16.02.16 Tag 14: Heute ist es endlich soweit, daß wir mit Bertrand Laville von Vientiane Orchidees in den 60km nördlich gelegenen Nationalpark Phou Khao Khouay fahren und dort auf einer Tour durch den subtropischen immergrünen Dipterocarpus-Regenwald hoffentlich viele verschiedene Orchideen zu sehen bekommen. Für alle, die mit Orchideen nichts am Hut haben, sind die folgenden Bilderserien vielleicht nicht so spannend:

Bertrand holt uns morgens am Hotel mit seinem wieder funktionierenden Pickup ab; unterwegs decken wir uns noch mit etwas Proviant ein und nach 1,5h erreichen wir das Dorf Ban Hatkhay, wo wir einen lokalen Guide treffen. Die angebotenen Touren haben u.a. das Ziel, die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Als zertifizierte Guides verdienen diese gutes Geld und plündern den Wald nicht mehr, sondern gehen selbst gegen Holz- bzw. Orchideendiebe vor.

Kaum sind wir in den Wald eingedrungen, kommen wir aus dem Staunen nicht heraus. Jeder Baum ist mit unterschiedlichsten Orchideen besetzt und egal wo wir hinschauen, sehen wir Unmengen dieser faszinierenden Gewächse. Leider sind wir 2 Monate zu spät dran. Im November und Dezember direkt nach der Regenzeit ist Blühhochsaison. Durch die jetzt im Februar schon wieder herrschende Trockenheit sind nur noch wenige Gattungen in Blüte.

Dafür lässt sich die Landschaft nicht lumpen. Schon nach mehreren hundert Metern öffnet sich ein riesiges Tal vor uns. Wir stehen oben auf einem trockenen Wasserfall und genießen die Aussicht.

Ab jetzt sind wir im Orchideenrausch. Überall entdecken wir neben epiphytisch (Baum/Strauch aufsitzend) wachsenden Arten auch lithophytisch (Stein besiedelnd) vorkommende Gattungen. Auf unserem Weg wechseln wir zwischen dichtem Bewuchs und Felsplateaus, über die in der Regenzeit reissende Flüsse rauschen. Manche Exemplare sind im Unterholz fast nicht auszumachen, während andere über Jahrzehnte ungestört wachsend, ausufernde Horste bzw. ganze Wiesen ausgebildet haben.

Einige Aufnahmen sind hier in die Bildgallerie aufgenommen, um dem geneigten Liebhaber die unterschiedlich vorgefundenen Habitate zu dokumentieren.

Unser Guide weist Bertrand immer wieder auf Pflanzen hin (er spricht leider nur laotisch), die dieser trotz unzähliger Touren noch immer neu entdeckt. Ansonsten begleitet er uns in stoischer Ruhe mit dem Mittagessen und Wasser im Gepäck, egal ob wir ausgiebig Zeit mit photografieren verbringen oder uns durch Bambuswälder mühen oder mit Orchideen bewachsene Felder durchqueren.

Manchmal muss man doch sehr nah ran, um die Schönheiten im Detail bewundern zu können.

Nicht immer ist es eine Orchideenblüte die wir im Unterholz entdecken. Aber weiter gehts mit der nächsten Bilderserie.

Endlich geht es auf die Mittagszeit zu und wir machen einen Pause. Es ist inzwischen sehr heiss und die gesamte bisherige Strecke über Stock und Stein fordert doch ihren Tribut. Es gibt zum klassischen Sticky Rice (Klebreis) aus dem Bastkorb verschiedene Beilagen. Gekochtes kleingeschnittenes Gemüse, Ei mit Kräutern, scharfgewürztes Hühnchenfleisch in Marinade und auf dem Teller in der Mitte eine rattenscharfe Dipsauce aus Eierfrucht und Chilies. Man formt aus dem Klebreis wie mit Knetmasse kleine Rollen und ist diese als Brotersatz zu den Beilagen oder tunkt sie in die Sauce. Absolut lecker aber viel zu viel bei dieser Hitze.

