06.02.16 Tag 4: Bei unseren vorangegangenen Asienreisen sind wir oft mit einem lokalen Guide und Fahrzeug unterwegs gewesen. Dieses Mal wollen wir das Land noch intensiver erleben, flexibel sein, die Geschwindigkeit selber beeinflussen und spontane Entscheidungen vor Ort treffen.

Da wir leidenschaftliche Motorradfahrer sind und in vielen Reiseberichten über Nordthailand immer wieder auf die Beschreibung des sogenannten "Mae Hong Son Loops" gestoßen sind, ist die Entscheidung schnell gefallen: Das machen wir auch.

Auf der folgenden Karte ist der von uns gefahrene Loop dargestellt; Die Route kann individuell geändert und gestaltet werden. Wir nehmen uns 5 Tage für die Rundreise. Auf Grund der tollen Erfahrung vom Vortag mit den Scootern bestellen wir kurzerhand die vorab gebuchten schweren Motorräder ab und verlängern die Scooter für die erforderlichen Tage. Unsere Bigpacks können wir kostenlos in unserem Guesthouse deponieren, was in den meisten Guesthouses kostenlos oder gegen eine kleine Gebühr angeboten wird. So sind auch wir mit sehr reduziertem Gepäck im Daypacker in den nächsten Tagen unterwegs.

Unser erstes Tagesziel soll die Tham Lot Cave Lodge in Pang Mapha sein, wo wir einen kleinen Bungalow telefonisch reserviert haben. Wir verlassen Chiangmai gen Osten Richtung Pai. Nach ca. 20km der erste Stop bei der OrchideenGärtnerei Sai Nam Phung: Ziel vieler Reisebusse aus Chiangmai. Wir verzetteln uns etwas bei der Anfahrt, was uns einiges an Zeit kostet, die uns gegen Abend noch fehlen wird. Laut Internet soll die OrchideenGärtnerei eine der größten in Thailand sein. Diese Beschreibung ist definitiv falsch; da haben wir schon deutlich größere in Thailand besichtigt. Hauptsächlich zu sehen: Vandeen in allen erdenklichen Farben und zum Teil in sehenswerter Größe, einige Heliconien, kugelig rot blühender Ingwer, die Oldtimer-Sammlung des Besitzers und einen vergitterten Blick in die Flaschen-Kinderstube der nächsten Orchideengeneration . Aber seht selbst....

Zurück durch Reisfelder auf die 107 von welcher wir nach weiteren 20km links auf die 1095 in Richtung Norden abbiegen und nach nochmaligen 20km den Mork Fa Wasserfall als nächsten Stoppunkt erreichen.

Die Anfahrt geht durch wild wuchernde Bambuswälder, mit herausfordernden Steigungen immer weiter weg von der Hauptroute. Nach ca. 20min erreichen wir das kleine Ranger-Büro, wo wir unsere Scooter parken können, den Eintrittspreis bezahlen und dann Richtung Wasserfall marschieren. Vorbei an der einen oder anderen schönen Blüte, Orchideen am Baumstamm, leider ohne Blüte, und achtbeinige Räuberinnen im selbstgesponnenen Haus. Nachdem wir den herrlich im Wald gelegenen Wasserfall erreicht haben, gibt es kein Halten mehr und zur Erfrischung geht es direkt unter die Urwalddusche....

Durch die Pause etwas erholt, satteln wir wieder unser Gefährt und weiter geht es Richtung Norden. Die Landschaft wird immer hügeliger und die zum Teil frisch asphaltierte Straße schlängelt sich mit erheblichen Steigungen und Serpentinen durch den grünen Dschungel. An der Straße begegnet man Einheimischen bei der Erdbeerernte, was man in dieser exotischen Umgebung eigentlich nicht erwartet. Die eine oder andere schmucke Tempelanlage darf natürlich unterwegs auch nicht fehlen.F

Obwohl der Nachmittag schon weit fortgeschritten ist, haben wir immer noch knapp 100km vor uns. Ab jetzt gilt es auf die Tube zu drücken und mal richtig Strecke zu machen, soweit es die Straßenverhältnisse zu lassen. In regelmässigen Abständen treffen wir auf Bautrupps mit großem Gerät und kilometerlange Abschnitte sind nur einseitig befahrbar.

Während die Straße zum Teil Primärwald durchschneidet, ist das eine oder andere Tal zwischen den Hügeln bis zur Hügelspitze abgeholzt und wird landwirtschaftlich stark genutzt wie z.B. für den Knoblauchanbau. Die Sonne verabschiedet sich inzwischen sehr farbintensiv hinter jeder Hügelkette und wir müssen uns sputen, da in diesen Breitengraden die Nacht fast ohne Dämmerphase hereinbricht.

