbeet, steil nach oben durch den Primärwald. Natürlich gab es auch hier wieder einiges an Bäumen, verdrehten Lianen und die Überreste der "mörderischen" Würgefeige zu entdecken.

Auch während den notwendigen Pausen gab es heruntergefallene Orchideen, tolle Schmetterlinge, Termitenhügel und Bäume welche sich mit fingerlangen, stachligen Auswüchsen verteidigen, zu entdecken. Leider haben wir auch bis mittags 15 Uhr den zweiten Wasserfall nicht entdeckt und haben uns deshalb wieder den Berg hinunter orientiert. Wir haben den eigentlichen Pfad unterwegs entdeckt und sind dadurch sehr zügig ins Tal gekommen. Etwas hinter dem Kloster im Wald haben wir dann auch die offizielle Abzweigungen zu den beiden Wasserfällen gefunden. Nun war es einfach zurück auf die Strasse und zum Auto zu gelangen. Summarum haben wir das eigentliche Ziel, nämlich erfrischend sprudelnde Wasserfälle nicht gefunden, aber die Baumriesen und der restliche urige Wald waren den Ausflug auf jeden Fall wert und zu empfehlen.

Auf der Rückfahrt nach dem anstrengenden Ausflug galt es immer wieder auf streunende Rinderherden, Schüler auf dem Nachhauseweg oder Geschwisterbespassungsausflügler zu umfahren.

Bis zum Abendessen genossen wir wieder die Ruhe auf dem Balkon mit Blick auf den Fluss bzw. in Richtung untergehende Sonne. Sowohl die Libellen, welche die letzten Wärmestrahlen tankten, als auch der Hauskater zeigten uns, wie man richtig relaxed. Irgendwann brach die Dunkelheit herein und wir freuten uns auf den leckeren Gemüseeintopf und das kühle Lao-Bier. Weitere Nachbarn mit welchen wir uns in den Tagen angefreundet hatten waren aus British Columbia im Westen von Kanada. Die Beiden sind immer mehrere Monate auf Reisen, haben ihre Laptops dabei und können auch von unterwegs einiges vom noch notwendigen Business erledigen. Sie haben uns eingeladen, wenn wir auf unserer geplanten Weltreise bei Ihnen vorbeikommen, daß wir einen Standplatz haben so lange wir bleiben wollen und herzlich willkommen sind. Sie wollen uns dann ihre tolle Landschaft (the wilderness) in welcher sie leben ausführlich zeigen. Wir freuen uns heute schon auf das Wiedersehen.

 

20.02.16 Tag 18: Leider muss man immer Abschied nehmen von liebgewonnen Plätzen und neu gefundenen Freunden, aber das ist eben die unangenehme Seite des Reisens. Nachdem wir uns von allen verabschiedet hatten, sind wir schon recht früh aufgebrochen, um die heute anstehenden über 550km nach Pakse in Angriff zu nehmen. Da wir immer mit dem schlimmsten Fall bezüglich der Strassenqualität rechnen, kann das ein sehr harter Tag werden.

Wir kämpfen uns zuerst wieder zurück auf die Route 8 und von dort durch die bergige Landschaft in Richtung Route 13 welche die Hauptstadt Vientiane mit Pakse verbindet. In der Ferne sehen wir Wolken welche über die Berge wallen, was in der aktuelle extrem trockenen Zeit ein seltenes Phänomen ist. Direkt an der Kreuzung auf die R13 decken wir uns noch mit Snacks für die lange Fahrt gen Süden ein.

Als wir an Savannakhet vorbeikommen sehen wir die zweite Friedensbrücke rüber nach Thailand. Die erste war in der Hauptstadt Vientiane. Wir überholen Pilger welche auf der Ladefläche in den Opfergaben untergehen, decken uns mit leckeren, zuckersüssen Bananen ein und verfolgen die mit Zuckerrohr überladenen LKWs bis zur Zuckerfabrik. Aber alle Überredenskünste mit Händen und Füssen helfen leider nicht, daß wir Zutritt bekommen und die Produktion anschauen dürfen. Als Tourist aus dem Westen ist man im kommunistischen Laos halt doch noch der Klassenfeind, welcher wahrscheinlich spioniert. Deshalb fahren wir einfach weiter, überholen an der südlichen Zentralkreuzung vorsichtig die landwirtschaftlichen "Grossgeräte" und sind wieder auf der Südtangente Richtung Pakse.

Die weitere Fahrt war landschaftlich eher unspektakulär, unterbrochen von Händlerständen am Strassenrand, Heimproduktionen von schnuckeligen Mülleimern aus alten Reifen, überschaubaren Tempelanlagen, trockener abgeernteten Äckern und gegen Ende der Reise mit unzähligen Pickups voll Arbeiter auf der abendlichen Heimfahrt.

Schlussendlich sind wir noch bei Tageslicht in Pakse angekommen und haben auf Anhieb unser Unterkunft für die nächsten Tage gefunden. Das Nangnoi Guesthouse, benannt nach der Frau des Hauses, ist in den meisten Reiseführern der Toptip, was wir nach unserem Aufenthalt uneingeschränkt bestätigen können. Die grossen, sauberen Zimmer sind für den aufgerufenen Preis mitten in der Stadt, aber ruhig gelegen, auf laotischem Niveau und daher noch eine wirklicher Tip. Man muss aber vor der Reise per email buchen, sonst hat man keine Chance. Der Service des Hausherrn an Infos für Ausflüge und Verleih von top gepflegten Mopeds ist erst Sahne.