Und weiter gehts. Am Nachmittag marschieren wir in einem grossen Bogen wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Als Schlusspunkt unserer Tour kommen wir zum Tad Xai-Wasserfall, welcher oberhalb im Zufluss sich durch weiche Stellen im Fels gefressen hat und an seinem Grund ein natürliches Becken zum Schwimmen geschaffen hat. Da der Monsun schon mehrere Monate entfernt ist, ist es bei der nun geringen Wassermenge gefahrlos unter den Wasserfall zu schwimmen und die Aushöhlungen hinter der Wasservorhang zu erkunden. Aber zuerst kommt der steile Abstieg durch den Wald am Rand, weil das Klettern am Wasserfall zu gefährlich ist.

Auf der Rückfahrt aus dem Nationalpark kommen wir an kahlen Kapok-Bäumen voll mit noch geschlossenen Früchten vorbei. Direkt ausserhalb der geschützten Waldfläche stehen die grossen Holzlaster und transportieren die Urwaldriesen ab, welche dem Bau eines Staudammes weichen müssen, damit Laos billigen Strom nach China liefern kann. Und jetzt ratet mal wer den Bau des Damms finanziert und gleich auch noch den lästigen Abfall Tropenholz entsorgt.

Auf der Rückfahrt kommen wir im Norden von Vientiane am kleinen Eiffelturm vorbei und steuern als Abschluss der Tour die Orchideengärtnerei von Bertrand und seiner Schwester an. Von aussen ist nicht zu erkennen welches schmucke Refugium sich die Schwester hier geschaffen hat.

Ihr könnt sicher nachvollziehen wie erschöpft wir nach diesem tollen, aber sehr anstrengenden Tag waren. Nicht nur die Beine schmerzten, sondern auch der Kopfspeicher war übersättigt mit Bildern und Eindrücken. Nach einer kurzen Pause im Hotel haben wir uns nochmal, nach einer erfrischenden Dusche, in das nächste Dreiradtaxi geworfen und sind zu einem Restaurant in einer Seitengasse von Vientiane gefahren, welches uns Bertrand ans Herz gelegt hat. Wir wurden nicht enttäuscht und genossen in romantischem Ambiente typische laotische Gerichte. Shrimps mit Bohnen in Marinade, Hähnchenfleisch mit Gemüse in Cashewkernsauce und dazu das laotische Nationalgericht Larb aus Hühnchenfleisch mit viel Minze und Bohnen.

Die folgende Info zu Larb habe ich auf der Internetseite Asia Streetfood gefunden und hier zitiert:

Larb, Laab oder Lahb bedeutet angeblich in der Sprache der Lanna, ehemalige Bewohner von Nordthailand, einfach nur "gehacktes Fleisch". Aber es mehr als gehacktes Fleisch, es ist eine wundervoll ausgewogene Mischung aus Fleisch oder Fisch zusammen mit Gewürzen wie Zitronengras und Galgant, Kräutern wie Minze und Koriander, scharfen Chilis, säuerlichen Limetten und geröstetem Reis.

Larb ist also eigentlich ein Salat, zu dem außerdem noch rohe Gemüse wie Schlangenbohnen, Gurken, Weißkohl und frische Kräuter serviert werden. Gegessen wird Larb immer mit Klebreis, den man zu kleinen Bällchen formt, ein Loch hineindrückt und als Löffel verwendet.

Die Varianten von Larb sind zahllos: Man kann es mit Rind- und Schweinefleisch, mit Hähnchen, mit Ente, mit Fisch aber auch vegetarisch mit Tofu zubereiten. Dazu kann man wahlweise noch verschiedene Innereien wie Herz und Leber verwenden, in einigen Rezepten wird auch Schweineblut verlangt. Auch kann man es roh oder kurz gekocht – blanchiert – servieren.

Aber keine Angst vor rohem Fleisch oder Fisch: Durch die Zugabe von Limettensaft wird auch dieses nämlich sanft gegart. Ähnlich wie beim Kochen findet durch die Säure eine Denaturierung des Eiweißes statt.