Vorallem aber wollen wir eigentlich während der Dämmerung den Höhleneingang der Tham Lot Cave erreichen, um wie in einigen Berichten beschrieben, die Fledermäuse zu beobachten, wenn sie zum Nachteinsatz die Höhle schwarmweise verlassen. Wir haben es auf den letzten Drücker geschafft, mit den Stirnlampen bewaffnet bis zur Dunkelheit gewartet und leider nur eine Handvoll Flattermänner gesehen. Nachdem wir dann endlich bei hereingebrochener Nacht in der Lodge eingetroffen sind, erklärt uns der Besitzer, dass es leider nicht so ist wie oft beschrieben, sondern wirklich nur einzelne Tiere zu beobachten sind. Schade, wo wir uns doch so beeilt hatten.

Einchecken, Bambushütte beziehen, Abendessen frisch aus dem Wok (inkl. zwei leckeren frischgebackenen Muffins). Feierabendbier in der offenen Lobby der Lodge mit Urwaldgeräuschen aus dem nahen Wald nach einem anstrengenden Tag.

 

07.02.16 Tag 5: Nach einer überraschend kühlen Nacht im Bambusbungalow - es ist halt doch erst Februar - ist der erste Weg hoch zum Haupthaus, um heißen Tee und Frühstück zu ordern. Da wir am Abend vorher bei Dunkelheit angereist sind: Erstmal orientieren. So früh ist noch recht wenig los und wir können uns in Ruhe all die Informationen durchlesen mit denen die Wände tapeziert sind und die in der Rezeption ausliegen: Tourenbeschreibungen, Saunaangebote, Interessantes zu Land und Leuten, und die Speisekarte.

Hier noch ein paar Bilder von unserem Bungalow mit Blick von unserem Balkon, sowohl zu den Nachbarn als auch zum Fluss runter. Mückenschutz Mutter Natur: Patroullierende große Seidenspinnen der Gattung Nephila ausserhalb unserer Hütte bzw. direkt vor unserem Balkon. Obwohl ich (Peter) leicht arachnophob bin, finde ich es immer wieder faszinierend, diese tollen, völlig ungefährlichen Spinnen aus der Nähe zu beobachten.

Bewegende Bilder: Unsere Freundin auf Patrouille:

Nachdem wir uns doch einiges an Zeit fürs Frühstück und Info-Input gegönnt haben, gilt es nun die heutigen Aktivitäten in Angriff zu nehmen, vorallem den Standort-Vorteil der Lodge in der Nähe der Tham Lot-Höhle zu nutzen, bevor die Touri-Busse eintreffen. 5Min später sind wir schon am Parkeingang, der Eintritt ist bezahlt und eine Führerin mit großer Petroliumlampe begleitet uns auf dem Weg zum Eingang der Höhle. Wer noch nicht gefrühstückt hat oder nach der Höhlentour Hunger verspürt, kann sich die ganze Vielfalt der thailändischen Küche in Essensbuden am Rande des Parkplatzes zubereiten lassen.

Als die Lampe endlich brennt und ich es geschafft habe, auf dem schmalen, wackligen Bambusfloß mit der Kamera in der Hand auf einem kleinen Holzschemel Platz zu nehmen, ohne bei den gut genährten Fischen zu landen, kann die Reise in die Unterwelt losgehen.

Auch an dieser Stelle gilt: In Ruhe die Bilder ansehen der über Jahrtausende gewachsenen Kalksteinstrukturen. Leider ist es mit unserer Kameraausrüstung und der dürftigen Ausleuchtung nicht möglich die sehr beeindruckenden Ausmaße der Höhle aufs Bild zu bannen. Wir haben in Europa schon einige Höhlen besichtigt und finden, die Tham Lot kann locker mithalten, stellt die meisten sogar in den Schatten; absolut sehenswert und eine Reise wert.

Wie in Bild 4 zu sehen, Steinformationen in denen der Betrachter Tiere (hier: Elefant...) erkennen kann. Der noch jugendliche Stalagmit im letzten Bild ist immerhin schon mehrere hundert Jahre alt (Wachstum 8 bis 15 Millimeter pro 100 Jahre). Wie in allen Höhlen weltweit gilt auch hier die Regel: Verbleiben auf den vorgegebenen Pfaden, um diese empfindlichen Strukturen nicht zu zerstören.

Nachdem 1/3 der Höhle auf dem Fluss wie durch Hades Unterwelt befahren ist, heißt es aussteigen und über Bambusbrücken bzw. Holztreppen die weitläufigen Nebenhöhlen zu erkunden, welche zum Teil recht hoch liegen. Die folgenden Bildern lassen erahnen wie hoch wir uns befinden, sehen wir uns die Lampen auf den Flößen unten am Fluss an.