 

17.02.16 Tag 15: Nicht nur die jungen Mönche haben ihre Behälter voll mit Essen nach der morgendlichen Runde durchs Revier, auch wir bedienen uns vom reichhaltigen Angebot des Frühstückbuffet. Dann gilt es unsere Habseligkeiten wieder alle in die Rucksäcke rein zu bekommen, das Auto bei Avis abzuholen und uns auf die nächste Etappe Richtung KongLor-Cave zu machen.

Bevor wir aber Vientiane in Richtung Süden verlassen, besuchen wir That Luang. Der "ehrwürdige Stupa" ist das Nationalsymbol und bedeutendste religiöse Monument des Landes. Muss man also gesehen haben. Wir haben Glück und so früh morgens ist noch fast nichts los und wir können die Tempelanlage in Ruhe geniessen.

Überall auf dem Gelände blühen die Frangipani-Bäume, warten Photographen auf einheimische Touristen, welche einen Farbausdruck ihres Besuches gleich nach Hause nehmen wollen und streichen die jungen Novizen die Stellen an welchen die Farbe abblättert.

Auf dem Weg raus aus der Stadt bin ich aus Versehen nach links abgebogen und habe wohl ein Verbotsschild übersehen. Obwohl ich mehrere andere Fahrzeuge vor mir abbiegen sah, kommt dann schon der Verdacht aus, daß die Polizei-Kontrolle mit über 20 Polizisten ihr Geld mit Touristen verdient. Trotz zähen Verhandlungen in rudimentären Englisch und Einschalten des Avis-Büros über Telefon, beharrte der Oberbeamte auf der Strafe von umgerechnet 8 Euro. Das hört sich nicht nach viel an, ist aber in Laos für diese Bagatelle doch ein stolzer Preis und riecht, da es natürlich auch keine Quittung gab, doch etwas nach Strassenraub. Wir haben schlussendlich bezahlt, weil wir wollten nicht unnötig Zeit vergeuden. Entlang der Ausfallstrasse haben wir diesen Baumstammhändler entdeckt. Macht sich als zentraler Stamm im Haus sicher nicht schlecht. TimberKings lassen grüßen.

Etwa 80km östlich von Vientiane befinden sich rechts und links der Hauptroute Nr. 13 zwei Tempelanlagen, von denen Vat Phrabat eine der wichtigsten Pilgestätten der Provinz ist. Im Tempel bzw. im Sim hinter dem Stupa (s. Bild 2) befindet sich (mal wieder) ein Fußabdruck von Buddha (phra bat). (Zitat aus Stefan Loose,Laos S. 372: "Der Abdruck stammt vom rechten Fuß und weist in Richtung Mekong. In seiner Mitte befinden sich die Glücksymbole, darunter das Rad der Lehre, die der Erleuchtete auf Handflächen und Fußsohlen gehabt haben soll."). Das Innere des Tempels ist überladen mit Prunk, mannigfachen Darstellungen aus dem Leben Buddhas und der Fußabdruck selber befindet sich innerhalb eines schmuckbehangenen "Tabernakels".

Etwas weiter auf der Straße biegt ein 3-4km langer Feldweg in zum Teil miserablen Zustand in Richtung Mekongufer ab und bringt uns etwas eingestaubt zum Vat Phonsan. Es gibt 3 verschiedene Naga-bewehrte Treppen hinauf zum Tempel. Hier sehen wir zum ersten Mal eine Naga (mystische Schlange) mit einem Elefantenkopf.

Auf der Haupttreppe wird eine ältere Dame und ihre Tochter von einem Trupp Mönche nach oben begleitet und darum nehmen wir eine der Nebentreppen und geniessen gleichzeitig den Ausblick auf den Mekong. Nach dem die Greisin direkt vor der Buddhastatue platziert ist, die Mönche sich in meditativer Haltung begeben haben, startet die Tochter "dezent" den CD-Player mit Musik welche das Gebet wohl unterstützen soll. Ausserhalb erkennt man an den Ecken des Tempels die alten, inzwischen zum Schutz überbauten Stupas. Bevor wir weiterfahren nutzen wir noch die sanitären Anlagen am Fuß des Tempels, welche aber wie zu erwarten nur von aussen renoviert aussehen. So auch die rudimentäre Wasserversorgung zur Händereinigung.

Auf der weiteren Fahrt gen Süden erkennt man immer anhand der Händlerstände was im Umland gefangen oder angebaut wird. Von getrockenetem Fisch über Mais, Rettiche und Zuckerrohr bekommt man alles. Wir haben gekühltes,frisch geschältes, in mundgerechte Portionen zubereitetes Zuckerrohr besorgt. Extrem süß das Zeug.

Neben immer wechselnden Aussichten auf den Grenzfluss Mekong, entdeckt man auch kreativ erstellte Hochbeete. Je weiter wir südlich kommen desto mehr sehen wir den exzessiven Anbau von der stärkehaltigen Wurzelknolle Maniok, welche gehäckselt überall zum Trockenen ausliegt. Leider haben wir es auf den ganzen Reise nicht geschafft eine Fabrik zu finden, in welcher daraus die Stärke gewonnen wird. Das Problem mit Maniok ist, daß es fast überall wächst, aber die Böden auslaugt und auf den Äckern hinterher nichts mehr richtig wachsen will. Und da fast jeder Bauer inzwischen, von der kommunistische Riege aufgefordert, Maniok anbaut, ist der Preis so immer Keller, daß es sich eigentlich nicht rentiert.

Nach 2/3 der heutigen Etappe erreichen wir die für den südlichen Teil von Laos so typische Karstberglandschaft, welche auch über der Grenze den zentralen Teil von Vietnam prägt. Diese Kalksteinberge sind seit Jahrtausenden der Erosion und Auswaschungen des Regens ausgesetzt und dementsprechend sehen sie zerklüftet aus und enthalten vorallem, warum wir das heutige Ziel ansteuern, riesige Höhlen.

Kaum von der Hauptroute abgebogen wird die Fahrt deutlich durch den Strassenzustand ausgebremst. Auf einem Pass machen wir an einem überdachten Rastplatz mit phänomenale Sicht auf die Karstlandschaft eine Pause um uns von der anstrengenden Fahrerei etwas zu entspannen. Aber nicht nur uns, sondern auch die einheimischen Rastsuchenden, beeindruckt die Aussicht. Wobei man wie immer leider nicht die Stimmung welche die Tiefe und Weite der leicht dunstverhangenden spätnachmittäglichen Aussicht hervorruft in Bildern einfangen kann, sondern immer mit der im Kopf abgespeicherten Erinnerung verknüpfen muss.

Nach unzähligen Brücken aus Kolonialzeit und durchquerten Dörfern kommt so langsam die Dämmerung auf und wir sind nun auf klar östlichem Kurs in Richtung Vietnam, welches man an den bolzengrad ausgerichteten Stromtrassen ins Nachbarland erkennen kann. Waren die Dörfer bis dato noch recht stabil gebaut, kommen wir jetzt immer mehr ins Hinterland in welchem die Hütten immer baufälliger erscheinen und man sich fragt wo die Bewohner während der Monsunzeit unterkommen. In der ganzen Gegend wird fast ausschliesslich Tabak angebaut und verarbeitet. Als wir endlich am Hinweisschild für unser angestrebtes Resort kommen, versinkt die Sonne auch schon wieder sehr malerisch hinter den Bergen.

Mit dem letzten Tageslicht beziehen wir den Bungalow Nr. 3 direkt über dem Fluss. Kaum ausgepackt wird auch draussen schon wieder der grosse Lichtschalter umgelegt. Auf dem Weg zum Haupthaus können wir die fleissigen Arbeiter auf der Ameisenautobahn noch bewundern, bevor wir uns mit leckerem Essen aus der Küche für unser Tagwerk belohnen und das schon fast kitschige Ambiente geniessen.