Auch hier tief unter der Erde gibt es beeindruckende Wächterinnen surprisedsurprisedsurprised

Nach über 6km Dunkelheit, sehen wir wieder Tageslicht: Durch den riesigen Torbogen des hinteren Höhleneingangs fällt das gleißende Licht der tropischen Sonne. Auch an diesem Ende der Höhle gibt es im Dachbereich tolle Kalksteinstrukturen zu entdecken, erreichbar über anstrengende Treppenaufstiege - eine dank der bereits herrschenden sehr sommerlichen Temperaturen schweisstreibende Angelegenheit. Man muss hier etwas aufpassen, da das Holz und der Höhlenboden reichlich mit Guano überzogen ist von den hier lebenden Schwalbenschwärmen. Im Bereich dieses Höhlenabschnitts sind viele historische Fundstücke entdeckt worden, z.B. Reste von Holzbooten, die nachweislich bezeugen, dass diese Höhle schon seit mehreren tausend Jahren von Menschen genutzt wird.

Eine kurze Pause an der frischen Luft (der Guanogestank raubt einem schon etwas den Atem) und es geht mit dem Bambusfloß gegen die Strömung wieder zurück durch die Höhle zum Ausgangspunkt. Man erkennt, dass der Fluss etwas aufgestaut wird, damit vorallem jetzt in der Trockenzeit die Flöße genügend Wasser unterm Kiel haben. Rundum ist der Höhlenbesuch ein tolles Erlebnis gewesen und wir sind uns sicher, dass wir nochmal reingehen werden, sollten wir wieder in der Nähe sein.

Zurück in der Lodge, gerade mal Highnoon, und somit reichlich Zeit für einen Ausflug mit dem Scooter Richtung Nordosten zu einem Tempel mit einem riesigem goldenen Buddha. Wir suchen uns den Weg vorbei an Bäumen, deren Früchte direkt aus dem Stamm wachsen (Maulbeer-Feige = Ficus sycomorus), an blütenübersäten Hofeinfahrten und kleinen Dörfern verstreut in der Landschaft.. Hin und wieder müssen wir umdrehen, wenn wir an den schlechten Straßenverhältnissen merken, dass wir die falsche Abzweigung erwischt haben. Wir navigieren anhand einer etwas verblichenen Kopie einer Handzeichnung aus der Lodge. sealed

Auf den folgenden Bildern ist dokumentiert, warum wir, wie an den meisten Tagen, keine großen Strecken zurücklegen. Es gibt sovieles am Wegesrand zu entdecken, besonders als Orchideenliebhaber in einem Land, in dem diese Pflanzen nahezu auf jedem Baum wachsen. Daher ist die folgende Fotostrecke speziell für die Liebhaber der Gattung Orchidaceae. Es gibt leider nur wenige Blüten zu bestaunen, aber man sieht wie die unterschiedlichen Arten von Dendrobium, Coelegyne und Bulbophyllum am Naturstandort wachsen.

Die meisten Ansammlungen entdeckt man auf kahlen Bäumen: Die Populationen besiedeln diese horsthartig; einige Bäume sind sogar von unten bis oben komplett mit Orchideen überwuchert. Somit durchaus nachvollziehbar, dass Nichtkenner der Orchideengattung zu der Meinung kommen, dass es sich um Schmarotzer wie die Mistel handeln muss und nicht um Aufsitzerpflanzen - was natürlich nicht stimmt.

Nicht nur die vielen Fotostopps, auch die zum Teil miserablen und gefährlichen Zustände der Straßen sind für das langsame Vorankommen verantwortlich. Endlich entdecken wir in Huai Hang, einem Dorf der Shan (eines der zahlreichen Bergvölker des Dreiländerecks Thailand/Myanmar/Laos), ein Hinweisschild zum Tempel Wat Hua Lang. Kaum sind wir aus dem Dorf raus, vorbei an blühenden Bäumen und beeindruckenden Termitenbauten in Astgabeln, sehen wir von einer Anhöhe aus in der Ferne schon den majestätischen goldenen Buddha in der Mittagssonne aus dem Bergwald glänzen.

Die Fahrt geht noch ein gutes Stück auf der einzigen Zugangsstraße auf und ab durch Bambuswälder und dichte Vegetation. Zur Belohnung haben wir dann den Tempel fast für uns ganz alleine. Aber nur fast, denn der Tempel ist für drei kleine Jungs der ideale Abenteuerspielplatz.

Auf dem Rückweg, wir sind zum Tempel auf einer Einbahnstraße unterwegs gewesen, biegen wir hinter Huai Hang rechts in Richtung Nordwesten ab und versuchen uns mit einem Loop zurück in Richtung Pang Mapha durchzuschlagen. Wir fahren somit die Ränder unserer Kartenkopie hinaus in völlig unbekanntes Land - ohne Navigation - aber mehr Adventure.

Neben der kontinuierlichen Herausforderung durch die miserablen Straßenverhältnisse haben wir es dann auch manchmal unmittelbart hinter einer Kurve mit einem Familienverband von Wasserbüffeln zu tun. Eigentlich friedliche Tiere, wird es durchaus spannend, wenn der Weg schmal ist und Jungtiere dabei sind. Unterwegs sammeln wir noch einen englischen Touristen ein, ebenfalls mit Scooter auf Entdeckungsreise. Er hat sich verfahren. Mitten im Wald - weit weg von Mensch und Technik - hilft uns dann das I-phone mit Kompass und Google-Maps dabei, nicht noch weiter nach Norden Richtung Myanmar abzudriften. Über mehrere Dörfer kommen wir nach Baan (Dorf) Mae Lana und damit wieder an einen bekannten Fixpunkt.

Inzwischen ist der Nachmittag schon fortgeschritten. Um Baan Mae Lana herum gibt es in den Karstbergen einige Höhlen zu besichtigen oder alternativ weiter fahren über die bewaldeten Hügel Richtung Norden zur Grenze von Myanmar.

Der Versuch mit Einheimischen diese beiden Ideen zu diskutieren verläuft auf Grund sprachlicher Inkompatibilität schnell im Sande. Toll und auch spaßig, wie wir uns alle bemüht haben. Fraglich, ob wir um diese Zeit noch einen Führer für die Höhlen auftreiben können, entscheiden wir uns für die Fahrt an die Grenze nach Ban Pang Kam (ca. 20km), um noch mehr von der Ursprünglichkeit dieses Teils des Goldenen Dreiecks zu erleben.

Vorbei an provisorisch gesicherten Pannenfahrzeugen, Dörfern versteckt in der Landschaft, weitere orchideenüberwucherte Bäume, immer wieder überraschende Straßenzustände, kleine Pässe mit toller Aussicht auf die Hügelwelt drüben in Myanmar, kommen wir der Grenze immer näher.

Unser Tankinhalt geht rapide zur Neige und die Sonne arbeitet sich hinunter zum Horizont. Darum heißt es für uns in Ban Pang Kam Sprit zu finden und umzudrehen, damit wir nicht in der Nacht den Weg nach Hause suchen müssen. Bis jetzt werden wir immer freundlich durch jede Straßensperre durchgewunken. Ob das so problemlos an der Grenze bzw. Grenznähe funktioniert wollen wir jetzt nicht testen.

Ganz am Ende des Grenzörtchens Ban Pang Kam finden wir in einem kleinen Schuppen noch eine in ländlichen Gegenden üblichen Fass-Tankstelle und lassen nach viel Zeichensprache die ausgehandelte Menge Sprit in unsere Tanks fließen.

Wir als Touristen sind hier DIE Attraktion. Der Tankwart ruft gleich seine Schwester in Chiangmai an und berichtet ihr über dieses außergewöhnliche Ereignis. Währenddessen entdeckt Marion am Telegrafenmasten eine blühende Orchidee. Auch dies wird erstaunt vom Tankwart registriert und persönlich überprüft. Vorallem das große Interesse unsererseits erstaunt ihn, da ja rundherum auf den Bäumen Unmengen dieser Pflanzen wachsen. Zu guter letzt werden noch einige Erinnerungsfotos gemacht in gemischter Gruppenzusammenstellung. Nun müssen wir auch schon wieder los. Schade - diese herzlichen Begegnungen sind das Salz in der Suppe jeder Entdeckungsreise in einem fremden Land.

Die Zeit rennt und wir müssen uns zwingen nicht ständig anzuhalten, um die herrlichen Aussichten von den Bergkuppen zu geniessen; weiter gehts: der untergehenden Sonne entgegen. Aus erhöhter Position können wir die Straße vor uns im dichten Wald erkennen. Die zum Teil dünenartigen, unterschenkeltiefen Staub/Sand-Ansammlungen über mehrere Kilometer sind mörderisch wenn die Sicht schwindet.

Aber wir werden fast eine Stunde lang mit Sonnenuntergangsszenarien in allen Farbschattierungen belohnt.

Zum Schluss noch ein paar Bilder von der Rückreise und den Verkaufsständen am Wegesrand. Reis in allen Varianten, Honig in Flaschen und handgewebte Schals findet man im überschaubaren Sortiment mit welchen sich die Frauen dieser Bergvölker etwas Geld dazu verdienen. In Pang Mapha kurz vor dem Ziel gehen wir noch auf den lokalen Nachtmarkt um ein paar Knabbereien und Süssigkeiten zu kaufen. In der Lodge angekommen geniessen wir wieder das Feierabendbier und die tolle Gesellschaft von Steffi und Ralf aus der Pfalz, mit denen wir die Erlebnisse des Tages austauschen.